Functional Food
Nahrung mit Zus√§tzen f√ľr ein ges√ľnderes Leben

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Beinah jeder hat sie bestimmt schon einmal gesehen. Und ein großer Teil unter uns hat sie bestimmt auch schon einmal probiert РFunktionelle Lebensmittel.

Der Begriff ist Ihnen unbekannt? Wahrscheinlich nicht. Sie kennen Functional Food wom√∂glich eher als probiotischen Joghurt, Cholesterin senkende Margarine oder Getr√§nke angereichert mit Vitaminen. Beworben werden Funktionelle Lebensmittel h√§ufig mit Slogans, wie ‚Äěf√ľr eine bessere Verdauung‚Äú oder ‚Äěbeugt Erk√§ltungen vor‚Äú.

Geld durch Functional Food

Die Werbebotschaften versprechen viel: Einfach und leicht zu einem Mehr an Gesundheit f√ľr nur etwas mehr Geld. Und wie die Ums√§tze der Industrien zeigen, hat das Erfolg. Wie viel von den etwa 9 Milliarden Euro j√§hrlichen Gesamtausgaben der Deutschen f√ľr Lebensmittel auf Functional Food zur√ľckfallen, wurde bisher nicht erhoben. Jedoch lassen die j√§hrlichen Ums√§tze f√ľr Cholesterin senkende Margarine (ca. 60 Millionen Euro) und probiotische Joghurts (ca. 550 Millionen Euro) die Annahme zu, dass der¬†Markt f√ľr Lebensmittel mit Mehrwert boomt.

Funktionelle Lebensmittel – Was ist das?

Functional Food sind Lebensmittel, denen Inhaltsstoffe oder Nahrungsbestandteile zugesetzt wurden, um einen höheren Gesundheitsnutzen zu erzielen.
Ursprungsland¬†f√ľr Funktionelle Lebensmittel¬†ist Japan. Dort gibt es, im Gegensatz zu Deutschland und der EU, eine genaue Definition und rechtliche Regelungen f√ľr diese Produkte. Werden die Kriterien eingehalten, darf das Lebensmittel das offizielle¬†Tokuho-Label¬†tragen und mit Gesundheits- und Pr√§ventionsaussagen beworben werden. Deutschland- und EU-weit gibt es diese rechtliche Grundlage nicht (direkt). Functional Food ist grunds√§tzlich als Produkt¬†zwischen handels√ľblichen (nat√ľrlichen) Lebensmitteln und Nahrungserg√§nzungsmitteln einzuordnen. Zu den am h√§ufigsten verwendeten Zusatzstoffen z√§hlen Probiotika, Pr√§biotika und Synbiotika, Omega-3-Fetts√§uren, Sekund√§re Pflanzenstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe.

Pro-, Prä- und Synbiotika: Wo liegen die Unterschiede?

Mit¬†Probiotika sind Bakterien¬†und wenige Hefepilze gemeint, wie beispielsweise Milchs√§urebakterien oder Bifidobakterien. Sie z√§hlen zu den guten Bakterien, welche die¬†Darmgesundheit aufrecht erhalten. Probiotische Bakterien kommen nat√ľrlicherweise in milchges√§uerten Nahrungsmitteln, wie Joghurt, Quark, Kefir und Co. vor. Probiotischen Lebensmitteln wurden diese Bakterien vermehrt zugesetzt, um die Anzahl der guten Bakterien im Darm zu erh√∂hen.

Mit Präbiotika sind wasserlösliche, unverdauliche Kohlenhydrate gemeint, von denen sich die guten Bakterien im Darm ernähren. Zu den bekanntesten zählen Inulin und Oligofructosen. Sie regen speziell das Wachstum der guten Bakterien an und beeinflussen dadurch die Zusammensetzung der mikrobakteriellen Darmbesiedelung positiv.

Synbiotika vereinen Pro- und Präbiotika in einem Produkt. Durch die kombinierte Aufnahme soll die Wirksamkeit beider gesteigert werden. Das Überleben der probiotisch wirkenden Bakterien wird dahingehend verbessert, dass die als Nahrung dienenden Präbiotika direkt zugänglich sind. Bei einigen der bekannten probiotischen Milchprodukte handelt es sich genau genommen bereits um synbiotische Nahrungsmittel.

