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BAP 2019: Beitragsanpassung private Krankenversicherung!2018-11-30T09:27:18+00:00

BAP 2019: Neue Private Krankenversicherung – Beitragserhöhung und andere Beitragsanpassungen

Während die Leistungen in der privaten Krankenversicherung ein Leben lang garantiert werden, gilt dies für den zu zahlenden Beitrag nicht. Dieser kann sich im Laufe der Versicherungszeit verändern. Die Gründe dafür sind vielfältig und nicht nur auf einen sich im Laufe der Zeit verändernden Faktor zurückzuführen.

Der BGH wird am 19. Dezember 2018 ab 9 Uhr zum Thema Prämienanpassungen der Axa Private Krankenversicherung (IV ZR 255/17) verhandeln.
Überraschendes Urteil im Treuhänderstreit: Oberlandesgericht Celle entscheidet zugunsten der beklagten AXA und damit erstmals für die PKV.
Erneut Urteil gegen DKV (ERGO): Landgericht Koblenz hält PKV Beitragserhöhung eines Kunden aufgrund der fraglichen Unabhängigkeit des Treuhänders für unzulässig.
Bereits mehr als ein Dutzend Urteile gegen PKV Beitragserhöhung erstritten. Ergebnisse bis zur Prüfung durch den BGH weiterhin nicht rechtskräftig.
Die Bundestagsfraktion der „Bündnis 90/ Die Grünen“ verlangte von der Bundesregierung Auskunft über die PKV-Treuhänder und deren Unabhängigkeit.
Sowohl BaFin als auch PKV-Verband zeigen sich zuversichtlich, dass die Prüfung und Entscheidung des BGH zugunsten der Privaten Krankenversicherer ausgeht.
PKV Niederlage im Treuhänderstreit nach aktueller Sachlage nicht abwegig. Experten halten ein eindeutiges Urteil für oder gegen PKV jedoch für unwahrscheinlich.

 

Info-Video zu Preisanpassungen der Krankenversicherung

  • Wie Sie richtig reagieren
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Beitragsanpassungen in der privaten Krankenversicherung werden fast jedes Jahr in einzelnen Tarifen vor­genommen. Die Anpassungen der Prämien gehen dabei auf Verän­de­run­gen zurück, die bei der Vertrags­­unter­zeichnung von seiten der Ver­sicherer nicht oder nur schwer vorhersehbar waren. Mögliche Veränderungen sind zum Beispiel eine höhere Lebenserwartung als angenommen oder auch Leistungsausgaben, die höher als erwartet ausfallen. Zuständig für die Beitragskalkulation sind Aktuare oder Versicherungs­mathematiker, die viele Faktoren berücksichtigen müssen bei der Kalkulation der Beiträge. Dabei müssen sie sich an die Rechtsgrundlagen halten, die im Versicherungs­aufsichts­gesetz (VAG), der Kalkulationsverordnung (KalV) in der PKV (siehe PDF) sowie im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) vorgegeben sind.

Private Krankenversicherung – Kalkulation und Beitragserhöhung

Seit geraumer Zeit stehen diverse private Krankenversicherungen (Liste) im Fokus von Gerichten. Etliche Versicherungsnehmer versuchen, sich gegen einzelne private Krankenversicherungen und deren zum Teil erhebliche Beitragserhöhungen zu wehren. Einer der Hauptstreitpunkte ist, dass bei einigen der  mathema­tischen Treuhänder die wirtschaftliche Unabhängigkeit von den Versicherungsgesellschaften fraglich ist. Die Anwälte der betroffenen PKV-Versicherten und die Versicherungen berufen sich dabei auf unterschiedliche Gesetze.

Treuhänder prüfen und kontrollieren die Faktoren, die sich für die Kalkulation des Tarifs verändert haben. Weiterhin wird überprüft, ob dabei die rechtlichen Vorgaben eingehalten wurden. Als Voraussetzungen für diese Prüfung gilt, dass er fachlich versiert, vertrauenswürdig und unabhängig ist von dem Versicherer, für den die Beurteilung erfolgt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht – kurz BaFin – hat die rechtliche Aufsicht über die Treuhänder der Versicherungen.

