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Zwischen Biochemie und Umfeld – Wie viel Einfluss haben wir auf unser Glück?

In den letzten Jahren ist es immer mehr in Mode gekommen, Emotionen auf die biochemischen Prozesse zu reduzieren. Dabei kommt bei vielen Menschen das ungute Gefühl auf, dem Austausch von Serotonin, Noradrenalin und mehr hilflos ausgeliefert zu sein. Doch was ist dran an solchen Theorien? Haben wir keine Chance zur Selbstbestimmung?

Biochemie bildet unsere Gefühle ab

Richtig ist, dass die chemischen Prozesse und der Austausch von Botenstoffen wichtig sind, um unseren Gefühlshaushalt in Gang zu bringen und zu halten. Tatsächlich nachgewiesen ist, dass Störungen des Hormonhaushaltes uns depressiv, traurig und mutlos machen können. Depressionen haben aber oft noch weitere Ursachen. Dennoch schützt uns ein normaler Haushalt der Botenstoffe nicht nur, er ermöglicht auch ein normales Gefühlsleben. Nur wenn organische Ursachen vorliegen, ist es angebracht mit Medikamenten zu reagieren. Doch auch zu viele Medikamente können Auslöser für Depressionen sein.

Nicht nur das Vorhandensein des Glückshormons Serotonin (PDF) ist jedoch wichtig, sondern ebenso die Funktion, wie es an die richtigen Stellen im Gehirn transportiert wird. Dafür ist das Gen SLC6A4 zuständig. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass dieses Gen zumindest zu einem Teil für unser Wohlbefinden verantwortlich ist. Mediziner sprechen von einer Langform und einer Kurzform dieses Gens. Wer über ein „langes“ Gen verfügt, neigt eher zu Optimismus in allen Lebenslagen als derjenige mit einem „kurzen“ Gen.

Wo sind die Menschen am glücklichsten?

An der renommierten US-amerikanischen Universität Yale in New Haven haben Studenten einen neuen Rekord aufgestellt. Noch nie zuvor gab es derartig viele Anmeldungen für einen Kurs, als für das Glücksseminar von Psychologin Laurie Santos. Knapp 1.200 angemeldete Seminarteilnehmer sprengten nicht nur die Rekordzahlen von 1992, sondern auch die räumlichen Kapazitäten. „Psychologie und ein gutes Leben“, so heißt der Kurs und hilft vor allem den Studierenden selbst ihr Leben zu ändern, vielleicht sogar glücklicher zu gestalten.

Zum glücklichsten Land der Welt wurde 2018 jedoch Finnland ernannt. Nirgendwo anders sind Menschen glücklicher – nirgendwo anders herrscht weniger Kriminalität. Deutschland schaffte es im Glücksranking immerhin noch auf Platz 15. National gesehen leben die zufriedensten Menschen in Schleswig-Holstein, gefolgt von Hamburg. Die Kluft zwischen Ost und West verkleinerte sich zudem noch stärker. Den größten „Glücks-Schub“ verzeichnete Mecklenburg-Vorpommern 2017 im Vergleich zum Vorjahr.

Das größte Glück ist ein intaktes Umfeld

Darüber sind sich die meisten Forscher aus Biochemie, Gesundheit (Medizin) und Psychologie einig. Die wechselseitige Beeinflussung durch Erziehung und familiären Umfeld macht weiterhin den entscheidenden Unterschied. Wer es schafft, in einer liebevollen und erfüllenden Beziehung seine Heimat zu finden, ist schon mal auf einem guten Weg. Dazu kommen eine selbstbestimmte Tätigkeit mit regelmäßigen Erfolgserlebnissen sowie eine gute Work-Life-Balance (Definition).

Wer sein Glück in die eigene Hand nimmt, wird es folglich auch schmieden können. Die Kenntnis über chemische und genetische Zusammenhänge sollte uns nicht abschrecken und mutlos machen. Besser ist es, diese in seine Pläne für ein glückliches Leben zu integrieren.

2018-03-29T14:26:23+00:0029. März 2018|Gesundheit, International, Lokal|