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Blutgruppendiät nach D’Adamo: Eine Frage des Typs? 2017-09-29T22:08:41+00:00

Blutgruppendiät: Alles eine Frage des Typs?

gemeinsames Essen

Mit seinen Theorien zu einer blutgruppengerechten Ernährung erlangte Peter J. D’Adamo in den 1990er Jahren großen Ruhm. Der US-amerikanische Naturheilkundler veröffentlichte dazu bereits mehrere Bücher. Seiner Meinung nach bestimmt die Blutgruppe eines Menschen dessen Ernährung und Lebensweise. Diese Diät ist primär nicht auf eine Gewichtsabnahme ausgelegt.

D’Adamo erklärt in seinem Buch, dass vor allem das pflanzliche Eiweiß Lektin im Körper Schaden anrichtet, wenn eine falsche Ernährung erfolgt. So sollen diese Proteine nicht nur die Blutzellen verkleben, sondern auch Organschäden bewirken oder schlimmstenfalls zu Nierenversagen führen.

ArztLaut dem Autor lagern sich die Lektine zudem in den Muskeln ab, beeinträchtigen deren Funktion und mindern somit die Leistungsfähigkeit. Als Naturheilkundler ist Peter D’Adamo nicht nur wegen seiner Bücher bekannt. Im Jahr 1990 erhielt er von der Amerikanischen Vereinigung Naturheilkundlicher Ärzte den Beinamen des „Physican of the Year“ (Arzt des Jahres). Weiterhin ist D’Adamo Gründer und Herausgeber des Journal of Naturopathic Medicine, hat eine Praxis in Wilton (Connecticut, USA) und hält international Vorträge zu seinem Spezialgebiet.

Blutgruppengerechte Ernährung

Blutgruppentyp geeignet ungeeignet
Blutgruppe 0 rotes Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse Weizen, Getreide, Hülsenfrüchte, Milch und Milchprodukte
Blutgruppe A vegetarische Ernährung mit viel Obst und Gemüse, selten Fisch Fleisch und andere tierische Produkte
Blutgruppe B grünes Gemüse, Eier, Lamm-, Kaninchen- und Wildfleisch Getreide, Hülsenfrüchte, Tomaten, Sesam, Hühnerfleisch
Blutgruppe AB Eier, Getreide, Milch und Milchprodukte Schweinefleisch

Die Blutgruppentypen nach Peter J. D’Adamao

Zu jeder Blutgruppe hat D’Adamo seine eigene Evolutionstheorie und stellt Annahmen auf, welche Lebensmittel besonders oder gar nicht bekömmlich sind.

Blutgruppe 0-Typ – Der Jäger

Entwicklungsgeschichtlich gesehen bildet der 0-Typ laut D’Adamo die älteste Blutgruppe. Die Jäger sind die Fleischesser unter den Blutgruppen und verfügen über einen robusten Verdauungstrakt sowie einwiderstandsfähiges Immunsystem. Neben Fleisch werden viele Früchte und Gemüse gut vertragen. Wegendes enthaltenen Glutens sollten 0-Typen auf Weizenprodukte verzichten. Zudem sind nahezu alle Kuhmilchprodukte und Hülsenfrüchte zu meiden.

Blutgruppe A-Typ – Der Landwirt

In der Jungsteinzeit entstand die zweitälteste Blutgruppe. Eine Zeit, in der die Menschen mit derLandwirtschaft und Viehzucht begannen. Charakteristisch für den A-Typen ist das tolerante Immunsystem und ein empfindlicher Magen-Darm-Trakt. Als bekömmlich für diese Gruppe stuft D’Adamo die vegetarische Ernährung, kleine Portionen Fisch und die meisten Hülsenfrüchte ein. Verzichten sollten „Landwirte“ hingegen größtenteils auf Milch und Milchprodukte sowie fast alle Weizenprodukte.

Blutgruppe B-Typ – Der Ausgeglichene

Vor rund 15.000 Jahren entstand diese Blutgruppe aufgrund von klimatischen Veränderungen und der Vermischung verschiedener Völkergruppen. Sie gelten als besonders anpassungsfähig und haben einenrobusten Verdauungstrakt sowie ein starkes Immunsystem. Deshalb kann der „Ausgeglichene“ auchnahezu alle Lebensmittel vertragen. Lediglich Geflügelfleisch, Weizen, Roggen und einige Hülsenfrüchte sollten sie meiden.

Blutgruppe AB-Typ – Der Rätselhafte

Erst 1.000 Jahre zuvor entstand der AB-Typ aus einer Vermischung der Blutgruppen A und B. Einempfindlicher Verdauungstrakt und ein übermäßig tolerantes Immunsystem kennzeichnen die Rätselhaften. Sie sind zudem die einzige Gruppe, die Weizenprodukte vertragen. Sauermilchprodukte und die meisten Käse- sowie Fischsorten sind ebenfalls bekömmlich. Fleisch sollte hingegen nur in kleinen Mengen verzehrt werden.

Wie glaubwürdig ist die Diät nach D’Adamo?

