Dermatologen warnen vor einem zu erwartenden Anstieg an Hautkrebs­erkran­kungen in den kommenden drei Jahrzehnten. Schuld daran sind die Sünden der Vergangenheit. Denn während heute die Folgen übermäßiger Sonnenein­strah­lung auf die menschliche Haut auch in der Breite der Bevöl­ke­rung gut bekannt sind, gehörte der Sonnenbrand in den 70er und 80er Jahren zum Sommer einfach dazu.

Anzahl der Erkrankungen

Aktuell werden etwa 300.000 neue Diagnosen für Hautkrebs pro Jahr in Deutschland gestellt. Bei den meisten Fällen handelt es sich um den weißen Hautkrebs. Etwa 23.000 Personen erhalten jedoch jährlich die Diagnose schwarzer Hautkrebs. Diese Erkrankung kann im schlimmsten Fall binnen weniger Wochen Metastasen bilden und zum Tod führen. Jedoch werden über 70% der Diagnosen in einem frühen Stadium der Krankheit gestellt, was zu sehr guten Heilungschancen zwischen 86% bis hin zu 100% führt. Dennoch sterben in Deutschland jährlich ca. 3.000 Menschen am malignen Melanom.

Kinder der 70er und 80er Jahre betroffen

Diese Zahlen werden sich nach Einschätzung der Dermatologen in den kommenden 30 Jahren spürbar erhöhen. Denn insbesondere in den 70er und 80er Jahren galt sonnengebräunte Haut als außerordentlich erstrebenswert. Viele nahmen dafür unbedacht den Sonnenbrand in Kauf. Ebenfalls eine Rolle spielt die Belastung mit UV-Strahlung für verschiedene Berufsgruppen. Erntehelfer, Dachdecker oder Bauarbeiter etwa sind neuen Studien nach bis zu drei Mal stärker belastet als bisherige Schätzungen es angenommen hatten. Nicht umsonst ist Hautkrebs seit 2015 eine anerkannte Berufskrankheit. Hinzu kommt, dass das maligne Melanom mit steigendem Alter gehäuft auftritt. Wer also als Kind der 70er ohne nennenswerten Sonnenschutz aufgewachsen ist und in seinem Leben viele Male Sonnenbrand hatte, der ist in den kommenden Dekaden besonders gefährdet an Hautkrebs zu erkranken. Grund genug die Sonnencreme nicht nur in der Reiseapotheke und am Strand dabei zu haben, sondern auch im Alltag, z.B. vor einem Spaziergang oder Radtour, zu verwenden.

Prävention und Früherkennung

Um Hautkrebs gar nicht erst zu riskieren, ist ein konsequenter Sonnenschutz der Schlüssel. Die Bayerische Krebsgesellschaft rät dazu, sich reichlich mit Sonnenschutzmittel einzucremen, auf einen hohen Lichtschutzfaktor (LSF) zu achten und zusätzlich zu textilem Schutz, wie z.B. lange luftige Kleidung und Hüte, zu greifen. Besonders helle Hauttypen können bereits nach wenigen Minuten einen Sonnenbrand bekommen. Des Weiteren empfiehlt die Bayerische Krebsgesellschaft regelmäßig selbst nach auffälligen Hautflecken oder Veränderungen am Körper zu schauen. Hier hilft die einfache Regel ABCD:

Asymmetrie: ist der Fleck ungleichmäßig?
Begrenzung: ist es unscharf, gezackt oder hat es ausgefranste Ränder?
Colour (Farbe): mehrfarbige oder komplett schwarze Flecken sollten vom Hautarzt überprüft werden
Durchmesser: ist der Fleck größer als 5 Millimeter, könnten er verdächtig sein

Bei zutreffenden Merkmalen der ABCD-Selbstuntersuchung, wird empfohlen, sich an einen Hautarzt bzw. eine Hautärztin zu wenden. Darüber hinaus ist es auch bei bewusstem Schutz vor zu viel UV-Strahlung unerlässlich, regelmäßige Hautscreenings durchführen zu lassen. Sie gehören seit 2008 zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung und werden für Versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre angeboten. Jedoch hat bis dato lediglich jeder dritte Versicherte diese potentiell lebensrettende Leistung in Anspruch genommen. Angesichts der guten Heilungschancen bei frühzeitiger Diagnose ist hier noch deutlich Luft nach oben.