Immunsystem Darm: Die Bedeutung des Immunorgans f√ľr die k√∂rpereigene Abwehr

Immunorgan Darm
Stärkung des Darms
Immunabwehr im Darm
Häufige Fragen

Immunsystem Darm: Die Bedeutung des Immunorgans f√ľr die k√∂rpereigene Abwehr

Immunorgan Darm
Immunabwehr im Darm
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Aktualisierung: 20.05.2020

Der Darm ist das gr√∂√üte innere Organ des Menschen – bis zu 7 m kann er lang werden. Nicht nur die Gr√∂√üe, sondern auch die Auf¬≠gabenvielfalt des Darms ist beein¬≠druckend. Neben der Verdauung und Resorption von Nahrung spielt er auch eine √ľbergeordnete Rolle f√ľr unser Immunsystem. Wir verraten, warum der Darm ganz entscheidend zur Gesundheit beitr√§gt und wie mit einem ge¬≠zielten Aufbau der Darmflora Beschwerden entgegengewirkt werden kann.

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Der Darm als Immunorgan

Das Immunsystem ist auf die Mithilfe zahl¬≠reicher Akteure angewiesen. Dazu geh√∂ren K√∂rperzellen, Molek√ľle und Immun¬≠organe. Letztere sind √ľber den ganzen K√∂rper verteilt und haben die Aufgabe, Krank¬≠heitserreger abzuwehren und Fremd¬≠substanzen aus dem Weg zu r√§u¬≠men. Auch tote und ver√§nderte K√∂rperzellen werden so beseitigt.

Gleichzeitig trägt das Immunorgan Darm dazu bei, dass körpereigene Strukturen toleriert werden. Bei Autoimmunerkrankungen ist dieser Prozess allerdings fehl­geleitet. Anhand von Neurodermitis, Multiple Sklerose und Diabetes Typ 1 wird klar, dass der Körper auch eigenes Gewebe und Organe angreifen kann. Nur wenn das eigene Immunsystem rei­bungs­los funktioniert, werden Feinde eliminiert und Körper­bestandteile geschont.

Wie funktioniert die Immunabwehr im Darm?

Der Darm wird h√§ufig als Sitz der Gesundheit bezeichnet. Kein Wunder, denn das Organ greift auf einen ausgekl√ľgelten Ver¬≠teidi¬≠gungs¬≠mechanismus zur√ľck, um uner¬≠w√ľnschte G√§ste zu vertreiben. Grund¬≠s√§tzlich k√∂nnen folgende Abwehrlinien im Darm unterschie¬≠den werden:¬Ļ Die Darm¬≠schleimhaut, die Darmflora (Darmmikro¬≠biota), das darmasso¬≠ziierte Immunsystem.

Hier ist vor allem die Darmschleimhaut im D√ľnn¬≠darm erw√§hnenswert. Darauf befinden sich Zellen, die die N√§hrstoffaufnahme sicher¬≠stellen und Krank¬≠heitserreger effektiv ab¬≠wehren k√∂nnen. Die soge¬≠nannten ‚ÄěPaneth-Zellen‚Äú spielen dem Im¬≠mun¬≠¬≠system direkt in die Karten. Sie setzen spe¬≠zi¬≠elle Substanzen ab, die Eindringlingen den Gar¬≠aus machen. Dann gibt es noch die ‚ÄěM-Zellen‚Äú. Sie nehmen die Krankheits¬≠¬≠erreger auf und sorgen f√ľr einen Transport zu den daf√ľr verantwort¬≠lichen Abwehrzellen.¬≤

Im menschlichen Darm tummeln sich zahl¬≠reiche Mikroben. Untersuchungen zu¬≠folge leben dort mindestens 1.014 Mikroorga¬≠nismen im friedlichen Einklang miteinander. Unglaublich aber wahr: W√ľrden alle zusam¬≠men gewogen, w√§re das Ergebnis: 1,5 bis 2 Kilogramm.¬≥ Die zahlreichen Kleinst¬≠lebe¬≠wesen in unse¬≠rem Darm ergeben die Darm¬≠flora. Sie ist sowohl mit ‚Äěguten‚Äú als auch mit ‚Äěschlech¬≠ten‚Äú Bakterien besiedelt. Das ist kein Problem, solange die guten Mi¬≠kro¬≠ben die Oberhand be¬≠halten.

Im Jahr 2011 wurde eine Studie von Peer Bork veröffentlicht. Der Bioinforma­tiker hat fest­gestellt, dass weltweit drei Darmtypen exis­tieren. Um das belegen zu können, hat er tausende von Stuhlproben aus der ganzen Welt analysiert.

