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Private Krankenversicherung Beitragserhöhung (BAP)

W√§hrend die Leistungen in der privaten Krankenversicherung ein Leben lang garantiert werden, gilt dies f√ľr den zu zahlenden Beitrag nicht. Dieser kann sich im Laufe der Versicherungszeit ver√§ndern.¬†Die Gr√ľnde daf√ľr sind vielf√§ltig und nicht nur auf einen¬†sich im Laufe der Zeit ver√§ndernden Faktor zur√ľckzuf√ľhren.

 

Info-Video zu Preisanpassungen der Krankenversicherung

  • Wie Sie richtig reagieren
  • Ursachen f√ľr steigende Beitr√§ge
  • Auswege aus der Kostenspirale


Beitragsanpassungen in der¬†privaten Krankenversicherung¬†werden fast jedes Jahr in einzelnen Tarifen vor¬≠genommen.¬†Die Anpassungen der Pr√§mien¬†gehen dabei auf¬†Ver√§n¬≠de¬≠run¬≠gen zur√ľck, die bei der Vertrags¬≠¬≠unter¬≠zeichnung von seiten der Ver¬≠sicherer nicht oder nur schwer vorhersehbar waren. M√∂gliche Ver√§nderungen sind zum Beispiel eine h√∂here Lebenserwartung als angenommen oder auch Leistungsausgaben, die h√∂her als erwartet ausfallen. Zust√§ndig f√ľr die Beitragskalkulation sind Aktuare oder Versicherungs¬≠mathematiker, die viele Faktoren ber√ľcksichtigen m√ľssen bei der Kalkulation der Beitr√§ge. Dabei m√ľssen sie sich an die¬†Rechtsgrundlagen halten, die im Versicherungs¬≠aufsichts¬≠gesetz (VAG), der¬†Kalkulationsverordnung (KalV) in der PKV¬†(siehe PDF) sowie im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) vorgegeben sind.

Private Krankenversicherung¬†‚Äď Kalkulation und Beitragserh√∂hung

√úber mehrere Jahre standen diverse private Krankenversicherungen (Liste) im Fokus von Gerichten. Etliche Versicherungsnehmer versuchten, sich gegen einzelne private Krankenversicherungen und deren zum Teil erhebliche Beitragserh√∂hungen zu wehren. Einer der Hauptstreitpunkte war, dass bei einigen der versicherungsmathema¬≠tischen Treuh√§nder die wirtschaftliche Unabh√§ngigkeit von den zu pr√ľfenden Versicherungsgesellschaften fraglich war. Kl√§ger und Beklagte beriefen sich dabei auf unterschiedliche Gesetze als Argumentationsgrundlage.

Treuh√§nder¬†√ľberpr√ľfen und kontrollieren die Faktoren, die sich f√ľr die Kalkulation des Tarifs ver√§ndert haben. Weiterhin pr√ľfen Sie, ob dabei die rechtlichen Vorgaben eingehalten wurden. Als Voraussetzungen f√ľr diese Pr√ľfung gilt, dass sie fachlich versiert, zuverl√§ssig und unabh√§ngig sind von dem Versicherer, f√ľr den die Beurteilung erfolgt. Die rechtliche Aufsicht √ľber die Treuh√§nder der Versicherungen hat die¬†Bundesanstalt f√ľr Finanzdienstleistungsaufsicht¬†(BaFin).¬† Sie pr√ľft und bestellt die Versicherungsmathematiker. Derzeit sind 16 Treuh√§nder zugelassen, welche die Tarife von 43 Versicherungen pr√ľfen. In den letzten 10 Jahren wurde laut Bundesregierung nur einer der Sachverst√§ndigen abgelehnt.

Als Grundlage f√ľr die Kalkulation des Beitrags in einem bestimmten Tarif gelten zahlreiche Statistiken und mathematische Formeln. Au√üerdem liegen der Berechnung gewisse Prinzipien zugrunde. Dazu geh√∂rt, dass die Mitglieder in einem Tarif als Kollektiv betrachtet werden, in dem die Gesunden f√ľr die Kranken einstehen. Au√üerdem soll jeder Versicherte den Versicherungsschutz bekommen, den er ben√∂tigt. Ein weiteres Prinzip ist, dass jede Altersgruppe f√ľr sich selbst vorsorgt, ohne j√ľngere Generationen zu belasten.

