Krankenkassenwechsel 2017: Richtige Kündigung beim Wechsel der Krankenkasse

Eine Studie der PricewaterhouseCoopers AG belegt, dass rund 60 % der Versicherten Ihren Zusatzbeitrag nicht kennen und von der Krankenkasse nicht ausreichend darüber schriftlich informiert wurden. In der Regel nehmen die Mitglieder Änderungen kaum wahr, es sei denn, sie machen schlechte Erfahrungen bei der Kostenübernahme von dringend benötigten Leistungen oder beim Kundenservice. Ein günstiger Zusatzbeitrag bedeutet jedoch nicht, dass die Kasse gute Leistungen anbietet, häufig werden diese sogar gekürzt oder auch komplett gestrichen.

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Familie

Der Gesetzgeber gesteht Ihnen seit 1996 Wahlfreiheit in der gesetzlichen Krankenversicherung zu, trotz Versicherungspflicht ist es also möglich, den Vertrag mit Ihrer Krankenkasse zu kündigen. Im Anschluss können Sie, je nach Voraussetzungen, entweder in eine andere gesetzliche oder in eine private Krankenversicherung wechseln.

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Einsparungen im Jahr möglich

Es gibt viele Gründe sich für einen anderen Versicherer zu entscheiden, denn jeder hat seine eigenen Vorstellungen von der richtigen Krankenkasse. Je nach Krankenkasse und Verdienst, kann man bei einem Wechsel derzeit bis zu 783 € im Jahr sparen. Das sollte jedoch nicht der einzige Grund sein zu wechseln: Wichtige Kriterien sind unter anderem lukrative Bonusprogramme, besondere Extraleistungen und kompetenter Kundenservice. Es lohnt sich auch die Testsieger verschiedener Kategorien genauer unter die Lupe zu nehmen, um seinen persönlichen Favoriten zu finden.

Kündigungsfrist und Mindestversicherungszeit beachten

Arbeitszimmer

Um die Krankenkasse kündigen zu können, gilt als Voraussetzung, dass sie bereits seit 18 Monaten oder länger Mitglied sind. Die Kündigung muss schriftlich erfolgen und wird zum Ende eines Monats eingereicht, anschließend erhalten Sie innerhalb von 14 Tagen eine Kündigungsbestätigung nach § 175 Abs. 4 Sätze 3 und 4 SGB V für nach § 5 Abs. 1 Nr. 13 SGB V Versicherte. Diese ist zur Vorlage bei der neuen Krankenkasse bestimmt, um eine Doppelversicherung auszuschließen – ohne diese Bestätigung kann man nicht aufgenommen werden. Die Kündigungfrist beträgt 2 Monate und wird immer zum Monatsende ausgeführt. Kündigungsgründe kann es viele geben, es ist aber nicht zwingend notwendig, diese zu benennen. Einen Kündigungsvordruck finden Sie in Ihren Wechselunterlagen zum Krankenkassenvergleich.

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Beispiel:

  • Kündigung zum 30.11.2016 geht am 29.09.2016 bei der alten Krankenkasse ein
  • Kündigungsbestätigung muss Ihnen von der Kasse bis 13.10.2016 zugestellt werden
  • neue Krankenkasse ist gültig ab 01.12.2016

Ausnahmeregelungen:

  • Erhöhung bzw. erstmalige Erhebung des Zusatzbeitrags
  • Familienversicherte
  • freiwillig Versicherte

Normalerweise kann die neu gewählte Krankenkasse eine Mitgliedsbescheinigung nur ausstellen, wenn die Kündigungsbestätigung der bisherigen Kasse vorliegt. Für freiwillig Versicherte gilt diese Regelung nicht, wenn eine Familienversicherung eintritt oder ein Wechsel in eine private Krankenversicherung erfolgt. Viele Kassen verzichten sogar auf die Einhaltung der Kündigungsfrist, wenn eine Familienversicherung beginnt.