Als Grundlage für die Kalkulation des Beitrags in einem bestimmten Tarif gelten zahlreiche Statistiken und mathematische Formeln. Außerdem liegen der Berechnung gewisse Prinzipien zugrunde. Dazu gehört, dass die Mitglieder in einem Tarif als Kollektiv betrachtet werden, in dem die Gesunden für die Kranken einstehen. Außerdem soll jeder Versicherte den Versicherungsschutz bekommen, den er benötigt. Ein weiteres Prinzip ist, dass jede Altersgruppe für sich selbst vorsorgt, ohne jüngere Generationen zu belasten.

Kommt es während der Laufzeit eines Vertrags zu einer Abweichung zwischen den tatsäch­lichen und kalkulierten Leistungsausgaben eines Tarifs, können die Beiträge entsprechend angepasst werden. Wie es das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) vorgibt, kommt eine Beitrags­erhöhung jedoch nur in Frage, sofern die tatsächlichen Kosten die kalku­lierten Kosten um mehr als 10 Prozent übersteigen oder sich die angenommene Sterbewahrscheinlichkeit innerhalb eines Tarifs um mehr als 5 Prozent erhöht.

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Beitragserhöhung in der PKV – Aktuelle Urteile und die rechtliche Lage

Wiederholt kam es zu Klagen gegen mögliche unwirksame Beitragserhöhungen privater Krankenversicherer. Aufgrund eines nicht unabhängigen Treuhänders in der PKV stand die AXA 2017 vor Gericht. Für Schlagzeilen innerhalb der PKV-Branche sorgte jüngst auch das Urteil zur DKV Beitragsanpassung. Beide Gerichtsurteile sind jedoch noch nicht rechtskräftig. Weitere Klagen sind bereits gegen die Allianz Krankenversicherung AG und die Signal Iduna eingereicht worden.

Ende August 2018 entschied jedoch das Oberlandesgericht Celle zugunsten der AXA. Damit erfolgte erstmals ein Urteil durch ein Obergericht für die private Krankenversicherung. Das OLG Celle vertritt die Auffassung, dass die Unabhängigkeit der Treuhänder nicht ausschlaggebend für die Zulässigkeit der Prämienerhöhungen sei.

Ab Herbst 2018 könnte es möglicherweise für die PKV-Branche ungemütlich werden: Ab dem Zeitpunkt sollen Verbraucher sich zusammenschließen und kollektiv klagen können – über sogenannte Musterfeststellungsklagen. Damit könnten auch PKV-Versicherte gemeinsam gegen ihrer Meinung nach unberechtigte Beitragserhöhungen vorgehen.

Klagen im Fall der Beitragserhöhung der Axa

Das ist die Situation:

In seinem Urteil stellt das Amtsgericht Potsdam fest, dass die Beitragserhöhungen der AXA Krankenversicherung AG des Klägers unwirksam seien. Dies gilt für die Anpassungen in der Krankentagegeldversicherung im Jahre 2012 und der Krankheitskostenversicherung im Jahr 2013 des Klägers.

Im Urteil heißt es: „Die genannten Beitragserhöhungen sind jedenfalls deshalb unwirksam, weil es an einer ordnungs­gemäßen Zustimmungserklärung eines unabhängigen Treuhänders fehlt. Das folgt aus § 203 Abs. 2 S. 1 VVG. […] Er muss insbesondere, wie dies § 12b Abs. 3 VAG a.F. ausdrücklich bestimmt, vom Versicherungs­unter­nehmen unabhängig sein. Das war hingegen bei dem Treuhänder nicht der Fall.”

Mit diesem Urteil wollte sich die AXA nicht zufrieden geben, daher legte sie Berufungsklage beim Bundesgerichtshof (BGH) ein.

