Krankengeld – Regelleistung der gesetzlichen Krankenkasse

Das Krankengeld ist eine sogenannte Ent­geltersatz­leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, welche in der Bundes­republik Deutschland gesetzlich festgelegt ist. Sie soll den Versicherten im Falle einer längeren Krankheit finanziell absichern.

Krankengeld Beispiele Finanzierung

Je nach Beruf und Lebenssituation gelten in der gesetzlichen Kranken¬≠versicherung unter¬≠schiedliche Regelungen. Das betrifft besonders Selb¬≠st√§ndige, welche in der gesetz¬≠lichen Krankenkasse auf das herk√∂mmliche Krankengeld verzichten und andere Optionen f√ľr die Absicherung im Krank¬≠heits¬≠fall w√§hlen k√∂nnen. Zudem kann der Anspruch w√§hrend eines bestimmten Zeitraums ruhen und sp√§ter wieder aufge¬≠nommen werden, beispielsweise w√§hrend sich der Versicherte in der Elternzeit befindet und Elterngeld bezieht. Es handelt sich um eine steuerfreie Zahlung, kann jedoch andere steuerpflichtige Eink√ľnfte erh√∂hen.

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Personen mit Krankengeldanspruch

Folgende Personen haben in der gesetzlichen Krankenversicherung ein Anrecht auf Geldzahlung:

pflichtversicherte Arbeitnehmer
freiwillig Versicherte

Keinen Anspruch haben hingegen unter anderem:

Familienversicherte
Studenten und Praktikanten
Versicherte ohne Verdienstausfall
Bezieher ALG II
Hauptberuflich Selbständige

Das Krankengeld wird gezahlt, sofern eine Arbeitsunfähigkeit vorliegt, die durch folgende Ereignisse verursacht wurde:

  • Krankheit
  • nicht rechtswidriger Schwangerschaftsabbruch
  • nicht rechtswidrige Sterilisation
  • Krankheit des Kindes

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Krankengeldberechnung und Höhe der Leistungen

Grundlage f√ľr die Berechnung bildet das regelm√§√üige Einkommen, welches vor Eintritt der Arbeitsunf√§higkeit erzielt wurde. Dabei werden auch Sonderzahlungen, wie Weihnachts- und Urlaubsgeld in die Berechnungen einbezogen. Bei nicht regelm√§√üigem Einkommen, beispielsweise bei Bezug von Akkordlohn, wird als Grundlage der Durchschnitt der letzten drei Monate herangezogen. Es gilt folgende¬†Formel zur Berechnung:

70 % * Bruttoeinkommen = Krankengeld
Dabei gilt: Die Summe darf den Betrag von 90 Prozent des letzten Nettoeinkommens nicht √ľberschreiten.

Befreiung von Beiträgen während einer Krankheit

Kinder und Jugendliche¬†m√ľssen bis zur Vollendung des 23. Lebensjahres keine Beitr√§ge zur Pflege¬≠versicherung leisten, sofern sie Krankengeld beziehen. Zudem sind¬†Empf√§nger von Arbeits¬≠losen¬≠geld w√§hrend der Zahlung des Geldes vollst√§ndig von den Beitr√§gen zur Sozialversicherung befreit.

Rechenbeispiele

Bruttoeinkommen/Monat Formel Höhe der Zahlung/Monat
2.400 Euro 70% * 2400 Euro 1.680 Euro
800 Euro 70% * 800 Euro 560 Euro

W√§hrend das Krankengeld gezahlt wird, besteht f√ľr den betroffenen Versicherten¬†Beitragsfreiheit in der gesetzlichen Krankenkasse.¬†Beitr√§ge zur Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung m√ľssen jedoch weiterhin gezahlt werden. Dabei werden die entsprechenden Beitr√§ge direkt vom den Zahlungen abgezogen.

Checkliste: Antrag auf Krankengeld

Der sogenannte Krankengeldauszahlschein wurde mit dem 01. Januar 2016 mit der AU-Bescheinigung zusammengelegt. Seitdem bescheinigen √Ąrzte ab der siebten Woche die fortbestehende Arbeitsunf√§higkeit auf der AU-Bescheinigung.

1. Der Arzt bescheinigt weiterhin die Arbeitsunfähigkeit auf dem Krankenschein.

2. Senden Sie die AU-Bescheinigung an die Krankenkasse. Diese wird die Auszahlung des Krankengeldes veranlassen.

3. Nach dem neuen Verfahren bekommt auch der Arbeitgeber einen Durchschlag der AU-Bescheinigung. Ein l√ľckenloser Informationsfluss ist damit gew√§hrleistet.

