Brennesselsamen – Wissenswertes ĂŒber Anwendung und Dosierung

Die Brennessel oder manchmal auch „Brennnessel“ geschrieben ist nicht nur ein lĂ€stiges Unkraut, das uns Menschen beim Spazierengehen durch Wiesen und am Waldrand im Sommer verbrennen kann oder im Garten immer genau da wĂ€chst, wo man die Pflanze ĂŒberhaupt nicht brauchen kann. Die Brennessel wĂ€chst aber nur nicht bei uns. Sie ist in fast allen LĂ€ndern der Erde zu finden, außer in extremen klimatischen Zonen. Die Brennessel ist eine Pflanze, die mehrjĂ€hrig wĂ€chst und ĂŒber ein weitverzweigtes Wurzelsystem verfĂŒgt.

Immer im FrĂŒhjahr zeigen sich die ersten grĂŒnen zarten BlĂ€tter, von denen man sich aber nicht tĂ€uschen lassen sollte. Bereits diese können krĂ€ftig brennen. Allerdings sind gerade die jungen Pflanzen besonders gut fĂŒr die Teezubereitung oder als GemĂŒse geeignet. Brennesselsamen sind in der NahrungsergĂ€nzungsmittelindustrie ebenfalls ein Begriff.

Was ist die Brennessel?

Man kann Brennesseln tatsĂ€chlich relativ gefahrlos anfassen, wenn man sie von unten nach oben streicht, da die BrennhĂ€rchen nach oben ausgerichtet sind. Der lateinische Name lautet Urtica. Man unterscheidet vier Arten: die große und kleine Brennessel, die Röhricht Brennnessel und die Pillen Brennessel.

Wieso Brennhaare?

Die Brennhaare sitzen auf der Blattoberseite und sollen die Pflanze eigentlich vor Fraßfeinden schĂŒtzen. Dank der KieselsĂ€ure, die in der Brennessel eingelagert ist, werden diese HĂ€rchen hart und spröde wie Glas. Hat man das Pech, mit diesen HĂ€rchen in Kontakt zu kommen, bricht die Spitze ab. Mit einigem Druck schießt dann die ameisensĂ€urehaltige BrennflĂŒssigkeit heraus und gelang so in die Wunde. Dadurch entstehen dann die berĂŒhmten Quaddeln, die mit Brennen oder Juckreiz einhergehen. Die Brennnessel war im Übrigen auch Namenspate fĂŒr eine allergische Hautreaktion: die Nesselsucht oder Urtikaria.

Anwendung der Brennnessel

In der Bronzezeit wurden die Pflanzenfasern dazu verwendet, um Stoffe herzustellen. Im 20. Jahrhundert wurde die Brennessel unter anderem dazu benutzt, MilitĂ€rkleidung einzufĂ€rben. Das war vor der Zeit der Massenproduktion. Im Jahr 1900 galten Brennesselfasern als Stofflieferant fĂŒr die Kleidung der armen Leute.

Im Altertum war die Brennessel als Heilpflanze bekannt und diente auch als Nahrungsquelle. Wer es selbst gerne einmal ausprobieren möchte, wie Brennesseln schmecken, kann sich zum Beispiel Brennesselspinat zubereiten oder die Pflanze als Beilage im Salat verwenden. Zudem kann aus den BlÀttern ein Tee zubereitet werden, dem im Generellen eine entschlackende und harntreibende Wirkung nachgesagt wird. Ihren Namen hat die Brennessel von ihren Brennhaaren, mit denen der eine oder andere bestimmt schon mal eine unangenehme Begegnung hatte.

Brennesselsamen als Naturheilmittel?

Doch nicht nur die Brennessel selbst ist Nahrungs- und Naturheilmittel. Auch die Brennesselsamen können vielfĂ€ltigen Einsatz finden. Sie sollen Berichten zufolge mit pflanzlichen Hormonen, Vitaminen und Mineralien angereichert sein. Zudem sollen die Samen in vielen Kulturen auch ein sehr wirksames Aphrodisiakum sein. Bereits Ovid, ein römischer Dichter, schĂ€tzte die angebliche Wirkung und empfahl eine Mischung von Pfeffer und Brennnesselsamen 1:1. Zudem sollen auch römische Soldaten ihre Verletzungen mit Brennesseln behandelt haben. Heute gilt es sogar als Hausmittel fĂŒr Hunde zur Revitalisierung des Ă€lteren Hundes.

