Olivenblattextrakt – Geschichte und Anwendung des Extrakts

Das Olivenöl wie auch Sanddornöl gesund sein soll und außerdem gut schmeckt, ist seit langer Zeit bekannt (Stichwort: MittelmeerdiĂ€t). Doch in den letzten Jahren rĂŒckt auch dieses Extrakt, das aus den BlĂ€ttern des Olivenbaumes gewonnen wird, wieder vermehrt in den Focus der Wissenschaft.

Der Olivenbaum begleitet die Menschen schon seit sehr langer Zeit. Bereits in der Bibel hatte der Baum eine entscheidende Rolle (Die Taube bringt Noah einen Olivenzweig als Zeichen, dass die Sintflut vorbei ist). Auch seine Heilwirkung wurde dort bereits erwĂ€hnt („Und ihr Fruchtertrag wird zu Speise dienen und ihr Laub zur Heilung“, Hesekiel Kap, 4, Vers 12). Nicht umsonst wird der Olivenbaum auch „Baum des Lebens“ genannt.

Allerdings war in den letzten Jahrzehnten mehr das Augenmerk mehr auf das aus ihm gewonnene Öl, beziehungsweise seine FrĂŒchte gerichtet. Erst in den letzten Jahrzehnten wird auch eine mögliche Heilwirkung der BlĂ€tter nĂ€her untersucht.

Der Olivenbaum in der Geschichte

OlivenblÀtter wurden schon vor langer Zeit als Medizin von den Menschen verwendet. Olivenöl wurde bereits vor 6000 Jahren in PalÀstina und Syrien gewonnen, vor 3000 Jahren trat die Olive dann ihren Siegeszug im Mittelmeerraum an. Auch in der Bibel ist der Olivenbaum, wie bereits erwÀhnt, als Segensbringer mehrfach genannt.

Auch im alten Ägypten wusste man die Kraft der BlĂ€tter des Olivenbaums zu schĂ€tzen. Sie kamen bei der Mumifizierung der Herrscher zum Einsatz, damit diese vor Parasiten, Pilz- und Mikrobenbefall geschĂŒtzt sind. Zudem wurde auch Olivenöl dort bereits als Heilmittel und zur Körper- beziehungsweise Schönheitspflege eingesetzt. Das Olivenblatt galt fĂŒr sie als Symbol des Himmels.

Auch bei den Römern wurden Extrakte aus den BlĂ€ttern des Olivenbaums Ă€hnlich eingesetzt. Hier wurde das Öl aber nicht nur fĂŒr die Körper- und Schönheitspflege verwendet, sondern auch als Nahrung und tatsĂ€chlich auch als Lampenöl.

Hildegard von Bingen, die KrĂ€uterexpertin des Mittelalters schlechthin, gab Menschen, die unter Magen-Darm-Beschwerden litten (siehe auch Oregano Öl), OlivenblĂ€ttertee zu trinken. Sie ordnete also OlivenblĂ€ttern ebenfalls heilende Wirkung zu.

Im spanisch-französischen Krieg behandelten die spanischen MilitÀrÀrzte die Verletzungen der Soldaten mit einer Abkochung aus den OlivenblÀttern. Im 19 Jahrhundert wurden in England Malaria Patienten mit dieser Abkochung behandelt. Im Jahre 1811 wurden die Inhaltsstoffe des Olivenblatts erstmalig analysiert. 1854 erschien die erste wissenschaftliche Abhandlung.

Die Mittelmeer- oder Kreta-DiÀt

Über 44 Studien haben bereits gezeigt, dass die sogenannte Mittelmeer-DiĂ€t, bei der mehrheitlich mediterrane Speisen verzehrt werden, die vorwiegend mit Olivenöl zubereitet werden, sich positiv auf das Herz-Kreislauf System auswirken könne. Weiterhin wird bei der Kreta-DiĂ€t viel GemĂŒse, Fisch, Salat, Obst und auch Knoblauch verspeist. Auf den Verzehr von sogenanntem roten Fleisch wird weitestgehend verzichtet laut Artikel (nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1200303#t=article).

