Zusatzbeitrag der IKK Südwest und der Securvita BKK steigen ab Juli 2017

Vor möglichen Anstiegen der Zusatzbeiträge der Krankenkassen (Liste 2017) wurde schon länger gewarnt. Nun erhöht die IKK Südwest ab 1. Juli ihren Zusatzbeitrag um 0,3 Prozentpunkte auf dann 1,5 Prozent. Damit steigt der Gesamtbetrag für die Krankenversicherung auf 16,1 Prozent, wovon 8,8 Prozent allein auf die Versicherten entfallen. Die IKK ist allerdings nicht die einzige Kasse, auch die Betriebskrankenkasse Securvita gab bekannt, dass sie ihren Zusatzbeitrag von bisher 1,40 % auf 1,70 Prozent anhebt – damit müssen Arbeitnehmer ab dem 1. Juli 2017 monatlich insgesamt 16,3 Prozent an Krankenkassenbeiträgen abführen.

Securvita BKK: Zusatzbeitrag steigt nach nur 9 Monaten erneut

Betrug der gesamte Krankenkassenbeitrag 2014 noch 15,5 %, sank er ab dem 01.01.2015 auf nur 14,6 Prozent. Zusätzlich zahlten die Versicherten der Securvita BKK einen Zusatzbeitrag – von Januar bis Juli 2015 lag er auf der Höhe des damals durchschnittlichen Zusatzbeitrags von 0,9 Prozent. Ab Juli 2015 musste die Kasse den zusätzlichen Beitrag bereits auf 1,1 Prozent anpassen. Zum 01. Oktober 2016 hatten die etwa 210.000 Versicherten eine erneute Erhöhung zu verkraften – und mussten seitdem 16 Prozent ihres Bruttoeinkommens an die Krankenkasse abführen. Nun gab der ehemals als „Kasse für Ganzheitlichkeit“ bekannte gesetzliche Versicherer eine weitere Erhöhung bekannt, und das bereits seit dem 01. Juli 2017: die Abgaben steigen von 16 auf nunmehr 16,3 Prozent.

Etwa 500.000 Versicherte bei der IKK betroffen

Von der Erhöhung des Zusatzbeitrags sind rund eine halbe Million Versicherte betroffen. Die IKK Südwest erhöht damit bereits zum zweiten Mal innerhalb von 30 Monaten ihren Zusatzbeitrag – ein Grund, warum die neuerliche Erhöhung für viele Versicherte eine Überraschung darstellt. Da der Zusatzbeitrag ausschließlich von den Mitgliedern der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt wird, bedeutet das schließlich am Ende weniger Geld in der Lohntüte. Die betroffenen Versicherten haben nun im Juli ein Sonderkündigungsrecht und können die Krankenkasse wechseln. Ein Vergleich zeigt die Einsparmöglichkeiten, die ein Wechsel mit sich bringen könnte: Ein Durchschnittsverdiener kann allein bis zu 300 Euro Krankenkassenbeiträge jährlich sparen, wenn er die Krankenkasse wechselt – und das bei mindestens gleicher Leistung.

Nettoeinkommen mit diversen Zusatzbeiträgen berechnen

Zusätzlich kann auch eine Einkommensberechnung Sinn machen, die aufzeigt, wie hoch das Nettoeinkommen mit den unterschiedlichen Zusatzbeiträgen tatsächlich ist. Einen einfachen Brutto-Netto-Rechner kann man auf vielen kommerziellen Websites finden. Wie auch andere Anbieter arbeitet Lohnspiegel.de hingegen nicht profitorientiert. Das Portal bietet Verbrauchern umfassende Angaben zu Löhnen und Gehältern von rund 380 verschiedenen Berufen. Die erfassten Echtdaten werden vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung schon seit 2004 analysiert, sodass wissenschaftlich fundierte Aussagen zur allgemeinen Lohn- und Gehaltsentwicklung in Deutschland getroffen werden können.

Schieflage bei der Mittelverteilung aus dem Gesundheitsfonds

Eine wissenschaftliche Studie, welche die Aussage untermauert, dass die gesetzlichen Krankenkassen schlecht wirtschaften, wenn es zu einer Erhöhung des zusätzlichen Beitrages bei ihnen kommt, gibt es bisher wohl nicht. Die IKK Südwest jedenfalls macht als Grund für die Erhöhung des Zusatzbeitrags die Schieflage bei der Mittelverteilung aus dem Gesundheitsfonds verantwortlich. Der Gesundheitsfonds ist die wesentliche Finanzierungsquelle der gesetzlichen Krankenkassen. Die Verteilung der Gelder steht schon länger in der Kritik, insbesondere von den kleineren Kassen. Wie kürzlich bekannt wurde, sollen einige Krankenkassen die Ärzte für eine falsche Diagnose bezahlt haben, damit die Patienten kränker gemacht werden und die Kassen mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds erhalten können.

Zusatzbeiträge weiterer Kassen könnten steigen

Trotz der hohen Überschüsse bei den Krankenkassen in den letzten Jahren könnten auch weitere Kassen ihre Zusatzbeiträge nach oben anpassen. Nachdem im Jahr 2016 die Zusatzbeiträge im Schnitt stabil bei 1,1 Prozent blieben – nur einige kleinere Krankenkassen erhöhten die Zusatzbeiträge – könnten im Jahr 2017 oder auch 2018 noch weitere Kassen mit Erhöhungen der Zusatzbeiträge folgen. Neben der Diskussion um die Verteilung aus dem Gesundheitsfonds sind die zu erwartenden Mehrkosten durch das neue Heil- und Hilfsmittelgesetz ein möglicher Grund für höhere Zusatzbeiträge. Auch insgesamt steigt die Kostenbelastung im Gesundheitswesen weiterhin an. Es herrscht somit weiterhin finanzieller Druck auf die Krankenkassen trotz der zwischenzeitlichen Überschüsse. Möglicherweise werden noch in 2017 die finanziellen Reserven aufgebraucht sein.

2017-07-03T09:46:53+00:00 3. Juli 2017|Allgemein|