Pflegezusatzversicherung 2017-05-18T13:19:30+00:00

Private Pflegezusatzversicherung – die Pflege im Alter sinnvoll absichern

Mit der Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 als fünfte Säule der Sozialversicherung, wurde gleichzeitig jeder Bürger in Deutschland  zur Einzahlung verpflichtet. Auch wenn es Niemandem zu wünschen ist – theoretisch kann es Jeden treffen pflegebedürftig zu werden, ganz gleich, ob altersbedingt, durch Krankheit oder Unfall.

Gesetzlich Krankenversicherte zahlen automatisch in die gesetzliche Pflegeversicherung ein, wer privat krankenversichert ist,  muss sich über eine Private Pflege-Pflichtversicherung absichern. Dafür werden seit 1. Januar 2017 monatlich 2,55 Prozent vom Bruttoeinkommen abgezogen, Kinderlose ab 23 Jahre müssen zusätzlich 0,25 % einzahlen (gesamt 2,8%).

Pflege im Alter ist wichtig

Die Pflegepflichtversicherung bietet nur eine Grundabdeckung der pflegerischen Leistungen und kann nicht alle Kosten übernehmen. Ein Platz im Pflegeheim kann im Monat 3.500 € oder auch mehr kosten, schnell sind die eigenen Ersparnisse dafür aufgebraucht.

Die Pflegekasse zahlt für den Aufenthalt im Heim je nach Pflegegrad zwischen 125 € und 2.005 €. Die Differenz muss der Pflegebedürftige selbst zahlen. Doch was, wenn die Rente und die Ersparnisse nicht ausreichen? Das Renten-Eintrittsalter steigt, die ausgezahlten Renten dagegen eher nicht  – eine sogenannte Finanzierungslücke droht.

Private Pflegezusatzversicherung – Vorsorge statt Sozialhilfe

Bevor ein Antragsteller Sozialleistungen erhält, prüft das Sozialamt das Einkommen der Kinder und des Ehepartners, ob diese in der Lage sind die fehlenden Kosten zu übernehmen – eine finanzielle Belastungsprobe für die ganze Familie, die letztlich zum Streit führen kann. Schließlich fehlt es ihnen selbst an Rücklagen zur Vorsorge für die eigene Pflege, wenn die Kinder für die Eltern im Heim zahlen müssen. Das würde sich über Generationen fortsetzen.
Selbst wenn die Angehörigen die Kosten nicht übernehmen können, droht Armut im Alter. Den Empfängern von Sozialhilfe bleibt nach Abzug aller Kosten nur noch ein kleines Taschengeld von knapp 100 € im Monat, von dem sie sich allein das Nötigste leisten können, wie z.B. Kleidung, Friseurbesuch, Fußpflege, Kosmetik- und Hygieneartikel.

Feststellung der Pflegebedürftigkeit im Sinne des Sozialgesetzbuches

Ob jemand pflegebedürftig ist, wird vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) auf Antrag des Versicherten geprüft. Es ist wichtig, den Antrag bei Verdacht auf Pflegebedürftigkeit umgehend bei der Pflegekasse einzureichen, denn erst nach der Begutachtung und Feststellung durch den MDK können Leistungen zur Pflege ab dem Tag der Antragstellung gewährt werden. Reichen Sie den Antrag später als einen Monat ein, kann die Kostenübernahme von Leistungen frühestens ab Beginn des Monats der Antragstellung erfolgen, vorausgesetzt der MDK bestätigt eine vorliegende Pflegebedürftigkeit ab diesem Tag oder früher. Dazu zwei Beispiele:

Berechnung

a) Versicherter ist seit kurzem in einem schlechteren Gesundheitszustand

  • Antrag am 12.01.2017 bei der Pflegekasse eingereicht
    • Begutachtung durch MDK ergibt Pflegebedürftigkeit ab 12.01.
  • Zahlung von Leistungen zur Pflege ab dem 12.01.2017

b) Versicherter kann sich seit einigen Monaten nicht mehr alleine versorgen

  • Antrag wird am 12.01.2017 bei der Pflegekasse eingereicht
    • Begutachtung durch MDK ergibt Pflegebedürftigkeit seit November 2016
  • Zahlung von Leistungen zur Pflege ab dem 01.01.2017

§ 14 SGB XI Begriff der Pflegebedürftigkeit

(1) Pflegebedürftig im Sinne dieses Buches sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 festgelegten Schwere bestehen.

