Immunsystem & Viren ‚Äď Wie unser K√∂rper Viren bek√§mpft

Was sind Viren?
Immunabwehr gegen Viren
Vermehrung von Viren
Häufige Fragen

Immunsystem & Viren ‚Äď Wie unser K√∂rper Viren bek√§mpft

Was sind Viren?
Vermehrung von Viren
Immunabwehr gegen Viren
Häufige Fragen

Aktualisierung: 15.05.2020

Viren stellen das k√∂rpereigene Immun¬≠system auf eine harte Probe. Sie sind extrem wand¬≠lungs¬≠f√§hig und in der Lage, k√∂rper¬≠eigene Zellen um¬≠zu¬≠pro¬≠grammieren. Aber auch auf diesen hart¬≠n√§ckigen Ein¬≠dring¬≠ling wartet eine pas¬≠sende Immun¬≠antwort vom K√∂rper. Hier¬≠bei kommt es stark auf den Virus an. W√§hrend Er¬≠k√§ltungs¬≠viren verh√§ltnis¬≠m√§√üig schnell be¬≠seitigt werden k√∂nnen, stellt das HIV Wissen¬≠schaft¬≠ler noch immer vor R√§tsel. Wir wagen einen Blick in die span¬≠nende Welt dieser Krank¬≠heits¬≠er¬≠reger und ver¬≠raten, warum sie f√ľr den Menschen so gef√§hrlich werden k√∂nnen.

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Sind Viren Lebewesen?

Diese Frage besch√§ftigt noch immer viele For¬≠scher. Bis heute ist strit¬≠tig, ob Viren zu den Lebe¬≠wesen gez√§hlt werden k√∂nnen oder nicht. Schlie√ü¬≠lich atmen sie nicht, sind bei der Ver¬≠meh¬≠rung auf Hilfe an¬≠ge¬≠wiesen und be¬≠sitzen keinen ei¬≠genen Stoff¬≠wechsel.¬Ļ So¬≠ge¬≠nannte Riesen¬≠viren zwingen aber immer mehr Forscher dazu, umzu¬≠denken und doch in Be¬≠tracht zu ziehen, dass Viren tat¬≠s√§chlich Lebe¬≠wesen sind. Riesen¬≠viren sind im Ver¬≠gleich zu anderen Viren sehr gro√ü. Deshalb wurden sie an¬≠fangs sogar mit Bak¬≠terien ver¬≠wechselt. Auch im Inneren unter¬≠scheiden sich die Riesen von der √ľblichen Aus¬≠gabe der Viren. Etwa 1000 Gene k√∂nnen in ihnen schlummern, w√§hrend Grippe¬≠viren oder HI-Viren lediglich ein Dutzend Gene beinhalten.¬≤

Video: Wie gefährlich sind Viren?

Quelle: #kurzerkl√§rt: “Wie gef√§hrlich sind Viren?”

Der franz√∂sische Wissenschaftler Patrick Forterre vom Pasteur-Institut in Paris hat ein Viro¬≠zell-Konzept ins Leben ge¬≠rufen, nach¬≠dem Viren als le¬≠ben¬≠dige Orga¬≠nis¬≠men in die Evo¬≠lutions¬≠geschichte ein¬≠gehen sollen. Die Be¬≠gr√ľndung: Viren enthalten einen gro√üen Speicher an Genen, sogar gr√∂√üer als zellul√§re Organismen.¬≥ Auch wenn es sich bei Viren streng ge¬≠nommen nicht um Lebe¬≠wesen handelt, gibt es Fakten, die darauf hin¬≠deuten, dass heutige Viren einst aus Lebe¬≠wesen ent¬≠stan¬≠den sind. Die Frage, ob Viren zu den Lebe¬≠wesen geh√∂ren, bleibt also weiterhin offen.

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Wie reagiert das Immunsystem auf Viren?

Um zu verstehen, wie der K√∂rper auf den Eindringling reagiert, m√ľssen wir zun√§chst hinter die Kulissen einer Virusinfektion blicken. Dabei ist die Frage besonders spannend, wie Viren √ľberhaupt leben: Was treibt sie an und wie vermehren sie sich?