Kommt es w√§hrend der Laufzeit eines Vertrags zu einer¬†Abweichung zwischen den tats√§ch¬≠lichen und kalkulierten Leistungsausgaben eines Tarifs, k√∂nnen die Beitr√§ge entsprechend angepasst werden. Wie es das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) vorgibt, kommt eine Beitrags¬≠erh√∂hung jedoch nur in Frage, sofern die tats√§chlichen Kosten die kalku¬≠lierten Kosten um mehr als 10 Prozent √ľbersteigen oder sich die angenommene Sterbewahrscheinlichkeit innerhalb eines Tarifs um mehr als 5 Prozent erh√∂ht.

Beitragserh√∂hung in der PKV ‚Äď Dr. Knut Pilz im Interview zum BGH-Urteil

Wiederholt kam es zu Klagen gegen m√∂gliche unwirksame Beitragserh√∂hungen privater Krankenversicherer. Aufgrund eines nicht unabh√§ngigen Treuh√§nders in der PKV stand die AXA 2017 vor Gericht. F√ľr Schlagzeilen innerhalb der PKV-Branche sorgte j√ľngst auch das Urteil zur DKV Beitragsanpassung. Beide Gerichtsurteile sind jedoch noch nicht rechtskr√§ftig. Weitere Klagen sind bereits gegen die Allianz Krankenversicherung AG und die Signal Iduna eingereicht worden.

Ende August 2018 entschied jedoch das Oberlandesgericht Celle zugunsten der AXA. Damit erfolgte erstmals ein Urteil durch ein Obergericht f√ľr die private Krankenversicherung. Das OLG Celle vertritt die Auffassung, dass die Unabh√§ngigkeit der Treuh√§nder nicht ausschlaggebend f√ľr die Zul√§ssigkeit der Pr√§mienerh√∂hungen sei.

Infografik zum Treuhänderstreit
Bereits lang erwartet, f√§llte der Bundesgerichtshof (BGH) sein Urteil im PKV-Treuh√§nderstreit am 19. Dezember 2018: Die Zivilgerichte sind nicht zust√§ndig f√ľr die Pr√ľfung der PKV-Treuh√§nder.¬† Das ist und bleibt Aufgabe der Aufsichtsbeh√∂rde BaFin. Damit ist der sogenannte Treuh√§nderstreit beigelegt. Die Pr√ľfung der Pr√§mienan¬≠pas¬≠sun¬≠gen in dem Fall (IV ZR 255/17) wurde an das Landgericht Potsdam zur√ľckgegeben zur erneuten Untersuchung und Pr√ľfung.

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Klagen im Fall der Beitragserhöhung der Axa

Das ist die Situation:

In seinem Urteil stellt das Amtsgericht Potsdam fest, dass die Beitragserh√∂hungen der AXA Krankenversicherung AG des Kl√§gers unwirksam seien. Dies gilt f√ľr die Anpassungen in der Krankentagegeldversicherung im Jahre 2012 und der Krankheitskostenversicherung im Jahr 2013 des Kl√§gers.

Im Urteil hei√üt es:¬†‚ÄěDie genannten Beitragserh√∂hungen sind jedenfalls deshalb unwirksam, weil es an einer ordnungs¬≠gem√§√üen Zustimmungserkl√§rung eines unabh√§ngigen Treuh√§nders fehlt. Das folgt aus ¬ß 203 Abs. 2 S. 1 VVG. […] Er muss insbesondere, wie dies ¬ß 12b Abs. 3 VAG a.F. ausdr√ľcklich bestimmt, vom Versicherungs¬≠unter¬≠nehmen unabh√§ngig sein. Das war hingegen bei dem Treuh√§nder nicht der Fall.‚ÄĚ

Mit diesem Urteil wollte sich die AXA nicht zufrieden geben, daher legte sie Berufungsklage beim Bundesgerichtshof (BGH) ein.

Am 20. August 2018 nahm sich das Oberlandesgericht Celle dem Fall an und entschied zugunsten der AXA. Am 19. Dezember wird der BGH zu der Thematik der Prämienanpassungen verhandeln.

Das sind die Urteile:

Oberlandesgericht Celle AZ 8 U 57/18
Amtsgericht Potsdam AZ 29 C 122/16
Landgericht Berlin AZ 23 O 264/16
Landgericht Potsdam AZ 6 S 80/16
Bundesgerichtshof IV ZR 255/17 (Pressemitteilung)
Die Urteile sind z.T. noch nicht rechtskräftig.