4. Die Auszahlung des Krankengeldes erfolgt immer r√ľckwirkend.

Wird Altersrente oder Rente wegen v√∂lliger Erwerbsminderung w√§hrend des Krankengeldbezugs bewilligt, so endet der Anspruch mit dem Renteneintritt oder es wird gek√ľrzt. Wurde das Krankengeld l√§nger als bis zum Rentenbeginn gezahlt, bekommt die Kasse die Rente f√ľr die Zeit der √úberschneidungen. Werden Teilrenten bewilligt, wird das Krankengeld um den Betrag der Rente gek√ľrzt.

F√ľr Arbeitslose gelten¬†besondere Regelungen. Anspruch haben lediglich Empf√§nger von Arbeitslosengeld I. Versicherte, welche Arbeitslosengeld II (Hartz IV) beziehen, sind vom Bezug ausgenommen und erhalten w√§hrend der Arbeitsunf√§higkeit weiterhin Zahlungen von der Bundesagentur f√ľr Arbeit.
F√ľr Arbeitslose mit Arbeitslosengeld I zahlt zun√§chst die Arbeitsagentur die entsprechenden Leistungen sechs Wochen lang weiter. Ab der siebten Woche beginnt dann die Auszahlung durch die Krankenkasse.

Dauer der Zahlungen

Der Anspruch auf Krankengeld gilt grundsätzlich ab dem Tag, an dem der Arzt die Arbeitsunfähigkeit festgestellt hat. Bei Arbeitnehmern ruht dieses Anrecht jedoch zunächst, da diese in der Regel bis zu sechs Wochen Lohnfortzahlungen durch den Arbeitgeber erhalten. Der Anspruch ruht außerdem, solange Versicherte folgenden Leistungen beziehen:

  • Elternzeit oder Mutterschaftsgeld

  • Verletztengeld oder Versorgungskrankengeld

  • √úbergangsgeld

  • Kurzarbeitergeld

Auf Grund derselben Krankheit wird das Geld innerhalb der soge¬≠nannten¬†Blockfrist von drei Jahren¬†f√ľr maximal 78 Wochen gezahlt. Diese Block¬≠frist ist unbeweglich und setzt jeweils mit dem ersten Auftreten einer Krankheit ein. Die sechsw√∂chige Lohnfortzahlung wird dabei angerechnet, so dass die Krankenkasse 72 Wochen zahlen muss. Tritt dieselbe Krankheit √∂fter auf, gibt es nur dann eine neuerliche Block¬≠frist, wenn der Versicherte in der Zwischenzeit mindestens sechs Monate lang nicht krank war und arbeiten konnte beziehungsweise dem Arbeitsmarkt zur Verf√ľgung stand. Eine neue Erkrankung, die keine Verbindung zu vorangegangenen Krankheiten hat, bedingt ebenfalls eine neue Blockfrist.

F√ľr Familien: Kinderkrankengeld zur Versorgung kranker Kinder

KinderEltern bekommen f√ľr jedes gesetzlich versicherte Kind unter zw√∂lf Jahren¬†bis zu zehn Arbeitstage Kinderpflege-Krankengeld im Jahr, sofern die Krankheit durch ein √§rztliches Attest best√§tigt wurde und das Kind nicht durch andere im Haushalt lebende Personen betreut beziehungsweise gepflegt werden kann. Alleinerziehenden stehen 20 Tage pro Kind und Jahr zu. Insgesamt ist der Anspruch auf 25 Arbeitstage im Jahr begrenzt (50 Tage f√ľr Alleinerziehende). F√ľr behinderte Kinder besteht eine Sonderregelung zum Krankengeld.

Achtung: Private Krankenversicherungen sehen ohne zusätzliche Absicherung zum Krankheitsvolltarif grundsätzlich keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld vor. Eine Nachfrage beim Versicherer bringt daher Klarheit und rechtzeitig die Möglichkeit zur Vorsorge, so der PKV-Verband.

Bei behinderten und auf Hilfe angewiesenen Kindern, die gesetzlich versichert sind, besteht der Anspruch sogar ohne Alters­begrenzung. Eltern von schwerstkranken Kindern, welche eine begrenzte Lebenserwartung von Wochen oder Monaten haben, besitzen einen zeitlich unbegrenzten Anspruch.

