//Krankenkassen: Milliarden-Einsparungen bei OTC-Medikamenten durch Apotheken möglich

Krankenkassen: Milliarden-Einsparungen bei OTC-Medikamenten durch Apotheken möglich

Apotheken bieten nicht nur eine fundierte Beratung in Sachen Medikation, sie können Krankenkassen auch dabei helfen, bares Geld zu sparen. Das zumindest ist das Ergebnis einer repräsentativen Untersuchung der Hochschule Fresenius in Idstein, die kürzlich durch Professor Uwe May auf dem diesjährigen OTC-Gipfel in Düsseldorf vorgestellt wurde. Das mögliche Einsparvolumen der Kassen für OTC-Arzneimittel fällt demnach deutlich höher aus als bislang angenommen.

Zeitersparnis für Mediziner und Patienten

Etwa eine Milliarde Krankheitsfälle und Befindlichkeitsstörungen pro Jahr zählen die Krankenkassen derzeit in Deutschland. Rund 100 Millionen dieser Fälle suchen Arztpraxen auf. Statistisch kommen damit auf jeden Hausarzt etwa 50 Patienten täglich. Wenn von diesen 50 nur zehn Prozent mit leichteren Beschwerden in die Apotheke statt zum Arzt gehen würden, stünden dem Arzt ein bis zwei Stunden mehr Zeit für schwerwiegendere Fälle zur Verfügung. Patienten mit leichteren Beschwerden und Befindlichkeitsstörungen profitieren ebenfalls: Statt mit einer Erkältung oder Magen-Darm-Beschwerden über Stunden im ärztlichen Wartezimmer auszuharren, könnten sie in der Apotheke ihrer Wahl erheblich schneller beraten und mit passgenauen Medikamenten versorgt werden. Unterm Strich würden auch die Krankenkassen von diesem Vorgehen profitieren: Weniger Arztbesuche bedeuten geringere Kosten, was sich mittel- und langfristig in günstigeren Krankenkassenbeiträgen oder sinkenden Zusatzbeiträgen niederschlagen könnte.

Sichere Anlaufstelle für OTC-Arzneimittel

Insbesondere im Hinblick auf nicht verschreibungspflichtige Medikamente, die sogenannten OTC-Arzneimittel, stellen Apotheken ein enormes Einsparpotenzial dar. Kalkulationen des Experten May zufolge bedeutet jedes OTC-Medikament, für das ein Arztbesuch entfällt, eine Einsparung von 4,50 Euro für das System. Aufs Jahr gerechnet ergibt sich damit eine Einsparung von 4,5 Milliarden Euro. Gefördert werden diese von den Apotheken selbst. Diese optimieren den möglichen Behandlungserfolg beispielsweise mit einer passgenauen Beratung. Insbesondere ihre heilberufliche Kompetenz und Beratungsqualität machen Apotheken zu beliebten Ansprechpartnern bei kleineren „Wehwehchen“ – und zu Experten für nicht verschreibungspflichtige Medikamente, die auch helfen, Risiken, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen bestmöglich einzuschätzen und zu vermeiden.

Mehr Kompetenzen für Apotheken gefordert

Angesichts dessen wundert es kaum, dass Apotheker und Gesundheitsökonomie zum einen mehr Kompetenzen für Apotheken und zum anderen eine verbesserte Bezahlung fordern. Denkbar wäre es beispielsweise, dass Apotheken in die Ausstellung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen bei leichteren Beschwerden und Befindlichkeitsstörungen eingebunden werden oder Rezepte für Dauermedikamente ausstellen dürfen. Hinsichtlich der Bezahlung ist laut May beispielsweise eine feste Marge für OTC-Arzneimittel oder die gesonderte Abrechnung von Beratungsleistungen denkbar.

Redaktion

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2017-09-20T22:28:33+00:00 18. November 2016|Allgemein|