Klagen im Fall der Beitragserhöhung der DKV

Das ist die Situation:

Das Landgericht Frankfurt (Oder) stellte in seinem Urteil fest, dass die Erhöhung des PKV-Beitrags der DKV unwirksam ist. Der Kläger ist damit nicht zur Zahlung des erhöhten Beitrags in der Krankheits­kosten­versicherung und in der Kranken­tagegeldversicherung im Zeitraum von 2015 bis 2017 verpflichtet.

Im Urteil dazu hei√üt es u.a.:¬†‚ÄěDer Kl√§ger hat Anspruch […], denn die streitgegenst√§ndlichen Pr√§mienerh√∂hungen sind unwirksam.¬†[…] Vorliegend sind bereits die formellen Voraussetzungen der wirksamen Pr√§mienerh√∂hung nicht erf√ľllt.¬†[…] Es fehlt an der gem√§√ü ¬ß 203 Abs. 5 VVG erforderlichen Mitteilung des Versicherers ‚Äěder ma√ügeblichen Gr√ľnde” f√ľr die beabsichtigte Neufestsetzung oder √Ąnderung der Pr√§mie. […]

Eine solche Mitteilung findet sich weder in den urspr√ľng¬≠lichen Erh√∂hungsschreiben, noch in den auf die R√ľckfor¬≠derung des Kl√§gers hin versandten ‚ÄěBeilegern”.¬†[…] Im vorliegenden Fall hat die Beklagte dem Kl√§ger […] lediglich mitgeteilt, dass die Gesundheitskosten gestiegen sind. […] Dies ist allerdings nicht ausreichend […] und […] geeignet, […] die Vorstellung zu wecken, dass die Pr√§mien bei jeder √Ąnderung beliebig von dem Versicherer angepasst werden k√∂nnen.

Das sind die Urteile:

LG Koblenz AZ 16 O 247/16
LG Frankfurt (Oder), 4. Zivilkammer AZ 14 O 203/16
Die Urteile sind teilweise noch nicht rechtskräftig.

Statements von Fachanw√§lten f√ľr Versicherungsrecht und weiteren Fachexperten

Auf Nachfrage der Krankenkassen-Zentrale teilte uns Dr. Knut Pilz, Rechtsanwalt und Fach¬≠anwalt f√ľr Versicherungs¬≠recht aus Berlin mit, dass bereits mehr als 1500 Anfragen von Mandanten zur Problematik einer m√∂glicherweise zu Unrecht erhobenen Beitragser¬≠h√∂hung vorlagen und gepr√ľft wurden. Wesentlich mehr Privatversicherte haben bei der Kanzlei angefragt. Laut Aussage von Dr. Pilz wurden bisher im Laufe der letzten Jahre etwa 50 Urteile zur PKV Beitragserh√∂hung erstritten.

Dr. K. Pilz, Pilz Wesser & Partner Rechtsanwälte mbB, Berlin

‚ÄěVorst√§nde in der PKV sind massiv in der Pflicht, Belege vorzulegen und zwar ohne, dass der Aktuar vorgeladen werden muss. Gibt es keine gesicherten Beweismittel im Hause der PKV, f√ľhrt dies zum Verdacht einer PKV-Manager¬≠haftung. [‚Ķ] Es befindet sich ein Entwurf f√ľr eine Musterfest¬≠stellungsklage seitens der Regierung in Vorbereitung. Inkasso-Unternehmen werden sich dann finden, die das Ganze k√ľnftig f√ľr den Kunden abwickeln; ein Drohszenario‚Äú, so Dr. Fiala gegen√ľber der Krankenkassen-Zentrale.

Dr. J. Fiala, Rechtsanwaltskanzlei Dr. Johannes Fiala, M√ľnchen

Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V.:

Sonderk√ľndigungsrecht bei Beitragserh√∂hungen¬†‚Äď Das k√∂nnen Sie tun!

Wer von Beitragssteigerungen betroffen ist, hat unterschiedliche Optionen darauf zu reagieren. Grunds√§tzlich aber haben Versicherte ab der Bekanntgabe der Anpassung ein¬†Sonderk√ľndigungsrecht, das erlaubt, noch vor Ende der Vertrags¬≠laufzeit zu k√ľndigen. Die K√ľndigung muss dabei sp√§testens einen Tag vor Inkrafttreten der Preissteigerungen beim Anbieter vorliegen. Ein¬†Anbieterwechsel¬†sollte durch den Wegfall der Altersr√ľckstellungen allerdings wohl√ľberlegt sein.

