Studie: Kinder und Jugendliche bewegen sich zu wenig

Kinder und Jugendliche in Deutschland bewegen sich zwar mehr als noch vor wenigen Jahren, jedoch kommt die Bewegung im Alltag nach wie vor zu kurz. Das bestätigen die Zwischenergebnisse der Langzeitstudie Momo, die noch bis 2020 als Teil der repräsentativen Kiggs-Studie des Karlsruher Instituts fürs Technologie (KIT) annähernd 18.000 Kinder in drei Wellen untersucht.

Weiterhin Mangel an grundlegenden Fähigkeiten

Auch wenn das Momo-Modul für die letzten Jahre Hinweise darauf gibt, dass Kinder und Jugendliche fitter werden – zufriedenstellend sind die Zwischenergebnisse der Studie auf keinen Fall. Den untersuchten Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern zwischen 4 und 17 Jahren mangelt es an einigen grundlegenden Fähigkeiten. So ergab die bisherige Datenauswertung, dass 43% der Untersuchten bei Rumpfbeugen ihre Zehenspitzen nicht erreichen. Mehr als 1/3 der Menschen waren nicht in der Lage, mehrere Schritte rückwärts auf einem Balken zu balancieren. Grundsätzlich zeichnet sich ab: Zunehmendes Körpergewicht geht einher mit motorischen Defiziten im Kindesalter.

Bewegungsmangel trotz zahlreicher Angebote

Paradox scheint, dass es bundesweit zwar ein großes und vielfältiges Angebot an organisierten sportlichen Aktivitäten gibt, im Alltag trotzdem Bewegungsmangel herrscht. Dabei lässt sich eine Schere zwischen sehr aktiven und fitten Kindern und Jugendlichen einerseits und regelrecht inaktiven Studienteilnehmenden andererseits beobachten. Während sich die einen in Schulen, Vereinen oder Fitnessclubs regelmäßig bewegen, gibt es gleichzeitig zunehmend motorisch auffällige Kinder. Auch die Krankenkassen fördern Bewegung durch Bonusprogramme bereits bei Kindern.

Schulsport bei weitem nicht ausreichend

Auf der Suche nach den Ursachen für diese Entwicklung fanden die Forscher heraus, dass unorganisierter Sport im Alltag praktisch kaum noch stattfindet. Wer aus welchen Gründen auch immer nicht an organisiertem Sport teilnimmt, ist in der Folge seltener sportlich aktiv. Als Ursache dafür gilt, dass Kindern immer weniger Bewegungsräume im Alltag zur Verfügung stehen. Nicht einmal ein Drittel der Kinder und Jugendlichen bewegen sich die empfohlenen 60 Minuten pro Tag oder mehr. Die Forscher empfehlen Eltern daher, passive Tätigkeiten wie z.B. Medienkonsum zu beschränken und sich als Vorbild zu präsentieren.

Fußballverein St.Pauli bringt Kids in Bewegung

Mit gutem Beispiel und jeder Menge Aktivitäten für Kinder und Jugendliche geht der Fußballclub St. Pauli voran. Neben der üblichen Nachwuchs-Förderung besonders sportlicher Talente im Nachwuchsleistungszentrum, bietet der Fußballverein Hamburger Kindern viele spannende Möglichkeiten. Gemeinsam mit sechs regionalen Partnervereinen realisiert der FC St. Pauli das Projekt Schulkooperationen im Rahmen der Ganztagsbetreuung. Die Schüler spielen dabei wöchentlich 90 Minuten lang Fußball, zusätzlich zum regulären Sportunterricht. Insgesamt sind in diesem Schuljahr 2016/2017 etwa 1600 Kinder dabei, die auch regelmäßig in Turnieren im fairen Wettstreit gegeneinander antreten dürfen.

„Rabauken“ profitieren von Vorteilen

Als Mitglied im sogenannten Rabaukenclub können junge Hamburger Fans ihre Fußball-Lieblinge an Spieltagen von der Kindertribüne aus anfeuern. Wer sich als Rabauke bewirbt und als Gewinner aus der Verlosung hervorgeht, darf sogar die Spieler beim Einlauf ins Millerntor-Stadion begleiten. Weiterhin werden Fußballcamps veranstaltet. So soll die Torwartschule, die am letzten Freitag im April startet, jungen Torhütern helfen, sich neue Techniken anzueignen und zu verbessern. Da eine Mitgliedschaft im Rabauken-Club quasi mit der Geburt beginnen kann, wird die Begeisterung für den Fußballsport bereits bei den Allerkleinsten gefördert.

Physische Aktivität schon bei Kita-Kindern fördern

Bewegungsmangel im Kindes- und Jugendalter ist übrigens kein ausschließlich deutsches Phänomen, wie eine aktuelle Studie der Glasgower University of Strathclyde belegt. Sie kommt nach Auswertung der Daten von rund 400 Kindern zu dem Schluss, dass körperliche Aktivität nicht, wie bisher vermutet, erst im Jugendalter abnimmt. Sogar bei 7-Jährigen Jungen und Mädchen ist ein signifikanter Aktivitätsrückgang zu verzeichnen. Umso wichtiger ist es also auch hierzulande, regelmäßig bereits Kita- und Grundschulkinder zu mehr Bewegung zu animieren – organisiert in Schule und Vereinen ebenso wie im Alltag.

2017-05-19T16:09:35+00:00 11. April 2017|Allgemein|