Corona Mutationen im Überblick

Es gibt nicht nur “Das eine Sars Virus”. Immer wieder werden neue Varianten von Corona Mutationen bekannt. Wie gefährlich sind diese Mutationen und wie entstehen sie?
Derzeit (Stand Mai 2021) dominieren die britische, brasilianische, kalifornische und südafrikanische Variante das Infektionsgeschehen. Auch in Regionen, in denen bereits Herdenimmunität erreicht wurde, infiziert sich die Bevölkerung erneut. Was genau die Mutante so ansteckend macht, wirft bislang Fragen auf. Mediziner bestätigen allerdings die Coronamutation im Spike-Protein, möglicherweise sind Personen trotz Impfung nicht zu 100 Prozent geschützt. Warum Impfstoffe bei Mutanten weniger wirksam werden, ist bislang kaum bekannt. Seit dem zoonotischen Transfer von Sars auf den Menschen ist das Virus schnell mutiert, eine Überlebensstrategie, um sich seinem neuen Wirt besser anzupassen. Diese Art von Korrektur ist typisch für die virale Zoonose, es werden virale Proteine für die Interaktion mit den menschlichen Zellproteinen optimiert.

Welche Corona Mutationen gibt es und wie gefährlich sind sie
Wie wirksam sind Impfungen und welche Nebenwirkungen trägt welche Mutation mit sich
Wie kann man sich gegen die Mutationen schützen
Gibt es unterschiedliche Symptome bei den Corona Mutationen

Aktualisierung: 01.06.2021

Das Wichtigste im Überblick

  • Mutante sind durch eine Veränderung im Spike-Protein ansteckender.
  • Impfstoffe haben bei Corona Mutationen P.1. und B.1.351 einen verringerten Wirkungsgrad.
  • Mutante stehen im Verdacht, häufiger schwere Infektionen auszulösen.

Welche Corona Mutationen gibt es?

B.1.1.7 – die britische Variante

Laut RKI wird mit Stand zum 17. Mai 2021 der Mutant aus Großbritannien am häufigsten in Deutschland nachgewiesen. Variante B.1.1.7 hat sich bereits in allen Landesteilen Englands verbreitet und stellt den größten Infektionsanteil dar. Das Virus aus Großbritannien lässt sich noch einfacher von Mensch zu Mensch übertragen als bei anderen Corona Mutationen. Das RKI bestätigt inzwischen eine mehr als 50%-ige Infektionsrate durch die Variante aus Großbritannien. Mit zunehmender Zirkulation erwirbt das Virus eine steigende Anzahl von Mutationen und Deletionen. Anhand der Veränderungen im Genom können die Viren in Linien und Kladen unterteilt werden. B.1.1.7 ist durch eine ungewöhnlich hohe Zahl an Corona Mutationen gekennzeichnet, acht von ihnen befinden sich im Spike-Protein. Das Virus aus Großbritannien weist eine erhöhte Reproduktionszahl als auch Viruslast auf. Bisherige Fallstudien gehen davon aus, dass eine Infektion mit erhöhten Sterblichkeitsraten einhergeht. Aktuell zugelassene Impfstoffe wirken gegen diese Corona Mutante, allerdings in abgeschwächter Form. Forscher vermuten, dass dies auf die E484K-Mutation zurückzuführen ist.

B.1.351 – die Variante aus Südafrika

Seit Dezember 2020 ist die Virusvariante B.1.351 aus Südafrika in Europa festgestellt worden. Untersuchungen zufolge geht eine Infektion mit einem höheren Übertragungsrisiko einher. Der registrierte Infektionsanteil liegt allerdings im einstelligen Prozentbereich. In Südafrika wurde das Virus schnell zum vorherrschenden Genotyp, diese Version ist jedoch stärker mutiert als B.1.1.7. Zudem weisen zusätzliche Mutante im Spike-Protein darauf hin, dass diese Corona Mutation imstande ist, eine potenzielle Immunflucht zu vollziehen. Klinische Studien belegen die Wirksamkeit des Impfstoffes bei der britischen Variante mit 74 Prozent, aber lediglich 22 Prozent für jenen Virus aus Südafrika. Aus Unterlagen der Universität Oxford geht hervor, dass bei dieser Corona Mutation die bislang stärkste Immunität gegenüber verfügbaren Impfstoffen nachgewiesen werden konnte.

