Grundfähigkeitsversicherung: Angebote im Vergleich

Die Grundfähigkeitsversicherung bezeichnet eine spezifische Risikoversicherung, bei der Kunden die Möglichkeit haben, den Verlust bestimmter Fähigkeiten abzusichern wie beispielsweise nicht mehr sehen, sprechen oder gehen zu können. Inwieweit der Versicherte dabei noch arbeiten kann, spielt keine Rolle.

Die Grundf√§higkeitsversicherung wird seit dem Jahr 2000 in Deutschland angeboten.¬†Wie die Schwere-Krankheiten-Versicherung¬†oder die sogenannte Funktionsinvalidit√§tsversicherung ist sie noch ein¬†Nischenprodukt mit nur wenigen Anbietern am Markt.¬†Dennoch kann die Grundf√§higkeitspolice eine sinnvolle Alternative f√ľr Personengruppen sein, die ihre Arbeitskraft auf anderem Weg nicht versichern k√∂nnen. Gehen infolge einer Krankheit oder eines Unfalls Grundf√§higkeiten verloren, zahlt die Gesellschaft eine zuvor vereinbarte monatliche Rente aus.

Neue Alternative zu anderen Personenversicherungen

Die Grundf√§higkeitsversicherung ist ein Produkt, das als¬†Alternative zur Berufsunf√§higkeitsversicherung¬†sowie zur Pflege- oder Schwere-Krankheiten-Versicherung abgeschlossen werden kann. Versicherbar ist der¬†Verlust spezifischer F√§higkeiten¬†oder das¬†Erreichen der Pflegestufe II oder III¬†im Zusammenhang mit einer Pflegebed√ľrftigkeit.

Höhe der Beiträge

Die Kosten werden in Abhängigkeit folgender Parameter festgelegt:

  • Eintrittsalter
  • Gesundheitszustand
  • festgelegte Versicherungssumme
  • Absicherung bis Alter x
  • Einstufung in berufliche Gefahrengruppe

Auch bei diesem Produkt existieren bestimmte¬†Annahmerichtlinien. So m√ľssen einige Gesundheitsfragen beantwortet werden. Vorerkrankungen k√∂nnen dabei Zuschl√§ge oder Ausschl√ľsse nach sich ziehen. Ablehnungen sind ebenfalls m√∂glich, werden aber¬†seltener ausgesprochen als bei BU-Policen.¬†Vereinfachte Gesundheitsfragen¬†sind in der Regel an eine maximale Versicherungssumme, meist 1.000 Euro, gebunden. Zudem gilt: Je h√∂her das Eintrittsalter und je h√∂her die vereinbarte monatliche Rente, desto teurer wird die Absicherung. Auch der Beruf spielt eine Rolle: So zahlt ein Maurer beispielsweise mehr als ein Ingenieur. Ebenfalls einen Einfluss √ľbt die Dauer des Versicherungsvertrags aus: Absicherungen k√∂nnen zum Beispiel bis 55, 60, 65 oder 67 Jahre gew√§hlt werden.

Voraussetzungen f√ľr die Rentenzahlung

Versicherer von Grundf√§higkeitspolicen zahlen ihren Versicherungsnehmern eine monatliche Rente in vereinbarter H√∂he aus, wenn diese im Versicherungsvertrag festgeschriebene F√§higkeiten verlieren. Die Ursachen daf√ľr sowie die Auswirkungen auf die Arbeitsf√§higkeit sind dabei ohne Bedeutung. Die Voraussetzungen f√ľr den Leistungsfall sind allerdings sehr streng. Bedingung ist, dass der Kunde die F√§higkeit oder F√§higkeiten¬†f√ľr voraussichtlich mindestens zw√∂lf Monate¬†und in der Regel auch vollst√§ndig verloren hat. Bei leichten Beeintr√§chtigungen wird der Versicherungsfall dagegen meist nicht anerkannt – auch dann nicht, wenn die Erwerbst√§tigkeit nicht mehr ausge√ľbt werden kann.

Dar√ľber hinaus erhalten Versicherte auch Geld, wenn sie pflegebed√ľrftig werden und¬†in Pflegestufe II oder III eingestuft werden. Inwieweit der Kunde noch weitere F√§higkeiten verliert, ist unerheblich.

Versicherbare ‚ÄěGrundf√§higkeiten‚Äú

Die Anbieter teilen die zu versichernden Fähigkeiten grundsätzlich in zwei bis drei Gruppen ein:

Katalog 1

  • sehen
  • sprechen
  • H√§nde gebrauchen

Katalog 2

  • h√∂ren
  • stehen
  • gehen
  • sich fortbewegen
  • Treppen steigen
  • knien oder b√ľcken
  • sitzen
  • heben
  • tragen
  • greifen
  • Auto fahren

Katalog 3

  • Auffassung
  • Konzentration
  • Aufmerksamkeit
  • Handlungsplanung
  • Orientierung
  • Ged√§chtnis
  • Anordnung gesetzlicher Betreuung

Quelle: Canada Life: “Grundf√§higkeitsversicherung – G√ľnstiger Risikoschutz f√ľr Jeden 2013”.

