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Berufsunfähigkeitsversicherung: Steuerliche Absetzbarkeit 2017-10-19T08:50:07+00:00

Die Berufsunfähigkeitsversicherung in der Steuererklärung

Personen, die den Verlust ihrer Arbeitskraft über eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV) abgesichert haben, fragen sich häufig, inwieweit ihre Beiträge steuerlich absetzbar sind. Auch die steuerliche Behandlung der Berufsunfähigkeitsrente im Leistungsfall gilt es zu klären.

am Computer

Grundsätzlich können Versicherte ihre BU-Versicherung von der Steuer absetzen. Inwieweit die Beiträge dabei steuermindernd in der Steuererklärung Berücksichtigung finden, hängt auch davon ab, ob eine selbständige oder eine mit der privaten Altersvorsorge kombinierte Absicherung gewählt wurde. Welche Regelungen es gibt, wie die BU-Rente steuerlich einzuordnen ist und worauf Versicherte unbedingt achten sollten.

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RechtDurch das im Sommer 2013 von der Bundesregierung verabschiedete Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz haben sich die Möglichkeiten der steuerlichen Absetzbarkeit für Beiträge aus einer selbständigen BUV oder einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung verbessert. Die damit verbundenen Aufwendungen können seit 2014 im Rahmen des Abzugsvolumens der Basisversorgung im Alter steuerlich geltend gemacht werden. Voraussetzung ist aber, dass der Vertrag für den Versicherungsfall eine lebenslange Rente vorsieht und weitere Bedingungen (z.B. Ansprüche sind nicht vererbbar, nicht übertragbar, nicht beleihbar, nicht veräußerbar und nicht kapitalisierbar) erfüllt. Kritiker bemängeln, dass die geförderten Tarife aufgrund der hohen Beiträge jedoch – wenn überhaupt – nur für Besserverdiener erschwinglich sein werden. Von Seiten der Versicherer gibt es derzeit keine Angebote!

BU-Versicherung laut EStG steuerlich absetzbar

BU-Versicherte können ihre monatlichen Beiträge aus einer selbständigen BUV nach § 10 Abs. 1 Nr. 3a des Einkommensteuergesetzes (EStG) steuerlich geltend machen. In der Steuererklärung ist dies konkret unter dem Sonderausgabenabzug für “andere Versicherungen” möglich. Versicherte müssen dabei aber bestimmte Bedingungen erfüllen. So sind die Beiträge nur dann steuerlich absetzbar, wenn die Beiträge für die Krankenversicherung und Pflegeversicherung sowie für die Arbeitslosenversicherung, Unfall-, Haftpflicht- oder für Risikoversicherungen im Kalenderjahr zusammen folgende Höchstgrenzen nicht überschreiten:

0
für Angestellte, Beamte und Rentner
0
für Selbständige

Geregelt ist dies im sogenannten Bürgerentlastungsgesetz von 2010.
Sind die Höchstbeiträge bereits ausgeschöpft bzw. liegen die Vorsorgeaufwendungen darüber, wirken sich die Kosten für die BU-Versicherung nicht mehr steuerlich aus.

TippMit dem Voraus­zahlungs­modell die Versicherung absetzbar machen! Der Hinter­grund: Der Absetzbarkeit der Berufs­unfähig­keits­versicherung stehen ja die Kranken­kassen­beiträge „im Wege“. Sie haben aber die Möglichkeit, diese Beiträge für die Gesundheitsvorsorge auch im Voraus zu bezahlen – absetzbar sind Vorauszahlungen bis zur 2,5-fachen Höhe des laufenden Jahres­beitrages. Ihr Vorteil: Zahlen Sie die Beiträge im Voraus, sind Sie im Jahr der Zahlung absetzbar! In den folgenden 2 Jahren fallen dann keine Beiträge für die Krankenversicherung an – und die erwähnte 1.900 bzw. 2.800 Euro stehen zur Verfügung, um andere Beiträge abzusetzen, zum Beispiel die einer Berufs­unfähig­keits­versicherung.

