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Steigende Lebenserwartung: Kommt bald die Rente mit 72?

In ihrem neuen Weißbuch zur Altersvorsorge rät die Europäische Kommission das Rentenalter anzuheben. Außerdem sollen Männer und Frauen in Zukunft gleich lange arbeiten. Die Menschen in Europa werden immer älter und zudem sinken die Geburtenzahlen. Dies führt zu weniger Erwerbstätigen. Im Jahr 2008 kamen auf einen Bürger im Alter von 65 Jahren oder älter noch vier Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 64. Im Jahr 2060 wird das Verhältnis nach Angaben des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung auf zwei zu eins sinken. Daher schlägt die Kommission vor, die Rentensysteme in allen EU-Ländern zu reformieren.

Vorschläge aus Brüssel zur Rentenreform

 Der EU-Kommissar Barnier fordert nun, dass die Betriebsrenten in Europa einheitlich gestaltet werden. Dazu soll es einen Kapitalstock geben, damit ein Arbeitnehmer bei einem Wechsel die Rente auch übernehmen kann. Damit verbunden wären jedoch schärfere Eigenkapitalregeln für die deutschen Unternehmen und etwa 45 Milliarden Euro Investitionen. Die Gewerkschaften warnen jedoch vor einer Minirente und lehnen Barniers Pläne ab.

Lebenserwartung steigt immer weiter an

Die Deutschen müssten im Jahr 2050 etwa fünf Jahre länger arbeiten, damit das Rentensystem nicht zusammenbricht. James Vaupel, Direktor des Instituts sagt, die Lebenserwartung steige weiter an. Dies geht auch aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Vaupel sagte, das Renteneintrittsalter müsse auf 72 Jahre steigen, um das Verhältnis zwischen Arbeits- und Rentenzeit künftig konstant zu halten. Vaupel und seine Mitarbeiter errechneten zudem, dass die Lebenserwartung in Deutschland in jedem Jahrzehnt um drei bis vier Jahre ansteigt. Schon bei der Rente mit 67 beriefen sich die Kritiker immer auf die Gesundheit der Bürger. Dem entgegnet Vaupel wie folgt: “Die gesunde Lebenserwartung steigt ebenso rasch an. Wenn Menschen zehn Jahre länger leben, werden sie zehn Jahre später krank”.

Deshalb forscht Vaupel mit seinen Kollegen auch an neuen Konzepten und Alternativen zu bisherigen Rentenmodellen. Die Rostocker Forscher gehen unter anderem einem neuen Ansatz nach, der eher das gesamte „Arbeitsvolumen“ während eines Lebenszyklus‘ betrachtet, anstatt sich, wie bislang üblich, auf die Anzahl der Arbeitnehmer zu konzentrieren. Die Wissenschaftler wollen daraus neue Optionen für eine Umverteilung von Lebenszyklen und -phasen erarbeiten.

Abschaffung der Frührente

Das tatsächliche Renteneintrittsalter in Europa wurde jedoch durch die Frührente sehr stark abgesenkt, da sie immer mehr in Anspruch genommen wird. Daher will die EU-Kommission in Brüssel diese jetzt sogar ganz abschaffen. Ein weiterer Punkt der Rentenreform soll außerdem die Angleichung der Renten sein, denn es gibt immer noch Unterschiede bei Rentenbezügen zwischen Männern und Frauen.

2017-10-17T15:54:26+00:00 20. Februar 2012|Gesetzlich, Versicherung|