//Essstörungen: Die Psyche als Herrscher über das Essverhalten
Essstörungen: Die Psyche als Herrscher über das Essverhalten2018-07-18T11:43:16+00:00

Essstörungen: Die Psyche als Herrscher über das Essverhalten

Der Lebensstil in den Industrienationen ist geprägt vom Überfluss. Den Menschen stehen jederzeit in einer schier endlosen Fülle Lebens- und Genussmittel zur Verfügung. Gleichzeitig nimmt die Zahl übergewichtiger und fettleibiger Menschen zu.

Essen hat oft etwas mit der Psyche zu tun

Allein in Deutschland sind zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen übergewichtig, knapp ein Viertel sogar fettleibig. Als Schön­heits­ideal der Moderne gelten jedoch schlanke, sportliche Frauen und Männer.

Die Diskrepanz zwischen Nahrungsangebot und Schönheitsideal kann zu einem abnormen Essverhalten führen. Um sich vor Übergewicht und gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu schützen, versucht ein Großteil der westlichen Bevölkerung sein Ernährungsverhalten zu zügeln und zu kontrollieren. Essstörungen sind ein Ausdruck dafür, dass die Zügelung offenbar zu einem Problem geworden ist. Die Ursachen dafür sind individuell verschieden und bestehen meist aus mehreren Faktoren. Eine bedeutende Rolle spielt jedoch die menschliche Psyche. Wie auch bei anderen Suchterkrankungen können psychologische Unstimmigkeiten Ursache und Folge sein und sind letztlich der Hauptangriffspunkt von therapeutischen Maßnahmen.

Magersucht und Co.: Eine Bedrohung in Deutschland?

Icon-Fragezeichen-V1Häufig tritt eine Essstörung erstmals im Teenageralter auf. In dieser Zeit der Entwicklung und Selbstfindung sind Jugendliche anfälliger für solche Störungen, da sie sich eher an „Vorbildern“ und dem geltenden Schlank­heits­ideal orientieren. Immer kleiner werdende Konfektionsgrößen in scheinbar normalen Modegeschäften fördern den Wunsch schlank zu sein. Mädchen entwickeln häufiger eine Essstörung als Jungen. Jedoch sind die Unterschiede v.a. bei den 11 bis 13-Jährigen weitaus geringer, als vermutet werden könnte.

Essstörungen bei Mädchen und Jungen im Vergleich

23,5 % Mädchen (11–13 Jahre)
17,8 % Jungen (11–13 Jahre)
32,3 % Mädchen (14–17 Jahre)
13,5 % Jungen (14–17 Jahre)
Anzahl der Todesfälle bei Eßstörungen

Ursachen und Symptome von Essstörungen

ArztEine Essstörung, gleich welcher Art, ist stets durch mehrere Faktoren entstanden und wird durch mehrere Faktoren aufrechterhalten. Die Ursachen reichen von biologischen und genetischen Faktoren über individuelle Merkmale der Betroffenen und Ihrer Familie und Freunden bis hin zu soziokulturellen Faktoren, wie dem aktuellen Schönheitsideal.

Vor allem die körperlichen Beschwerden unterscheiden sich je nach Art der Essstörung. Jedoch lassen sich auch Kennzeichen ausmachen, die bei allen Essstörungen zu finden sind. So zeigt sich bei jeder Form eine Störung des Körperbildes. Dies ist geprägt durch die Störung der Wahrnehmung körpereigener Vorgänge und der Wahrnehmung eigener Gefühle sowie dem durchdringenden Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit.

Essstörungen im Überblick

Nach internationalem Standard (ICD) werden folgende Formen von Essstörungen klassifiziert:

  • Anorexia nervosa
  • Atypische Anorexia nervosa
  • Bulimia nervosa
  • Atypische Bulimia nervosa
  • Essattacken bei anderen psychischen Störungen
  • Erbrechen bei anderen psychischen Störungen
  • Sonstige Essstörungen
  • Essstörung, nicht näher bezeichnet

Seit geraumer Zeit wird auch die Binge-Eating-Störung (Esssucht) immer bekannter. Jedoch sind die Forschungen zu dieser Form noch in den Anfängen. Ebenso ist diese Störung nicht allein nach ICD klassifiziert, sondern wird der “Essstörung, nicht näher bezeichnet” zugeordnet.