Die richtige Kündigung: So können Sie die Kasse wechseln

faxEine Kündigung muss grundsätzlich auf dem schriftlichen Weg (als Brief, Fax oder per Einschreiben ) eingereicht werden und mit Ihrer Unterschrift versehen sein, ansonsten ist sie nicht gültig. Die Kündigung kann zu einem bestimmten Datum oder zum nächstmöglichen Zeitpunkt erfolgen. Außerdem ist es wichtig, bei der bisherigen Krankenkasse eine schriftliche Kündigungsbestätigung anzufordern. Diese wird benötigt, um später die Mitgliedschaft bei einer neuen Krankenversicherung zu beantragen.

TIPP: Wenn Sie ausschließen wollen, dass die alte Krankenkasse Sie zum Verbleib bewegt, fügen Sie diesen Satz Ihrer Kündigung hinzu: Von Rückwerbeversuchen sowie persönlichen Besuchen jeder Art bitte ich Abstand zu nehmen. Hierzu verweise ich auf § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG, § 20 UWG.

Versenden Sie Ihre Kündigung rechtzeitig! Sie muss am letzten Tag eines Monats bei der Krankenkasse eingegangen sein, sonst wird die Kündigung erst einen Monat später wirksam – die Datierung des Poststempels auf den letzten Tag im Monat reicht hier nicht aus.

Sie kündigen im Monat: Ihre Mitgliedschaft endet zum:
Januar 31. März
Februar 30. April
März 31. Mai
April 30. Juni
Mai 31. Juli
Juni 31. August
Juli 30. September
August 31. Oktober
September 30. November
Oktober 31. Dezember
November 31. Januar
Dezember 28. Februar (29. Februar in Schaltjahren)

Sonderkündigungsrecht nicht verpassen

Viele Krankenkassen erheben heute Zusatzbeiträge in unterschiedlicher Höhe, einige wenige konnten bisher darauf verzichten. Viele Experten prognostizieren eine weitere Erhöhung der Zusatzbeiträge in den kommenden Jahren. Dadurch entsteht vielen Mitgliedern der Krankenkassen eine höhere finanzielle Belastung, die sich unter Umständen verringern lässt – die Rede ist vom Sonderkündigungsrecht bei der erstmaligen Erhebung oder der Erhöhung des bisherigen Zusatzbeitrages. Spätestens einen Monat vorher muss die Krankenkasse

  1. über die Erhebung des Zusatzbeitrages oder
  2. über die Änderung des Zusatzbeitrages informiert haben und
  3. den Versicherten mitteilen, dass ihnen ein Sonderkündigungsrecht zusteht.

Damit ist auch bereits vor Ablauf der regulären Mindestbindungszeit von 18 Monaten ein Krankenkassenwechsel möglich, allerdings greift auch hier die 2monatige Kündigungsfrist – ein sofortiger Wechsel ist ausgeschlossen. Spätestens bis zum Ende des Monats, in dem der erstmalige oder erhöhte Zusatzbeitrag erhoben werden soll, muss die Kündigung erfolgt sein.

Wenn der angekündigte Zusatzbeitrag den durchschnittlichen, vom Gesetzgeber festgelegten, überschreitet, muss der Versicherer darauf hinweisen, dass die Möglichkeit besteht, in eine günstigere Kasse zu wechseln. Auch wenn Sie mit dem neuen Zusatzbeitrag nicht einverstanden sind, ist dieser so lange zu zahlen, bis die Aufnahme bei einer anderen Krankenkasse erfolgt ist. Eine Zahlungsverweigerung des höheren Betrages wegen Kündigung ist nicht möglich.

Wissenswert: Seit dem 01.01.2009 bewirkt eine Fusion von Krankenkassen kein Sonderkündigungsrecht mehr. Erhebt die neue Krankenkasse einen Zusatzbeitrag oder erhöht er sich, besteht wiederum das Recht zur Sonderkündigung. Mit der Fusion wird die 18-monatige Bindungsfrist fortgeführt und beginnt nicht neu. Es gelten die genannten Fristen.

