Im Mai 2018 beschloss der Deutsche Ärztetag die Lockerung des Fernbehand­lungs­­ver­bots in zahlreichen Bundesländern in Deutschland. Die Nutzung der neuen Behandlungsmöglichkeit geht jedoch nur sehr schleppend voran.

Fernbehandlung über Videosprechstunden?

Bei der Telemedizin treffen sich Patient und Arzt nicht in einem Wartezimmer, sondern haben über Videosprechstunden oder andere Wege online Kontakt. Die Entwicklung ist bisher nur schleppend vorangegangen, obwohl die Möglichkeit, mit seinem Arzt über Webcam oder Mobiltelefon Kontakt aufzunehmen, gerade für ländliche Regionen mit wenig Ärzten förderlich sein kann. Viele Landesärzte­kammern haben die neue Variante der Sprechstunde akzeptiert. Bisher bietet nur Brandenburg die Online-Behandlung nicht an.

Wie wird die Onlinesprechstunde genutzt?

Seit einem Jahr ist die Online-Sprechstunde zugelassen. Seither haben laut dem Ärzteblatt 3.000 Patienten diese Möglichkeit genutzt, um mit ihrem Arzt in Kontakt zu treten. Bis Mai 2019 hat die AOK Nordost 260 Patienten verzeichnet, die auf das Onlineangebot zurückgegriffen haben.

Eine Studie der Kassenärztlichen Vereinigung im Bundesland Brandenburg ergab, dass knapp die Hälfte der befragten Ärzte der Meinung sind, dass der Einsatz von Telemedizin nicht möglich wäre. Das läge einerseits daran, dass dafür spezielle Technik angeschafft werden müsse und der administrative Aufwand recht hoch sei, andererseits spiele auch die schlechte Vergütung eine Rolle – Ärzte dürfen lediglich 50 Online-Sprechstunden pro Quartal berechnen.

Videosprechstunde auf dem Prüfstand

Das Startup-Unternehmen Teleclinic hat die Onlinesprechstunde als Pilotversuch an Selbstzahlern getestet. Die Videosprechstunde wurde dabei hauptsächlich für chronische Erkrankungen und Bagatell-Krankheiten aufgesucht. Weiterhin wurden laut deren Statistik 1,3 Rezepte pro Patient ausgestellt. Die Telemedizin-Plattform Zava verzeichnete 600.000 Online­beratungen in Deutschland. Unklar ist jedoch der Anteil an Video­beratungen. Bei dieser Plattform treten Arzt und Patient überwiegend schriftlich miteinander in Kontakt. Patienten füllen einen Fragebogen aus, der vom Arzt überprüft wird. Laut CEO David Meinertz stellt die Telemedizin einen wichtigen Teil des digitalen Gesundheitswesens dar. Er vertritt die Meinung, dass deren Einbin­dung in die Regelversorgung genauso wichtig sei, wie eine Qualitätssicherung bei Onlineberatungen sowie die E-Health Anwendungen wie die digitale Patientenakte oder das e-Rezept.

Digitalisierung kann Patientenwohl steigern

Besonders für Menschen mit chronischen oder schwerwiegenden Erkrankungen kann die Digitalisierung von Patientenakten einige Vorteile haben: Im medizi­nischen Notfall können so die gespeicherten Daten vom Arzt ausgelesen und wichtige Aspekte, wie bspw. einzunehmende Medikamente, Erkrankungen und Allergien, bei der Behandlung berücksichtigt werden.

Auch Gesundheits-Apps, wie beispielsweise die HeartApp, können zum Wohlbefinden des Patienten beitragen. Mit dieser App haben Patienten mit angeborenem Herzfehler alle wichtigen Daten über ihre Erkrankung jederzeit im Smartphone parat. Gerade im Urlaub kann das für ein besseres Sicherheits­gefühl in Hinblick auf die Gesundheit sorgen, denn das Handy hat man eigentlich immer dabei. Die HeartApp wurde vom Herzzentrum am Inselspital Bern entwickelt und gemeinsam mit dem New Media Center der Universität Basel ausgebaut. Die Entwickler haben es sich zum Ziel gesetzt, die App in der Handhabung so einfach wie möglich zu gestalten und anschauliche Illustra­tionen von Herzfehlern und OP-Techniken für Patienten sowie auch Interessierte zur Verfügung zu stellen. Die sensiblen Daten werden mit einem vom Nutzer vergebenen Passwort geschützt und auch nur dieser kann entscheiden, wer die Gesundheits­informationen einsehen darf.