(2) Maßgeblich für das Vorliegen von gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten sind die in den folgenden sechs Bereichen genannten pflegefachlich begründeten Kriterien:

  1. Mobilität: Positionswechsel im Bett, Halten einer stabilen Sitzposition, Umsetzen, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs, Treppensteigen;
  2. kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld, örtliche Orientierung, zeitliche Orientierung, Erinnern an wesentliche Ereignisse oder Beobachtungen, Steuern von mehrschrittigen Alltagshandlungen, Treffen von Entscheidungen im Alltagsleben, Verstehen von Sachverhalten und Informationen, Erkennen von Risiken und Gefahren, Mitteilen von elementaren Bedürfnissen, Verstehen von Aufforderungen, Beteiligen an einem Gespräch;
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten, nächtliche Unruhe, selbstschädigendes und autoaggressives Verhalten, Beschädigen von Gegenständen, physisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen, verbale Aggression, andere pflegerelevante vokale Auffälligkeiten, Abwehr pflegerischer und anderer unterstützender Maßnahmen, Wahnvorstellungen, Ängste, Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage, sozial inadäquate Verhaltensweisen, sonstige pflegerelevante inadäquate Handlungen;
  4. Selbstversorgung: Waschen des vorderen Oberkörpers, Körperpflege im Bereich des Kopfes, Waschen des Intimbereichs, Duschen und Baden einschließlich Waschen der Haare, An- und Auskleiden des Oberkörpers, An- und Auskleiden des Unterkörpers, mundgerechtes Zubereiten der Nahrung und Eingießen von Getränken, Essen, Trinken, Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls, Bewältigen der Folgen einer Harninkontinenz und Umgang mit Dauerkatheter und Urostoma, Bewältigen der Folgen einer Stuhlinkontinenz und Umgang mit Stoma, Ernährung parenteral oder über Sonde, Bestehen gravierender Probleme bei der Nahrungsaufnahme bei Kindern bis zu 18 Monaten, die einen außergewöhnlich pflegeintensiven Hilfebedarf auslösen;
  5. Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen:
    1. in Bezug auf Medikation, Injektionen, Versorgung intravenöser Zugänge, Absaugen und Sauerstoffgabe, Einreibungen sowie Kälte- und Wärmeanwendungen, Messung und Deutung von Körperzuständen, körpernahe Hilfsmittel,
    2. in Bezug auf Verbandswechsel und Wundversorgung, Versorgung mit Stoma, regelmäßige Einmalkatheterisierung und Nutzung von Abführmethoden, Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung,
    3. in Bezug auf zeit- und technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung, Arztbesuche, Besuche anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen, zeitlich ausgedehnte Besuche medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen, Besuch von Einrichtungen zur Frühförderung bei Kindern sowie
    4. in Bezug auf das Einhalten einer Diät oder anderer krankheits- oder therapiebedingter Verhaltensvorschriften;
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Gestaltung des Tagesablaufs und Anpassung an Veränderungen, Ruhen und Schlafen, Sichbeschäftigen, Vornehmen von in die Zukunft gerichteten Planungen, Interaktion mit Personen im direkten Kontakt, Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfelds.

(3) Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten, die dazu führen, dass die Haushaltsführung nicht mehr ohne Hilfe bewältigt werden kann, werden bei den Kriterien der in Absatz 2 genannten Bereiche berücksichtigt.