Bei den Kardinalf√§higkeiten der 1. Gruppe tritt der Versicherungsfall ein, wenn der Versicherungsnehmer¬†eine einzige der F√§higkeiten¬†einb√ľ√üt. In der 2. Gruppe muss der Kunde dagegen¬†mindestens drei dieser F√§higkeiten¬†verlieren, damit der Versicherer den Leistungsfall anerkennt. Im F√§higkeitenkatalog 3 reicht hingegen der Verlust einer F√§higkeit, um die Rente zu erhalten. Mitunter kann auch der¬†Verlust des Gleichgewichtssinns¬†versichert werden.

Liste der Vertragsformen und Anbieter

Verbraucher können zwischen eigenständigen Verträgen und Absicherungen zu einer Risikolebensversicherung wählen. Folgende Anbieter offerieren beispielsweise entsprechende Policen:

  • Allianz: K√∂rperschutzpolice (Kombination zwischen Grundf√§higkeits- und Dread-Disease-Absicherung)
  • Canada Life: Grundf√§higkeitsversicherung mit 19 versicherbaren Grundf√§higkeiten, Rentenzahlung ab Pflegestufe I
  • MoneyMaxx: wird seit 2012 nicht mehr angeboten
  • M√ľnchener Verein: Grundf√§higkeits-Absicherung
  • WWK: BioRisk Grundf√§higkeitsversicherung Komfort und Grundf√§higkeitspaket Plus mit zus√§tzlichem Leistungsumfang f√ľr bestimmte Berufsgruppen

Beste Grundfähigkeitsversicherungen: Bedingungen vergleichen

Neben dem Preis sollten vor allem auch die Bedingungen genauer unter die Lupe genommen werden. Folgende Leistungen sind dabei zu pr√ľfen:

  • Leistungsdauer: Ist die Absicherung einer lebenslangen Rente m√∂glich?
  • Flexibilit√§t: Kann eine ereignisbezogene oder nicht-ereignisbezogene Nachversicherungsgarantie integriert werden, damit der Vertrag an ver√§nderte Rahmenbedingungen oder W√ľnsche angepasst werden kann?
  • Leistungsanspruch: Gibt es Wartezeiten oder beginnt der Leistungsanspruch schon im ersten Monat nach Vertragsabschluss?
  • Wechseloption: K√∂nnen Sch√ľler und Studenten sp√§ter ohne Probleme die Art der Police ver√§ndern?
  • Einmalzahlung vs. Rente: Kann ich zwischen beiden Optionen w√§hlen?
  • Hinterbliebenenschutz: Kann ich f√ľr den Fall eines Todesfalls infolge eines Arbeitsunfalls meine Familie oder enge Angeh√∂rige absichern?
  • Bedarf: Existieren besondere Leistungen f√ľr bestimmte Berufsgruppen?
  • Geltungsbereich: Gilt der Schutz auch weltweit?

In jedem Fall sollte die Police an die eigenen Lebensumstände angepasst werden und eine Rentenzahlung im Leistungsfall sollte nicht allzu unwahrscheinlich erscheinen.

Steuerliche Behandlung

Invalidit√§tsversicherungen wie die Grundf√§higkeitsversicherung werden in puncto Steuern¬†vom Gesetzgeber wie Lebensversicherungen behandelt. Beitr√§ge k√∂nnen demnach als Sonderausgaben nach¬†¬ß 10 des Einkommensteuergesetz (EStG)¬†steuerlich geltend gemacht werden. Zu beachten sind hier die H√∂chstbetr√§ge f√ľr Vorsorgeaufwendungen. Die Rentenzahlungen sind dagegen als sonstige Eink√ľnfte mit dem jeweiligen Ertragsanteil der Einkommenssteuer zu versteuern (¬ß 22 EStG). Die Rente stellt dabei eine sogenannte ‚Äúabgek√ľrzte Leibrente‚ÄĚ dar.

Die Grundf√§higkeitsversicherung kann sowohl f√ľr¬†Angestellte,¬†Selbst√§ndige,¬†Freiberufler¬†als auch f√ľr¬†Hausfrauen¬†sinnvoll sein, die aufgrund von Vorerkrankungen oder k√∂rperlich anstrengenden Berufen Nachteile bei der Absicherung der Arbeitskraft haben. Auf diese Weise kann bereits eine Rente bezogen werden, auch wenn der Versicherte noch weiterarbeitet. Die Rente kann zudem helfen, die eigene oder elterliche Pflege zu finanzieren.¬†Sch√ľler und Studenten¬†k√∂nnen den Vertrag sp√§ter meist ohne Gesundheitspr√ľfung in einen BU-Vertrag oder¬†in eine Erwerbsunf√§higkeitspolice umwandeln.