Was tun gegen steigende Beiträge? 5 Handlungsoptionen

Betroffene haben verschiedene Hand¬≠lungsoptionen, um den steigenden Bei¬≠tr√§gen zu entgehen. Denn nicht alle Unternehmen und Tarife sind gleich stark von den PKV-Beitragsanpassungen be¬≠troffen. F√ľr einige Policen gibt es sogar Beitragssenkungen. Das k√∂nnen Versicherte nutzen, deren Beitr√§ge steigen. Allerdings: Je nach Alter und Tarif sind unter¬≠schiedliche Gegenma√ünahmen sinnvoll.

Wechsel

1. Den PKV-Anbieter wechseln

Erh√∂ht die private Krankenversicherung j√§hrlich sp√ľrbar die Beitr√§ge, erscheint ein¬†PKV Wechsel¬†zu einem anderen Versicherungsunternehmen durchaus sinnvoll.¬†Jedoch lohnt sich solch ein Wechsel meist nur f√ľr Per¬≠so¬≠nen, die erst wenige Jahre privat versichert sind. Die¬†Hauptgr√ľnde:

  • Es erfolgt eine erneute Gesundheitspr√ľfung
  • Inzwischen aufgetretene Krankheiten k√∂nnen zu Risikoaufschl√§gen oder Leistungsausschl√ľssen f√ľhren.
  • Die¬†angesparten Altersr√ľckstellungen¬†f√ľrs Alter¬†k√∂nnen nicht vollst√§ndig mitgenommen werden, wodurch h√∂here Beitr√§ge entstehen.

Tarifwechsel

2. Tarif beim eigenen Unternehmen wechseln

Der Wechsel zu einem anderen Tarif¬†des eigenen Anbieters¬†ist in vielen F√§llen lohnenswert. Vor allem weil die Altersr√ľckstellung vollst√§ndig √ľbertragen werden kann. Viele Versicherer bringen von Zeit zu Zeit neue Tarife auf den Markt, die attraktive Konditionen bieten.
Hinweis:¬†Das Wechselrecht innerhalb der eigenen Versicherung gilt nur f√ľr ‚Äúgleichartige Tarife‚ÄĚ. Bei Tarifen, deren Leistungs¬≠umfang √ľber dem bisherigen liegt, kann die Versicherung den Wechsel ablehnen. Es besteht aber die M√∂glichkeit Mehrleistungen vertraglich auszuschlie√üen oder eine¬†erneute Gesundheitspr√ľfung¬†nur f√ľr die Mehrleistung¬†abzulegen.

Aktuelle Tarife und g√ľnstige Beitr√§ge finden oder PKV-Beitr√§ge senken und Leistungen beibehalten:

Tarife genau vergleichen!
Wer zu einem anderen privaten Versicherer oder intern zu einem anderen Tarif wechseln möchte, sollte nicht nur die Beiträge vergleichen, sondern auch die Leistungen sowie die Entwicklungen der Beiträge im Laufe der Jahre im Blick haben.

Optionen mit kurzfristiger Ersparnis bei Leistungsnachteilen

Folgende Optionen bringen zwar eine kurzfristige Ersparnis, sind aber mit deutlichen Nachteilen bei der Versorgung verbunden. Selbst wenn Versicherungen oder Makler diese Schritte empfehlen, sollten Versicherte besonders genau abwägen. Oft sind diese Möglichkeiten später mit höheren Kosten im Krankheitsfall verbunden.

Euro

3. Selbstbehalt erhöhen

Die Kosten in der privaten Krankenversicherung sinken mitunter erheblich durch die Erhöhung des Sebstbehalts  РIn manchen Fällen sogar so stark, dass Versicherte auch dann weniger zahlen, wenn Behandlungs- und Arzneikosten laut Tarif selbst zu zahlen sind. Die Beitragsersparnis lässt sich folgendermaßen berechnen:

Vor allem f√ľr¬†Selbst√§ndige in der Privatkasse¬†lohnt diese Option. Angestellte hingegen teilen sich den Beitrag mit dem Arbeitgeber, nicht aber den Selbstbehalt.¬†Versicherte sollten diesen Schritt aber nur w√§hlen, wenn sie finanziell in der Lage sind, den vollen Selbstbehalt im Ernstfall wirklich zu zahlen.¬†Sp√§ter den Eigenbeitrag wieder zu reduzieren ist nur selten m√∂glich.