B.1.1.28 (P.1) – die brasilianische Variante

Auch bei dieser Variante steht das Coronavirus im Verdacht, Krankenhäuser an ihr Limit zu führen. Vor allem in einigen Gebieten wie Manaus, wo man bereits von einer Herdenimmunität ausgegangen war, infizieren sich Menschen erneut und werden schwer krank. Die Corona Mutation P.1 ähnelt in ihren Veränderungen der südafrikanischen Variante und weist 17 Aminosäurenabweichungen auf, zehn davon sind im Spike-Protein enthalten. Hinweise erhärten sich, dass Mutante in der P.1-Variante das Antigenprofil und die Übertragbarkeit beeinflussen könnten. Deshalb wird P.1 als besonders besorgniserregend eingestuft. Etwas beruhigender Ergebnisse liefern Studien zur Wirksamkeit der Impfstoffe. Es liegt nahe, dass P.1 weniger resistent gegen die von der Impfung ausgelösten Immunantwort ist als B.1.351 und ähnlich reagiert wie B.1.117.

B.1.429 – die kalifornische Variante

Diese Variante von Sars konnte sich im US-amerikanischen Kalifornien stark ausbreiten. Lediglich einzelne Fälle treten bislang in Australien und anderen Ländern auf. Studien zufolge ist das Coronavirus möglicherweise ansteckender als der ursprüngliche Wildtyp und löst nach derzeitigem Wissensstand stärkere Krankheitsverläufe aus. Bestimmte Mutante beeinflussen die Bindung von bestimmten monoklonalen Antikörpern, die zu einer Immunflucht führen können. Vermutet wird eine verringerte Wirkung der Impfung mit unterschiedlichen Impfstoffen.

B.1.525

Mutante dieses Virus stuft das RKI seit 2021 als neu ein. In Deutschland ist eine Reihe von Corona Mutationen im Umlauf, die das Potenzial zur Immun-Escape haben. Nehmen die Infektionen von Sars in dieser Qualität zu, droht die Impfung mit einem Impfstoff, der nur zu einem sehr geringen Prozentsatz wirkt. Erstmals entdeckt wurde B.1.525 in Großbritannien, und zwar mit einer erhöhten Infektiosität, als dies beim Wildtyp der Fall war. Insgesamt fallen diese Mutante durch eine neue F888L-Veränderung auf, insgesamt sind drei Mutationen im Spike-Protein betroffen. Auch bei diesem Typ von Sars ist davon auszugehen, dass die Immunflucht einen Einfluss auf die Immunantwort und im Weiteren auf die Wirkung der Impfstoffe haben kann.

Wie gefährlich sind die Corona Mutationen?

Bezogen auf die Symptome und die dokumentierten Krankheitsverläufe scheinen die aktuellen Corona Mutationen kaum gefährlicher zu sein, als die bisher bekannten Mutanten. Laut RKI gibt es Studien aus Großbritannien, die auf ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko bei B.1.1.7 hindeuten. Ähnliche Erkenntnisse sind für die brasilianische Mutante P.1 evaluiert. Das Gesundheitssystem war in diesen Ländern bereits extremen Belastungen ausgesetzt. Was allerdings alle Infektionen mit Sars in diesen Varianten vereint, ist eine erhöhte Ansteckungsgefahr. Im Gesamtverlauf der Pandemie wird immer deutlicher, dass unter diesen Voraussetzungen eine weitere Ausbreitung noch schwieriger einzudämmen ist. Impfungen und Impfstoffe wirken nicht mit erhofften 100 Prozent. Insgesamt führen die mutierten Coronaviren laut RKI zu mehreren schweren Krankheitsverläufen als auch Todesfällen. Gänzlich ohne Wirkungsgrad bleiben die vorhandenen Impfstoffe nicht. Besonders der neuartige Impfstoff mit  mRNA Basis kann relativ schnell an die jeweilige Coronamutation angepasst werden.

Wie kann man sich gegen die Mutationen schützen?