Auch dem Olivenblattextrakt werden zahlreiche heilende Wirkungen nachgesagt. So soll es die Darmgesundheit verbessern und antioxidativ wirken. Allerdings begann man erst im 20 Jahrhundert die OlivenblÀtter und ihre Inhaltsstoffe nÀher zu erforschen, bewiesen ist dies deshalb noch nicht seitens der Forschung. Im weiteren Verlauf werden wir auf einige der vermeintlichen Wirkungsweisen nÀher eingehen.

Ein Zitat aus der Aeneis von Vergil lautet: Und mit einem FrĂŒchte tragenden Olivenzweig reinigt sich der Mensch zu vollkommener Gesundheit.

Inhaltsstoffe vom Olivenblatt

Neben dem Oleuropein enthalten die OlivenblÀtter, aus denen das Extrakt gewonnen wird, noch phenolische Verbindungen, organische SÀuren und sekundÀre Pflanzenstoffe wie die Flavonoide. Interessant ist, dass OlivenbÀume nahezu resistent sind gegen Pilzbefall und Bakterien. Das rief einige Wissenschaftler auf den Plan, die aus den OlivenblÀttern die Substanz Oleuropeosid extrahierten.

Diese trĂ€gt einen großen Teil dazu bei, dass die OlivenbĂ€ume so robust gegen UmwelteinflĂŒsse sind. In den 1960er Jahren begann man dann damit, die OlivenblĂ€tter wissenschaftlich zu erforschen.

OlivenbĂ€ume können im Übrigen bis zu 1000 Jahre alt werden. Zudem wachsen sie in Ă€ußerst kargen Gegenden. Das hohe Alter der BĂ€ume ist deswegen möglich, da sie ein „Abwehrsystem“ in sich tragen, das sie gegen Pilzbefall, Krankheitserreger und auch gegen Insektenfraß schĂŒtzt.

Die Hauptinhaltsstoffe des Extrakts sind

  • Oleuropein
  • Flavonole (Olivin, Rutin, Hesperidin, Quercitin)
  • Phenole (Hydroxytyrosol, KaffeesĂ€ure)
  • organische SĂ€uren

Wie wird Olivenblattextrakt hergestellt?

Ein wichtiger Faktor zur Herstellung des Olivenblattextrakts sind die BlĂ€tter des Olivenbaums, beziehungsweise deren QualitĂ€t. In der Regel werden die BlĂ€tter von Hand geerntet. Zudem werden sie relativ zeitnah nach dem Ernten gepresst, um das Extrakt zu gewinnen (fĂŒr einen Liter benötigt man circa 7 kg BlĂ€tter). Die Erntezeit liegt zwischen April und Juli.

Werden die BlÀtter zu Kapseln weiterverarbeitet, werden diese zunÀchst getrocknet und dann gemahlen. Olivenblattextrakt kann man also in zwei Darreichungsformen kaufen. Einmal als Tropfen und einmal als Kapseln. Hier sollte man immer darauf achten, dass das Extrakt aus biologischem Anbau stammt.

Kann man Olivenblattextrakt auch selbst herstellen?

Wie oben schon erwĂ€hnt, benötigt man zur Herstellung des Extrakts sehr große Mengen von OlivenblĂ€ttern. Wenn man nicht gerade Besitzer eines Olivenhains ist, wird es mit der eigenen Herstellung also schwierig.

Folgende Wirkungsweisen werden dem Oleuropein inoffiziell unter anderem nachgesagt:

  • Es soll entzĂŒndungshemmend wirken
  • Es soll den Blutdruck senken und gefĂ€ĂŸerweiternd wirken
  • Es soll antymikotisch und antiparasitĂ€r wirken
  • Außerdem soll es bei SchilddrĂŒsenunterfunktion (Hypothyerose) helfen

Zudem glauben manche Naturheilkundler, dass das Olivenblattextrakt durchaus eine natĂŒrliche Alternative zum Antibiotikum sein könnte, da viele Keime Resistenzen dagegen entwickelt haben.