Beitraege

4. Leistungen senken

Der Verzicht auf Leistungen kann einige Ersparnisse bewirken. Ein Beispiel: Bereits die Umstellung vom Ein- aufs Zweibett¬≠zimmer bei Aufenthalten im Krankenhaus kann bis zu 30 Euro Ersparnis monatlich erzielen. Wer ganz auf Sonderbehandlungen im Krankenhaus verzichtet, kann sogar noch einiges mehr einsparen. Wie bei der Reduzierung des Selbstbehaltes gilt aber auch hier: W√§gen Sie gut ab, bevor Sie bestimmte Risiken aus Ihrem Leistungskatalog streichen!¬†Denn Kosten f√ľr einmal reduzierte Leistungen m√ľssen Sie im Ernstfall selbst tragen!

Gesetzliche Krankenversicherung

5. Wechsel zur GKV

Die¬†R√ľckkehr in die GKV¬†ist mit strengen Auflagen verbunden und kommt nur f√ľr Versicherte in Frage, deren¬†Einkommen regelm√§√üig unter die sogenannte
Versicherungspflichtgrenze¬†von 5.062,50 Euro (Stand 2019) monatlich f√§llt. Versicherte sollten sich bewusst dar√ľber sein, dass auch die gesetzliche Krankenversicherung immer wieder von Beitragserh√∂hungen oder Leistungsreduzierungen betroffen ist. F√ľr √úber-55-J√§hrige ist dieser Schritt g√§nzlich versperrt. Hier lohnt eher ein¬†Tarifwechsel innerhalb der bisherigen Versicherungsgesellschaft.

K√ľndigung der Krankenversicherung ausgeschlossen
Eine K√ľndigung der privaten Krankenversicherung ohne anschlie√üenden Krankenversicherungsschutz ist in Deutschland seit 2009 nicht mehr m√∂glich. Seither gilt die¬†gesetzliche Krankenversicherungspflicht f√ľr alle Versicherten.

Beitragsentwicklung und Beitragsstabilität in der privaten Krankenversicherung

Experten sagen f√ľr die Beitr√§ge in der PKV weitere Beitragserh√∂hungen voraus. Dies liegt unter anderem am demografischen Wandel, der auch mit steigenden Gesundheitskosten verbunden ist. Vor allem aber ist die derzeitige schlechte Kapitalmarktlage mit verantwortlich und die damit einhergehende niedrige Verzinsung der Altersr√ľckstellungen. Das Gesetz allerdings verbietet es den Versicherern, die Preise sukzessive und damit langsam anzuheben.

Bislang muss f√ľr Beitragserh√∂hungen erst eine bestimmte Grenze bei den Gesundheitsausgaben √ľberschritten werden. Viele Kunden der privaten Krankenversicherung haben so in den n√§chsten Jahren Beitragserh√∂hungen im zweistelligen Prozentbereich zu bef√ľrchten, manche privat Versicherte werden nahezu jedes Jahr mit Beitragsanpassungen konfrontiert. In einem unserer Magazin-Beitr√§ge zum Thema ist nachzulesen,¬†wie Beitragserh√∂hungen in der PKV berechenbarer, moderater und flexibler werden k√∂nnten.

Einer der Hauptgr√ľnde f√ľr die stetig steigenden Beitr√§ge ist der¬†demografische Wandel.¬†Hinzu kommen gravierende Ver√§nderungen in der gesellschaftlichen Altersstruktur:

2060 mindestens 65 Jahre alt: 34%

2060 wird jeder Dritte (34%) mindestens 65 Jahre alt sein und es werden doppelt so viele 70-Jährige leben, wie Kinder geboren werden.

Immer √§ltere Menschen nehmen immer mehr und immer l√§nger medizinische Leistungen in Anspruch, wodurch die Kosten f√ľr die Krankenversicherungen deutlich steigen. R√ľckstellungen f√ľr das Alter¬†sind speziell in¬†besonders g√ľnstigen privaten Einsteiger¬≠tarifen, wie dem¬†Basistarif,¬†meist nicht ausreichend auf den Kostendruck im Gesundheitswesen ausgerichtet.

Es gibt auf kalkulatorischer Ebene keine direkte Verkn√ľpfung der Verwendung der¬†Alters¬≠r√ľck¬≠stellungen mit dem Renten¬≠eintritt.¬†Dies bedeutet aber nicht, dass es keine Entlastungen der Beitragszahlungen rund um den Renten¬≠eintritt geben kann. So entf√§llt zum Beispiel der Beitragsanteil f√ľr das Kranken¬≠tagegeld. Zudem f√§llt der gesetzliche 10%-Zuschlag weg. Um k√ľnftige Beitrags¬≠erh√∂hungen zu minimieren, werden die Altersr√ľckstellungen eingesetzt.

