Corona-Impfstoff Curevac im Überblick:
Entwicklung, Zulassung, Wirkungsweise

Nach Biontech, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson,  bringt nun auch das Tübinger Unternehmen CureVac einen Impfstoff gegen das Coronavirus auf den europäischen Markt. Die Zulassung wird bis spätestens Ende Juni 2021 erwartet.

Wie funktioniert der Curevac Impfstoff
Welche Vorteile hat das Curevac Vakzin
Entwicklung des Curevac Impfstoffs
Wie sicher ist der Curevac Impfstoff

Das Wichtigste zum Tübinger Corona-Impfstoff im Überblick

  • Bei dem Corona-Impfstoff Curevac handelt es sich, ebenso wie bei den Impfstoffen von Biontech / Pfizer und Moderna, um einen sogenannten mRNA Impfstoff.
  • Nachdem seine Wirksamkeit in einer präklinischen Studie bestätigt wurde, befindet sich der Corona Impfstoff Curevac aktuell in der letzten Phase der klinischen Studie und steht somit kurz vor der Zulassung.
  • Das Tübinger Vakzin soll auch einen Schutz vor Corona Virusmutationen bieten.
  • In den für die Zulassung relevanten Studien wurden bisher keine schweren Nebenwirkungen auf den Corona-Impfstoff Curevac beobachtet.

Wie funktioniert der Curevac Impfstoff?

Bei dem Corona-Impfstoff Curevac (Curevac CVnCOV) handelt es sich, ebenso wie bei den Impfstoffen von Biontech und Moderna, um ein mRNA Vakzin. 

Wie wirken Impfstoffe generell?

Das Prinzip klassischer Impfstoffe besteht darin, dass abgeschwächte oder abgetötete Krankheitserreger, sogenannte Antigene, in den Körper verbracht werden und eine Immunreaktion auslösen. Im Zuge dessen bildet der Körper spezifische Antikörper und T-Zellen gegen diese Erreger, die zu einer Immunität führen. Der Impfstoff imitiert somit eine natürliche Infektion, jedoch ohne dabei eine Krankheit auszulösen.
Kommt der Körper anschließend mit den „echten” Erregern in Kontakt, können diese sofort durch die bereits vorhandenen Antikörper unschädlich gemacht werden. Krankheitssymptome bleiben gänzlich oder weitestgehend aus.

Wie ist die Wirkungsweise von mRNA Impfstoffen?

mRNA Impfstoffe zeichnen sich durch eine besondere Wirkungsweise aus, wenngleich das Resultat dasselbe ist: Ein mRNA Vakzin schleust keine Antigene in den Körper, sondern lediglich den „Bauplan” für bestimmte Virusproteine. Bei diesem Bauplan handelt es sich um die sogenannte mRNA, das Erbgut des Virus. Der Körper rekonstruiert daraus die gewünschten Virusproteine und löst auf diese Weise eine Immunreaktion aus.

Wie gut ist die Wirksamkeit des Corona Impfstoffs Curevac?

Untersuchungen zufolge ruft Curevac CVnCOV eine ähnliche Reaktion im Körper hervor wie der Kontakt mit dem echten Virus. Die Schutzwirkung wird mit rund 95 Prozent angegeben.

Entwicklung des Curevac Impfstoffs

Bereits in den 90er-Jahren entdeckte Dr. Ingmar Hoerr die Möglichkeit, die mRNA als therapeutisches Molekül zu nutzen. Nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie begann Curevac mit Hochdruck an einem mRNA Impfstoff gegen das Coronavirus zu forschen.

Wie wurde der Curevac Impfstoff getestet?

Wie jedes Vakzin wird auch der Corona-Impfstoff von Curevac auf seine Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit getestet, ehe er seine Zulassung erhält. Die Testphase wird in eine präklinische und eine klinische Phase unterteilt. Zuständig für die Überwachung und die Vergabe der Zulassung ist die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA).

Die klinischen Studien werden an mehreren zehntausend Probanden durchgeführt, die unter permanenter medizinischer Beobachtung stehen. Dabei bekommt ein Teil der Freiwilligen den CVnCOV-Impfstoff gespritzt, der andere ein Placebo-Medikament. Anschließend werden alle positiven und negativen Reaktionen festgehalten und zwischen beiden Gruppen verglichen.