Magersucht, Anorexie, Anorexia nervosa

Die Anorexie ist gekennzeichnet durch den bewusst und absichtlich herbeigeführten Gewichtsverlust. Trotz des zum Teil gravierenden Untergewichts empfinden sich Betroffene noch als zu dick. Die Gewichtsreduktion erreichen sie primär durch Hungern, Nahrungsverweigerung und/oder übertrieben durchgeführten Sport. Einige Magersüchtige greifen zudem zu Appetitzüglern, Abführmitteln, entwässernden Medikamenten oder lösen selbst Erbrechen aus.

Für die Magersucht typische Symptome sind:

  • ständiges Beschäftigen mit dem Gewicht (Angst vorm Zunehmen, ständige Gewichtskontrolle)
  • verändertes Essverhalten (sehr kontrolliert, geringe Mengen, zeitweise gar nichts essen, Verweigern von Lebensmitteln, Diäten versus bulimisches Verhalten)
  • extremer Gewichtsverlust (Körpergewicht etwa 15 Prozent unter dem Normalgewicht, BMI unter 17,5 → Achtung! Nicht alle Magersüchtigen haben einen BMI unter 17,5 und sind es dennoch.)
  • Leugnung des geringen Körpergewichts (verzerrte Wahrnehmung, empfinden sich trotz Untergewicht als zu dick)
  • Haarausfall, brüchige Haare und Nägel, trockene schuppige Haut, Lanugobehaarung, Kälteempfindlichkeit, niedrige Körpertemperatur, Ausbleiben der Menstruation, Potenzstörungen bis hin zur Impotenz, Entwicklungsstörungen
  • psychische Veränderungen (Panik, wenn Gewicht zugelegt wurde, Depressionen, starke Reizbarkeit, selbstverletzende Maßnahmen)

Eine chronische Anorexie wirkt sich in jedem Fall negativ auf den Körper aus. Zu den langfristigen Folgen dieser Störung zählen:

  • Störungen der Fruchtbarkeit
  • Haarausfall
  • Osteoporose
  • häufiges Frieren
  • Nierenschäden
  • Herz-Kreislauf-Störungen
  • Ohnmachtsanfälle
  • Magen-Darm-Störungen
  • Zahnschäden

Ess-Brech-Sucht, Bulimie, Bulimia nervosa

InformationBei der Bulimie steht wie bei der Magersucht das Gewicht im Vordergrund. Jedoch ist diese Essstörung geprägt durch (Fr)‍Essanfälle, bei denen in kurzer Zeit große Mengen Nahrung gegessen werden. Da die Betroffenen jedoch Angst vor einer Gewichtszunahme haben, versuchen sie die Essanfälle durch Erbrechen, Abführmittel, Fasten etc. zu kompensieren. Zwischen den Anfällen folgen viele Betroffene einer Art Dauerdiät. Vom äußeren Erscheinungsbild her ist es den meisten Bulimikern nicht anzusehen, dass sie essgestört sind. Meist sind es schlanke, sehr gepflegte und ehrgeizige Personen, die nicht erkennen lassen, dass sie ein Problem haben oder gar Hilfe benötigen.

Für die Ess-Brech-Sucht typische Symptome sind:

  • Aussehen und Figur haben eine hohe Bedeutung (sammeln Wertschätzung über Äußerlichkeiten)
  • Angst vor Zunahme
  • Essattacken (in bestimmten Phasen unkontrolliertes Essen großer Mengen in kurzer Zeit, weit mehr als den üblichen 500-600 kcal einer Mahlzeit, teilweise bis zu 20.000 kcal während eines Anfalls, willkürliches Beenden nicht möglich)
  • verändertes Essverhalten (unstrukturiert und chaotisch, keine klare zeitliche Struktur der Mahlzeiten, heimliches Essen, Essanfälle und Erbrechen erfordern viel Zeit)
  • gegensteuernde Maßnahmen (Erbrechen, Abführmittel, Appetit­zügler, entwässernde Medikamente, Schilddrüsenhormone, übermäßig viel Sport)
  • psychische Veränderungen (Stimmungsschwankungen, Depress­ion­en, Alkoholmissbrauch, ständiger Partnerwechsel, zwanghaft­es Stehlen, soziale Beziehungen werden durch Zeitmangel nicht gepflegt)