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Private Pflegeversicherung – Auswahl mit oder ohne Gesundheitsfragen

Bei der privaten Pflegezusatzversicherung gibt es verschiedene Varianten zur Auswahl. Bis auf den staatlich geförderten Pflege-Bahr verlangen alle eine Gesundheitsprüfung, denn je jünger und gesünder man bei einem Vertragsabschluss ist, umso geringer sind die monatlichen Beiträge. Die Pflegezusatzversicherungen der privaten Anbieter unterscheiden sich in folgende Kategorien:

Pflegekostenversicherung – geringe Kosten mit beschränkter Leistung

Bei der Pflegekostenversicherung gibt es zwei Modelle, die prozentuale Aufstockung der gesetzlichen Leistungen und die ganze oder teilweise Restkostenübernahme. Letzteres erfolgt nach Vorlage der Rechnung, im Anschluß bekommen Sie die entstandenen Kosten in Höhe der vereinbarten Summe erstattet. Je nach Tarif werden eventuell auch die Kosten der Unterkunft und Verpflegung übernommen und die prozentuale Aufstockung passt sich dem aktuellen Preisniveau an. Wenn keine Angehörigen für die Pflege aufkommen können, eignet sich diese Versicherung besonders, weil mit höheren Pflegekosten gerechnet wird und ein Pflegedienst eher unwahrscheinlich ist. Die Pflege durch Angehörige kann davon nicht finanziert werden.

Pflegetagegeldversicherung – die beliebteste Pflegeversicherung

Je nach Pflegegrad wird eine vereinbarte Summe pro Tag ausgezahlt, unabhängig von den tatsächlichen Kosten. Das Geld kann ohne Vorlage einer Rechnung frei verwendet werden, auch für Pflege- und Hilfeleistungen durch Angehörige. Eine Anpassung an steigende Pflegekosten erfolgt jedoch nicht, was später zu Engpässen führen kann. Außerdem ist der volle Tagessatz erst ab der Pflegegrad V fällig. Experten empfehlen einen Vertragsabschluss vor dem vollendeten 55. Lebensjahr, da Vorerkrankungen häufig zu Ablehnungen führen.

Der Pflege-Bahr – staatlich gefördert ohne Gesundheitsprüfung

Um die sogenannte Pflegelücke zu verhindern, wurde 2013 von dem damaligen Gesundheitsminister Daniel Bahr nach dem Vorbild der Riester-Rente eine staatliche Förderung für Pflegezusatzpolicen eingeführt. Um diese Förderung in Höhe von jährlich 60 € zu erhalten, muss der Versicherte mindestens 10 € im Monat in eine Pflegetagegeldversicherung einzahlen. Folgende Kriterien muss die Versicherung erfüllen, um förderfähig zu sein:

  • keine Ablehnungen aufgrund von Vorerkrankungen
  • kein Risikozuschlag oder Leistungsausschluss
  • Verzicht auf das ordentliche Kündigungsrecht
  • Pflegemonatsgeld:
    • Pflegegrad I 10 Prozent
    • Pflegegrad II 20 Prozent
    • Pflegegrad III 30 Prozent
    • Pflegegrad IV 40 Prozent
    • Pflegegrad V 100 Prozent vom Pflegemonatsgeld
  • Zahlung ab anerkannter Pflegebedürftigkeit
  • Wartezeit maximal fünf Jahre
  • Vertrag kann 3 Jahre ruhen und die Beitrage müssen nicht gezahlt werden, bei Hilfebedürftigkeit nach dem Sozialgesetzbuch II oder XII
  • Vertragsabschlusskosten max. zwei Monatsbeiträge
  • Verwaltungskosten max. 10 % der Bruttoprämie
  • Festsetzung brancheneinheitlicher Versicherungsbedingungen als Teil der allgemeinen Versicherungsbedingungen

Die zu zahlenden Beiträge sind abhängig vom Alter und dem Versicherungsbetrag. Der Pflege-Bahr ist besonders für Menschen mit Vorerkrankungen geeignet, weil aufgrund des Kontrahierungszwangs keine vorherige Gesundheitsprüfung erfolgt und jeder Versicherungsnehmer aufgenommen werden muss. Da man weniger Leistung im Vergleich zu den anderen Versicherungen erhält, empfiehlt es sich einen ergänzenden Tarif abzuschließen, um eine eventuelle Pflegelücke zu verhindern. Wer in den Bezug von Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe gerät, kann seinen Vertrag ruhen lassen. Der Pflege-Bahr kommt höchstens in Frage, wenn aufgrund des Gesundheitszustandes der Abschluss einer ungeförderten Pflegetagegeldversicherung nicht möglich ist, da diese deutlich bessere Leistungen bieten.

