Auf die Frage, wie es Masttieren ergehen soll, bevor sie auf dem Teller landen, heißt es oft von den Konsumenten: Ein glückliches, kurzes Leben mit gesundem Futter soll es sein und um Himmelswillen nur keine Massentierhaltung. Eine wahrlich humane und politisch korrekte Antwort, die sich immer gut macht. Doch wie ist es um den Fleischkonsum der Deutschen wirklich bestimmt?

Konsumenten nur bedingt bereit mehr Geld auszugeben

Nachdem uns beinahe täglich ins Gewissen geredet wird und wir wissen, wie wichtig gesunde Tierhaltung, fairer Handel und ein für die Zukunft reduzierter Fleischkonsum sind, sollte man annehmen, dass sich in der letzten Zeit einiges am Kaufverhalten ver­ändert hat. Zudem war die Auswahl an Fleischalternativen auf z.B. Erbsen-, Linsen- oder Pilzbasis noch nie so groß wie heute. Doch die Realität sollte uns schockieren. Statistiken zufolge lag der Pro-Kopf-Fleischkonsum der Deutschen im Jahr 2019 bei 59,5 Kilogramm, die Hälfte davon ist Schweinefleisch. Auch die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) konnte die (un)menschliche Gier nach Fleisch nicht drosseln. Diese liegt bei maximal 600 Gramm pro Woche, also im Jahr 31 Kilogramm pro Mensch. Der Durch­schnitts­deutsche isst somit doppelt so viel Fleisch wie der Körper benötigt.

Quantität geht noch immer vor Qualität

Von der Hoffnung, dass die Deutschen vielleicht wenigstens öfter zu hochwertigerem Fleisch greifen, müssen wir uns auch verabschieden. Laut Pressesprechern von Aldi Süd, REWE und Penny konnte bisher keine Veränderung des Käuferverhaltens bemerkt werden. Doch was wurde aus diversen Verbraucherstudien, die besagten, man wolle in Zukunft für eine tiergerechte Mast mehr bezahlen? Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache, denn die Mehrzahl der Deutschen greift noch immer zu günstigem Fleisch aus konventioneller Haltung.

Tierische Produkte für schwere Krankheiten verantwortlich?

Immer mehr Menschen steigen nicht nur aufgrund des Trends auf eine vegetarische oder sogar vegane Ernährung um. Häufig sind sie auch der Meinung, dass Fleisch für den Menschen ungesund ist. Auch die ProVegan Stiftung vertritt diese Auffassung: Laut Dr. med. Ernst Walter Henrich gibt es zahlreiche Studien, die belegen, dass der Verzehr von tierischen Produkten für schwere Erkrankungen verantwortlich ist. In Studien heißt es, dass Fleisch und Milchprodukte Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Alzheimer und Übergewicht auslösen können. Des Weiteren soll die industrielle Tierhaltung für gefährliche multiresistente Bakterien verantwortlich sein. Die ProVegan Stiftung empfiehlt daher, auf pflanzliche Pro­te­in­quellen, wie beispielweise Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse, aus­zu­weichen. Ein weiteres Problem stellt tierisches Eiweiß dar, welches besonders in Kuh­milch vorkommt. Kasein macht 87 % der Proteine in herkömmlicher Milch aus und soll das Wachstum von Krebs sehr stark fördern. Als pflanzliche Alternative kann man Soja-, Mandel- oder Kokosmilch verwenden. Diese sind auch für Men­schen mit Laktoseintoleranz geeignet.

Verbraucherschützer fordern mehr Transparenz

Eine Teilschuld trägt wohl vor allem die Politik, da sie es den Herstellern immer noch durchgehen lässt, dem Konsumenten viel zu wenig Information über Tierhaltung und Produktion zur Verfügung zu stellen. Für das Jahr 2020 plant das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Festlegung von Standards für ein leicht ver­ständ­liches und transparentes Tierschutz-Siegel. Bislang sind viele Verbraucher ein­fach misstrauisch und gehen davon aus, dass ein hoher Preis oder die Bezeich­nung “Bio” für Lebensmittel nicht zwingend für Qualität oder fairem Handel stehen muss.