Am 20. August 2018 nahm sich das Oberlandesgericht Celle dem Fall an und entschied zugunsten der AXA. Am 19. Dezember wird der BGH zu der Thematik der Prämienanpassungen verhandeln.

Das sind die Urteile:

Oberlandesgericht Celle AZ 8 U 57/18
Amtsgericht Potsdam AZ 29 C 122/16
Landgericht Berlin AZ 23 O 264/16
Landgericht Potsdam AZ 6 S 80/16
Bundesgerichtshof IV ZR 255/17 (anhängig)
Die Urteile sind z.T. noch nicht rechtskräftig.

Klagen im Fall der Beitragserhöhung der DKV

Das ist die Situation:

Das Landgericht Frankfurt (Oder) stellte in seinem Urteil fest, dass die Erhöhung des PKV-Beitrags der DKV unwirksam ist. Der Kläger ist damit nicht zur Zahlung des erhöhten Beitrags in der Krankheits­kosten­versicherung und in der Kranken­tagegeldversicherung im Zeitraum von 2015 bis 2017 verpflichtet.

Im Urteil dazu heißt es u.a.: „Der Kläger hat Anspruch […], denn die streitgegenständlichen Prämienerhöhungen sind unwirksam. […] Vorliegend sind bereits die formellen Voraussetzungen der wirksamen Prämienerhöhung nicht erfüllt. […] Es fehlt an der gemäß § 203 Abs. 5 VVG erforderlichen Mitteilung des Versicherers „der maßgeblichen Gründe“ für die beabsichtigte Neufestsetzung oder Änderung der Prämie. […]

Eine solche Mitteilung findet sich weder in den ursprüng­lichen Erhöhungsschreiben, noch in den auf die Rückfor­derung des Klägers hin versandten „Beilegern“. […] Im vorliegenden Fall hat die Beklagte dem Kläger […] lediglich mitgeteilt, dass die Gesundheitskosten gestiegen sind. […] Dies ist allerdings nicht ausreichend […] und […] geeignet, […] die Vorstellung zu wecken, dass die Prämien bei jeder Änderung beliebig von dem Versicherer angepasst werden können.

Das sind die Urteile:

LG Koblenz AZ 16 O 247/16
LG Frankfurt (Oder), 4. Zivilkammer AZ 14 O 203/16
Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

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Statements von Fachanwälten für Versicherungsrecht und weiteren Fachexperten

Auf Nachfrage der Krankenkassen-Zentrale teilte uns Dr. Knut Pilz, Rechtsanwalt und Fach­anwalt für Versicherungs­recht aus Berlin mit, dass bereits mehr als 1500 Anfragen von Mandanten zur Problematik einer möglicherweise zu Unrecht erhobenen Beitragser­höhung vorlagen und geprüft wurden. Wesentlich mehr Privatversicherte haben bei der Kanzlei angefragt. Laut Aussage von Dr. Pilz wurden bisher im Laufe der letzten Jahre etwa 50 Urteile zur PKV Beitragserhöhung erstritten.

Dr. K. Pilz, Pilz Wesser & Partner Rechtsanwälte mbB, Berlin

„Vorstände in der PKV sind massiv in der Pflicht, Belege vorzulegen und zwar ohne, dass der Aktuar vorgeladen werden muss. Gibt es keine gesicherten Beweismittel im Hause der PKV, führt dies zum Verdacht einer PKV-Manager­haftung. […] Es befindet sich ein Entwurf für eine Musterfest­stellungsklage seitens der Regierung in Vorbereitung. Inkasso-Unternehmen werden sich dann finden, die das Ganze künftig für den Kunden abwickeln; ein Drohszenario“, so Dr. Fiala gegenüber der Krankenkassen-Zentrale.

Dr. J. Fiala, Rechtsanwaltskanzlei Dr. Johannes Fiala, München

Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V.:

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Sonderkündigungsrecht bei Beitragserhöhungen – Das können Sie tun!