Die Vermehrung von Viren

Wie bereits erwähnt, besitzen Viren keinen Stoff­wechsel und können sich selbst nicht ver­mehren. Ihr Ziel ist es, sich im Wirts­orga­nismus aus­zu­breiten. Dabei gehen Viren immer gleich vor:

1. Mithilfe eines speziellen Eiweißes können die Viren eine passende Wirtszelle ausfindig machen.

3. Die Zelle wird “umprogrammiert” und arbeitet fortan f√ľr den Virus. Flei√üig produziert sie Virusbestandteile, die sp√§ter zusammengesetzt werden. Dabei ist die identifizierte Wirtszelle behilflich, indem sie neben den Virenbestandteilen auch die Eiwei√üh√ľlle, das Erkennungseiwei√ü und die Erbinformation herstellt.

2. Die Viren schleusen ihre Erbsubstanz ein. Diese enthält alle Informationen, um weitere Viren produzieren zu können.

4. Wenn die Produktion der Nachwuchsviren erfolgreich war, knospen die neuen Viren oder die Wirtszelle wird durch den Austritt der neuen Viren zum Platzen gebracht. Dann suchen sie sich rasch eine neue Wirtszelle, um sie umzuprogrammieren. Ein stetiger Kreislauf, der nur eines zum Ziel hat: die Virenproduktion anzukurbeln.

1. Mithilfe eines speziellen Eiweißes können die Viren eine Wirtszelle ausfindig machen.

2. Die Viren schleusen ihre Erbsubstanz ein. Diese enthält alle Informationen, um weitere Viren produzieren zu können.

3. Die Zelle wird ‚Äěumprogrammiert‚Äú und arbeitet fortan f√ľr den Virus. Flei√üig pro¬≠du¬≠ziert sie Virus¬≠be¬≠stand¬≠teile, die sp√§ter zusammen¬≠gesetzt werden. Dabei ist die iden¬≠ti¬≠fi¬≠zierte Wirts¬≠zelle be¬≠hilf¬≠lich, indem sie neben den Viren¬≠bestand¬≠teilen auch die Ei¬≠wei√ü¬≠h√ľlle, das Er¬≠kennungs¬≠eiwei√ü und die Erb¬≠infor¬≠mation herstellt.

4. Wenn die Produktion der Nach­wuchs­viren erfolg­reich war, knos­pen die neuen Viren oder die Wirts­zelle wird durch den Aus­tritt der neuen Viren zum Platzen ge­bracht. Genau wie Bak­terio­phagen suchen sie sich nun rasch eine neue Wirts­zelle, um sie um­zu­pro­grammieren. Ein stetiger Kreis­lauf, der nur eines zum Ziel hat: die Virenproduktion anzukurbeln.

Wie das Immunsystem eine Virusinfektion bekämpft

Es gibt viele gef√ľrchtete In¬≠fek¬≠tionen, wie das Ebola-Virus, Zika-Virus oder Marburg- Virus. Die Folgen einer sol¬≠chen In¬≠fek¬≠tion k√∂nnen ver¬≠hee¬≠rend sein. Aber auch mit ver¬≠meint¬≠lich harm¬≠loseren Virus¬≠infek¬≠tionen haben die Ab¬≠wehr¬≠kr√§fte aus¬≠¬≠rei¬≠chend zu tun. Dabei hat der mensch¬≠liche Organis¬≠mus mehrere M√∂g¬≠lich¬≠keiten die Viren un¬≠sch√§d¬≠lich zu machen. Bevor die Viren eine Wirts¬≠zelle infi¬≠zieren, kann der K√∂rper mit¬≠hilfe von Makro¬≠phagen (Fress¬≠zellen) oder auch B-Zellen den Ein¬≠dring¬≠ling un¬≠sch√§dlich machen. Nach seinem Eintritt in die Wirts¬≠zelle k√∂nnen Makro¬≠phagen und B-Zellen aller¬≠dings nichts mehr aus¬≠richten. Dann kommen ganz spezielle Killer zum Einsatz.