  • das Elternteil, welches das Krankengeld f√ľr das Kind in Anspruch nimmt, muss selbst mit Anspruch auf Krankengeld versichert sein
  • eine Familienversicherung f√ľr das Kind gen√ľgt
  • das Kind lebt im Haushalt des Versicherten
  • keine andere im Haushalt lebende Person kann die Pflege des Kindes √ľbernehmen
  • das Kind hat das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet oder ist behindert (ohne Altersbegrenzung)
  • Ein Arzt muss schriftlich bescheinigen, dass eine Beaufsichtigung, Betreuung oder Pflege des Kindes und damit ein Fernbleiben von der Arbeit erforderlich ist
  • es besteht kein Anspruch auf bezahlte Freistellung gegen√ľber dem Arbeitgeber (Bescheinigung vom Arbeitgeber notwendig)
  • Verdienstausfall

Aussteuer bei Ende vom Krankengeld

Ist ein Arbeitnehmer auch nach der 78. Woche der Krankengeldzahlung, also dem Ende des Krankengeldes nicht arbeitsf√§hig, deutet vieles auf eine Erwerbsunf√§higkeit hin. Personen, die¬†eine¬†Berufs¬≠unf√§higkeits¬≠versicherung¬†besitzen, k√∂nnen sich an ihren Versicherer wenden und die Zahlung der vereinbarten Versicherungs¬≠summe in Gang setzen. Experten empfehlen f√ľr Menschen, die von ihrer Arbeitskraft abh√§ngig sind, sich fr√ľhzeitig um die Absicherung der Berufsunf√§higkeit zu bem√ľhen. Zwar gibt es eine staatliche Erwerbminderungsrente. Diese f√§llt jedoch verh√§ltnism√§√üig gering aus und der Betroffene muss sich weiterhin um eine Anstellung bem√ľhen.

Nahtlosigkeitsregelung: √úbergangsgeld beantragen

Wurde die Erwerbsunf√§higkeit noch nicht offiziell best√§tigt, tun sich f√ľr Betroffene oft gro√üe finan¬≠zielle Probleme auf. In diesem Fall greift daher die sogenannte Nahtlosigkeitsregelung, wodurch Betroffene das Arbeitslosengeld bei Arbeitsunf√§higkeit (¬ß 145 SGB III) erhalten k√∂nnen.

Dabei handelt es sich um eine Sonderform des Arbeitslosengeldes, das nur als √úbergang zur nachfolgenden Leistung fungiert. F√ľr diese Zeit werden die Beitr√§ge zur Krankenversicherung vom Jobcenter √ľbernommen. Voraussetzung f√ľr die Zahlung ist, dass sich der Versicherte arbeitslos meldet.

Nachversicherung gewährleistet

Nach der Aussteuerung des Krankengeldes k√∂nnen Versicherte nicht mehr ihren Krankenversicherungsschutz verlieren (Beitragsschuldengesetz). Der Betroffene bleibt solange bei der urspr√ľnglichen Krankenversicherung versichert, bis ein anschlie√üender Versicherungsschutz vorgewiesen werden kann.

Besondere Regelungen f√ľr Selbst√§ndige

Selbst√§ndige in der gesetzlichen Krankenkasse¬†m√ľssen sich eigenst√§ndig um die Absicherung im Krankheitsfall bem√ľhen. Selbstst√§ndige haben drei M√∂glichkeiten:

1. Der Versicherte zahlt den normalen Beitragssatz von derzeit 14,6 % zuzgl. Kassen-Zusatzbeitrag in Prozent des Bruttoeinkommens und erhält Anspruch auf das herkömmliche Krankengeld der gesetzlichen Krankenkasse

2. Ein Krankentagegeld wird √ľber eine¬†private Krankentagegeld-Versicherung¬†abgesichert und der Versicherte zahlt einen erm√§√üigten Krankenkassenbeitrag von 14,0 % zuzgl. Kassen-Zusatzbeitrag in Prozent

3. Der Versicherte schließt einen Wahltarif bei der gesetzlichen Krankenkasse ab

Entscheidet sich der Versicherte f√ľr die erste M√∂glichkeit, so bekommt er wie alle Arbeitnehmer das Krankengeld ab der siebten Krankheitswoche gezahlt. Aus diesem Grund muss sich der Selbst√§ndige um eine finanzielle Absicherung vor der siebten Krankheitswoche bem√ľhen. Wird ein Wahltarif abgeschlossen, k√∂nnen die Modalit√§ten individuell festgelegt werden (z.B. H√∂he des Krankengeldes). Die Regelungen des Wahltarifes haben auch G√ľltigkeit f√ľr nicht st√§ndig Besch√§ftigte, f√ľr Arbeitnehmer mit befristeten Arbeitsvertr√§gen sowie f√ľr die¬†Versicherten der K√ľnstlersozialkasse. Die Wahltarife der gesetzlichen Krankenkassen d√ľrfen seit August 2009 keine Altersstaffelungen mehr aufweisen.