Pflegerentenversicherung – höhere Beiträge für mehr Flexibilität

Die monatlichen Beiträge sind bei dieser Variante deutlich höher als bei der Pflegetagegeldversicherung. Auch hier hängt die Leistung vom festgestellten Pflegegrad ab, aber nicht davon, ob der Pflegebedürftige zu Hause oder im Pflegeheim versorgt wird. Die Auszahlung erfolgt monatlich und kann auch für Haushaltshilfen oder für die Pflege durch Laien verwendet werden. Bei der Pflegerentenversicherung gibt es drei verschiedene Leistungsmöglichkeiten:

  • Todesfallleistung
  • Rente bei Pflegebedürftigkeit
  • Altersrente ab dem 80. oder 85. Lebensjahr
Vorteile Nachteile
Beiträge können ausgesetzt werden sehr hohe Beiträge
Zahlung auch bei Demenz keine staatliche Förderung
Eintrittsalter teilweise bis 80 Jahre möglich bei Kündigung wird nur ein Teil der Beiträge zurückgezahlt
keine Beitragszahlung nach Eintritt der Pflegebedürftigkeit erforderlich
teilweise Rückzahlung der Beiträge bei Tod (auch wenn keine Pflegebedürftigkeit vorlag)

Wichtig bei Vertragsabschluss

Das Kleingedruckte im Vertrag einer Pflegezusatzversicherung ist besonders wichtig und sollte u.a. folgendes beinhalten:

  • Leistungen für alle Pflegegrade und bei Demenz
  • häusliche und stationäre Pflege
  • Leistungen für Laienpflege in gleicher Höhe wie professionelle Pflege
  • Beitragsbefreiung ab Pflegegrad V
  • Auszahlung sollte mit der Feststellung der Pflegebedürftigkeit beginnen
  • Versicherungsschutz bei vorübergehendem Aufenthalt in EU-/EWR-Land
  • Beitrags- bzw. Leistungsdynamik ohne erneute Gesundheitsfragen und Wartezeit
  • Wartezeit höchstens 5 Jahre

Vorsorge-Vollmacht ausstellen – für den Pflegefall gewappnet sein

Zum Pflegefall wird man nicht unbedingt erst im hohen Alter, bereits durch einen Unfall im Arbeits- oder Verkehrsbereich kann das ganze Leben auf den Kopf gestellt werden. Im schlimmsten Fall können Sie Ihren Willen nicht mehr äußern und die Fragen zu gesundheitlichen Maßnahmen muss jemand anderes entscheiden. Viele glauben, dass der Ehepartner automatisch dazu berechtigt ist – das stimmt leider nicht.

Mit einer Vorsorgevollmacht können Sie im Voraus bestimmen, wer sich um Ihre persönlichen und vermögensrechtlichen Angelegenheiten kümmert. Mit einer Patientenverfügung entscheiden Sie selbst, welche medizinischen Maßnahmen an Ihnen durchgeführt werden dürfen und welche nicht. Beispielsweise können Sie festlegen, dass sie bei einem Notfall nicht wiederbelebt werden möchten oder eine dauerhafte künstliche Beatmung generell ablehnen. Eine vorbereitete Betreuungsverfügung legt eine Person fest, die durch das Gericht als Betreuer bestimmt werden soll, wenn Sie nicht mehr in der Lage sind selbst zu entscheiden. Auch der Ausschluss von Betreuungspersonen und die gewünschte Pflege im Heim oder zu Hause kann damit geregelt werden.