Kombination mit der Rürup-Rente: Höhere Höchstgrenzen ausschöpfen

Weitaus höhere Beiträge als bei der eigenständigen BUV können bei einer BU-Zusatzversicherung im Rahmen einer Rürup-Rente von der Steuer absetzen. So können die Prämien jährlich bis zu folgenden Höchstgrenzen geltend gemacht werden:

0
für Angestellte
0
für Verheiratete

Beiträge zu einer BU-Versicherung werden bezüglich der Steuer als Sonderausgaben behandelt. Als Werbungskosten sind die Prämien dagegen nicht abzugsfähig! Dies hat der Bundesfinanzhof in seinem Urteil 2005 entschieden. Nach Meinung der Richter seien Versicherungsbeiträge lediglich als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben anzusehen, wenn die Police berufliche Risiken abdecke. Das zu versichernde Risiko bei der BUV sei aber, wie bei anderen Personenversicherungen auch, eher im privaten Bereich zu konstatieren (Az.: VI B 64/04).

Voraussetzung für steuerliche Absetzbarkeit

2016: 82 %

Wer die Beiträge zu seiner BU im Rahmen eines Rürup-Vertrages steuerlich absetzen will, sollte darauf achten, dass die Prämien für die BU-Zusatzversicherung unter 50 Prozent liegen. Derzeit sind die Beiträge zu 82 Prozent (2016) von der Steuer absetzbar. Auf lange Sicht können die Prämien aber vollständig geltend gemacht werden, da der Gesetzgeber diesen Wert jährlich um zwei Prozentpunkte anhebt (100 Prozent in 2025). Folgende Beiträge für einen Rürup-Vertrag wirken sich demnach steuerlich derzeit aus:

0
Alleinstehende
0
Ehepaare

Günstigerprüfung soll Schlechterstellung vermeiden

Bei der Berechnung der Vorsorgeaufwendungen sind seit Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes 2005 Übergangsregelungen geschaffen worden, damit Steuerpflichtige nicht schlechtergestellt werden. So kann in den Jahren zwischen 2005 bis 2019 der Höchstbetrag der abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen geltend gemacht werden. Dafür hat das Finanzamt eine sogenannte „Günstigerprüfung“ von Amts wegen durchzuführen. Welche Aufwendungen allerdings mit in die Berechnung einbezogen werden, richtet sich nach dem ab 2005 geltenden Recht.

In Bezug auf die BU-Rente hängt die Höhe des steuerpflichtigen Anteils von der Rentendauer ab. Konkret geht es darum, wie lange die Rente gezahlt wird, d.h. der Zeitraum zwischen der Feststellung der Berufsunfähigkeit und dem Ende der Leistungsdauer (meist das Renteneintrittsalter). Die folgende Staffelung zeigt die Höhe des Ertragsanteils in Abhängigkeit zur (Rest-) Laufzeit der Rente:

  • 1 Jahr: 0 Prozent
  • 5 Jahre: 5 Prozent
  • 10 Jahre: 12 Prozent
  • 15 Jahre: 16 Prozent
  • 20 Jahre: 21 Prozent

Beispiel: Ein Versicherter wird im Alter von 47 Jahren berufsunfähig und hat eine selbständige BUV bis zum 67. Lebensjahr abgeschlossen. Da die Rentendauer 20 Jahre beträgt, müssen 21 Prozent versteuert werden. Bei einer Rentenhöhe von 1.000 Euro sind konkret 210 Euro mit dem individuellen Steuersatz steuerpflichtig. Bei einem Steuersatz von 30 % wären dies 63 Euro. Die Nettorente beträgt dann 937 Euro pro Monat.

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Wo muss ich die BUV in der elektronischen Steuererklärung eintragen?

VergleichenDie Berufsunfähigkeitsversicherung wird in der Anlage Vorsorgeaufwand eingetragen. Sowohl die Haftpflicht– und Unfall-, als auch die Risikolebens– und Berufsunfähigkeitsversicherung werden ab Zeile 16 eingetragen.