Das Ergebnis: Egal, woher der Mensch stammt, wie alt er ist oder welchem Ge­schlecht er angehört, er kann immer einem der drei Bakterientypen zuge­ordnet werden. Laut Peer Bork können folgende Darmtypen unterschieden werden:

Video: Wie der Darm unsere Gesundheit beeinflusst

Quelle: SWR | Planet Wissen | Wie der Darm unsere Gesundheit beeinflusst

  • Darmtyp 1: Hier liegen vornehmlich die Bakterien der Gattung Bacte¬≠ro¬≠ides vor

  • Darmtyp 2: Hier dominieren die Bakterien der Gattung Prevotella

  • Darmtyp 3: Hier haben vor allem die Bakterien der Gattung Ruminococcus das Sagen.

     

Besonders interessant ist, dass jede Bakteri¬≠engattung ihre Vorlieben hat und einen jeweiligen Stoffwechsel besitzt. W√§hrend der Darmtyp 1 √ľber eine geringe Bakterienvielfalt verf√ľgt, ist bei dem Besitzer von Bacteroides-Bakterien auff√§llig, dass Kohlenhydrate gut aufge¬≠spalten werden k√∂nnen. Allerdings scheint der Darmtyp 2 auch h√§ufiger unter Reizdarm und Diabetes zu leiden. Vegetarier beherbergen oft eine Viel¬≠zahl von Prevotella-Bakterien. 4

Fakt ist: Egal, welche Darmbakterien domi¬≠nieren, die Mikroben sind sehr wichtig f√ľr das Immunsystem. Besonders gut kann das an keim¬≠frei aufgezogenen Labortieren beo¬≠bachtet werden. Bei ihnen k√∂nnen keine Darmbakterien nachgewiesen werden. Da¬≠durch sind sie anf√§l¬≠liger f√ľr Infekte. Falls ein Eindringling in den K√∂rper gelangt, f√§llt die Immunantwort nur gering aus.5 Scheinbar bringt die Darmflora das Immunsystem erst richtig in Schwung.

Wie wichtig die Artenvielfalt im Darm ist, zeigt sich auch, wenn Breitbandantibiotika die Bakterien entscheidend dezimieren. Dann k√∂nnen sich pathogene (krankmachende) Mikroorganismen leichter vermehren. M√∂g¬≠liche Folge kann unter anderem die soge¬≠nannte Antibiotika-assoziierte Diarrhoe (Durchfall, ausgel√∂st durch Antibiotika) sein. Das Gleichgewicht zwischen den Bakterien¬≠hauptst√§mmen tr√§gt offenbar entscheidend zur Gesundheit bei. Experten vermuten, dass ein Ungleichgewicht das Risiko f√ľr Reiz¬≠darm¬≠syndrom, Allergien und Durchfall erh√∂hen kann. Auch bei zahlreichen anderen Erkran¬≠kungen wie den chronisch-entz√ľnd¬≠lichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) wird ein Zusammen¬≠hang mit der Darmflora vermutet.6

Das GALT ist ein wahres Wunderwerk. Hier befindet sich die gr√∂√üte Ansammlung von Immunzellen im menschlichen K√∂rper. Ca. 70 % der Immunzellen beherbergt alleine der Darm. Die zentrale Aufgabe des darmassoziierten Immunsystems ist es, krankmachende Erreger abzuwehren. Gleichzeitig muss das GALT sanft zu den n√ľtzlichen Bakterien im Darm sein und Nahrungsmittelantigene tolerieren. Nur wenn das System stark und sanft zugleich ist, k√∂nnen Eindringlinge bek√§mpft und harmlose Substanzen akzeptiert werden.

Zu dem ausgekl√ľgelten System GALT geh√∂ren Rachen- und Gaumenmandeln, ein bestimmter Teil des Blinddarms (Appendix vermi¬≠formis) und die solit√§ren Lymph¬≠follikel des Darms.6 Das darmasso¬≠ziierte Immunsystem ist h√§ufig die nachgeordnete Instanz, die eingreift, wenn Krankheits¬≠erreger in den K√∂rper eindrin¬≠gen. Zun√§chst versucht der Magen-Darm-Trakt, die uner¬≠w√ľnschten G√§ste mit der Magens√§ure zu vernichten. √úberwinden die Keime die nat√ľrliche Barriere, ruft das die Immun¬≠zellen aus den Darmw√§nden auf den Plan.

Mithilfe des GALT k√∂nnen Fremdstoffe markiert und vernichtet werden. Die Lymphbahnen sorgen f√ľr eine gezielte Informations¬≠weiterleitung, sodass auch andere Abwehrzentren im K√∂rper wissen, dass sich Eindringlinge im K√∂rper befinden. Ein starker Darm kann also tats√§chlich f√ľr ein starkes Immunsystem sorgen.¬≤

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Möglichkeiten zur Stärkung des Darms

Das Immunsystem st√§rken gegen Magen-Darm-Erkrankungen und Co. ist eine gute Idee. Schlie√ülich nimmt das Mikrobiom im Darm eine wichtige Rolle ein, um krank¬≠machende Erreger auf Abstand zu halten. Das Darm-Immunsystem und eine gesunde Ern√§hrung sind gute Partner. Dar√ľber hinaus gibt es aber noch andere Tipps, die helfen k√∂nnen, den Darm stark zu machen.7

Der Körper leitet im Schlaf wichtige Regenerationsprozesse ein. Zudem ist das Immunsystem nachts besonders aktiv Рder Körper wird nun mit zahlreichen immun­aktiven Substanzen und Boten­stoffen geflutet.

Sport ist nicht nur f√ľr das Herz-Kreislauf-System f√∂rderlich, sondern auch f√ľr die Verdauung.

Schwarzer Tee sollte als Genussmittel gehandhabt werden. Zuviel des Getr√§nks kann zu Verstopfungen f√ľhren. Besser geeignet sind stilles Wasser oder milde Kr√§uterteesorten.

In Fertigprodukten und anderen stark verarbeiteten Lebensmitteln ist häufig eine große Menge an Zusatzstoffen enthalten. Der Darm kann darauf empfindlich reagieren. Im besten Fall werden naturbelassene Lebensmittel bevorzugt.

Stark fetthaltige Lebensmittel verweilen oft sehr lange im Verdau¬≠ungs¬≠trakt. Mit leichten Speisen wird das Verdau¬≠ungs¬≠system entlastet. Zu viel Zucker st√∂rt das em¬≠pfindliche Gleich¬≠gewicht zwischen ‚Äěguten‚Äú und ‚Äěschlechten‚Äú Bakterien. Daher sollte auch hier reduziert werden.

Wenn Speisen gut gekaut werden, muss der Darm weniger arbeiten. Eine gute Empfehlung ist: 40-mal kauen, erst dann herunterschlucken.

Darmfreundliche Ernährung: Fermentation und Co.

Eine darmfreundliche Ern√§hrung kann ent¬≠scheidend dazu beitragen, die ge¬≠sunden Bakterien im Darm zu st√§rken. Neben dem Verzicht auf stark ver¬≠ar¬≠beitete Lebensmittel und der Reduzierung von Fett sowie Zucker sind vor allem ballaststoffreiche Lebensmittel empfehlenswert. Vollkorn, Haferflocken und Leinsamen enthalten Ballaststoffe. Diese kann der K√∂rper praktisch nicht ver¬≠dauen. Trotzdem haben sie viele gute Eigenschaften: Sie sor¬≠gen f√ľr ein langes S√§ttigungsgef√ľhl und er¬≠leichtern die Darmpassage. Auch die Darm¬≠bakterien freuen sich √ľber Bal¬≠laststoffe. Sie zersetzen im Dickdarm die Ballast¬≠stoffe und geben dabei kurzkettige Fetts√§uren frei. Diese st√§rken wiederum das Immun¬≠system.8

Präbiotische Lebensmittel sind ebenfalls eine gute Empfehlung. Bestimmte Pflanzen ver­einen die präbiotischen Ballaststoffe, die gesundheitsfördernden Bakterien im Darm als Nahrung dienen. Zudem regen präbiotische Lebens­mit­tel die guten Bakterien zum Wachs­tum an. Wie wäre es demnächst mit Bananen, Zwiebeln, Knoblauch, Spar­gel, Lauch, Löwen­zahn, Artischocken oder Chicorée? All diese Lebensmittel ent­halten präbiotische Ballast­stoffe.