D’Adamos Behauptungen zur Schädlichkeit des Lektins und dessen gravierenden Folgen auf die Gesundheit sind wissenschaftlich nicht belegt. Um seine Hypothesen zu bestätigen, hätte er selbst labordiagnostisch nachweisen können und müssen, dass das Lektin auf die Blutzellen der verschiedenen Blutgruppen unterschiedliche Wirkungen zeigt. Gleiches gilt für die Behauptungen hinsichtlich tierischer Produkte. Forscher des Belgischen Roten Kreuzes durchforsteten aufgrund der Kritik sämtliche Studien zu dieser Ernährungsform. Und auch hier konnte keine Wirksamkeit nachgewiesen werden.

Neben den fehlenden wissenschaftlichen Belegen stellt auch die Zahl unterschiedlicher Systeme zur Einteilung der Blutgruppen die Glaubwürdigkeit infrage. Das AB0-System ist nämlich nur eines unter vielen. Das Rhesus-System beispielsweise gliedert die Menschen in anderer Weise. Das hat zur Folge, dass Lebensmittel im AB0-Blutgruppensystem richtig, nach einem anderen jedoch absolut ungeeignet sein können. Zudem kennen nur wenige Menschen ihre Blutgruppe, weshalb sich der Großteil laut D’Adamo falsch ernähren und mit seinem Leben spielen würde.

Welche Blutgruppe Sie haben, bestimmt ein einziges Gen. Unterschiedliche Varianten dieses Gens beeinflussen, ob und welche Antigene sich im Blut und auf den Zelloberflächen befinden. Dass das AB0-System ebenfalls bei Menschenaffen vorzufinden ist, ist bereits lange bekannt. Das internationale Forscherteam um Laure Ségurel der University of Chicago (Illinois, USA) hat daraufhin die Erbgutvarianten (Polymorphismus) verschiedener Primatenarten miteinander verglichen. Die ermittelten Daten sprechen dafür, dass der AB0-Polymorphismus artenübergreifend ist und von Menschen, Gibbons sowie allen s.g. Altaffenarten geerbt wurde. Dadurch bestätigt sich die Hypothese, dass die Genvarianten bereits seit mehreren zehn Millionen Jahren bestehen. Warum das so ist, konnten die Forscher in der Studie jedoch nicht beantworten.

Information1901 stellte der Österreicher Karl Landsteiner erstmals das AB0-Blutgruppensystem vor. Bis dahin war eine Bluttransfusion ein lebensgefährliches Unterfangen. Während der Immunologe verschiedene Abwehrreaktionen untersuchte, entdeckte er auf den roten Blutkörperchen zwei verschiedene Antigene, die er als A und B benannte. Zudem fand Landsteiner heraus, dass nicht jeder Mensch dieselben Antigene bzw. Kombinationen besitzt. Daraufhin klassifizierte er schließlich die vier bekannten Blutgruppen: A (A-Antigene), B (B-Antigene), AB (beide Antigene) und 0 (keine Antigene auf den Blutzellen). 1930 erhielt er für diese Erkenntnisse den Medizin-Nobelpreis.

Diäterfolg und gesundheitliche Bewertung der Diät-Rezepte

Zum Erfolg der Blutgruppendiät gibt es keine haltbaren Informationen. Auch im Praxistest fällt die Blutgruppendiät durch. Die vorgeschlagenen Rezepte sind häufig schwer nachzukochen, da die Zutaten eher außergewöhnlich und somit im Einzelhandel schwer erhältlich sind. Zudem ist die Zubereitung sehr aufwendig und nicht für Mahlzeiten in der Gruppe unterschiedlicher Blutgruppen-Typen geeignet. Auch Restaurantbesuche fallen raus.

Aus ernährungsphysiologischer Sicht kann diese Ernährungsform langfristig zu Mangelerscheinungen führen, da sie sehr einseitig gestaltet ist. Wenn beispielsweise von Milch und Milchprodukten abgeraten wird, können Kalziummängel auftreten. Auch anerkannte Institutionen, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) stehen dieser Diät skeptisch gegenüber.

Rezepte für jeden Blutgruppentyp

Budwig-Müsli (Grundrezept)

30 g geschrotete Leinsamen
50 g Joghurt/Sojajoghurt
1 ½ EL Leinöl
weitere Zutaten nach Blutgruppe und Belieben

Nährwert Grundrezept: 452 kcal, 43 g Fett

Kürbissuppe

Zubereitung

  1. Porree waschen und in dünne Scheiben schneiden. Knoblauchzehen schälen und hacken. Kürbis schälen und in 2 bis 3 cm große Stücke schneiden. Petersilie hacken.
  2. In einem Topf das Öl bei mittlerer Hitze erwärmen. Porree und Knoblauch hinzugeben und anbraten. So viel Wasser hinzugießen, bis das Gemüse bedeckt ist und zum Kochen bringen. Etwa 10 Minuten bei mittlerer Temperatur köcheln lassen.
  3. Die Kürbisstücken hinzugeben, mit Wasser bedecken und aufkochen lassen. Auf niedriger Stufe 15 bis 20 Minuten ziehen lassen.
  4. Petersilie hinzufügen und mit Salz abschmecken.

Nährwert pro Portion: 268 kcal, 16 g Fett

2 Portionen

2 EL Olivenöl
2 Stangen Porree
2 Knoblauchzehen
1,5 l Wasser
1 kleiner Sommerkürbis
1 Handvoll frische Petersilie
Salz

(Bitte beachten Sie unsere Hinweise zu medizinischen Inhalten!)