Noch heute sind Brennesselsamen als Vitaltonikum, vor allem in abgelegenen Gegenden, sehr beliebt. AusfĂŒhrlich dokumentiert ist die umfangreiche Verwendung vor allem in Polen oder Russland. Die medizinische Wirkung der Brennessel selbst ist im Übrigen von der Kommission E anerkannt. Der europĂ€ische Ausschuss fĂŒr pflanzliche Arzneimittel (HMCP) hat sie aufgrund langjĂ€hriger Erfahrung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

Brennesselextrakt – Die Renaissance

FrĂŒher glaubten die Menschen, dass der Verzehr von Brennesseln am Neujahrstag böse Geister und Zauber fernhalten soll. Wahrscheinlich liegt es am Trend zur Nachhaltigkeit und zu Biolebensmitteln, dass die Brennessel, ihre Samen und auch ihr Extrakt so eine Art Revival erleben und allmĂ€hlich aus der „Öko“-Ecke geholt werden.

Ein Aufguss aus Brennesseln kann im Übrigen auch im Garten angewendet werden. Er schĂŒtzt die Pflanzen vor SchĂ€dlingen und vor Pilzen. Brennesselextrakt ist in Kapselform oder als Brennesselsaft erhĂ€ltlich. GegenĂŒber den gemahlenen Brennesselsamen sind die ganzen Samen in Bio QualitĂ€t die bessere Wahl.

Brennesselsamen Inhaltsstoffe

Folgende Inhaltsstoffe sollen in den Samen enthalten sein:

  • LinolsĂ€ure (74% – 83%)
  • Öl (25% – 30 %)
  • LinolensĂ€ure
  • Schleimstoffe
  • Tocopherol
  • Carotinoide (zum Beispiel ß-Carotin und Lutein)
  • Unter anderem Vitamine C, E und A

100 Gramm Brennesselsamen haben circa 4 Kcal (17kj).

Folgende Wirkungen werden den Brennesselsamen nachgesagt

Hinweis: Die Wirkungsweisen sind (zum Teil) nicht wissenschaftlich belegt und basieren auf Erfahrungsberichten. Brennesselsamen allein können keine ausgewogene und gesunde ErnÀhrung ersetzen, diese aber durchaus ergÀnzen.

Die Samen zeichnen sich besonders durch die „fetten“ Öle aus, die in ihnen enthalten sind. Allerdings muss man keine Angst haben, dass man gleich zunimmt, wenn man die Samen konsumiert. Die „fetten“ Öle sollen nĂ€mlich positiv sein und werden deshalb vorrangig als gesund beschrieben. Bis zu 30 % davon sind in Brennesseln enthalten. Unter anderem auch ungesĂ€ttigte FettsĂ€uren wie LinolsĂ€ure. Weiterhin befinden sich viele Vitamine wie Vitamin A, C und E in der Pflanze. Auch Carotinoide und Polysaccharide sind enthalten.

Die Kombination aus den vielen Stoffen sorgt dafĂŒr, dass die Brennesselsamen richtige kleine Powerpakete sein können. Auch deshalb kommen sie in vielen Vital-Rezepten unter anderem bei körperlicher Erschöpfung zum Einsatz. Augenscheinlich sollen sie hier krĂ€ftigend wirken. Wie schon erwĂ€hnt, basiert dies jedoch rein auf Erfahrungsberichten oder inoffiziellen wissenschaftlichen Studien. Auch bei LeistungsschwĂ€chen oder MĂŒdigkeit können sie unter UmstĂ€nden positiv wirken, dies ist ebenfalls nicht wissenschaftlich belegt.

Da sie auch viel Eiweiß enthalten, können sie fĂŒr Sportler eine wertvolle Energiequelle darstellen. 31 g Eiweiß stecken in 100 g Brennesselsamen. Unter anderem sind sie in veganen Eiweißriegeln enthalten, da nicht nur Bodybuilder oder Sportler auf eine ausreichende Eiweißzufuhr achten mĂŒssen, sondern auch Veganer. Weitere Einsatzmöglichkeiten von Brennnesselsamen, die immer wieder zu lesen sind: Gegen Gicht und Rheuma, Haarausfall und Prostatabeschwerden und bei Verdauungsbeschwerden. Jedoch sind diese Anwendungsgebiete seitens der Kommission nicht zugelassen.

Weiterhin gilt Brennesselsamen als „Wiesen-Viagra“. Sie sollen bei MĂ€nnern die Samenproduktion anregen und luststeigernd wirken. Auch bei Frauen sollen sie sich positiv auf den Östrogenspiegel auswirken. Aus diesem Grund verbot die Kirche im Mittelalter ihren Nonnen und Priestern den Genuss der Samen. Wissenschaftlich ist die aphrodisierende Wirkung bis jetzt aber noch nicht bewiesen.