Prinzipiell nicht anders als vor den ursprünglichen Coronaviren. Jedoch ist der Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus durch die höhere Ansteckungsgefahr anspruchsvoller. Sich weiterhin an die Regeln zu halten, ist sinnvoll. Das gilt sowohl für Genesene, Geimpfte und Getestete:

  • Mindestens 1,5 Meter Abstand halten,
  • Innenräume alle 20 Minuten lüften,
  • Hände regelmäßig waschen und desinfizieren,
  • Masken tragen,
  • unnötige Gespräche mit Haushalts-fremden Personen meiden.

Keine Panik, aber mit Achtsamkeit durch den Alltag gehen.
Die „Baupläne“ der neuen Coronaviren in Südafrika, Indien, Großbritannien und Brasilien betreffen immer eine oder mehrere Mutationen im sogenannten Spike-Protein. Diese Veränderung funktioniert wie ein Schlüssel. Trifft das Virus auf die menschliche Zelle, besitzen Corona Mutationen laut RKI die Fähigkeit, mit ihren „Werkzeugen“ noch schneller anzudocken und die Zelle zu infizieren. Deshalb sind diese Mutante infektiöser und Schutzmaßnahmen noch einmal wichtiger.

Wie wirksam sind Impfungen gegen die Corona Mutationen?

Grundsätzlich bietet jeder in Deutschland zugelassene Impfstoff einen Schutz gegen das Coronavirus. In der Wirksamkeit hingegen gibt es große Unterschiede. Gegen die weitverbreitete B.1.1.7-Variante bieten verwendete Impfstoffe eine gute Wirkung, schreibt das RKI mit Stand 18.05.2021. Einen offenbar geringeren Schutz gibt es durch die Impfstoffe vor der brasilianischen und der südafrikanischen Mutation. Pfizer/Biontech und AstraZeneca bieten laut britischen Behörden einen sehr hohen Schutz, auch bei der indischen Variante (B.1.617.2). Beide Präparate werden zweifach im Abstand von zwei Wochen geimpft. Die Wirksamkeit liegt bei 60 Prozent.

Welche Nebenwirkungen bzw. Folgen trägt welche Corona Mutation mit sich?

Symptome und Krankheitsempfinden verlaufen bei allen Coronaviren gleich. Die Mutationsvariante selbst spielt hier nur eine untergeordnete Rolle. Allerdings können die Mutante bei vorwiegend immungeschwächten Personen zu schweren Krankheitsverläufen führen. Es gelingt infizierten Patienten nicht, die wichtige Interferon-Antwort effektiv auszuführen, das Coronavirus ist in der Lage, diese wichtige Reaktion zu unterdrücken. Verzögert sich diese Abwehrantwort des Körpers, entsteht Covid-19, bleibt sie zur Gänze aus, kommt es zu schweren Krankheitsempfindungen.

Gibt es unterschiedliche Symptome bei den Corona Mutationen?

Im Gegensatz zu den herkömmlichen Symptomen wie Fieber, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns oder trockener Husten sind Patienten mit dem Coronavirus der britischen Variante häufiger mit Halsschmerzen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Husten und Muskelschmerzen konfrontiert. Hingegen bleiben Geschmacks- und Geruchssinn häufiger bestehen.

Seltenere Symptome:

  • Durchfall
  • Bindehautentzündung
  • Verfärbung an Zehen oder Fingern sowie Hautausschläge

Schwere Symptome:

  • Druckgefühl oder Schmerzen im Brustbereich
  • Kurzatmigkeit oder Atembeschwerden
  • Verlust der Bewegungsfähigkeit oder Sprache

Coronavirus – ist er mit der Impfung aufzuhalten?

Vorhandene Impfstoffe oder neue medizinische Entwicklungen werden das Coronavirus lediglich in seiner Verbreitung verlangsamen, aber nicht auslöschen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass eine Infektion weiterhin möglich sein wird, jedoch mit der Impfung einen wesentlich milderen Verlauf nimmt. Dadurch wird die Übertragung von Viren deutlich reduziert und die pandemische Entwicklung verringert. Vermutlich werden auch zukünftig mehrfache Impfungen notwendig sein, die wie bei einer Grippeschutzimpfung regelmäßig aufgefrischt und erneuert werden müssen. Die Entwicklung immer vielfältigerer Mutationen kann die Impfung nicht verhindern. Verstärkte Tests und häufige Sequenzierungen helfen dabei, die Ausbreitung bestimmter Mutante zu dokumentieren und nach Möglichkeit zu dämpfen.