Zeit

Wahltarife können kurzfristigen Wechsel verhindern

Je nach Versicherer gibt es unterschiedliche Wahltarife, z.B. kann man eine bestimmte Summe an Beiträgen erstattet bekommen, wenn man keine ärztlichen Behandlungen in Anspruch nimmt. Der Nachteil ist jedoch, dass man sich mindestens ein Jahr oder länger bindet und nicht kurzfristig die Krankenkasse wechseln kann. Das Sonderkündigungsrecht bei Erhöhung der Beiträge greift auch beim Wahltarif, jedoch nicht beim Krankengeldtarif für Selbständige – hier bleibt die Bindungsfrist von 3 Jahren bestehen.

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Jugendliche

Was bei der Familienversicherung beachtet werden sollte

In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) können Kinder bis 18 Jahre üblicherweise familienversichert werden; solange sie kein eigenes Einkommen erzielen und sich ihr Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland befindet auch bis zum Ende des 23. Lebensjahres.

Wenn die Familienversicherung wegfällt, beispielsweise durch

  • das Überschreiten der Altersgrenze von 23 Jahren (ohne Erwerbstätigkeit),
  • durch eine Berufsausbildung bei Kindern über 25,
  • die Aufnahme einer Berufstätigkeit oder durch den Start in die Selbständigkeit,

brauchen Sie diese nicht kündigen. Ganz gleich ob Sie in der gleichen Krankenkasse bleiben wollen oder in eine andere wechseln: wenn Sie weiterhin alle Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft in der GKV erfüllen, müssen Sie einen Antrag auf Mitgliedschaft stellen. Entscheiden Sie sich für eine andere Krankenkasse, wird diese im Antrag über die bisherige Familienversicherung informiert, eine Kündigung Ihrer alten Kasse ist auch hier nicht erforderlich.

TIPP: Bei einer angehenden Selbständigkeit nehmen Sie unbedingt vorher Kontakt mit ihrer Krankenkasse auf, damit Sie später keine böse Überraschungen erleben. Es gibt viel zu beachten, unter anderem werden die Beiträge anders berechnet.

Von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln

Der Weg von der privaten Krankenversicherung (PKV) zurück in die gesetzliche (GKV) ist häufig sehr schwierig und nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Der Gesetzgeber möchte verhindern, dass sich nur junge gesunde Menschen in der PKV versichern und die älteren Kranken alle in der GKV sind. Politisch ist es nicht gewollt zu jedem beliebigen Zeitpunkt zwischen den beiden Versicherungssystemen hin und her zu springen und dabei immer die preiswerteste Variante zu nutzen.

Ist ein Wechsel von der privaten zur gesetzlichen Krankenversicherung nicht möglich, gibt es trotzdem die Möglichkeit zu sparen. Wenn Sie erst 5 – 7 Jahre bei Ihrem jetzigen Anbieter versichert sind, lohnt es sich eventuell die private Krankenversicherung zu wechseln. Sind Sie bereits länger in der PKV, kommt nur ein Tarifwechsel in Frage, aber auch dabei lässt sich bares Geld sparen.

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Folgende Voraussetzungen können unter folgenden weiteren Bedingungen einen Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung ermöglichen:

  • unter 55 Jahre
  • Student nach dem Studium
  • bei Bezug von Arbeitslosengeld I
  • Für Selbständige: Wechsel in ein Angestellten­verhältnis für mind. 1 Jahr und mit einem Einkommen unterhalb der Jahres­arbeits­entgelt­grenze (JAEG). Die Selbständigkeit kann auch nebenberuflich weitergeführt werden, wenn ein Vollzeitjob ausgeübt wird.
  • Für Arbeitnehmer in der PKV:
    1) Einkommen liegt für mindestens ein Jahr unter der Versicherungspflichtgrenze
    2) muss in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Versicherungspflicht in der GKV versicherungspflichtiges Mitglied gewesen sein
  • Erstfeststellung einer Behinderung:
    GdB (Grad der Behinderung) von mindestens 50, jedoch gibt es bei einigen Krankenkassen eine Altersbeschränkung bis 45 Jahre

