//Berufsunfähigkeitsversicherung Schüler – Macht das Sinn?
Berufsunfähigkeitsversicherung Schüler – Macht das Sinn? 2017-09-29T22:10:20+00:00

Berufsunfähigkeitsversicherung:
sinnvoll schon für Schüler

Seinen BU-Schutz sollte man bekanntlich so früh wie möglich vereinbaren. Denn es heißt: Je niedriger das Eintrittsalter, desto günstiger sind auch die Beiträge. Außerdem hat man in jungen Jahren meist den besten Gesundheitszustand und muss deshalb weniger Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse befürchten. Aber gilt das wirklich auch schon für Schüler?

Schüler haben noch keinen Beruf! Mit dieser Begründung bieten viele Versicherer Schülern lediglich eine Schulunfähigkeitsversicherung  oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung an. Für den Versicherten ergeben sich daraus aber folgende Nachteile, die zweifellos nicht im Interesse des Verbrauchers sind:

  • Der Versicherungsschutz ist während der Schulzeit je nach Anbieter und Tarif mehr oder weniger eingeschränkt.

  • Nach Beendigung der Schulzeit ist eine Umwandlung in eine echte BU-Versicherung nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Maßgebend sind dabei die zum Zeitpunkt der Umwandlung geltenden Annahmerichtlinien und Rechnungsgrundlagen des Versicherers.

  • Der Versicherte soll sich also überraschen lassen, ob und zu welchen Konditionen später eine Umstellung ohne erneute Gesundheitsprüfung und wiederholt zu beantwortende
    Gesundheitsfragen möglich wäre.

Auch Schüler können echten BU-Schutz vereinbaren

Denn einzelne BU-Versicherer sehen die Tätigkeit eines Schülers ausdrücklich als Beruf an und fordern weder bei Aufnahme einer Berufstätigkeit – noch bei Beginn einer Berufsausbildung  bzw. eines Studiums eine Nachmeldung. Versichert ist dann immer der zuletzt ausgeübte Beruf und der Beitrag ändert sich auch bei Aufnahme einer risikoreicheren Tätigkeit nicht.

Ein Problem ergibt sich jedoch bei der konkreten Verweisung. Auch wenn ein berufsunfähig gewor­dener Schüler seine Schulausbildung abbre­chen musste – irgendwann wird er eine mehr oder weniger qualifizierte Tätigkeit aufnehmen. Dann kann jeder Versicherer seine Rentenzahlungen ein­stellen, wenn diese Tätigkeit aufgrund der Ausbil­dung und Erfah­rung ausgeübt werden kann und sie der sozialen Wertschätzung und dem Einkommen des Schülers (Lebensstellung) entspricht, bevor eine Berufsun­fähigkeit eintritt, also die Voraussetzungen für eine Berufsunfähigkeit erfüllt werden.

Aber als Schüler hatte man noch keine höhere soziale Wertschätzung und auch kein Einkommen. Deshalb wird dem Versicherer die konkrete Verweisung häufig recht leicht fallen – selbst wenn der betroffene Schüler ursprünglich Arzt oder Mathematiker werden wollte. Insofern sollte man keine übertriebenen Erwartungen haben, falls die Berufsunfähigkeit tatsächlich schon während der Schulzeit eintritt.

„Je jünger, desto preiswerter“ – pauschal so nicht richtig

Denn der Beitrag ist entscheidend auch von der Berufsgruppen­zuordnung abhängig. Deshalb kann der BU-Schutz für einen heute 16-jährigen Gymnasialschüler teurer sein, als nächstes Jahr für den dann 17-jährigen Bürokaufmann-Azubi: natürlich nur, wenn in der Zwischenzeit keine risikorelevanten Erkrankungen auftreten!

Dies soll keine Aufforderung zum Abwarten sein. Niemand kann wissen, was innerhalb eines Jahres passiert. Aber nach Beginn der Lehre oder des Studiums sollte man durchaus überprüfen, ob inzwischen der BU-Schutz mit geringeren Kosten bei gleichen oder besseren Versicherungsbedingungen vereinbar wäre.

Letzte Chance für Schüler, die einen handwerklichen Beruf erlernen wollen!

Doch Schüler, die nach Abschluss des laufenden Schuljahres einen entweder körperlich oder psychisch anstrengenden Beruf erlernen oder zukünftig ausüben wollen, sollten sich unbedingt noch als Schüler versichern.

Denn für diese Schüler ist es häufig die letzte Chance, einen bezahlbaren BU-Schutz in angemessener Höhe zu bekommen. Beispiel:

16-jähriger Realschüler

Wie hoch ist der Beitrag?

Monatliche BU-Rente von 1000 €

bis zum 65. Lebensjahr
monatliche Kosten: 41,50 €
(Stand 01.03.17)

16-jähriger Bäcker-Azubi

Wie hoch ist der Beitrag?

Monatliche BU-Rente von 1000 €

bis zum 65. Lebensjahr
monatliche Kosten: 81,79 €
(Stand 01.03.17)

Andere Berechnungsbeispiele für ausgewählte Berufe finden sich auf dieser Informationsseite für Schüler. Auch sollte man an später denken, denn kein Schüler bleibt dies ewig. Deshalb sollte der Tarif auch dann noch optimalen BU-Schutz bieten, wenn aus dem Schüler ein Azubi oder Studentangestellter Arbeitnehmer oder Selbständiger geworden ist. Einem Schüler werden heute 1.000 € versicherte BU-Rente vermutlich ausreichend erscheinen. 

1000 € heute 100%
in 30 Jahren mit 2% Inflation nur noch 550 € wert

Außerdem wird sich häufig mit beruflicher Karriere und erreichtem Lebensstandard der Bedarf erhöhen. Deshalb ist es wichtig, dass die versicherte BU-Rente sowohl der Inflation als auch der jeweiligen Lebenssituation angepasst werden kann – und dies idealerweise ohne erneute Risikoprüfung.

Fazit: Der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung schon als Schüler kann durchaus sinnvoll sein. Für Schüler, die einen Risikoberuf erlernen wollen, ist der frühzeitige Abschluss sogar extrem wichtig. Die Auswahl eines hierfür geeigneten Tarifs ist sehr anspruchsvoll.

Nach Ansicht des Autors stehen derzeit aber nur wenige empfehlenswerte Tarife zur Auswahl:

Und auch diese Tarife haben ihre Stärken und Schwächen. Lassen Sie sich deshalb von einem spezialisierten Makler oder Versicherungsberater beraten. Diese kennen den BU-Markt und sind bei ihrer Empfehlung an keine bestimmte Gesellschaft gebunden.