T-Killerzellen Рder Agent 007 im Körper

T-Killerzellen sind die Geheimwaffen unter den Immunzellen, wenn es um die Beseitigung von Viren geht. Sie kommen dann Einsatz, wenn das Innere einer Zelle bereits vom Virus befallen ist. Die Abwehrzellen arbeiten nach einem komplexen System, um den Erreger dennoch aufzusp√ľren:

Gefahr von T-Killerzellen

T-Killerzellen sind f√ľr die Bek√§mpfung von Viren un¬≠er¬≠l√§sslich. Aller¬≠dings k√∂nnen sie dem K√∂rper auch schaden. N√§mlich dann, wenn eine er¬≠worbene Immun¬≠schw√§che vor¬≠liegt. Das ist bei der Krankheit AIDS der Fall. Die Er¬≠krankung wird durch das humane Immun¬≠defizienz-Virus ausgel√∂st. Die In¬≠fektion sorgt daf√ľr, dass die k√∂rper¬≠eigene Kommando¬≠zentrale nicht mehr funk¬≠tio¬≠niert. Die Helfer¬≠zellen werden be¬≠fallen und k√∂nnen so anderen Zellen nicht mehr sagen, was zu tun ist. Der K√∂rper wird nachhaltig geschw√§cht.

Weitere Akteure im Immunsystem

Interferone

Forscher haben sich den Rotavirus n√§her angeschaut und herausgefunden, dass so¬≠ge¬≠nannte Inter¬≠ferone eine wich¬≠tige Rol¬≠le spielen, um die Funktion des Immunsystems auf¬≠recht¬≠zu¬≠erhalten. Dabei han¬≠delt es sich um spezielle Ei¬≠wei√üe, die immer dann aus¬≠ge¬≠sch√ľttet werden, wenn eine Virus¬≠in¬≠fektion statt¬≠ge¬≠funden hat. Inter¬≠ferone sind daf√ľr ver¬≠ant¬≠wortlich, dass eine ent¬≠sprechen¬≠de Immun¬≠antwort auf die be¬≠fallene Zel¬≠le ab¬≠zielt. Schon jetzt werden Inter¬≠ferone ein¬≠gesetzt, um Immun¬≠therapien bei schwer be¬≠handel¬≠baren chronischen Virus¬≠er¬≠krankungen, wie zum Beispiel Hepatitis zu bereichern.5

Innate Lymphoid cells

In die Liste der wichtigen Akteure reihen sich auch sogenannte Innate Lymphoid cells (ILCs) ein. Ihr Wirkgebiet sind innere und √§u√üere K√∂rperoberfl√§chen. Sie produzieren Interleukine und setzen so die Abwehr von Viren, Bakterien und Parasiten fr√ľh in Gang.

Rotaviren

Rotaviren gelten als hoch¬≠an¬≠steckend. Bei einer In¬≠fek¬≠tion l√∂sen sie Er¬≠brechen und Durch¬≠fall aus. Ins¬≠beson¬≠dere Kinder leiden regel¬≠m√§¬≠√üig unter den Be¬≠schwer¬≠den, h√§ufig ist daf√ľr der Rota¬≠¬≠virus ver¬≠¬≠ant¬≠¬≠wort¬≠¬≠lich. Bei einer Rota¬≠¬≠viren-Infektion han¬≠delt es sich nicht um eine harm¬≠lose Kinder¬≠garten¬≠er¬≠krank¬≠ung. Der Virus sch√§digt die Epi¬≠thel¬≠¬≠zellen im Darm be¬≠las¬≠tet den K√∂rper stark. Mehr als 500.000 Menschen sterben j√§hrlich an den Folgen.

Interleukin-22

Um eine Rotavirus-Infektion in den Griff zu bekommen, ben√∂tigt der K√∂rper zudem Inter¬≠feron-lambda (IFN-l) und den Boten¬≠stoff Inter¬≠leukin-22. Letzte¬≠rer ist ein be¬≠kannter Ver¬≠treter, wenn es um die Be¬≠seiti¬≠gung von bak¬≠teriel¬≠len In¬≠fektio¬≠nen des Darms und der Lunge geht. Der Boten¬≠stoff Inter¬≠leukin-22 kann aber noch mehr, so hilft er dabei, Ge¬≠webe¬≠reparatur¬≠vorg√§nge im Darm zu unter¬≠st√ľtzen. Nicht zuletzt be¬≠tonen Forscher, dass Inter¬≠leukin-22 als eine Art Ver¬≠st√§rker des Inter¬≠ferons wirkt. Unter Um¬≠st√§nden k√∂nnte der Boten¬≠stoff zuk√ľnftige Immun¬≠therapien wirksam unterst√ľtzen.4

