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FinTechs und InsurTechs boomen: Müssen die etablierten Dienstleister zittern?

In Deutschland befindet sich innerhalb Europas der zweitgrößte Markt für InsurTechs und FinTechs. Auch in Zukunft werden ihnen durch die zunehmende Digitalisierung große Erfolgschancen prognostiziert. Dies ergab eine gemeinsame Studie von Professor Dr. Gregor Dorfleitner des Lehrstuhls Betriebswirschaftslehre an der Universität Regensburg und Junior-Professor Dr. Lars Hornuf der Universität Trier im Auftrag des Bundesministeriums für Finanzen. Sie untersuchten Umsatz-Daten der deutschen FinTech-Branche aus dem Zeitraum von 2007 bis 2015, um so Vorhersagen für die Entwicklung dieser Marktsegmente in den Jahren 2020, 2025 sowie 2035 treffen zu können.

FinTechs und InsurTechs ernsthafte Konkurrenz für Finanzbranche

Somit bringen die Start-Ups etablierte Dienstleister wie Versicherungen (Liste aller Versicherer) und Banken immer weiter unter Druck. Die jungen Unternehmen aus der Finanz- bzw. Versicherungs­branche, die FinTechs und InsurTechs, benutzen neue Technologien, um Finanz- und Versicherungsdienstleistungen zu verbessern und für den Kunden zu vereinfachen. Sie greifen dabei oft auf leicht zu standardisierende Finanz- und Versicherungsprodukte und Dienstleistungen zurück. Laut der Studie gab es im Jahr 2016 in Deutschland 346 aktive Finanztechunternehmen. 2015 betrug das Gesamtvolumen der FinTech-Firmen allein im Bereich Finanzierung und Vermögensmanagement in Deutschland 2,2 Milliarden Euro, nach Großbritannien ist Deutschland damit der zweitgrößte Standort in Europa. Im gleichen Jahr nutzten ca. 1,2 Millionen Deutsche unabhängige FinTechs zur Verwaltung ihrer persönlichen Finanzen.

Beeindruckende Prognose für dynamisches Wachstum

Der deutsche FinTech-Markt ist in den letzten Jahren um ca. 150 Prozent jährlich gewachsen. Allein bis 2020 könnten die FinTechs ein Gesamtmarktvolumen von 58 Milliarden Euro erreichen, bis zum Jahr 2035 sogar bis zu 148 Milliarden Euro. Bislang scheint das nur ein Bruchteil von dem zu sein, was die alteingesessene Finanzökonomie an Finanz-Leistung einbringt. Daher sind die Wissenschaftler der Überzeugung, dass die Branche noch nicht zittern muss. Allerdings gehen die Autoren der Studie auch in Zukunft von einem enormen Wachstumspotenzial aus. Auch die etablierten Banken sehen die Chancen der FinTech-Unternehmen, so arbeiten schon jetzt 87 Prozent der Banken mit FinTechs zusammen. Da die Verarbeitung großer Datenmengen durch Big Data und künstliche Intelligenz immer einfacher wird, wovon Gründer und Start-Ups letztlich profitieren, ist von weiteren Kooperationen zwischen Banken und jungen Unternehmen auszugehen.

Friendsurance – versichert in einer Gruppe

Das 2010 in Berlin gegründete Unternehmen Friendsurance kann als Beispiel eines der erfolgreichen deutschen InsurTech-Unternehmen gelten. Allein 2015 gewann das Unternehmen nach eigenen Angaben 75.000 Neukunden, nach nun 7 Jahren am Markt ist die Kundenanzahl inzwischen sechs­stellig. Es wirbt damit, als unabhängiger Online-Versicherungsmakler Versicherungen verschiedener Anbieter für alle fairer und günstiger zu machen. Das Besondere daran ist, laut eigener Darstellung, dass die Versicherten sich mit ihren Beiträgen zum einem kleinen Netzwerk zusammenschließen und damit kleinere Schäden bezahlt werden können, ohne dass die eigentliche Versicherung einspringen muss. Daneben können bei Schadensfreiheit anteilig Beiträge zurückgezahlt werden.

Paypal eines der ersten FinTechs

Beim Start von Paypal war der Begriff FinTech noch nicht in aller Munde. Dennoch ist das genau die treffende Bezeichnung für den Anbieter, der weltweit ein völlig neues Online-Bezahl-System geschaffen hatte. Insofern kann man wohl von einer kleinen Revolution sprechen, die dem Online-Bezahldienst damals gelungen ist. Heute ist es kaum vorstellbar, dass es einmal anders war, inzwischen vertrauen ihm weltweit viele Millionen Menschen und Online-Händler. Auch das wohl größte globale FinTech entwickelt sich und hat sein Portfolio um klassische Finanzmarkt-Produkte erweitert. Neben eigenen Kreditkarten bietet das Unternehmen mit Hauptsitz in den USA über Internet-Händler in Deutschland nun sogar Ratenzahlung – also Verbraucherkredite – an und will demnächst zusätzlich Kredite für Klein- und mittelständische Unternehmen (KMU) einführen. Experten meinen, dass Paypal damit den konventionellen Banken und Kreditinstituten (PDF) noch mehr Kunden abspenstig machen könnte.

 

2017-10-13T09:14:25+00:00 5. Juli 2017|International, Versicherung|