Leistungen aus der staatlichen Pflegepflichtversicherung für Pflegebedürftige

Die Pflegeversicherung (PV) ist als Pflichtversicherung im Elften Buch des Sozialgesetzbuches (SGB XI) gesetzlich verankert. Dieses regelt die Absicherung eines jeden Menschen, der gewisse Alltagssituationen aufgrund eines Unfalls, Krankheit oder Behinderung nicht (mehr) allein ausführen kann. Sind Sie Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse (GKV) werden Sie automatisch in der Pflegepflichtversicherung versichert. Die Leistungen sind allerdings nur eine Teilabsicherung.

Wie kann ich die Pflegepflichtversicherung in Anspruch nehmen?

Um Leistungen der Pflegepflichtversicherung in Anspruch zu nehmen, müssen Sie als versicherte Person einen Antrag stellen. Sind Sie aus gesundheitlichen Gründen dazu nicht mehr in der Lage, können Sie eine andere Person bevollmächtigen. Fungieren Sie offiziell als Betreuer/in für eine pflegebedürftige Person, können Sie ebenfalls einen Antrag auf Pflege für die zu pflegende Person stellen. Die Bewilligung oder Ablehnung eines Pflegeantrags erfolgt nach einem Gutachten durch den medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK), der ebenso über die zu bewilligenden Leistungen entscheidet. Innerhalb von fünf Wochen nach Eingang des Antrags muss die Pflegekasse Sie über den Entscheid schriftlich benachrichtigen und Ihnen das Gutachten des MDK zuschicken.

Was beinhaltet die Pflegeversicherung?

Anhand des Gutachtens durch den MDK wird ein Pflegegrad (PG) festgelegt. Die Pflegegrade regeln den Umfang der genehmigten Leistungen und werden in fünf Pflegegrade unterteilt: geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (PG 1), erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (PG 2), schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (PG 3), schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (PG 4) und Pflegegrad 5 für schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung . Die Leistungen der Pflegeversicherung sind in den Leistungsgrundsätzen festgehalten:

  • Monatliches Pflegegeld für die häusliche Pflege
  • Qualitätssicherungsbesuch
  • Ambulanter Pflegedienst
  • Kombinationsleistung aus Pflegedienst und häuslicher Pflege
  • Tages- oder Nachtpflege (teilstationäre Pflege)
  • Zusätzliche Leistungen für Pflegepersonen
  • Unfallversicherung für die Pflegeperson
  • Zahlung der Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung für die Pflegeperson
  • Verhinderungspflege (Ersatzpflege)
  • Kurzzeitpflege
  • Erheblicher allgemeiner Betreuungsbedarf für Pflegebedürftige
  • Pflegehilfsmittel
  • Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes
  • Vollstationäre Pflege
  • Pflegekurse

Häufig sind die Pflegeleistungen der Kassen nicht bedarfsdeckend und Sie müssen als Angehörige den Restbetrag ausgleichen (“Pflegelücke”). Um dies zu vermeiden, empfiehlt sich eine private Pflegezusatzversicherung, wie der Pflege Bahr, die sogar staatlich gefördert wird.

Was kostet die Pflegepflichtversicherung?

Grundlage zur Berechnung bildet ein fester Beitragssatz zur Pflegeversicherung. Dieser beträgt aktuell 2,55 Prozent. Dies bedeutet einen gleichen Anteil für Arbeitnehmer und Arbeitgeber von je 1,275 Prozent. Kinderlose zahlen ab dem 24. Lebensjahr einen PV-Beitrag von insgesamt 2,80 Prozent, von denen der Arbeitnehmer 1,525 Prozent zahlt. Hierzu ein Rechenbeispiel: Bei einem monatlichen Bruttogehalt von 2.000 Euro zahlen Sie als Arbeitnehmer (kinderlos und über 23 Jahre) monatlich 30,50 Euro anteilig als Pflegeversicherungsbeitrag.