Beitragsstabilität der PKV-Versicherer im Blick

VergleichenNeben dem Preis, den Leistungen und dem Service ist auch die Beitragsentwicklung eines Versicherers ein wichtiger Indikator bei der Wahl der richtigen privaten Krankenversicherung. Hat ein Anbieter seine Pr√§mien dauerhaft auf einem √§hnlichen Niveau halten k√∂nnen, ist das zwar keine Garantie, aber ein Indiz daf√ľr, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird. Informationen zur Beitragsstabilit√§t erhalten Versicherungsnehmer durch Testberichte oder Ratings unabh√§ngiger Test- oder Ratingagenturen. Zudem k√∂nnen auch¬†Tarifvergleiche und Beitragsrechner Hinweise geben.

Beitragsentwicklung der letzten Jahre

Kunde bei Pr√ľfung der Beitragsentwicklung Wie das IGES-Institut ermittelt hat, sind die Beitr√§ge f√ľr privat Versi¬≠cherte von 1997 bis 2009 pro Kopf um etwa 55 Prozent gestiegen. Einen genauen, durchschnittlichen Wert f√ľr die Beitragsentwicklungen in der privaten Krankenversicherung zu erhalten ist jedoch sehr schwie¬≠rig, da unterschiedliche Daten zu den j√§hrlichen Beitragsan¬≠passungen vorliegen. Folgende Statistiken pflegen die¬†Versicherungsaufsicht Bafin¬†und der PKV-Spitzenverband:

Jahr Beitragserhöhungen nach Bafin Beitragserhöhungen laut PKV-Branche
2010 7,27 Prozent 3,73 Prozent
2009 3,37 Prozent 4,61 Prozent
2008 3,93 Prozent 6,72 Prozent
2007 3,69 Prozent 6,05 Prozent
2006 4,92 Prozent 3,13 Prozent
2005 3,89 Prozent 4,53 Prozent
2004 7,50 Prozent 4,79 Prozent
2003 7,63 Prozent 3,87 Prozent

Quelle: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE
(Anfrage als PDF) ‚Äď Drucksache 17/9227 ‚Äď ‚ÄěBeitragssteigerungen bei privaten Krankenversicherungen‚Äú

Anstieg 1997‚Äď2009 pro Kopf

55 %

Gr√ľnde f√ľr steigende Kosten

  • Steigende √Ąrzte- und Krankenhaushonorare
  • Teurer werdende medizinische Leistungen
  • Steigende Arzneimittelausgaben
  • Hohe Verwaltungs- und Abschlusskosten
  • Beitragsausf√§lle durch Zahlungss√§umige
  • Schlechte Situation auf dem Kapitalmarkt
  • Einf√ľhrung der neuen Unisex-Tarife
  • Demografischer Wandel in Deutschland

Morgen & Morgen haben dar√ľber hinaus folgende Daten √ľber die Beitrags¬≠erh√∂hungen in den letzten zehn Jahren erhoben:

Frauen:

Absolute Beitragserh√∂hung:¬†272 bis 4.096¬†‚ā¨
Prozentuale Beitragserhöhung: 0,7 bis 12,4%

Männer:

Absolute Beitragserh√∂hung: 113 bis 4.475¬†‚ā¨
Prozentuale Beitragserhöhung: 0,5 bis 8,2%

Beitragserhöhungen, Senkungen des Beitrags & Beitragsgarantien der Anbieter


Neben Erh√∂hungen sprechen einige Versicherer¬†Beitragsgarantien¬†aus, die als Kriterium f√ľr eine gute PKV sprechen k√∂nnen. Die Gesellschaften garantieren f√ľr ausgew√§hlte¬†Berufsgruppen¬†und Tarife meist f√ľr ein oder zwei Jahre eine Beitragsstabilit√§t. Manche Versicherte k√∂nnen sich sogar √ľber Beitragssenkungen in ihren Tarifen freuen.

HUK Coburg & DKV: Beitragserhöhung zum April

Die meisten Versicherer passen ihre Beitr√§ge j√§hrlich jeweils zum 1. Januar an. Einige wenige, wie die HUK, aber auch die DKV, nehmen ihre Beitragsan¬≠passun¬≠gen erst zum 01. April vor. Beitragserh√∂hungen zum Fr√ľhjahr ‚Äď nach dem Herbst die 2. gro√üe Welle ‚Äď treten meist zum 1. April und in einer dritten Welle zum 1. Mai in Kraft.