Corona-Impfstoff Curevac: Ein Rückblick

Im Januar 2020 wurde die Sequenz des neuartigen Coronavirus entschlüsselt, woraufhin die Forschung an einem mRNA Vakzin und schließlich die präklinische Phase begann.
Nachdem ein vielversprechender Impfstoffkandidat zur Verfügung stand, erhielt das Unternehmen im Juni 2020 die Genehmigung für die klinische Studie. Im Februar 2021 begann für den Corona-Impfstoff Curevac das rollierende Zulassungsverfahren bei der EMA. Im März wurde die Wirksamkeit der Curevac Vakzine gegen die südafrikanische Virusvariante B.1.351 in einer gesonderten Studie bestätigt.
Aktuell läuft die finale Phase, welche eine Studie an 40.000 Freiwilligen in Europa und in Lateinamerika umfasst. Aufgrund anfänglicher Finanzierungsprobleme nahm der Corona Impfstoff Curevac in seiner Entwicklung vergleichsweise viel Zeit in Anspruch.

Corona-Impfstoff Curavac in Deutschland

Deutschland setzt große Hoffnungen in das Tübinger Vakzin und hält aktuell Anteile im Wert von 300 Millionen Euro an Curevac. Neben Tübingen soll künftig auch Heidelberg den Corona Impfstoff produzieren. 

Nach Abschluss der klinischen Studie und Erhalt der Zulassung darf das Tübinger Vakzin in Europa verimpft werden. Im zweiten Quartal sollen rund 1,4 Millionen Dosen des Impfstoffs an die deutsche Bundesrepublik geliefert werden. Bis Ende des Jahres sind für Deutschland etwa 24 Millionen Dosen von EU-weit 225 Millionen Dosen eingeplant.

Welche Vorteile hat das Curevac Vakzin?

Als mRNA Impfstoff weist Curevac CVnCOV den großen Vorteil einer besonders kurzen Produktionszeit auf: Die aufwändige Gewinnung von Antigenen, welche bei herkömmlichen Impfstoffen im Labor erfolgt, übernehmen beim Tübinger Impfstoff die körpereigenen Zellen.
Curevac CVnCOV bleibt bei Temperaturen von +5° C über mindestens drei Monate stabil und kann somit in einem gewöhnlichen Kühlschrank aufbewahrt werden. Dies vereinfacht den Transport sowie die Lagerung, vor allem in Entwicklungsländern, erheblich.

Wie sicher ist der Curevac Impfstoff?

Ehe ein Vakzin von der EMA seine Zulassung erhält, müssen zwingend seine Sicherheit und Unbedenklichkeit anhand von Studien nachgewiesen werden. Der Corona Impfstoff Curevac wird nach den Ergebnissen der präklinischen und klinischen Phase als sehr sicher eingestuft.

Können genbasierte Impfstoffe menschliches Erbgut schädigen?

Medizinische Laien äußern teilweise die Befürchtung, „Gen-Impfstoffe” könnten die menschliche DNA verändern. Diese Sorge ist jedoch unbegründet: Das Erbgut des Virus, die mRNA, und das des Menschen, die DNA, befinden sich in unterschiedlichen Bereichen der Zelle. Hinzu kommt, dass mRNA eine andere chemische Struktur als DNA hat. Dadurch ist es nicht möglich, mRNA in DNA einzubauen. Eine Umwandlung von RNA in DNA ist nur durch spezielle Enzyme möglich, die in menschlichen Zellen nicht vorkommen.

Welche Nebenwirkungen kann Curevac CVnCOV haben?

Neben einer guten Wirksamkeit ist die Verträglichkeit ein entscheidendes Kriterium für die Zulassung vonseiten der EMA. Wie bei jedem Medikament sind auch bei dem Tübinger Corona Impfstoff Curevac Nebenwirkungen möglich, die in der Regel harmlos sind und nur kurzzeitig anhalten. Beobachtet wurden in den bisherigen Studien:

  • Kopfschmerzen,
  • Gliederschmerzen,
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit,
  • selten Fieber.

Diese Reaktionen auf das Tübinger Vakzin zeigten vor allem jüngere Probanden, die eine vergleichsweise starke Immunreaktion aufweisen.

Zurück zur Normalität

Je zügiger die Pandemie global eingedämmt wird, desto schneller kann die Rückkehr zur Normalität erfolgen. Die Entwicklung von Impfstoffen und die schnelle Verfügbarkeit möglichst vieler Dosen tragen entscheidend zum Erfolg bei. Nachdem der Corona-Impfstoff Curevac seine Wirksamkeit und Unbedenklichkeit bereits erwiesen hat, ist in den nächsten Wochen mit seiner Zulassung zu rechnen. Neben Moderna und Biontech steht dann ein weiteres mRNA Vakzin zur Verfügung, das auch gegen Virusmutationen wirksam ist.