Funktionelle Zusätze und ihre Gesundheitsversprechen

Inulin z√§hlt zu den wasserl√∂slichen Ballaststoffen, die im Dickdarm pr√§biotische Wirkungen zeigen. Es ist keinesfalls mit dem √§hnlich klingenden Hormon Insulin zu verwechseln. Inulin findet sich als Reservestoff nat√ľrlicherweise in einigen Gem√ľsepflanzen wieder. So lagern Topinambur-Knollen, Chicor√©e, Artischocken, Schwarzwurzeln und auch Pastinaken den Ballaststoff. Bei der Lebensmittelherstellung ist Inulin bereits weit verbreitet. So dient es beispielsweise als Fettersatz in Joghurts. Dabei verbessert das Inulin den Geschmack sowie die S√§migkeit des Joghurts. Inulin reguliert die Darmt√§tigkeit, dient den Bifidobakterien als Nahrungsquelle und kann wom√∂glich die Kalziumaufnahme im Darm verbessern. Bifidobakterien dienen dazu, sch√§dliche Bakterien und Krankheitserreger zu unterdr√ľcken. Weiterhin zeigten Tierstudien, dass Inulin wahrscheinlich die Einlagerung von Mineralstoffen in die Knochen beg√ľnstigen sowie das Risiko an Darmkrebs zu erkranken verringern kann.
Omega-3-Fetts√§uren geh√∂ren zu den mehrfach unges√§ttigten Fetts√§uren. Da sie vom K√∂rper nicht selbst hergestellt werden k√∂nnen, sind sie essentiell und m√ľssen mit der Nahrung zugef√ľhrt werden. Nat√ľrlicherweise kommen Omega-3-Fetts√§uren vermehrt in Pflanzen√∂len, wie Raps- und Lein√∂l, und Seefischen, wie Hering und Makrele, vor. Diese Fetts√§uren sollen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen sch√ľtzen und den Cholesterinspiegel senken.
Sekund√§re Pflanzenstoffe geben Pflanzen ihre Farbe, regulieren das Wachstum und sch√ľtzen sie vor Fressfeinden. F√ľr den Menschen sind diese Stoffe nicht lebensnotwendig. Ihnen werden jedoch neurologische, entz√ľndungshemmende und antibakterielle Wirkungen nachgesagt. Nat√ľrlicherweise kommen sekund√§re Pflanzenstoffe in jeglichen pflanzlichen Lebensmitteln vor. Allen voran sind Obst, Gem√ľse und Getreide zu nennen. Da die Wirksamkeit einzelner Pflanzenstoffe isoliert betrachtet nicht nachgewiesen werden konnte, ist wom√∂glich die Aufnahme der verschiedenen sekund√§ren Pflanzenstoffe im Verbund eines Lebensmittels notwendig, um gew√ľnschte Effekte zu erzielen.
Vor allem Vitamin C, E und Fols√§ure sowie die Mineralstoffe Jod, Magnesium, Eisen und Kalzium sind h√§ufig in funktionellen Lebensmitteln zu finden. Sie sollen als Antioxidantien vor Zellsch√§den sch√ľtzen oder Krankheiten wie Osteoporose und Blutarmut vorbeugen.
Ballaststoffe z√§hlen zu den unverdaulichen Kohlenhydraten, die als F√ľll- und Quellstoffe im K√∂rper f√ľr eine lang anhaltende S√§ttigung f√ľhren, das Volumen und die Konsistenz des Stuhls verbessern und f√ľr eine geregelte Verdauung sorgen. Lebensmitteln werden sie zugesetzt um die positiven Wirkungen auch bei Vollkorn-Muffeln zu erreichen.

Functional Food: Wie gesund ist es wirklich?

Bei all den Versprechungen der Industrie und der schwindenden Klarheit √ľber gute und schlechte Lebensmittel, gilt es der Frage nach dem¬†Sinn (oder Unsinn)¬†von Funktionellen Lebensmitteln nachzugehen. Was steckt hinter dem vermeintlichen Mehrwert dieser Produkte? Sind sie wirklich gesund oder k√∂nnen sie sogar sch√§digen?

Teller ohne Essen

Functional Food: wichtige Fakten

Fakt ist, Functional Food steigert durch h√∂here Preise vor allem die¬†Einnahmen der Lebensmittelindustrie, schm√§lert gleichzeitig die Geldbeutel der Konsumenten. Fakt ist auch, dass es bisher¬†keine unabh√§ngigen, aussagekr√§ftigen und glaubw√ľrdigen wissenschaftlichen Studien¬†zu diesen Produkten gibt. Die angepriesenen Untersuchungen sind meist von der Industrie gef√∂rdert und / oder lediglich anhand von Versuchstieren durchgef√ľhrt. Renommierte Ern√§hrungswissenschaftler bemerken, dass die aktuellen Produkte in deutschen Verkaufsregalen mehrheitlich nichts bewirken. Entweder sind sie¬†wirkungslos, was der bessere Fall w√§re,¬†oder sie sch√§digen im schlimmsten Fall die Gesundheit. Grunds√§tzlich vermitteln sie jedoch lediglich ein besseres Lebensgef√ľhl. Krankheiten k√∂nnen sie keineswegs vorbeugen.