Wer von Beitragssteigerungen betroffen ist, hat unterschiedliche Optionen darauf zu reagieren. Grundsätzlich aber haben Versicherte ab der Bekanntgabe der Anpassung ein Sonderkündigungsrecht, das erlaubt, noch vor Ende der Vertrags­laufzeit zu kündigen. Die Kündigung muss dabei spätestens einen Tag vor Inkrafttreten der Preissteigerungen beim Anbieter vorliegen. Ein Anbieterwechsel sollte durch den Wegfall der Altersrückstellungen allerdings wohlüberlegt sein.

Was tun gegen steigende Beiträge? 5 Handlungsoptionen

Betroffene haben verschiedene Hand­lungsoptionen, um den steigenden Bei­trägen zu entgehen. Denn nicht alle Unternehmen und Tarife sind gleich stark von den PKV-Beitragsanpassungen be­troffen. Für einige Policen gibt es sogar Beitragssenkungen. Das können Versicherte nutzen, deren Beiträge steigen. Allerdings: Je nach Alter und Tarif sind unter­schiedliche Gegenmaßnahmen sinnvoll.

Wechsel

1. Den PKV-Anbieter wechseln

Erhöht die private Krankenversicherung jährlich spürbar die Beiträge, erscheint ein PKV Wechsel zu einem anderen Versicherungsunternehmen durchaus sinnvoll. Jedoch lohnt sich solch ein Wechsel meist nur für Per­so­nen, die erst wenige Jahre privat versichert sind. Die Hauptgründe:

  • Es erfolgt eine erneute Gesundheitsprüfung
  • Inzwischen aufgetretene Krankheiten können zu Risikoaufschlägen oder Leistungsausschlüssen führen.
  • Die angesparten Altersrückstellungen fürs Alter können nicht vollständig mitgenommen werden, wodurch höhere Beiträge entstehen.

Tarifwechsel

2. Tarif beim eigenen Unternehmen wechseln

Der Wechsel zu einem anderen Tarif des eigenen Anbieters ist in vielen Fällen lohnenswert. Vor allem weil die Altersrückstellung vollständig übertragen werden kann. Viele Versicherer bringen von Zeit zu Zeit neue Tarife auf den Markt, die attraktive Konditionen bieten.
Hinweis: Das Wechselrecht innerhalb der eigenen Versicherung gilt nur für “gleichartige Tarife”. Bei Tarifen, deren Leistungs­umfang über dem bisherigen liegt, kann die Versicherung den Wechsel ablehnen. Es besteht aber die Möglichkeit Mehrleistungen vertraglich auszuschließen oder eine erneute Gesundheitsprüfung nur für die Mehrleistung abzulegen.

Aktuelle Tarife und günstige Beiträge finden oder PKV-Beiträge senken und Leistungen beibehalten:

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Wer zu einem anderen privaten Versicherer oder intern zu einem anderen Tarif wechseln möchte, sollte nicht nur die Beiträge vergleichen, sondern auch die Leistungen sowie die Entwicklungen der Beiträge im Laufe der Jahre im Blick haben.

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Optionen mit kurzfristiger Ersparnis bei Leistungsnachteilen

Folgende Optionen bringen zwar eine kurzfristige Ersparnis, sind aber mit deutlichen Nachteilen bei der Versorgung verbunden. Selbst wenn Versicherungen oder Makler diese Schritte empfehlen, sollten Versicherte besonders genau abwägen. Oft sind diese Möglichkeiten später mit höheren Kosten im Krankheitsfall verbunden.

Euro

3. Selbstbehalt erhöhen

Die Kosten in der privaten Krankenversicherung sinken mitunter erheblich durch die Erhöhung des Sebstbehalts  – In manchen Fällen sogar so stark, dass Versicherte auch dann weniger zahlen, wenn Behandlungs- und Arzneikosten laut Tarif selbst zu zahlen sind. Die Beitragsersparnis lässt sich folgendermaßen berechnen:

Vor allem für Selbständige in der Privatkasse lohnt diese Option. Angestellte hingegen teilen sich den Beitrag mit dem Arbeitgeber, nicht aber den Selbstbehalt. Versicherte sollten diesen Schritt aber nur wählen, wenn sie finanziell in der Lage sind, den vollen Selbstbehalt im Ernstfall wirklich zu zahlen. Später den Eigenbeitrag wieder zu reduzieren ist nur selten möglich.