Niedrigszinsen als Risiko f√ľr Beitragsanpassungen

Die anhaltende Niedrigszinsphase an den Kapitalm√§rkten (PDF) bringt auch die privaten Krankenversicherer in Bedr√§ngnis. Die¬†Altersr√ľckstellungen, die die Versicherer ansparen m√ľssen, um h√∂here Kosten im Alter abzufedern, werden¬†als Kapitalreserve angelegt¬†und verzinst. Der daf√ľr vorgesehene¬†Rechnungs¬≠zins¬†lag lange bei 3,5 Prozent, kann mittlerweile aber nicht mehr ausreichend verzinst werden und wurde von den meisten Versicherern bereits abgesenkt. Eine geringere Verzinsung der Altersr√ľckstellungen kann letztlich Beitragserh√∂hungen zur Folge haben, da diese √ľber h√∂here Beitr√§ge trotzdem angespart werden m√ľssen.

Beitragserhöhungen Beitragsgarantien (mind. bis 31.12.2016)
universa universa
Allianz Allianz
BBKK UKV
Gothaer BBKK
Barmenia Gothaer
ARAG N√ľrnberger
Inter Inter
Signal Barmenia
Hansemerkur
LVM
R+V
Axa

Quelle: BAP-Guide der Gewa-Comp GmbH. Alle Angaben gelten √ľber alle Tarifgruppen nach Alter der Versicherten im Neugesch√§ft.¬†* Auswahl der besonders h√§ufig betroffenen und durch Versicherte nachgefragte Gesellschaften.¬†Der Redaktion liegen die Daten f√ľr 40 Gesellschaften vor.

Alle Kapital¬≠ertr√§ge, die √ľber dem Zins liegen, m√ľssen als √úberzins zu 90 Prozent allen Versicherten zu Gute kommen. Der √úber¬≠zins beeinflusst somit die Stabilit√§t der Beitr√§ge erheblich.

Vor allem √§ltere Versicherte sowie Gering¬≠verdiener haben bei Beitragserh√∂hungen das Nachsehen. Trotz der kapitalgedeck¬≠ten Altersr√ľckstellung steigen die Beitr√§ge mit zunehmenden Alter stetig an. Pension√§re mit nur kleiner Rente haben oft¬†Schwierigkeiten die Kosten der PKV zu tragen.¬†√Ąhnlich geht es Selbst√§ndigen mit geringem Einkommen, die nach dem Gesetz nur noch in die gesetzliche Krankenkasse zur√ľck d√ľrfen, sofern sie eine versicherungspflichtige Anstellung annehmen.

Zahnzusatzversicherungen f√ľr jedes Alter:

Zahnzusatzschutz Kinder
Zahnzusatzschutz Studenten
Zahnzusatzschutz Senioren

Beitragserh√∂hungen ‚Äď Das sind Ihre 3 Wechseloptionen

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Jetzt Tarif wechseln
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Die private Krankenversicherung muss den Kunden sp√§testens einen Monat vor Inkrafttreten des neuen Beitrags √ľber die Beitragsanpassung informieren, sonst ist die Beitragserh√∂hung zumindest vorl√§ufig anfechtbar.

Rechtmäßigkeit einer Beitragserhöhung

Häufig gestellte Leser-Fragen (FAQ)

Die private Krankenversicherung ist verpflichtet, den Kunden schriftlich √ľber die geplante Beitragsanpassung zu informieren. Dies muss sp√§testens einen Monat vor der erstmaligen F√§lligkeit des neuen Beitrags geschehen (VVG ¬ß40 Absatz 2).

Ja. Sobald Ihre Versicherung eine Beitragsanpassung ank√ľndigt, haben Sie ein Sonderk√ľndigungsrecht und k√∂nnen den Tarifvertrag noch vor Ende der Vertragslaufzeit k√ľndigen. Die K√ľndigung muss bis sp√§testens einen Tag vor Inkrafttreten des erh√∂hten Beitrags bei dem Versicherer eingegangen sein. Vorsicht: F√ľr manche Tarife (z.B. das Krankengeld) gelten besondere Bedingungen.