Die¬†Allianz Lebensversicherung¬†hat mit der¬†“K√∂rperschutzpolice”¬†ein Produkt geschaffen, das den¬†Verlust einer oder mehrerer k√∂rperlicher oder geistiger F√§higkeiten¬†sowie das¬†Auftreten einer schweren Erkrankung¬†absichert. Ist der Kunde voraussichtlich f√ľr mindestens zw√∂lf Monate k√∂rperlich oder geistig beeintr√§chtigt oder seit mindestens sechs Monaten pflegebed√ľrftig, erh√§lt er eine monatliche Rente. Bei der Diagnose einer der versicherten schweren Erkrankungen wird dem Versicherten eine einmalige Kapitalleistung zugef√ľhrt. Treten beide F√§lle ein, ist eine Einmalleistung und eine monatliche Rente f√§llig. Der Vorteil: Die Allianz teilt hier¬†nur in zwei Berufsgruppen¬†ein.

Besonders vorteilhaft ist, dass ein Versicherungsvertrag¬†leichter erh√§ltlich¬†ist als bei einer Absicherung der Berufsunf√§higkeit. Auch f√ľr Menschen mit psychischen Erkrankungen ist der Zugang nicht ausgeschlossen. Zudem sind die Policen¬†vergleichsweise g√ľnstig. Auf der anderen Seite sind die¬†Bedingungen f√ľr eine Rentenzahlung streng. Nur bei (fast) vollst√§ndigem Verlust der vertraglich definierten F√§higkeiten tritt der Leistungsfall ein. Die Hauptgr√ľnde f√ľr Invalidit√§t, psychische Leiden und¬†R√ľckenschmerzen, k√∂nnen nicht abgesichert werden.

baby

Wie die Stiftung Warentest berichtet, verf√ľgt der Versicherer Canada Life auch √ľber eine¬†Grundf√§higkeitsversicherung f√ľr Kinder. Doch die H√ľrde ist hoch, bis der Versicherer einspringt.

Bedingung ist: dem¬†Kind fehlen dauerhaft bestimmte Grundf√§higkeiten¬†wie das Sprechen oder es hat Pflegestufe II oder III. Alternativ kann eine¬†‚ÄěSchwere-Krankheiten-Vorsorge‚Äúabgeschlossen werden, bei der die Leistung vom Auftreten von schweren Krankheiten abh√§ngig gemacht wird. Damit sind Krebs, Querschnittsl√§hmung oder Erblindung gemeint. Erkrankt das Kind jedoch an einer nicht aufgef√ľhrten schweren Krankheit, entf√§llt eine Zahlung.

Grundfähigkeitsversicherung im Test

In den letzten Jahren kamen Kombi-Produkte auf den Markt, die Teile aus Unfall-, Dread-Disease-, Grundfähigkeits- und Pflegeversicherung in sogenannten Multi-Risk-Policen zusammenfassen.

F√ľr den Test (2014) wurden 18 Gesellschaften anhand ihrer Vertragsbedingungen untersucht.¬†Dabei wurden 27 Tarife anhand von mehr als 60 Kriterien im Detail analysiert. Testsieger mit der h√∂chsten Benotung ‚ÄěFFF‚Äú wurden Allianz und Volkswohl Bund in Bezug auf lebensbasierte Multi-Risk-Produkte. Bei den Grundf√§higkeitsversicherungen punktete ebenso der Volkswohl Bund. Bei den unfallbasierten Multirisk-Produkten ging die Note ‚ÄěFF+‚Äú an Axa. Die Bestnote konnte nirgends vergeben werden.

Besondere Leistungsstärken beim Test:

  • Verzicht auf Beitragsanpassungen bei AXA und VPV
  • Verzicht auf K√ľndigung bei AXA, Barmenia und die Bayerische
  • Handhabung von Ausschl√ľssen bei TRIAS
  • Definition von Grundf√§higkeiten bei SIGNAL IDUNA und AXA
  • Meldefristen, r√ľckwirkende Leistungen und medizinische Mitwirkungspflichten bei ARAG, Barmenia, Interlloyd
  • Definition und Umgang mit dem h√§ufigen Leistungsausl√∂ser Krebs bei ARAG und Interlloyd, gefolgt von Barmenia, Bayerische und Signal Iduna
  • Verbesserte Leistungsdefinitionen und zus√§tzliche Kapitalzahlung im Fall von Herzinfarkt und Schlaganfall bei TRIAS.

Bem√§ngelt wurde im Test von Franke und Bornberg die Versicherung Canada Life wegen ihrer Regelung zur √úberbr√ľckung von Zahlungsschwierigkeiten. Au√üerdem die Angabe des “Beginns der Leistung bei einer nicht gestellten Prognose”, d.h. ab wann genau die Leistung in Anspruch genommen werden kann.