Diese Wirkungsweisen sind wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen, sondern basieren auf interessanten, inoffiziellen Studien und Berichten. Die Einnahme von Olivenblattextrakt ersetzt keinen Arztbesuch. Wenn Sie unter schweren Symptomen leiden, keine Besserung eintritt oder die Beschwerden schlimmer werden, ist ein Arztbesuch unbedingt angeraten! Schwangere sollten vor einer Einnahme unbedingt mit dem zustĂ€ndigen Arzt sprechen. Aufgrund der Verordnungen der EFSA dĂŒrfen keine derartiger Wirkungen als wahr angepriesen werden.

Das Oleuropein ist in den BlĂ€ttern 30 mal stĂ€rker vorhanden als in den Oliven, beziehungsweise im daraus gewonnenen Olivenöl. Das mag daran liegen, dass die BlĂ€tter bis zu fĂŒnf Jahre am Baum bleiben. Beides, also das Öl und das Extrakt, können sich hervorragend ergĂ€nzen. Insgesamt ist in den BlĂ€ttern ein Anteil von 6-9% des Oleuropeins enthalten.

Das Olivenblattextrakt soll angeblich zudem sehr wirksam gegen den Darmpilz Candida Albicans sein. Dazu kann man im Internet einige sehr interessante Erfahrungsberichte finden.

Studien zur möglichen Wirkung des Olivenblattextrakts

Es gibt zahlreiche Studien zur Wirksamkeit des Olivenblattextrakts. Allerdings sind diese meist im Tierversuch, beziehungsweise im Reagenzglas durchgefĂŒhrt worden. Weiterhin möchten wir darauf aufmerksam machen, dass Sie, wenn Sie die Einnahme von Olivenblattextrakt in Betracht ziehen, vorher mit Ihrem behandelnden Arzt sprechen sollten. Lebenswichtige Medikamente dĂŒrfen auf keinen Fall abgesetzt werden.

Bei einer In-Vitro -Studie wurde nachgewiesen, dass der Olivenblattextrakt den oxidativen Stress bei Lymphozyten senken kann. Allerdings nur bei einer Konzentration von mindesten 100 mg/l. Zudem wurde festgestellt, dass es die antioxidative KapazitĂ€t der Zellen erhöhen und freie Radikale abfangen kann. Somit kann das Extrakt laut In- Vitro-Studie die Widerstandskraft der Zellen gegen toxische Substanzen erhöhen. Quelle: (TĂŒrkez & Togar. Olive (Olea europaea L.) leaf extract counteracts genotoxicity and oxidative stress of permethrin in human lymphocytes. The Journal of Toxicological Sciences. 2011;36(5):531-7. jstage.jst.go.jp/article/jts/36/5/531/_pdf)

Eine weitere Studie zeigt, dass Olivenblattextrakt eventuell positive Auswirkungen bei Übergewicht, beziehungsweise bei Diabetes haben könnte. Australische Forscher haben dies an Ratten erforscht, siehe Anhang.

Pakistanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Extrakt aus den OlivenblÀttern antibakteriell wirkt unter anderem gegen Staphylococcus aureus, Staphylococcus epidermis und Streptococcus genesis pyogenis eingesetzt werden könnte. Der wÀssrige Extrakt hemmt das Wachstum dieser Erreger. Sowohl Streptokokken als auch Staphylokokken können schwere Erkrankungen auslösen (unter anderem eine Blutvergiftung oder Scharlach). Bisher ist diese Wirkung noch nicht seitens des Gesetzgebers zugelassen.