Vor allem die regelmäßigen Gegenmaßnahmen führen bei einer chronischen Bulimia nervosa zu körperlichen Beeinträchtigungen. Als langfristige Folgen dessen sind bekannt:

  • Flüssigkeits- und Mineralverlust
  • Herzrhythmusstörungen bis hin zum plötzlichen Herztod
  • Muskelkrämpfe, Muskelschwäche
  • Verstopfung
  • Herz-Kreislauf-Störungen
  • mangelnde Konzentrationsfähigkeit
  • Müdigkeit
  • Lustlosigkeit, innere Unruhe
  • Nierenschädigungen, Wassereinlagerungen
  • Zahnschäden
  • Schwellung der Ohrspeicheldrüsen
  • Verätzungen des Rachens und der Speiseröhre
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse
  • Erschlaffung des Mageneingangs, Sodbrennen

Esssucht, Binge-Eating,
Binge-Eating-Störung (-Disorder)

Wie auch die Bulimia nervosa ist das Binge-Eating durch (Fr-)Essanfälle gekennzeichnet. Jedoch werden hierbei keine gewichts­regulierenden Maßnahmen ergriffen. Folglich sind viele der Betroffenen übergewichtig oder fettleibig. Dennoch ist dies kein allgemein­gültiges Kriterium dieser Essstörung.

Für die Esssucht typische Symptome sind:

  • wiederkehrende Essanfälle, die mit dem Gefühl des Kontrollverlustes einhergehen (deutlich schnelleres Essen bis hin zu einem unange­nehmen Völlegefühl, große Mengen Nahrung, ohne Hungergefühl)
  • heimliches Essen
  • psychische Veränderungen (Gefühlsregungen wie Ekel, Scham, Schuld, Deprimiertheit)
  • zum Teil, jedoch unregelmäßig, durchgeführte gewichtsregulierende Maßnahmen (Auslassen von Mahlzeiten etc.)

Nicht nur Übergewicht und Fettleibigkeit gelten als Folge der Binge-Eating-Störung. Auch schlanke Binge-Eater können körperliche Beein­träch­tigungen erfahren. Zu den langfristigen Folgen der Esssucht zählen:

  • Müdigkeit
  • innere Unruhe
  • Herz-Kreislauf-Störungen
  • Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates
  • Atemfunktionsstörungen
  • Komplikationen in der Schwangerschaft

Warnsignale für Essstörungen

Auffälliges Essverhalten ist noch keine Störung. Jedoch sollten Eltern und andere Angehörige bei verändertem Verhalten wachsam sein. Ein anderes Verhalten des Betroffenen sollte nicht ignoriert werden, denn dauert dieses an, kann es zur Verselbstständigung kommen. Der Übergang vom merkwürdigen Essverhalten hin zu einer Essstörung ist fließend. Im Folgenden werden nun verschiedene Warnsignale aufgezeigt. Sollten Sie mehrere auf einen Betroffenen zu, sollten Sie einen Arzt oder eine Beratungsstelle kontaktieren.