Beitraege

4. Leistungen senken

Der Verzicht auf Leistungen kann einige Ersparnisse bewirken. Ein Beispiel: Bereits die Umstellung vom Ein- aufs Zweibett­zimmer bei Aufenthalten im Krankenhaus kann bis zu 30 Euro Ersparnis monatlich erzielen. Wer ganz auf Sonderbehandlungen im Krankenhaus verzichtet, kann sogar noch einiges mehr einsparen. Wie bei der Reduzierung des Selbstbehaltes gilt aber auch hier: Wägen Sie gut ab, bevor Sie bestimmte Risiken aus Ihrem Leistungskatalog streichen! Denn Kosten für einmal reduzierte Leistungen müssen Sie im Ernstfall selbst tragen!

Gesetzliche Krankenversicherung

5. Wechsel zur GKV

Die Rückkehr in die GKV ist mit strengen Auflagen verbunden und kommt nur für Versicherte in Frage, deren Einkommen regelmäßig unter die sogenannte
Versicherungspflichtgrenze von 5.062,50 Euro (Stand 2019) monatlich fällt. Versicherte sollten sich bewusst darüber sein, dass auch die gesetzliche Krankenversicherung immer wieder von Beitragserhöhungen oder Leistungsreduzierungen betroffen ist. Für Über-55-Jährige ist dieser Schritt gänzlich versperrt. Hier lohnt eher ein Tarifwechsel innerhalb der bisherigen Versicherungsgesellschaft.

Kündigung der Krankenversicherung ausgeschlossen
Eine Kündigung der privaten Krankenversicherung ohne anschließenden Krankenversicherungsschutz ist in Deutschland seit 2009 nicht mehr möglich. Seither gilt die gesetzliche Krankenversicherungspflicht für alle Versicherten.

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Beitragsentwicklung und Beitragsstabilität in der privaten Krankenversicherung

Experten sagen für die Beiträge in der PKV weitere Beitragserhöhungen voraus. Dies liegt unter anderem am demografischen Wandel, der auch mit steigenden Gesundheitskosten verbunden ist. Vor allem aber ist die derzeitige schlechte Kapitalmarktlage mit verantwortlich und die damit einhergehende niedrige Verzinsung der Altersrückstellungen. Das Gesetz allerdings verbietet es den Versicherern, die Preise sukzessive und damit langsam anzuheben.

Bislang muss für Beitragserhöhungen erst eine bestimmte Grenze bei den Gesundheitsausgaben überschritten werden. Viele Kunden der privaten Krankenversicherung haben so in den nächsten Jahren Beitragserhöhungen im zweistelligen Prozentbereich zu befürchten, manche privat Versicherte werden nahezu jedes Jahr mit Beitragsanpassungen konfrontiert. In einem unserer Magazin-Beiträge zum Thema ist nachzulesen, wie Beitragserhöhungen in der PKV berechenbarer, moderater und flexibler werden könnten.

Einer der Hauptgründe für die stetig steigenden Beiträge ist der demografische Wandel. Hinzu kommen gravierende Veränderungen in der gesellschaftlichen Altersstruktur:

2060 mindestens 65 Jahre alt: 34%

2060 wird jeder Dritte (34%) mindestens 65 Jahre alt sein und es werden doppelt so viele 70-Jährige leben, wie Kinder geboren werden.

Immer ältere Menschen nehmen immer mehr und immer länger medizinische Leistungen in Anspruch, wodurch die Kosten für die Krankenversicherungen deutlich steigen. Rückstellungen für das Alter sind speziell in besonders günstigen privaten Einsteiger­tarifen, wie dem Basistarif, meist nicht ausreichend auf den Kostendruck im Gesundheitswesen ausgerichtet.