Die richtige Wahl treffen – Merkmale einer guten Krankenkasse

Es gibt verschiedene Kriterien, die eine gute Krankenkasse kennzeichnen. Dazu zählen beispielsweise Service, angebotene Zusatzleistungen, Bonusprogramme oder ein geringer Zusatzbeitrag. Letztlich ist es aber immer ein ganz individuelle Entscheidung des Versicherten, denn nicht jede gute Krankenkasse passt auch zu dem eigenen Gesundheitsverhalten. Um einen guten Überblick über die allgemeinen Leistungen und Angebote bestimmter Krankenkasse zu erhalten, helfen auch regelmäßige Tests und Vergleiche unabhängiger Institute.

Folgende Eigenschaften sollten Sie bei der Wahl ihrer neuen Krankenkasse berücksichtigen:

Ratgeber für Stolperfallen
Was tun bei Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?

Mit der Option, von den Versicherten individuelle Zusatzbeiträge zu verlangen, hatte sich der Gesetzgeber unter anderem gedacht, die Konkurrenz unter den Kassen anzukurbeln.

Gerechnet hat er sicher nicht damit, dass einige Kassen inzwischen einen eher unlauteren Wettbewerb mit allen erdenklichen Mitteln und Methoden führen. Betroffene können hier Tipps und Hinweise über mögliche Schritte erhalten, wie sie gegen solche Kassen vorgehen können.

 Wie gehe ich vor wenn:

  • die Krankenkasse keine Kündigungsbestätigung nach §175 Abs. 3 und 4 SGB V sendet, sondern nur ein Schreiben, das die Kündigung thematisiert, aber Bedingungen nennt oder eine Rückholaktion damit verknüpft
  • einen Vertreter vorbeischicken will
  • die Übersendung der Kündigungsbestätigung verzögert
  • Wechsel-Unterlagen nicht rechtzeitig genug bearbeitet werden bzw. komplett untergehen – und damit für den Kunden wichtige Fristen verstreichen

Zunächst sollten Betroffene Kontakt zum Beschwerdemanagement der eigenen Krankenkasse aufnehmen. Bringt dieses Vorgehen nichts oder dauert es unter Umständen zu lange, kann auch der Vorstand der Kasse schriftlich kontaktiert werden. Die entsprechende Adresse findet sich meist im Impressum der Website der jeweiligen Krankenkasse.

Hilfestellung bieten auch die unabhängigen Verbraucherzentralen. Hier kennen die Ansprechpartner häufig die Probleme bereits von anderen Krankenkassenmitgliedern. Als Sammelstelle von Beschwerden ist mitunter ein Vorgehen durch die Verbraucherschützer sinnvoller als der alleinige Gang durch die Instanzen. Rechtliche Unterstützung kann aber eher nicht oder nur in sehr geringem Umfang gewährt werden.

Von der Bundesregierung ins Leben gerufen, ist „Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland“ (UPD) bundesweit in 22 Beratungsstellen tätig. Fragen rund um Gesundheit oder gesundheitsrechtliche Themen werden objektiv und kostenlos von Experten beantwortet.

Der Schritt in die nächsthöhere Instanz bedeutet entweder, sich an das Gesundheitsministerium des entsprechenden Bundeslandes oder an das Bundesversicherungsamt zu wenden. Letztere Institution führt die Oberaufsicht über die bundesunmittelbaren gesetzlichen Krankenkassen, die in mehr als drei Bundesländern agieren – insgesamt sind das nur 69 von 113 gesetzlichen Versicherern. Die AOKn und die regional ausschließlich auf ein oder zwei Bundesländer beschränkten Kassen unterliegen der direkten Aufsicht der Gesundheits- oder Sozialministerien der einzelnen Bundesländer, in denen sie ihren Sitz haben.