AOK will digitale Patientenakte anbieten

Die digitale Vernetzung im Gesundheitswesen ist nur noch eine Frage der Zeit. Die AOK, eine der größten deutschen Krankenkassen, arbeitet an einer digitalen Patientenakte. Vorgestellt wurde sie Ende Juni von der AOK Nordost auf dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit 2017 in Berlin.

Die digitale Patientenakte als individuelle Lösung

Die Kosten im Gesundheitswesen sind hoch. Nicht notwendige Mehrfachuntersuchungen könnten durch eine Datenvernetzung vermieden werden. Das dient nicht zuletzt dem Schutz der Patienten. Es leuchtet ein, dass es sinnvoll wäre, wenn alle Leistungserbringer wüssten, welche Untersuchungsergebnisse und Röntgenaufnahmen bereits vorliegen — und das so zeitnah wie möglich, denn für Notfallpatienten könnte sich das als lebensrettend erweisen. Die klassische Patientenakte wird bisher von jedem Behandler neu angelegt. Dabei werden auch die Daten jedes Mal wieder neu erhoben. Grundsätzlich enthält sie die Anamnese (Befunderhebung), Untersuchungen, Diagnosen, Befunde, Allergien, Einnahme von Medikamenten usw. Ein bundesweites Datennetz könnte Abhilfe schaffen. Doch die für 2018 geplanten Erweiterungen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) verzögern sich immer weiter. Bei der individuellen Lösung der AOK werden Patientendaten nicht zentral gespeichert. Die digitale Akte wird online über eine App zugänglich sein, die den Versicherten der AOK Nordost im App-Store zur Verfügung gestellt wird. Das wirft die Frage auf, wie mit den Daten bei einem Krankenkassenwechsel umgegangen wird.

Unterstützung vom Sozialverband VdK

Der Sozialverband VdK Deutschland e.V. unterstützt die Einführung der Notfall­daten­speicherung auf der Gesundheitskarte. So soll es einen Zugriff vor allem für Pflegeheime und Pflegedienste geben, um die Versorgung optimal zu gestalten. Es soll jedoch nicht Jeder die digitale Akte öffnen dürfen, z.B. Therapeuten erhalten weiterhin die Informationen über den behandelnden Arzt. Der Verband sieht auch die digitale Übermittlung von Entlass- und Arztbriefen als Vorteil, da das Porto für die postalische Versendung entfällt und ein sofortiger Zugriff ohne Wartezeit möglich ist. Der bereits Ende 2016 eingeführte Medikationsplan für mindestens drei Arzneimittel wurde ebenfalls positiv durch den VdK unterstützt und soll nach Einführung der Telematikinfrastruktur nicht nur in ausgedruckter Form, sondern auch digital auf der Gesundheitskarte zur Verfügung stehen. Des Weiteren fordert der Verband einen Ausdruck in großer Schrift sowie eine barrierefreie Form für Blinde.

Sicherheit und Datenschutz für Versicherte

Das Schlagwort des „gläsernen Patienten“ hat schon vor Jahren Datenschützer auf den Plan gerufen. Die AOK versichert, dass die digitale Patientenakte internationale IT-, Sicherheits- und Datenschutz-Standards erfüllt. Der behandelnde Arzt wird wie gewohnt weiterhin alle Daten erfassen, aber der Versicherte kann sie jederzeit einsehen. Auch soll es möglich sein, Daten aus Gesundheits-Apps oder Wearables wie Fitnessarmbändern oder Blutdruckmessgeräten zu speichern. Nur der Patient selbst kann Diagnosen und Untersuchungsergebnisse zwischen Hausarzt, Krankenhaus oder Fachärzten übermitteln. Das erhöht einerseits die Sicherung der Daten für den Patienten, andererseits ist damit ein schneller Zugriff ohne dessen Einwilligung im Notfall nicht gegeben.

Die Techniker entwickelt ebenfalls digitale Patientenakte

Die AOK Nordost ist nicht die einzige Krankenkasse, die an einer digitalen Patientenakte arbeitet. Auch Die Techniker (TK im Test) entwickelt ein ähnliches System. Dezentrale Datenerfassung (AOK) und eine zentrale, rechenzentrumbasierte Akte (TK) stehen sich gegenüber. Ob so verschiedene Systeme auf Dauer parallel existieren können und wie die Patienten selbst reagieren, wird man erst im Lauf der Zeit sehen.

2017-07-10T10:24:32+00:00 10. Juli 2017|Allgemein|