Wie oben schon erwÀhnt gilt die Brennnessel schon seit Jahrhunderten als Heilpflanze und wurde zwischenzeitlich auch als solche anerkannt. Der wahrscheinlich bekannteste Einsatz der Brennnessel ist der Tee traditionell, zum Beispiel bei Harnwegsinfektionen. Das Brennnesselextrakt wirkt demnach stark harntreibend und schwemmt aufgrund dessen die Bakterien aus, die sich in der Harnröhre angesiedelt haben. ZusÀtzlich dazu sollte ausreichend getrunken werden. Das Brennnesseldestillat wird aus den Wurzeln gewonnen.

Es kann unter UmstĂ€nden bei Problemen beim Wasserlassen helfen und bei gutartigen Prostatabeschwerden eingesetzt werden, so zumindest eine Studie, siehe Anhang. FĂŒr die Dosierung hĂ€lt man sich am besten an die Herstellerangaben. Meist werden 1-2 Teelöffel pro Tag angegeben.

Allerdings hat die Einnahme von Brennnesselexktrakt keinerlei Einfluss auf die GrĂ¶ĂŸe der Prostata. Um die Vorsorgeuntersuchungen kommt man also nicht herum. Zudem haben iranische Wissenschaftler in Tierversuchen herausgefunden, dass sich das Extrakt positiv auf den Gesamtlevel von Cholesterin und LDL Cholesterin auswirken könnte (jcimjournal.com/en/FullText2.aspx?articleID=jcim20090506). Bisher jedoch unbestĂ€tigt. Außerdem kann man mit Hilfe des Extrakts zum Beispiel eine Haartinktur herstellen, die Ă€ußerlich angewendet gegen Schuppen und fettige Kopfhaut helfen kann.

Brennesselsamen selbst ernten

Man kann Brennnesselsamen natĂŒrlich fix und fertig im (Bio-) Laden oder online kaufen. Aber selbst ernten spart nicht nur Kosten, sondern man weiß auch ganz genau, wo die Samen herkommen. Es bedeutet jedoch Arbeit und auch etwas Kenntnis der Thematik kann nicht schaden. Ein Vorteil bei Brennesseln ist, dass sie wirklich fast ĂŒberall wachsen und dadurch relativ einfach zu finden sind. Geerntet wird in der Regel in der Zeit von August bis Oktober. In diesem Zeitraum tragen die Brennnesseln besonders reiche Samen.

Allerdings sollten sie aber nicht unbedingt am Straßen- oder Feldrand stehen, da hier die Belastung mit Abgasen oder DĂŒngemitteln sehr hoch sein kann. Ideal wĂ€re es natĂŒrlich, wenn die Brennnesseln im eigenen Garten stehen. Aber auch bei denen, die an Wanderwegen wachsen, kann man eigentlich davon ausgehen, dass sie nicht allzu sehr belastet sind.
Grundausstattung zur Ernte sind natĂŒrlich Arbeitshandschuhe und ein Plastikeimer beziehungsweise eine SchĂŒssel, in denen man die Brennesselsamen dann sammelt.

Die Handschuhe schĂŒtzen die HĂ€nde vor den BrennhĂ€rchen, denn die Nesseln geben ihre Samen natĂŒrlich nicht ganz freiwillig her. Die SamenstĂ€nde sollten schön voll, noch grĂŒn und dicht an der Brennessel wachsen. Die Brennessel sollte am letzten Samenstand von unten abgeknipst werden. Anschließend werden die BlĂ€tter entfernt , per Hand oder mit der Schere, und die Samen vom Stengel gestreift oder auch mit der Schere abgeknipst werden.

Danach werden die SamenfĂ€den auf ein feinmaschiges Gitter oder Tuch gelegt und angetrocknet. Durch den Trocknungsvorgang lösen sich die Samen von den FĂ€den. NatĂŒrlich kann man die angetrockneten Samen auch sieben, dadurch werden die Samen nicht nur von den FĂ€den getrennt, sondern auch von den ĂŒbriggebliebenen BlĂ€ttern.

Anschließend sollten die Brennesselsamen komplett getrocknet werden. Das kann man entweder im Außenbereich erledigen (allerdings sollte keine all zu hohe Luftfeuchtigkeit herrschen) oder in einem Dörrofen bei maximal 40 Grad. Die getrockneten Brennesselsamen sind dann zudem relativ lange haltbar, wenn man sie in einem verschlossenen Glas in einem abgedunkelten Raum aufbewahrt.