Es gibt auf kalkulatorischer Ebene keine direkte Verknüpfung der Verwendung der Alters­rück­stellungen mit dem Renten­eintritt. Dies bedeutet aber nicht, dass es keine Entlastungen der Beitragszahlungen rund um den Renten­eintritt geben kann. So entfällt zum Beispiel der Beitragsanteil für das Kranken­tagegeld. Zudem fällt der gesetzliche 10%-Zuschlag weg. Um künftige Beitrags­erhöhungen zu minimieren, werden die Altersrückstellungen eingesetzt.

Beitragsstabilität der PKV-Versicherer im Blick

VergleichenNeben dem Preis, den Leistungen und dem Service ist auch die Beitragsentwicklung eines Versicherers ein wichtiger Indikator bei der Wahl der richtigen privaten Krankenversicherung. Hat ein Anbieter seine Prämien dauerhaft auf einem ähnlichen Niveau halten können, ist das zwar keine Garantie, aber ein Indiz dafür, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird. Informationen zur Beitragsstabilität erhalten Versicherungsnehmer durch Testberichte oder Ratings unabhängiger Test- oder Ratingagenturen. Zudem können auch Tarifvergleiche und Beitragsrechner Hinweise geben.

Beitragsentwicklung der letzten Jahre

Kunde bei Prüfung der BeitragsentwicklungWie das IGES-Institut ermittelt hat, sind die Beiträge für privat Versi­cherte von 1997 bis 2009 pro Kopf um etwa 55 Prozent gestiegen. Einen genauen, durchschnittlichen Wert für die Beitragsentwicklungen in der privaten Krankenversicherung zu erhalten ist jedoch sehr schwie­rig, da unterschiedliche Daten zu den jährlichen Beitragsan­passungen vorliegen. Folgende Statistiken pflegen die Versicherungsaufsicht Bafin und der PKV-Spitzenverband:

Jahr Beitragserhöhungen nach Bafin Beitragserhöhungen laut PKV-Branche
2010 7,27 Prozent 3,73 Prozent
2009 3,37 Prozent 4,61 Prozent
2008 3,93 Prozent 6,72 Prozent
2007 3,69 Prozent 6,05 Prozent
2006 4,92 Prozent 3,13 Prozent
2005 3,89 Prozent 4,53 Prozent
2004 7,50 Prozent 4,79 Prozent
2003 7,63 Prozent 3,87 Prozent

Quelle: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE
(Anfrage als PDF) – Drucksache 17/9227 – „Beitragssteigerungen bei privaten Krankenversicherungen“

Anstieg 1997–2009 pro Kopf

55 %

Gründe für steigende Kosten

  • Steigende Ärzte- und Krankenhaushonorare
  • Teurer werdende medizinische Leistungen
  • Steigende Arzneimittelausgaben
  • Hohe Verwaltungs- und Abschlusskosten
  • Beitragsausfälle durch Zahlungssäumige
  • Schlechte Situation auf dem Kapitalmarkt
  • Einführung der neuen Unisex-Tarife
  • Demografischer Wandel in Deutschland

Morgen & Morgen haben darüber hinaus folgende Daten über die Beitrags­erhöhungen in den letzten zehn Jahren erhoben:

Frauen:

Absolute Beitragserhöhung: 272 bis 4.096 €
Prozentuale Beitragserhöhung: 0,7 bis 12,4%

Männer:

Absolute Beitragserhöhung: 113 bis 4.475 €
Prozentuale Beitragserhöhung: 0,5 bis 8,2%

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Beitragserhöhungen, Senkungen des Beitrags & Beitragsgarantien der Anbieter


Neben Erhöhungen sprechen einige Versicherer Beitragsgarantien aus, die als Kriterium für eine gute PKV sprechen können. Die Gesellschaften garantieren für ausgewählte Berufsgruppen und Tarife meist für ein oder zwei Jahre eine Beitragsstabilität. Manche Versicherte können sich sogar über Beitragssenkungen in ihren Tarifen freuen.