Wann sind Funktionelle Lebensmittel schädlich?

Die allermeisten Bundesb√ľrger haben keinen Bedarf an solchen Lebensmitteln, geschweige denn an sonstigen zus√§tzlich eingenommenen N√§hrstoffen. Dennoch versuchen sie durch diese vermeintlich gesunden Produkte ihr Defizit am Obst- und Gem√ľseverzehr wieder auszugleichen. Werden zudem mehrere solche Produkte und schlimmer noch zus√§tzlich Nahrungserg√§nzungsmittel¬†regelm√§√üig eingenommen, kann es zu einer √úberversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen kommen. Der weit verbreitete Glaube, dass Mangelversorgungen an Vitaminen und Mineralstoffen bestehen sowie unsere frischen, naturbelassenen Lebensmittel von heute kaum noch N√§hrstoffe enthalten, ist nicht haltbar. Lediglich (mit wenigen Ausnahmen) alte Menschen und Schwangere weisen bei 1 bis 2 Vitaminen und Mineralstoffen eine Unterversorgung auf.

RechtHersteller von Functional Food werben h√§ufig mit den vermeintlich gesunden Wirkungen ihrer Produkte. Doch sind diese √ľberhaupt zul√§ssig? Jain, denn es ist eine¬†Frage der Formulierung. Die Health Claims Verordnung gibt genaue Bestimmungen zu n√§hrwert- und gesundheitsbezogenen Angaben √ľber Lebens¬≠mittel. Grunds√§tzlich d√ľrfen Produkte nur mit solchen Angaben ausgeschrieben werden, wenn diese wissenschaftlich belegt sind. Zudem ist eine¬†Irref√ľhrung der Verbraucher untersagt. Alle anderen (und das sind die meisten Funktionellen Lebensmittel) k√∂nnen diese Regelung umgehen, indem sie ‚Äěkann zur XXX beitragen‚Äú oder √§hnliches an ihre Aussage kn√ľpfen.

Zudem sind die Hersteller dazu ange­wiesen, weitere Pflichtangaben zu machen:

  • Hinweis auf die Bedeutung einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ern√§hrung und einer gesunden Lebensweise
  • Informationen zur Menge des Lebensmittels und zum Verzehrsmuster, die erforderlich sind, um die behauptete positive Wirkung zu erzielen
  • gegebenenfalls einen Hinweis an Personen, die dieses Lebensmittel nicht verzehren sollten
  • einen¬†geeigneten Warnhinweis¬†bei Produkten, die bei √ľberm√§√üigem Verzehr eine Gesundheitsgefahr darstellen k√∂nnten

Functional Food ja oder nein?

Functional Food sinnvoll

Mangelnde wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirksamkeit der Funktionellen Lebensmittel sowie die Gefahren einer √úberversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen lassen keine positiven Empfehlungen hinsichtlich dieser Produkte zu. Auch die Deutsche Gesellschaft f√ľr Ern√§hrung e.V. betont, dass Lebensmittel mit Mehrwert¬†keinesfalls eine gesunde Ern√§hrung ersetzen k√∂nnen. Zudem ist Functional Food keine Entschuldigung f√ľr eine ansonsten ungesunde Lebensweise. Eine¬†vollwertige, gesunde Ern√§hrung, regelm√§√üig Sport und ausreichend Schlaf sind weiterhin die Gesundheitsf√∂rderer erster Stelle.

(Bitte beachten Sie unsere Hinweise zu medizinischen Inhalten!)

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Ernährungswissenschaftlerin bei der

Claudia hat an der Christian-Albrechts-Universit√§t √Ėkotrophologie studiert und anschlie√üend promoviert. Danach war sie 10 Jahre in verschiedenen Forschungseinrichtungen wissenschaftlich t√§tig. Viele gesundheitliche Themen sind nicht nur Teil ihres Berufes sondern ein St√ľck weit auch eine Berufung. Durch pers√∂nliche Erfahrungen ist Claudia Expertin f√ľr Diabetes und en¬≠ga¬≠giert sich auch f√ľr einen Selbsthilfeverband. In ihrer Freizeit testet sie den Einfluss von Entspannung und Sport auf die menschliche Gesundheit durch regelm√§√üige Strandspazierg√§nge und Volleyball-Trainingseinheiten.