Es gibt weibliche und mÀnnliche Brennnesselpflanzen. Die mÀnnlichen tragen die Samen mit den Pollenkapseln, die dann die weiblichen Pflanzen bestÀuben. Diese tragen dann die SamenstrÀnge die geerntet werden.

Wo kann ich Bio Brennesselsamen kaufen?

NatĂŒrlich hat jetzt nicht jeder Lust und/oder Zeit die Brennesselsamen selbst zu ernten. Kaufen kann man die Samen entweder im Bioladen, in manchen DrogeriemĂ€rkten oder online im Internet . Zudem gibt es auch verschiedene GewĂŒrzmischungen, in denen Brennesselsamen enthalten sind.

Wo werden die Brennesselsamen verwendet und wie ist der Geschmack?

Brennnesselsamen werden vor allem in der KĂŒche eingesetzt. Bevor man sie verarbeitet, sollten die Samen allerdings in einem Mixer oder in einem Mörser zerkleinert werden, da die Samenkörner leicht im Hals hĂ€ngen bleiben können und so einen Hustenreiz auslösen.
Brennesselsamen können in (grĂŒne) Smoothies gemischt oder zu einem Pesto verarbeitet werden. Zudem kann man mit ihnen ein leckeres Saatenbrot backen oder eine Quiche zubereiten. Die zerkleinerten Samen können auch ĂŒber den Salat, Suppen oder Saucen gestreut werden. Auch im morgendlichen MĂŒsli können sie ihren Einsatz finden. Der Geschmack wird als leicht nussig beschrieben.

Rezept fĂŒr ein Vitalbrot mit Brennesselsamen

  • 4 EL Obstessig
  • 1 WĂŒrfel Hefe
  • 3 TL Salz
  • 700 gr. Dinkelmehl
  • 100 gr. Mehl (z.B. Hanfmehl)
  • 4 EL Brennesselsamen
  • 3 EL GewĂŒrzmischung z.B. aus Weizen- und Gerstengras,
  • Spinat und Brennnesseln
  • Haferflocken
  • Öl

Die Kastenform einfetten und mit den Haferflocken und dem Öl ausstreuen. Die Hefe in Wasser auflösen und alle Zutaten miteinander vermischen, bis ein zĂ€her Teig entsteht. Die Masse in die Kastenform fĂŒllen und bei 220 Grad (Ofen vorheizen) circa 1 Stunde backen.

Doch nicht nur in der KĂŒche können die Samen verwendet werden. Auch in der Körperpflege, beziehungsweise Naturkosmetik können sie eingesetzt werden, zum Beispiel bei trockener Haut und Akne und anderen Hautproblemen.

Haartinktur herstellen

Diese wird folgendermaßen zubereitet:

Circa 250 Gramm Brennnesselwurzel zerhacken und in einem Liter Wasser circa 30 Minuten lang kochen. Vorher sollte noch ein halber Liter Weinessig hinzugeben werden. Nach einer halben Stunde die Wurzeln aus dem Wasser sieben. Einmal pro Woche sollte die Kopfhaut mit dem Tonikum behandelt werden.

Wann sollten die Brennesselsamen nicht genommen werden?

Ist eine Überempfindlichkeit bekannt, sollten weder die Samen, das Extrakt oder die Brennnessel an sich konsumiert werden. Bei Zuckerkrankheit sowie bei Erkrankungen der Leber und der Niere sollte man vorher RĂŒcksprache mit seinem Arzt halten. Auch bei einer Schwangerschaft sollte unbedingt vor der Einnahme ein GynĂ€kologe konsultiert werden.

Brennesselsamen Nebenwirkungen

Obwohl eher selten, können natĂŒrlich auch bei Brennesselsamen und allen anderen Brennnesselprodukten Nebenwirkungen auftreten. Diese sind zum Beispiel Sodbrennen und andere Magen-Darmbeschwerden, Durchfall, BlĂ€hungen und VöllegefĂŒhl, so Berichten zufolge. Gelegentlich können auch Juckreiz und Hautausschlag auftreten.

Weder die Einnahme von Brennnesselextrakt, noch von Brennesselsamen, ebenso wie die Brennnessel an sich ersetzen einen Arztbesuch, gerade bei schwerwiegenderen Erkrankungen.

Studien zur Brennnessel beziehungsweise zum Brennesselsamen

Link zur Studie (Prostata):

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7510891

Studie im Tierversuch zur StÀrkung des Immunsystems:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22238748