HUK Coburg & DKV: Beitragserhöhung zum April

Die meisten Versicherer passen ihre Beiträge jährlich jeweils zum 1. Januar an. Einige wenige, wie die HUK, aber auch die DKV, nehmen ihre Beitragsan­passun­gen erst zum 01. April vor. Beitragserhöhungen zum Frühjahr – nach dem Herbst die 2. große Welle – treten meist zum 1. April und in einer dritten Welle zum 1. Mai in Kraft.

Niedrigszinsen als Risiko für Beitragsanpassungen

Die anhaltende Niedrigszinsphase an den Kapitalmärkten (PDF) bringt auch die privaten Krankenversicherer in Bedrängnis. Die Altersrückstellungen, die die Versicherer ansparen müssen, um höhere Kosten im Alter abzufedern, werden als Kapitalreserve angelegt und verzinst. Der dafür vorgesehene Rechnungs­zins lag lange bei 3,5 Prozent, kann mittlerweile aber nicht mehr ausreichend verzinst werden und wurde von den meisten Versicherern bereits abgesenkt. Eine geringere Verzinsung der Altersrückstellungen kann letztlich Beitragserhöhungen zur Folge haben, da diese über höhere Beiträge trotzdem angespart werden müssen.

Beitragserhöhungen Beitragsgarantien (mind. bis 31.12.2016)
universa universa
Allianz Allianz
BBKK UKV
Gothaer BBKK
Barmenia Gothaer
ARAG Nürnberger
Inter Inter
Signal Barmenia
Hansemerkur
LVM
R+V
Axa

Quelle: BAP-Guide der Gewa-Comp GmbH. Alle Angaben gelten über alle Tarifgruppen nach Alter der Versicherten im Neugeschäft. * Auswahl der besonders häufig betroffenen und durch Versicherte nachgefragte Gesellschaften. Der Redaktion liegen die Daten für 40 Gesellschaften vor.

Alle Kapital­erträge, die über dem Zins liegen, müssen als Überzins zu 90 Prozent allen Versicherten zu Gute kommen. Der Über­zins beeinflusst somit die Stabilität der Beiträge erheblich.

Vor allem ältere Versicherte sowie Gering­verdiener haben bei Beitragserhöhungen das Nachsehen. Trotz der kapitalgedeck­ten Altersrückstellung steigen die Beiträge mit zunehmenden Alter stetig an. Pensionäre mit nur kleiner Rente haben oft Schwierigkeiten die Kosten der PKV zu tragen. Ähnlich geht es Selbständigen mit geringem Einkommen, die nach dem Gesetz nur noch in die gesetzliche Krankenkasse zurück dürfen, sofern sie eine versicherungspflichtige Anstellung annehmen.

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Die private Krankenversicherung muss den Kunden spätestens einen Monat vor Inkrafttreten des neuen Beitrags über die Beitragsanpassung informieren, sonst ist die Beitragserhöhung zumindest vorläufig anfechtbar.

Rechtmäßigkeit einer Beitragserhöhung

Häufig gestellte Leser-Fragen (FAQ)

Die private Krankenversicherung ist verpflichtet, den Kunden schriftlich über die geplante Beitragsanpassung zu informieren. Dies muss spätestens einen Monat vor der erstmaligen Fälligkeit des neuen Beitrags geschehen (VVG §40 Absatz 2).

Ja. Sobald Ihre Versicherung eine Beitragsanpassung ankündigt, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht und können den Tarifvertrag noch vor Ende der Vertragslaufzeit kündigen. Die Kündigung muss bis spätestens einen Tag vor Inkrafttreten des erhöhten Beitrags bei dem Versicherer eingegangen sein. Vorsicht: Für manche Tarife (z.B. das Krankengeld) gelten besondere Bedingungen.

Ein Wechsel des Tarifs innerhalb einer privaten Krankenversicherung kann weitere Erhöhungen im bisherigen Alttarif vermeiden. Dieser Schritt lohnt insbesondere für langjährig privat Versicherte, deren Beitrag schon stark angestiegen ist. Erworbene Rechte und Altersrückstellungen können dann in den neuen Tarif transferiert werden.