Ein Wechsel des Tarifs innerhalb einer privaten Krankenversicherung kann weitere Erh√∂hungen im bisherigen Alttarif vermeiden. Dieser Schritt lohnt insbesondere f√ľr langj√§hrig privat Versicherte, deren Beitrag schon stark angestiegen ist. Erworbene Rechte und Altersr√ľckstellungen k√∂nnen dann in den neuen Tarif transferiert werden.

Die R√ľckkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist schwierig, aber m√∂glich. Die Voraussetzung ist, dass das Einkommen des Betroffenen wieder unter die PKV-Einkommensgrenze f√§llt oder er seinen beruflichen Status √§ndert, z.B. von der Selbst√§ndigkeit zur√ľck in ein Angestelltenverh√§ltnis. Der Vorteil hierbei: Im Gegensatz zu Selbst√§ndigen, die ihren Krankenkassenbeitrag vollst√§ndig allein tragen, teilen sich Angestellte die Kosten mit ihrem Arbeitgeber. Ab 1.1.2019 wird in dem gesetzlichen System eine vollst√§ndige parit√§tische Finanzierung wieder eingef√ľhrt. Bislang m√ľssen Angestellte die Zahlung des Zusatzbeitrag allein √ľbernehmen. Zudem gilt f√ľr die R√ľckkehr in das gesetzliche System die Grenze von 55 Jahren.

Fakt bleibt, dass die Belastung f√ľr Personen mit hohem Einkommen und f√ľr Selbst√§ndige in der GKV deutlich h√∂her ist als in der privaten Krankenversicherung. In der gesetzlichen Vorsorge werden die Beitr√§ge abh√§ngig vom Einkommen berechnet, wodurch diese Berufsgruppen oftmals den H√∂chstbeitrag zahlen. In der PKV werden Beitr√§ge hingegen individuell berechnet. Weiterhin bietet die PKV im Schnitt eine bessere Leistungsabdeckung und √ľbernimmt Behandlungen, die im gesetzlichen Leistungskatalog nicht vorgesehen sind. Hinzu kommt, dass nicht nur in der PKV Beitr√§ge anpasst werden. Auch die gesetzliche Krankenversicherung hat ihre Beitr√§ge in den vergangenen Jahren stetig erh√∂ht. Beide Systeme leiden unter den Auswirkungen des demografischen Wandels und den steigenden Kosten im Gesundheitssystem.
Nein. In der privaten Krankenversicherung ist eine nachtr√§gliche Beitragserh√∂hung oder K√ľrzung der Leistungen ausgeschlossen. In der gesetzlichen Krankenversicherung ist dies hingegen m√∂glich (z.B. bei der Erhebung eines Zusatzbeitrags).
Prinzipiell ja. Viele private Krankenversicherungen planen jedoch so, dass die Beitr√§ge zum Anfang oder zur Mitte des Jahres angehoben werden. Die Beitragserh√∂hung darf nur durchgef√ľhrt werden, wenn diese zuvor durch einen unabh√§ngigen Treuh√§nder f√ľr rechtens erkl√§rt wurde.
Wenden Sie sich am besten an den Ombudsmann der privaten Kranken- und Pflegeversicherung. Dieser zeigt Wege auf, wie bei einem Widerspruch gegen die Beitragsanpassung vorgegangen werden kann. Eine aktive Rolle √ľbernimmt der Ombudsmann jedoch nicht. Eine au√üergerichtliche √úberpr√ľfung der Unterlagen ist nahezu unm√∂glich, da die ben√∂tigten Schriftst√ľcke dem Gesch√§ftsgeheimnis unterliegen. Dementsprechend kann ein Gutachten immer nur √ľber den Rechtsweg erstritten werden.
Mit sogenannten Beitragsgarantien geben Versicherer das Versprechen, ihre Beitr√§ge in einem festgelegten Zeitraum nicht zu erh√∂hen. Die Garantien gelten jedoch meist nur f√ľr bestimmte Tarife und einen relativ √ľberschaubaren Zeitraum von rund einem Jahr.
Schon vor der Einf√ľhrung der neuen gleichgeschlechtlichen Tarife bef√ľrchteten Branchenkenner fl√§chendeckende Beitragserh√∂hungen. Erste Tests der neuen Produkte zeigen: Die Absicherung ist nicht nur f√ľr M√§nner teurer geworden, auch f√ľr Frauen gab es Erh√∂hungen, die vor allem mit Sicherheitszuschl√§gen der Versicherer zu tun haben. Auf der anderen Seite haben die Anbieter die Umstellung aber auch genutzt, um ihre Leistungen zu verbessern bzw. neue gesetzliche Bestimmungen umzusetzen.