Die Zahl der Beschwerden gegen gesetzliche Krankenkassen steigt auch in 2018 weiter an. Wer mit seiner Krankenkasse Schwierigkeiten hat, kann sich an das Bundesversicherungsamt in Bonn bzw. an die zuständige Aufsichtsbehörde wenden. Die Statistik des Bundesversicherungsamtes zeigt, dass die Unzufriedenheit der Bürger über ihre Krankenversicherer steigt.

Beschwerden wegen fehlender Leistungen

Alleine in dem vergangenen Jahr hat das Bundesversicherungsamt 5.851 Beschwerden von Bürgern erhalten, welche sich unzufrieden über den Träger der Sozialversicherung zeigten. Jeder einzelne Fall wurde von der Aufsichtsbehörde entsprechend der Erfüllung ihrer Leistungen überprüft. Betrachtet man die Zahlen, dann ist ein stetiger Anwuchs der Unzufriedenheit zu erkennen. Im Jahr 2015 beschwerten sich über das Jahr hinweg noch 5.321 Bürger, in 2017 stieg die Zahl bereits auf 5.851 Beschwerden. Gerade was die Leistungen der Krankenkassen betrifft, zeigen sich die Versicherungsnehmer unzufrieden. Unter allen gemeldeten Beschwerden entfielen 3.720 Fälle auf jene Problematik. Die Themen Hilfs­mit­tel­ver­sorgung und Krankengeld stehen dabei besonders im Vordergrund. Aber auch Punkte wie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die Beitragsberechnung von freiwillig Versicherten und in Rückstand geratene Beiträge, gaben Anlass zur Beschwerde.

Die Aufgaben des Bundesversicherungsamtes

Das Bundesversicherungsamt agiert im Auftrag der Ministerien für Gesundheit und Arbeit, hat jedoch in Einzelfällen keine Weisungsgebundenheit. Es hat die Aufsicht über den Haushalt, die Beiträge, die Satzungen der Sozialversicherungen und überprüft die Krankenkassen auf deren Wirtschaftlichkeit und Rechtskonformität. Zudem werden von dem Amt auch der Gesundheitsfonds und die dort beinhalteten Gelder verwaltet.

Krankenversicherer sorgen für große Unzufriedenheit

Es macht den Anschein, als ob sich die eine oder andere Krankenkasse auffallend viel Zeit bei der Kündigungsbestätigung eines austretenden Mitglieds lässt, um den Wechsel zu einer anderen Kasse zu unterbinden. Ein Rückgang der Zahlen ist wohl nur darauf zurückzuführen, dass die gute Konjunkturlage dafür gesorgt hat, dass Erhöhungen der Zusatzbeiträge ausblieben und somit weniger Versicherungsnehmer ihre Krankenkasse wechselten. Im Bereich der Pflegeversicherung nahm die Zahl der Beschwerden in 2017 um 38 Prozent zu. Beklagt wurde von den Versicherten nicht nur die lange Bearbeitungszeit vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) und der Kassen selbst, sondern auch die Einstufung von einer bestehenden Pflegestufe in den neuen Pflegegrad unterlag viel Kritik.

Kassen halten Fristen nicht ein

Gemäß gesetzlicher Vorgaben sind Krankenkassen dazu verpflichtet, innerhalb von drei Wochen Leistungsanträge zu bearbeiten und darüber zu entscheiden. Wird der Medizinische Dienst der Krankenkassen bei der Entscheidungsfindung mit ins Boot geholt, dann kommt es zu einer Fristverlängerung auf insgesamt fünf Wochen. Laut einem Urteil des Bundessozialgerichtes (Az.: B 1 KR 30/18 R und B 1 KR 13/17 R) gilt die Verlängerung jedoch nur, wenn der Versicherte auch über die Einholung eines Gutachten informiert wurde. Lässt der Versicherer diese gesetzlich vorgeschriebenen Fristen verstreichen, dann ist der gestellte Antrag automatisch als „fiktiv genehmigt“ anzusehen. Sollte die Leistung jedoch offenkundig nicht innerhalb des Leistungs­kataloges liegen, gilt diese Regelung nicht. Patienten gehen allerdings wesentlich öfter gegen Entscheidungen von ihren Versicherern an, sodass es immer häufiger zu maßgeblich entscheidenden Gerichtsurteilen kommt. (jw)