  • sich zu dick fühlen/Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper
  • sich zu dick fühlen, auch wenn andere sagen, man ist zu dünn
  • ständige Beschäftigung mit dem Wunsch, dünner zu werden
  • panische Angst vor Gewichtszunahme
  • häufiges Wiegen/Betrachten im Spiegel
  • Unzufriedenheit/Abwertend mit bestimmten Körperteilen (“Mein fetter Bauch ist ekelhaft”)
  • eine bestimmte Kleidergröße ist das Ziel, welches erreicht oder gehalten werden soll
  • häufiges Vergleichen mit schlanken Menschen
  • sehr kontrolliertes Essen
  • zu bestimmten Uhrzeiten essen
  • gesunde, kalorienarme Nahrung
  • gesunde Ernährung wird weiter eingeschränkt
  • gute und schlechte Lebensmittel werden eingeteilt
  • Mahlzeiten werden ausgelassen
  • Ausreden werden erfunden, um nicht an Mahlzeiten teilzunehmen
  • winzige Portionen
  • Streit ums Essen
  • mit dem Essen spielen, hin und her schieben
  • Beschäftigung mit Lebensmitteln/Gerichten (einkaufen, Kochbücher lesen etc.)
  • andere bekochen, aber selbst nicht mitessen
  • chaotisches Essverhalten (mal viel, mal wenig essen)
  • häufige Diäten
  • unkontrollierte Essanfälle (meist heimlich)
  • es fällt schwer, mit dem Essen aufzuhören; kein Hunger-/Sättigungsgefühl
  • (heimliches) Erbrechen nach den Mahlzeiten/Essanfällen
  • Lebensmittel verschwinden aus dem Kühlschrank
  • Lebensmittel werden an verschiedenen Orten gehortet
  • leere Packungen liegen regelmäßig herum
  • viel Geld für Süßigkeiten
  • “emotionales Essen” um Gefühle zu unterdrücken (Stress, Ärger, Langeweile)
  • über 6 kg Gewichtsabnahme in den letzten 3 Monaten
  • BMI ist kleiner als 17,5 (Erwachsene ab 19 Jahren) oder Gewicht liegt unter der 10. Perzentile (Kinder, Jugendliche)
  • häufiges Frieren
  • Herz-Kreislauf-Probleme, Schwindel
  • Haarausfall
  • Ausbleiben der Menstruation
  • Impotenz
  • Schmerzen im Hals, Speiseröhre, Magen, Darm
  • Ödeme
  • Schwellung der Speicheldrüsen
  • Verletzungen der Mundwinkel
  • Zahnschmerzen/-schäden
  • Probleme verleugnen
  • Gereiztheit
  • Depressionen
  • übertriebener Ehrgeiz
  • geringes Selbstwertgefühl
  • Leistungsorientiertheit
  • Stimmungsschwankungen
  • Labilität, Impulsivität
  • extreme sportliche Betätigung
  • Rückzug von sozialen Kontakten
  • Vernachlässigung von Hobbys
  • zunehmende Isolation
  • Medikamenteneinnahme (Abführmittel, Entwässerungsmittel, Appetitzügler)
  • häufige Toilettengänge, häufig verschmutzte Toilette, Geruch nach Erbrochenem

Behandlung von Essstörungen

Die Möglichkeiten eine Essstörung zu behandeln sind je nach Erkrankung sowie individuell verschieden. Meist reicht zudem nicht nur ein Therapiekonzept aus. Die Therapie ist langwierig und bedarf, wie bei anderen Suchterkrankungen, den (starken) Willen der Betroffenen. Stellt sich dieser Wille beim Betroffenen ein, können folgende erste Schritte aus dem Teufelskreislauf helfen:

1. Sie sind unsicher, ob Sie an einer Essstörung leiden?
Dann machen Sie den Selbsttest: Wie ist Ihr Essverhalten?
2. Seien Sie ehrlich zu sich selbst und spielen Sie Ihr Essproblem nicht herunter. Sie haben den ersten wichtigen Schritt bereits erreicht, wenn Sie sich eingestehen können, dass Sie Hilfe benötigen.
3. Notieren Sie sich, welche Probleme Ihnen Ihre Essstörung bereitet (zeitlich, finanziell, körperlich etc.) und wofür Sie die Störung aufgeben wollen. Diese Notizen dienen als Motivation im gesamten Therapieverlauf.
4. Machen Sie sich keine Selbstvorwürfe oder Vorwürfe anderen gegenüber. Für eine Essstörung gibt es keinen Schuldigen. Dennoch sind nur Sie verantwortlich für den Behandlungserfolg.
5. Entscheiden Sie sich bewusst und mit voller Überzeugung, dass Sie wieder ohne Essstörung leben wollen.
6. Vertrauen Sie sich einer Person oder wenigen Personen an, von denen Sie sich wünschen, dass diese Sie auf Ihrem Weg aus der Essstörung begleiten.
7. Gehen Sie zu Ihrem Hausarzt. Erzählen Sie ihm von Ihren Problemen mit dem Essen und lassen Sie sich auf gesundheitliche Beeinträchtigungen untersuchen.
8. Kontaktieren Sie eine Beratungsstelle für Essstörungen. Hier erhalten Sie die notwendige Unterstützung, die Sie benötigen. Meist ist die Beratung kostenfrei und auf Wunsch anonym. Minderjährige Jugendliche können sich auch ohne Eltern an die Beratungsstellen wenden.