Video: Lebensmittel haltbar machen – Vom Weckglas zum Plasma

Quelle: NDR Doku | Wie geht das? | Leckere Vielfalt im Weckglas: Lebensmittel haltbar machen

Nicht zuletzt k√∂nnen fermentierte Nahr¬≠ungs¬≠mittel einen wichtigen Beitrag zur Darmge¬≠sundheit leisten. Sie enthalten gute Bakterien, √ľber die sich der menschliche Darm freut. Zu den fermentierten Nahrungs¬≠mitteln geh√∂ren Sauerkraut, Kimchi, Kefir und Miso. Allerdings sollten die Produkte im besten Fall frisch zubereitet werden, da die gesundheits¬≠f√∂rdernden Bakterien z√ľgig ab¬≠sterben.7

Darmkur zur Stärkung des Immunsystems

Ein qualitativ hochwertiges Probiotikum kann die Darmflora bei ihrer Arbeit unterst√ľtzen. Darmkuren enthalten einen wertvollen Mix aus Bakterienst√§mmen. Im K√∂rper angelangt, k√∂nnen die lebensf√§higen Mikroorganismen die Verdauung und das Immunsystem positiv be¬≠einflussen. Besonders sinnvoll ist eine Darmkur nach einer l√§ngerfristigen Verwen¬≠dung von Arzneimitteln wie Antibio¬≠tika. Mit einer ge¬≠zielten Einnahme kann die Bildung der n√ľtzlichen Bakterien unterst√ľtzt werden.

Studien und Quellen zum Thema Immunsystem

  1. https://www.rosenfluh.ch/media/arsmedici/2014/04/Darm_und_Immunsystem.pdf
  2. https://www.doppelherz.de/darmgesundheit-special/darm/immunsystem-im-darm/
  3. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Wichtig-fuer-das-Immunsystem-265563.html
  4. https://www.planet-wissen.de/natur/mikroorganismen/bakterien_urkeime_helfer_erreger/bakterien-darmflora-100.html
  5. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2606142/
  6. https://www.allgemeinarzt-online.de/archiv/a/abwehr-aus-dem-bauch-heraus-1574780
  7. https://www.vitamaze.shop/magazin/darmflora-aufbauen-tipps-fuer-ihre-darmgesundheit
  8. https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Ballaststoffe-Gut-fuer-Darmflora-und-Herz,ballaststoffe150.html

FAQ ‚Äď die h√§ufigsten Fragen zum Immunsystem

Das darmassoziierte Immunsystem (GALT) ist ein wertvoller Teil des lym­pha­tischen Systems und befindet sich im Darm. Über die Lymphbahnen tauscht es Infor­mationen mit weiteren Abwehrzentren im Körper aus.

Erfahren Sie mehr √ľber das darmassoziierte Immunsystem.

Der Darm wird nicht ohne Grund als Sitz der Gesundheit bezeichnet. Er beherbergt ca. 70 % der Immunzellen und wehrt mit verschiedenen Vertei­digungslinien Krankheitserreger ab. Dazu zählen die Darmschleimhaut, die Darmflora und das darmassoziierte Immunsystem.

¬≠Lesen Sie mehr √ľber das Immunorgan Darm.

Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus rhamnosus, Bifidobacterium bifidum und Lactobacillus salivarius haben sich besonders bewährt.

Erfahren Sie mehr √ľber die Darmflora.

Ein starkes Immunsystem hilft dabei, die Infektanf√§lligkeit zu verringern. Das gilt auch f√ľr Magen-Darm-Erkrankungen. Hier hat sich insbesondere ein gutes Gleich¬≠gewicht zwischen guten und schlechten Bakterien als gesundheits¬≠f√∂rdernd herausgestellt. Gewinnen die pathogenen (krankmachenden) Bakterien die Oberhand, kann es unter anderem zu Durchfall kommen.

Weitere Informationen zur Stärkung des Darms.

Auch bei Kindern wird angenommen, dass sich ein Aufbau der Darmflora g√ľnstig auf das Immunsystem auswirken kann. Hierf√ľr gibt es Pr√§parate, extra f√ľr Kinder.

Erfahren Sie wie Sie die Abwehrkräfte der Kinder stärken .

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Unsere Autor*innen
Ernährungswissenschaftlerin bei der

Claudia hat an der Christian-Albrechts-Universit√§t √Ėkotrophologie studiert und anschlie√üend promoviert. Danach war sie 10 Jahre in verschiedenen Forschungseinrichtungen wissenschaftlich t√§tig. Viele gesundheitliche Themen sind nicht nur Teil ihres Berufes sondern ein St√ľck weit auch eine Berufung. Durch pers√∂nliche Erfahrungen ist Claudia Expertin f√ľr Diabetes und en¬≠ga¬≠giert sich auch f√ľr einen Selbsthilfeverband. In ihrer Freizeit testet sie den Einfluss von Entspannung und Sport auf die menschliche Gesundheit durch regelm√§√üige Strandspazierg√§nge und Volleyball-Trainingseinheiten.