Studien und Quellen zum Thema Immunsystem

  1. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2011/daz-1-2011/sind-viren-lebewesen
  2. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26999382/
  3. https://www.nature.com/articles/ismej2012110
  4. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/63000/Immunsystem-kontrolliert-Virusinfektionen
  5. https://www.fzi.uni-mainz.de/konzertierter-angriff-auf-das-rotavirus/

FAQ ‚Äď die h√§ufigsten Fragen zum Immunsystem

Eine gesunde Abwehr ist wichtig, um die zahlreichen Eindringlinge bek√§mpfen zu k√∂nnen, mit denen der K√∂rper tagt√§glich konfrontiert ist. Das Immunsystem kann aktiv gest√§rkt werden. Besonders empfehlenswert ist eine ausreichende Bewegung an der frisch¬≠en Luft. Eine gesunde Ern√§hrung mit viel Obst und Gem√ľse versorgt den K√∂rper mit N√§hr¬≠stoffen, die f√ľr die Ab¬≠wehr wichtig sind. Stress kann das Immun¬≠system belasten, daher sollte im All¬≠tag f√ľr gen√ľ¬≠gend Ent¬≠spannung ge¬≠sorgt werden. Nicht zu¬≠letzt ist es em¬≠pfehlens¬≠wert, wei¬≠test¬≠gehend auf Tabak und Alkohol zu verzichten, um dem Ab¬≠wehrsystem nicht die Kraft zu rauben.

Lesen Sie mehr dar√ľber, wie sich das Immunsystem st√§rken l√§sst.

Die Grippewelle 2019 hat wiederholt be­wiesen, dass die In­flu­enza jedes Jahr einen schwe­ren Ver­lauf nehmen kann. Vor­beu­gende Maß­nahmen können helfen, eine An­steckung zu ver­meiden. Neben der Stär­kung des Ab­wehr­systems ist eine aus­reichende Hygiene wichtig, damit die Viren nicht ihr Ziel er­reichen. Einmal er­krankt, können nur die Symp­tome be­handelt werden. Dabei helfen fieber­senkende und schmerz­lindernde Medi­kamente. Wer an Grippe erkrankt ist, sollte un­bedingt Bett­ruhe halten. Der Körper braucht jetzt viel Zeit, um genesen zu können.

Erfahren Sie mehr √ľber das Thema Infektionskrankheiten.

Zahlreiche Vitamine und Spurenelemente halten das Immunsystem auf Trab. Besonders wichtig ist die Versorgung mit Vitamin A, C, D und B-Vitaminen. Eisen, Kupfer, Selen und Zink sind ebenfalls wichtig, damit das körper­ei­gene Abwehr­system gut funk­tio­niert. Der Be­darf kann hervor­­ragend mit einer gesunden Ernährung und frischen Lebensmitteln ge­­deckt werden. Unter Um­­ständen kann auch ein Nah­rungs­­er­gänzungs­­mittel dabei helfen, den Körper mit den ent­­sprech­enden Vita­minen und Spuren­elementen zu versorgen.

Weitere Informationen dazu, wie sich das Immunsystem stärken lässt.

Das körpereigene Abwehrsystem hilft grund­sätzlich dabei, Krebs­zellen zu er­kennen und zu ver­nichten. Ohne, dass wir das be­merken, ge­schieht das in unserem Körper regel­mäßig. Im Um­kehr­schluss be­deutet das aber nicht, dass ein schwaches Immun­system eine Krebs­erkrankung hervor­gerufen hat.

Erfahren Sie alles rund um das Thema Immunsystem.

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Unsere Autor*innen
Ernährungswissenschaftlerin bei der

Claudia hat an der Christian-Albrechts-Universit√§t √Ėkotrophologie studiert und anschlie√üend promoviert. Danach war sie 10 Jahre in verschiedenen Forschungseinrichtungen wissenschaftlich t√§tig. Viele gesundheitliche Themen sind nicht nur Teil ihres Berufes sondern ein St√ľck weit auch eine Berufung. Durch pers√∂nliche Erfahrungen ist Claudia Expertin f√ľr Diabetes und en¬≠ga¬≠giert sich auch f√ľr einen Selbsthilfeverband. In ihrer Freizeit testet sie den Einfluss von Entspannung und Sport auf die menschliche Gesundheit durch regelm√§√üige Strandspazierg√§nge und Volleyball-Trainingseinheiten.