Die Kopfpauschale: Unsozial oder ein Modell für die Zukunft?

Das Modell der Gesundheitsprämien – oder Kopfpauschale – beschreibt ein Konzept zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Vor allem die FDP ist ein großer Verfechter, doch auch die CDU sprach sich noch vor einigen Jahren stark für diese Art der Finanzierung aus. Dennoch konnte sich die Kopfpauschale nicht durchsetzen.

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Ausgleich für GeringverdienerEinfluss auf Familienversicherung und PKVGründe für die KopfpauschaleGegenmodell zur Kopfpauschale

Sozialausgleich – Einkommensgrenze

Familienversicherung private Krankenversicherung
direkt beeinflusst indirekt beeinflusst
Kinder unter 18 Jahre wären befreit von der Kopfpauschale, für alle anderen bestünde eine Beitragspflicht Steigerung des Wettbewerbes zwischen GKV und PKV durch Vergleich über die Beitragshöhen

Gründe für die Einführung der KopfpauschaleFür die Befürworter der Kopfpauschale gibt es einige Argumente: Zum einen geht es um die Steigerung des Wettbewerbes unter den Krankenkassen. Durch die autonom kalkulierten Beiträge bei gleichen zugesicherten Leistungen können Versicherte direkt auf die Wirtschaftlickeit einer Krankenkasse schließen. Die Versicherer sind dann dazu gezwungen, durch Verträge mit Ärzten und Pharmaunternehmen die Ausgaben gering zu halten. Auch die privaten Versicherer müssten dann auf ihre Beiträge schauen, denn Spitzenverdienern mit der Wahl zwischen gesetzlich und privat könnten mit Blick auf die Beiträge das günstigere System wählen.Entkopplung der Beiträge von den LohnkostenDoch noch ein Grund spricht für die Kopfpauschale. Durch den demo­grafischen Wandel und den medizinischen Fortschritt steigen die Ausgaben im Gesundheitsbereich drastisch an – und zwar stärker als die Löhne. Sollten die Kosten weiterhin gedeckt werden, musste bis 2011 der Beitragssatz erhöht werden, mit Folgen für die Lohnnebenkosten. Arbeitgeber kritisierten dies lange als Bremse für den Arbeitsmarkt. Mit der einkommensunabhängigen Kopfpauschale würden steigende Gesund­heitskosten nicht mehr zwangsläufig zu steigenden Lohnkosten führen.

Als Übergangslösung wurden der Arbeitgeberbeitrag seit 2011 bei 7,3 Prozent gedeckelt.Gegenmodell: BürgerversicherungSPD, Grüne und Linke haben sich von dem Modell der Kopfpauschale klar distanziert und plädieren stattdessen für ein anderes Modell: die Bürgerversicherung. In dieser sollen alle Bundesbürger gesetzlich versichert werden, das betrifft auch die heute Privatversicherten. Die Beiträge sollen sich weiterhin einkommensabhängig gestalten. Rechnungsgrundlage sind jedoch nicht nur Löhne und Gehälter, wie bisher, sondern zusätzlich Zinseinkünfte oder Mieteinnahmen.

Themenspezial: Bürgerversicherung

Auch das Modell der Bürgerversicherung konnte sich vorerst nicht durchsetzen. Ergebnislos waren die Verhandlungen für eine neue Große Koalition jedoch nicht. Ab 2019 sollen die Krankenkassenbeiträge wieder paritätisch finanziert werden. Das bedeutet, dass der Zusatzbeitrag, der aktuell von den Versicherten allein getragen wird, hälftig auch durch den Arbeitgeber getragen wird.

Themenspezial: Paritätischer Beitragssatz

Vorbild Ausland

Deutschland nimmt in Sachen Kopfpauschale keine Vorreiterrolle ein. In anderen Ländern wie der Schweiz und den Niederlanden wird dies schon länger praktiziert. Eine Kopie dieser Sys­teme ist aufgrund unterschiedlicher Versi­che­rungs­strukturen jedoch nicht angedacht.

Gewinner & Verlierer der Kopfpauschale

  • Gutverdiener in der GKV durch sinken Beiträge zur Krankenversicherung
  • Privatversicherte durch im Wettbewerb sinkende Prämien
  • Arbeitgeber durch stabilere Lohnnebenkosten dank der Entkopplung

Tipp der Redaktion

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