Hinweis: Meist ist der maximale Sonderausgabenabzug für sonstige Vorsorgeaufwendungen schon voll ausgeschöpft durch die Sozialversicherung. Daher haben die notierten Werte wahrscheinlich keine Auswirkungen.

Direktversicherung bietet Vorteile für Arbeitnehmer

Unter das Stichwort Direktversicherung fallen nach Angaben der Bundessteuerberaterkammer sowohl Berufsunfähigkeitsversicherungen, die als Zusatzversicherung in Verbindung mit einer Lebensversicherung abgeschlossen wurden, als auch selbständige Berufsunfähigkeitsversicherungen und Unfallversicherungen mit Prämienrückgewähr. Solche Direktversicherungen bedingen eine unterschiedliche steuerliche Behandlung, je nachdem, ob der Arbeitgeber oder der Arbeitnehmer die Prämien entrichtet:

Versicherungsbeiträge des Arbeitgebers

steuerpflichtiger Arbeitslohn, Neuverträge ab 1.1. 2005: gemäß den Bedingungen nach § 3 Nr. 3 EStG steuerfrei

Versicherungsbeiträge des Arbeitnehmers

z. B. bei der Riester-Förderung: bis zu 2.100 Euro pro Kalenderjahr sind als Sonderausgaben abzugsfähig

Quelle: Bundessteuerberaterkammer September 2013

Verbraucherschützer sehen die neuen staatlich geförderten BU-Verträge kritisch, die im Zuge des Alters­vorsorge-Verbesserungs­gesetzes seit Januar 2014 angeboten werden dürfen. Da nur Leistungen gefördert werden, die bis zum Lebens­ende laufen, könnten die neuen Tarife vermutlich um das Zwei- bis Dreifache teurer werden als markt­übliche BU-Produkte und damit für viele unerschwinglich.

Berufsunfähigkeitsrente und Steuer: Hinweise für die Steuererklärung

TippIst die Leistung aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung steuerpflichtig? Die Antwort ist simpel: Grundsätzlich zählen die Versicherungsleistungen aus einer privaten BUV und damit die Berufsunfähigkeitsrente zu den steuerpflichtigen Einnahmen. Die Höhe der Besteuerung ist dabei abhängig vom persönlichen Steuersatz sowie der Quelle, von der die Rentenzahlung bezogen wird. Wie die Erwerbsunfähigkeitsrente auch wird die BU-Rente als sogenannte „abgekürzte Leibrente“ in der Steuererklärung bewertet. Die Versteuerung erfolgt mit dem besonderen Ertragsanteil, dessen Höhe sich an der Rentendauer orientiert (Vgl. § 55 Abs. 2 der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung, EStDV). Dabei gilt: Je kürzer die versicherte Laufzeit der Rente, desto geringer ist der Ertragsanteil, der schließlich steuerpflichtig ist.

Bleibt das zu versteuernde Gesamteinkommen des Berufsunfähigen unter der Freigrenze von 8.625 Euro (2016) im Jahr, sind die Rentenzahlungen steuerfrei. Wird die Freigrenze überschritten, erfolgt die Besteuerung des Ertragsanteiles mit Hilfe des gleichen Steuersatzes, der auch auf den Rest des Einkommens angewendet wird. Dieser ist den Einkommenssteuertabellen für Ledige und Ehepaare zu entnehmen. Folgende Regelungen gelten in Abhängigkeit zum gewählten Vertrag:

  • Betriebliche Berufsunfähigkeitsrenten: z.B. Direktversicherungen mit pauschal oder normal versteuerten Prämien sind wie private Berufsunfähigkeitsrenten steuerlich zu behandeln. Renten aus der betrieblichen Altersvorsorge mit steuerfreien Beiträgen müssen voll versteuert werden.
  • Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung sowie Berufsunfähigkeitsrenten aus Rürup-Verträgen: seit 2005 steuerpflichtig; Besteuerung liegt aktuell bei 72 Prozent (2016).
  • Dienstunfähigkeitsrente bei Beamten: Besteuerung wie Arbeitslohn (bis zum 63. Lebensjahr).