Die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist schwierig, aber möglich. Die Voraussetzung ist, dass das Einkommen des Betroffenen wieder unter die PKV-Einkommensgrenze fällt oder er seinen beruflichen Status ändert, z.B. von der Selbständigkeit zurück in ein Angestelltenverhältnis. Der Vorteil hierbei: Im Gegensatz zu Selbständigen, die ihren Krankenkassenbeitrag vollständig allein tragen, teilen sich Angestellte die Kosten mit ihrem Arbeitgeber. Ab 1.1.2019 wird in dem gesetzlichen System eine vollständige paritätische Finanzierung wieder eingeführt. Bislang müssen Angestellte die Zahlung des Zusatzbeitrag allein übernehmen. Zudem gilt für die Rückkehr in das gesetzliche System die Grenze von 55 Jahren.

Fakt bleibt, dass die Belastung für Personen mit hohem Einkommen und für Selbständige in der GKV deutlich höher ist als in der privaten Krankenversicherung. In der gesetzlichen Vorsorge werden die Beiträge abhängig vom Einkommen berechnet, wodurch diese Berufsgruppen oftmals den Höchstbeitrag zahlen. In der PKV werden Beiträge hingegen individuell berechnet. Weiterhin bietet die PKV im Schnitt eine bessere Leistungsabdeckung und übernimmt Behandlungen, die im gesetzlichen Leistungskatalog nicht vorgesehen sind. Hinzu kommt, dass nicht nur in der PKV Beiträge anpasst werden. Auch die gesetzliche Krankenversicherung hat ihre Beiträge in den vergangenen Jahren stetig erhöht. Beide Systeme leiden unter den Auswirkungen des demografischen Wandels und den steigenden Kosten im Gesundheitssystem.
Nein. In der privaten Krankenversicherung ist eine nachträgliche Beitragserhöhung oder Kürzung der Leistungen ausgeschlossen. In der gesetzlichen Krankenversicherung ist dies hingegen möglich (z.B. bei der Erhebung eines Zusatzbeitrags).
Prinzipiell ja. Viele private Krankenversicherungen planen jedoch so, dass die Beiträge zum Anfang oder zur Mitte des Jahres angehoben werden. Die Beitragserhöhung darf nur durchgeführt werden, wenn diese zuvor durch einen unabhängigen Treuhänder für rechtens erklärt wurde.
Wenden Sie sich am besten an den Ombudsmann der privaten Kranken- und Pflegeversicherung. Dieser zeigt Wege auf, wie bei einem Widerspruch gegen die Beitragsanpassung vorgegangen werden kann. Eine aktive Rolle übernimmt der Ombudsmann jedoch nicht. Eine außergerichtliche Überprüfung der Unterlagen ist nahezu unmöglich, da die benötigten Schriftstücke dem Geschäftsgeheimnis unterliegen. Dementsprechend kann ein Gutachten immer nur über den Rechtsweg erstritten werden.
Mit sogenannten Beitragsgarantien geben Versicherer das Versprechen, ihre Beiträge in einem festgelegten Zeitraum nicht zu erhöhen. Die Garantien gelten jedoch meist nur für bestimmte Tarife und einen relativ überschaubaren Zeitraum von rund einem Jahr.
Schon vor der Einführung der neuen gleichgeschlechtlichen Tarife befürchteten Branchenkenner flächendeckende Beitragserhöhungen. Erste Tests der neuen Produkte zeigen: Die Absicherung ist nicht nur für Männer teurer geworden, auch für Frauen gab es Erhöhungen, die vor allem mit Sicherheitszuschlägen der Versicherer zu tun haben. Auf der anderen Seite haben die Anbieter die Umstellung aber auch genutzt, um ihre Leistungen zu verbessern bzw. neue gesetzliche Bestimmungen umzusetzen.
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