Die vier Säulen der Therapie von Essstörungen

Ärztliche Betreuung
Psychotherapie
Ernährungstherapie
Sozialpädagogische Betreuung

Essstörungen haben viele verschiedene Ursachen und wirken sich auf verschiedene Bereiche im Leben aus. Entsprechend ist auch ein multifaktorieller Therapie­ansatz mit den jeweiligen Spezialisten notwendig, um erfolg­reich aus der Essstörung herauszukommen.

PflegeversicherungDie ärztliche Betreuung durch einen Hausarzt oder Internisten ist notwendig, um körperliche Veränderungen zu beobachten. Sowohl essgestörtes Verhalten als auch eine Ernährungs­umstellung im Rahmen der Therapie wirken sich auf den Körper aus. Diese gilt es stets durch regelmäßige Gewichtskontrollen, Laborwerte sowie Herz- und Nierenwerte zu beobachten.

Die Psychotherapie zielt darauf ab, die Symptome der Essstörung und psychische Beschwerden zu beheben. Zudem können Ursachen und – neben den vielen Nachteilen – auch Vorteile der Essstörung erforscht werden. Diese Informationen zu kennen, unterstützt bei richtiger Anwendung die Therapie enorm. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen im Allgemeinen, dass kognitive Verhaltenstherapien, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapien sowie Familientherapien die beste Wirksamkeit bei Essstörungen haben.

In der Ernährungstherapie lernen die Betroffenen wieder den gesunden Umgang mit dem Thema Ernährung. Hierzu zählen u.a. die Auswirkungen einer gesunden und falschen Ernährungsweise, gesunde Lebensmittel auswählen zu können, normale Portionsgrößen, geregelte Mahlzeitenstruktur. Im Rahmen der Therapie können Ernährungstagebücher, Einzel- und Gruppentherapien, Vorträge, Kochkurse und Ähnliches Anwendung finden.

Die sozialpädagogische Betreuung setzt bei Patienten an, die aufgrund ihrer langzeitigen Essstörung soziale Beeinträchtigungen erfuhren. So unterstützt diese Form von Betreuung u.a. die Isolation zu überwinden, eine Rückführung in Schule, Beruf oder zu früheren Kontakten zu erreichen und Schulden abzubauen.

Die Bandbreite von Therapiemöglichkeiten

Bandbreite der Therapie-Möglichkeiten bei Eßstörungen

Ambulante oder stationäre Behandlung?

Ob eine ambulante oder stationäre Therapie sinnvoller ist, muss im Einzelfall geklärt werden. Es gibt jedoch jeweils Argumente, die bei der Wahl berücksichtigt werden sollten:

Ambulante TherapieStationäre Therapie
BMI liegt über 15 (Erwachsene ab 19 Jahre) oder über der 3. Perzentile (Kinder, Jugendliche)BMI unter 15 (Erwachsene ab 19 Jahre) oder unter der 3. Perzentile (Kinder, Jugendliche)
regelmäßige Gewichtszunahme bei Untergewichtschneller oder anhaltender Gewichtsverlust bei Untergewicht
kein schweres bulimisches Verhaltenschweres bulimisches Verhalten

oder starke Chronifizierung der Symptomatik

Einsicht des Patienten krank zu sein sowie Motivation zur Veränderunggeringe Einsicht des Patienten krank zu sein, geringe Motivation zur Veränderung
keine körperlichen Komplikationenkörperliche Komplikationen
keine Suizidgefahr, selbstverletzendes Verhalten o.ä.Suizidgefahr, selbstverletzendes Verhalten o.ä.
stützendes soziales Umfeldbelastendes soziales Umfeld
mit ambulanter Therapie überfordert oder Erfolge der ambulanten Therapie bleiben aus

Hilfe und Informationen bei Essstörungen

Die folgend aufgeführten Vereine und Verbände können Ihnen bei Fragen zu Ihrer Erkrankung weiterhelfen: