//Ratgeber: Wie Autogenes Training Körper und Seele entspannt
Ratgeber: Wie Autogenes Training Körper und Seele entspannt2017-09-29T22:10:10+00:00

Autogenes Training – Entspannung durch Autosuggestion

Frau liegt auf Wiese

Stress, Hektik und ständige Anspannung kennzeichnen den Alltag in der modernen Welt. Unsicherheit und Leistungsdruck beeinflussen den gesamten Organismus und können krank machen. Das Autogene Training ist eine Möglichkeit, mit den Belastungen des Arbeitsalltags besser fertig zu werden.

Sicherlich gibt es wirksame Medikamente gegen die Auswirkungen von andauernden Anforderungen und Stress. Die sprichwörtliche These, nach der Vorbeugen besser ist als Heilen, hat aber noch immer Gültigkeit.

Die Zunahme von psychischen Störungen und Erkrankungen zeigt deutlich, dass zahlreiche Menschen die permanenten Belastungen im beruflichen und privaten Bereich nicht mehr bewältigen können. Das Autogene Training kann hier präventiv eingesetzt werden. Es ist eine bewährte und erfolgreiche Methode zur Entspannung. Gerade auf dem Gebiet der seelischen Störungen ist die Vorbeugung eine wichtige Aufgabe.

Das Autogene Training wurde von dem Berliner Nervenarzt Johannes H. Schultz ab 1928 entwickelt. Es hat sich inzwischen zur wohl bekanntesten Methode zur Entspannung entwickelt. Autogenes Training ist leicht zu erlernen und kann eine Hilfe in jeder Lebenslage und jeder Anforderung sein.

Beeinflussung von Körper und Seele durch Autosuggestion

Autogenes Training ist keine Therapie oder eine Methode der Psychotherapie. Es kann aber als begleitende und unterstützende Maßnahme einer Therapie eingesetzt werden. Autogenes Training kann als eine Form der Selbsthypnose bezeichnet werden. Man kann auf diese Weise versuchen, das vegetative Nervensystem positiv zu beeinflussen. Diese Nerven regulieren Kreislauf, Blutdruck und Atmung, sind für die Steuerung des Stoffwechsels und der Wärme- und Wasserregulierung zuständig. Das System arbeitet selbständig und kann normalerweise nicht willentlich beeinflusst werden. Durch die Übungen des Autogenen Trainings kann der tägliche Stress abgebaut werden, der auf Organe und Muskeln wirkt und die Gesundheit massiv beeinträchtigen kann.

Selbsthypnose unterstützt Heilungsprozesse

Autogenes Training kann für alle gesunden Menschen eine große Hilfe sein. Selbst Kinder ab 8 Jahrenkönnen von den Übungen zur Entspannung profitieren.  Die Wirkung des Autogenen Trainings ist allgemeinwohltuend, beruhigend und entspannend. Es kann die Selbstbeherrschung fördern, so die Persönlichkeit stärken und die Leistungsfähigkeit günstig beeinflussen. Aber auch bei Beschwerden durch Krankheiten kann diese Entspannungsmethode helfen. Autogenes Training hilft zum Beispiel bei:

Die Grenzen des Autogenen Trainings

Das Autogene Training ist kein Placebo, sondern wirkt tatsächlich und nachweislich auf Körper und Geist. Es ist deshalb auch nicht für jeden geeignet. Menschen mit manifesten psychischen Erkrankungen müssen die Selbstentspannung meiden. Bei Problemen wie Depressionen, starken Angstzuständen, Zwangserkrankungen oder Wahnvorstellungen darf das Training auf keinen Fall durchgeführt werden. Es ist zum einen möglich, dass das Krankheitsbild verschwommen wird und nicht mehr richtig diagnostiziert werden kann. Zum anderen können sich derartige Krankheiten durch das Autogene Training verschlimmern.

Die drei Stufen des Autogenen Trainings

Die Grundstufe

In der Grundstufe werden Autosuggestion und Entspannung geübt. Hier wird das Fundament für jegliche Arbeit mit dem Autogenen Training gelegt. Es gibt sechs grundlegende Übungen. Jedes Training wird mit der Ruheformel eingeleitet: „Ich bin ganz ruhig, die Gedanken kommen  und gehen.“ Die Übungen werden mit geschlossenen Augen und in einer für den Übenden bequemen Haltung durchgeführt.

  1. Die Schwereübung: Zunächst wird ein Gefühl der Schwere im rechten oder linken Arm ausgelöst. Später wird dieses Schweregefühl auf den gesamten Körper ausgedehnt. Es wird mit formelhaften Aussagen herbeigeführt, die ständig wiederholt werden. „Mein rechter Arm (linker Arm) wird ganz schwer.“
  2. Die Wärmeübung: Sie wird analog zur Schwereübung durchgeführt. „Mein rechter Arm (linker Arm) ist ganz warm.“
  3. Die Herzübung: Hier soll das Herz und seine Funktion bewusst wahrgenommen werden. Vor allem der Rhythmus des Herzens steht hier im Vordergrund. „Mein Herz schlägt ruhig und gleichmäßig.“
  4. Die Atemübung: Auch der eigene Atem soll bewusst erlebt werden. Die Formeln reichen von: „Mein Atem geht ruhig und gleichmäßig“ bis hin zu der  Formel: „Es atmet mich.“ Der Vorgang des Atmens soll nicht erzwungen, sondern nur beobachtet und erfahren werden.
  5. Die Sonnengeflechtsübung: Mit der Formel: „Das Sonnengeflecht ist strömend warm“ soll der Solarplexus gut durchblutet werden. Die Übung ist förderlich für Stoffwechsel und Verdauung.
  6. Die Kopfübung: „Die Stirn ist angenehm kühl.“ Mit der Formel vom kühlen Wind, der an der Stirn vorbei weht, wird das überlegte Handeln im Alltag und bei Problemen gefördert.

Nach der Übungseinheit

Nach jeder Übungseinheit muss das Zurücknehmen erfolgen. Der Körper, der im Idealfall völlig entspannt ist, muss in die Wirklichkeit zurückgeführt werden. Die Rücknahme geschieht in drei Stufen:

  • Arme fest! Der Übende muss sich strecken und die Arme gründlich ausschütteln.
  • Tief Atmen! Wiederholtes Ein- und Ausatmen
  • Augen auf!

Die Anleitung zum Autogenen Training

Es gibt vielerlei Möglichkeiten, das Autogene Training zu erlernen. Bücher, CDs oder auch Videos bieten Anleitungen zum Training. Es empfiehlt sich aber, einen Kurs zu belegen. Ein Lehrer oder Therapeut kann auf persönlichen Schwierigkeiten eingehen und bei der optimalen Auswahl der Formeln helfen. Bei den höheren Stufen des Autogenen Trainings ist ein Therapeut ohnehin die beste Möglichkeit des Lernens.

Die Krankenkassen haben in den letzten Jahren ihre Aktivitäten zur Prävention verstärkt. Sowohl die vielzitierte demografische Entwicklung als auch die Entwicklung der Kosten im Gesundheitswesen haben gezeigt, dass sich der Einsatz für die Vorbeugung von Erkrankungen auf jeden Fall lohnt. Für die Versicherten ist das Vermeiden von Krankheiten ein wichtiges Ziel, und ein Kurs für Autogenes Training ist sicherlich billiger als die Behandlung eines Magengeschwüres oder eines Herzinfarktes.

Deshalb kann Autogenes Training Teil der Kassenleistungen sein. Die Höhe der Kostenübernahme ist unterschiedlich. Manche Kassen übernehmen die Kursgebühren vollständig, andere bis zu einem Höchstbetrag. Voraussetzung sind zunächst qualifizierte Lehrer. Weiter werden die Kursgebühren nur dann erstattet, wenn alle Stunden auch tatsächlich besucht wurden. Viele Krankenkassen verlangen einen entsprechenden Nachweis. Vor allem die großen Krankenkassen bieten ihren Versicherten auch eigene Kurse an, sodass gar keine Kosten entstehen.

Die privaten Krankenversicherer zahlen Leistungen nur dann, wenn die medizinische Notwendigkeit nachgewiesen ist. Doch auch hier findet langsam ein Umdenken statt. Auch die Leistungen der privaten Krankenversicherungen beinhalten verstärkt präventive Maßnahmen.

Doch wie immer in der PKV hängt die Leistung von gewählten Tarif und den Vertragsbedingungen ab. Wer sich beispielsweise für Techniken wie Autogenes Training interessiert, sollte beim Vertragsabschluss auf entsprechende Inhalte achten. Ein Anruf bei der Versicherung klärt bei bestehenden Verträgen, ob die Versicherung einen Kurs für Autogenes Training zahlt.

(Bitte beachten Sie unsere Hinweise zu medizinischen Inhalten!)