Da es eine Lohnersatzleistung ist, ist das Krankengeld steuerfrei. Jedoch unterliegt es dem Progressionsvorbehalt. Das hei√üt, es wird bei der Ermittlung des Steuersatzes mit einbezogen. Liegen also steuerpflichtige Eink√ľnfte im Kalenderjahr vor, k√∂nnen diese durch das Krankengeld durch einen h√∂heren Steuersatz ber√ľcksichtigt werden.

Bei einer geringf√ľgigen Besch√§ftigung besteht zwar Anspruch auf 6 Wochen Lohnfortzahlungen. Eine anschlie√üende Zahlung von Kranken¬≠geld kann jedoch nicht erfolgen. Anders ist es, sofern die Gering¬≠f√ľgigkeits¬≠grenze von 450 Euro monatlich (2015) √ľberschritten wird. So gelten auch f√ľr so genannte Midi-Jobs die √ľblichen Regelungen zum Krankengeld.

Info zu Klauseln bei Krankengeld

F√ľr die Zahlung des √úbergangsgeldes nach Ende des Krankengeldbezugs muss sich der Versicherte beim Arbeit¬≠geber abmelden. Wird dadurch eine Einmalzahlung von Seiten des Arbeitgebers in Gang gesetzt, bleibt diese unter Umst√§nden beitragsfrei. Sind im aktuellen Kalenderjahr bis zum Abmeldedatum keine beitrags¬≠pflichtigen Tage zur Sozialversicherung anzusetzen, werden f√ľr die Einmalzahlung keine Beitrage f√§llig.¬†Dennoch gilt die M√§rzklausel. Wird die Zahlung bis zum 31. M√§rz des Jahres geleistet und wurden im Vorjahr Beitr√§ge geleistet, so wird die √ľbliche Vergleichs¬≠berechnung auf Grundlage der Vorjahres-Daten vorgenommen.

Probleme beim Krankengeld – Ratgeber

Kein Anspruch auf Krankengeld durch fehlende Krankschreibung

Verbrauchersch√ľtzer empfehlen Patienten bei Arbeitsunf√§higkeit stets darauf zu achten, dass eine ununterbrochene Krankschreibung vorliegt. H√§ufig reicht eine Arbeits¬≠unf√§higkeits¬≠bescheinigung mit der Aussage ‚Äěbis auf Weiteres‚Äú nicht aus.

Kasse verweigert Krankengeld

Zeichnet sich eine lange Arbeitsunf√§higkeit ab, versuchen Krankenkassen h√§ufig den Betroffenen schnellstm√∂glich als erwerbsunf√§hig einzustufen. Der Grund: Ist der Betroffene erwerbsunf√§hig, sind andere Leistungstr√§ger zust√§ndig und¬†die Kasse muss nicht zahlen. Vor allem f√ľr Patienten ohne Berufs¬≠unf√§higkeitsrente hat das finanzielle Folgen, denn in der Regel ist das Kran¬≠kengeld h√∂her als die Erwerbsminde¬≠¬≠rungs¬≠rente. Betroffene sollten Widerspruch einlegen und sich durch einen unabh√§ngigen Experten beraten lassen. In Einzelf√§llen konnten bereits Erfolge erzielt werden.

Rechtliche Unklarheiten zum Zahlungsbeginn

RechtIn manchen F√§llen will die Krankenkasse nicht zahlen, wenn der Betroffene Rest¬≠urlaub oder √úberstunden vor der Krankheit angeh√§uft hat und dieser vom Arbeitgeber ausbezahlt wird. In solch einer Situation sollte auf eine¬†Einzelfall¬≠√ľberpr√ľfung¬†bestanden werden. Durch die kompli¬≠zierte Rechts¬≠lage ist auch hier eine unab¬≠h√§ngige Beratung empfehlenswert. Nicht immer bringt die finanzielle Abgeltung der √úberstunden ein Ruhen des Krankengeldes mit sich.

Unsere Autor*innen
Kauffrau im Gesundheitswesen bei der

Jana ist ausgebildete Kauffrau im Gesundheitswesen. Seit vielen Jahren recherchiert sie spannende Fakten f√ľr die Krankenkassen-Zentrale. Aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung im Gesundheitswesen, verfasst sie vor allem Artikel zu den Themen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Erg√§nzend durchleuchtet sie regelm√§√üig die Themen Fitness, Abnehmen und gesunde Ern√§hrung.