Humanstudien zur blutdrucksenkenden Wirkung des Olivenblattextrakts

In dieser Doppelblindstudie (siehe Ende des Artikels) wurde ein herkömmliches blutdrucksenkendes Mittel mit Olivenblattextrakt verglichen. Die Studie wurde an Patienten mit leicht erhöhtem Blutdruck durchgefĂŒhrt. Bei beiden Behandlungen wurde der Blutdruck erfolgreich gesenkt. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied: Bei den Patienten, die das Olivenblattextrakt eingenommen hatten, gab es keine Nebenwirkungen oder LangzeitschĂ€den wie bei den pharmazeutisch hergestellten Blutdrucksenkern.

Möchte man Olivenblattextrakt zur Blutdrucksenkung einnehmen, ist ein GesprĂ€ch mit dem behandelnden Arzt dringend angeraten, zumal diese Wirkung ebenfalls nicht offiziell zugelassen oder bewiesen ist. Auf keinen Fall sollten blutdrucksenkende Medikamente eigenmĂ€chtig abgesetzt werden. Man beachte außerdem, dass die Studie sich auf Menschen bezieht, die nur unter einer leichten Erhöhung des Blutdrucks litten.

Was sollte man beim Kauf beachten?

Möchte man Olivenblattextrakt einnehmen, kann man zwischen zwei Darreichungsformen wĂ€hlen: Die flĂŒssige Variante und Kapseln. Bei beiden sollte man darauf achten, dass sie möglichst schonend und biologisch hergestellt wurden.

Eventuell sollte man erst mit den Kapseln beginnen, da diese anfangs zumeist besser vertragen werden. Außerdem sind diese lĂ€nger haltbar und meistens auch etwas gĂŒnstiger. Außerdem fĂ€llt der bittere Geschmack weg.

Der Vorteil beim reinen Extrakt ist, dass das Oleuropein dort konzentrierter enthalten ist. Hier sollte Wert darauf gelegt werden, dass das Extrakt möglichst rein ist und nicht noch zusÀtzlich Zucker oder Alkohol enthÀlt.

GrundsĂ€tzlich sollte man sich die Packungsbeilage vor der Einnahme grĂŒndlich durchlesen. Verschlechtern sich die Symptome signifikant, ist ein Arztbesuch dringend angeraten. Das gleiche gilt, wenn sich Nebenwirkungen zeigen sollten. Zudem sollten chronisch kranke Menschen, die die Einnahme von Olivenblattextrakt in ErwĂ€gung ziehen, vorher mit ihrem behandelnden Arzt sprechen. Schwangere sollten vorher unbedingt ihren GynĂ€kologen aufsuchen, da auf manchen Seiten von der Einnahme wĂ€hrend der Schwangerschaft abgeraten wird.

Wo kann man Olivenblattextrakt kaufen?

ErhÀltlich ist Olivenblattextrakt unter anderem bei Versandapotheken oder in Online-Drogerien. Man kann die Kapseln oder das Extrakt aber auch teilweise in der Apotheke vor Ort kaufen. Zudem lassen sich auch getrocknete OlivenblÀtter kÀuflich erwerben, aus denen man einen Tee kochen kann. Auch den Tee gibt es bereits fertig zu kaufen.

Weiterhin gibt es auch Literatur zum Thema Olivenblattextrakt und seiner Wirkungsweise, zum Beispiel: Josef Pies: Olivenblattextrakt: RĂŒckbesinnung auf ein Jahrhundertealtes Heilmittel (erschienen im VAK-Verlag). Der Autor ist ĂŒbrigens auch der Meinung, dass Olivenblattextrakt eine Alternative zu herkömmlichen Antibiotika sein könnte.

Studien ĂŒber das Olivenblattextrakt

OlivenbÀume und die potentielle Wirkung auf den menschlichen Organismus:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19906250

Studie ĂŒber Übergewicht:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20335636

Studie aus Pakistan:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21501041

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19135874

Bei Blutdruck:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21036583