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Noch kein Urteil: Beamte in der gesetzlichen Krankenversicherung

Im Sommer diesen Jahres verbreitete sich die Meldung: Die Hansestadt Hamburg möchte ihren Beamten den Weg in die gesetzliche Krankenversicherung um einiges erleichtern, und zwar ohne finanzielle Einbußen. Ab 1. August 2018 soll es soweit sein, das Gesetz dazu ist jedoch noch nicht beschlossen. Während sich das “Projekt” an sich bereits in der GKV befindliche Beamte sowie junge Neueinsteiger wendet, müssen regulär privat Versicherte weiter ausharren. Wer lange in der PKV versichert war, hat meist keine Chance zurück in die Gesetzliche zu wechseln.

Weitere Bundesländer prüfen Vorhaben

Zwar soll die Neuregelung vorerst nur in Hamburg gelten, doch äußern sich bereits weitere Bundesländer sehr positiv über das Vorhaben. Ist es also denkbar, dass bald in weiteren Teilen Deutschlands Beamte eine Wahlfreiheit zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung haben werden? So schaut auch Mecklenburg-Vorpommern zu seinen Nachbarn nach Hamburg, wo ab Mitte kommenden Jahres der Senat die Mitgliedschaft von Beamten in der gesetzlichen Krankenversicherung fördern möchte. Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) äußerte sich positiv zum Gesetzesentwurf und wolle Selbiges auch für MV prüfen lassen. Der dbb Beamtenbund und Tarifunion äußerte sich dagegen kritisch gegenüber dem Vor­haben und weist auf Alternativen hin. Er ist mit 1,8 Mio. Mitgliedern einer der größten Interessenvertreter für Beamte und Tarifbeschäftigte in Deutschland. Er ergreift Bilanz zu Themen rund um Politik, Verwaltung sowie der Gesellschaft und handelt im Interesse seiner Mitglieder. Das Wahlrecht für Beamte zwischen GKV und PKV sowohl in Hamburg, als auch in Mecklenburg-Vorpommern unterstützt der dbb jedoch nicht und weist klar auf ein gerechtes Wahlrecht für alle hin. So fehlen ihm in der Betrachtung auch die Tarifbeschäftigten. Eine klare Alternative dazu stellt die Öffnungsaktion der PKV (PDF) dar, welche vom dbb ausdrücklich begrüßt wird. Neueinsteigern mit Vorerkrankungen wird damit der Einstieg in die private Kranken­versicherung erleichtert.

Beamte sparen durch Anspruch auf Beihilfe

Während 90 Prozent aller Deutschen gesetzlich versichert sind, genießt der restliche Teil eine private Krankenversicherung. Auch Beamte sind zumeist privat versichert. Der Grund: In der PKV haben Beamte und Beamtenanwärter Anspruch auf Beihilfe durch den Dienstherrn, während in der GKV der volle Beitrag von derzeit 14,6 Prozent plus dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent gezahlt werden muss. Angestellte in der gesetzlichen Krankenversicherung teilen sich den Beitrag mit dem Arbeitgeber und zahlen 7,3 Prozent plus Zusatzbeitrag. Da die Aufnahme in die private Krankenversicherung gesundheitsgebunden ist, sind einige Beamte gezwungen, sich freiwillig in der GKV zu versichern und tragen somit die vollen Kosten. Mit der Änderung, wie sie in Hamburg angedacht ist, wären Beamte in der Lage zwischen GKV und PKV frei zu wählen, ohne finanzielle Nachteile fürchten zu müssen. Das käme auch Beamten mit Familie zugute, da in der PKV eine kostenlose Mitversicherung von Kindern und Partnern nicht möglich ist.

2017-10-20T12:34:44+00:00 20. Oktober 2017|Gesetzlich, Lokal, Politik, Recht, Versicherung|