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Wie Beitragserhöhungen in der PKV berechenbarer, moderater und flexibler werden könnten

Private Krankenkassen (PKV) produzieren immer wieder negative Schlagzeilen, weil sie ihre Beiträge sprunghaft erhöhen müssen. Manchmal sind das 50 Euro pro Jahr. Die dafür verantwortlichen Mechanismen haben Versicherungsmathematiker genauer analysiert und veröffentlichten jetzt Vorschläge für eine bessere Beitragsgestaltung in der Zukunft.

Zwei Faktoren sind zu wenig

Die Fachleute, die sich mit der Kalkulation der PKV-Tarife auskennen, wollen das Problem der jährlichen, zum Teil massiven Beitragsanpassung in der PKV, angehen. Deren berufständische Vertretung, die Deutsche Aktuar Vereinigung e.V. (DAV e.V.), erklärte kürzlich im Rahmen ihrer Jahrespressekonferenz die zu Grunde liegenden Ursachen. An den steigenden Kosten seien wohl nicht nur die üblichen Verdächtigen, wie Niedrigzins, Inflationsrate oder der medizinische Fortschritt Schuld. In diesem Fall ist es das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) selbst, dass maßgeblich dazu beiträgt: Zu Beitragserhöhungen kommt es entweder, wenn die getätigten Leistungsausgaben um mehr als zehn Prozent höher liegen, als vormals kalkuliert oder wenn die Sterbewahrscheinlichkeit um mehr als fünf Prozent ansteigt. Weitere wichtige Faktoren mit Einfluss auf die Kosten bleiben also unberücksichtigt, wodurch die geltende Gesetzgebung zu einem aufgestauten Anpassungsbedarf führt. Ist dann einer der beiden Faktoren endlich eingetreten, fällt die Beitragserhöhung umso radikaler und für viele Versicherte häufig „schmerzhaft“ aus. So mancher versucht dann einen Tarifwechsel beim gleichen Versicherer. Das wiederum kann manchmal Konsequenzen haben, die zunächst nicht sichtbar sind, sondern erst später in Erscheinung treten und dann unter Umständen Nachteile mit sich bringen.

Zinsentwicklung und kontinuierliche Beitragsanpassung

Die Versicherungsmathematiker sprechen sich dafür aus, grundsätzlich die Entwicklung des Zinsniveaus (Rede) auf dem freien Kapitalmarkt als dritten Grund für eine PKV-Beitragserhöhung zuzulassen. Außerdem schlägt die DAV e.V. vor, im Falle eines Tarifwechsels beim gleichen Anbieter nicht alle zur Verfügung stehenden Mittel sofort zur Beitragsreduktion einzusetzen. Ein Teil davon sollte als Rücklage vorbehalten bleiben, um künftige Beitragserhöhungen abzuschwächen. Die DAV-Fachleute setzen sich bei ihren Vorschlägen intensiv mit dem zehnprozentigen Zuschlag, der sogenannten Altersrückstellung, auseinander. Er gilt für die Beiträge zur Krankenvollversicherung und ist Teil der Gesundheitsreform aus dem Jahr 2000. Die so angesparten Mittel kommen den Versicherten zugute. Ab dem 65. Lebensjahr dienen sie nach geltender Regelung der Abmilderung von Beitragserhöhungen, ab dem 80. Lebensjahr dann der Prämiensenkung.

Rücklagen früher nutzen

Die Versicherungsexperten geben zu bedenken, dass auch vor dem 65. Lebensjahr bereits Maßnahmen zur Dämpfung der Beitragserhöhungen nötig sind und die Rücklagen dafür zum Einsatz kommen sollen. Die Fachleute kritisieren auch die Zugangsbeschränkung zum günstigen Standardtarif der PKV. Er orientiert sich an den Leistungen der Krankenkassen – steht aber nur Versicherten zur Verfügung, die bereits vor dem 1. Januar 2009 PKV-Mitglied waren. Für andere Interessenten gibt es nur den deutlich teureren Basistarif als Sozialtarif. Dazu müssen alle private Krankenversicherungen die zu Versichernden ohne Gesundheitsfragen und Risikozuschläge aufnehmen, aber um einen echten Sozialtarif handelt es sich laut der Fachleute und dem PKV-Verband hingegen nicht. Sie plädieren daher für eine Anpassung und Öffnung des Standardtarifes auch für nach 2009 Geborene.

Bessere Gesundheitsversorgung durch Big Data und künstliche Intelligenz

Trotz angesparter Milliardenüberschüsse in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind auch die Krankenkassen von immer höheren Kosten betroffen, zum Beispiel aufgrund des medizinischen Fortschritts. Neue Therapien und Methoden sind oft erst einmal teurer, als alte. Gerade die staatliche Krankenversicherung unterliegt hier aber dem gesetzlichen und wirtschaftlichen Zwang, nur medizinisch notwendige Maßnahmen zuzulassen. In Zeiten, in denen die Digitalisierung im Gesundheitsbereich mit Big Data und Künstlicher Intelligenz (KI) voranschreitet, wird ein gutes Versorgungsmanagement von Versicherten immer wichtiger. Schließlich sind besonders bei den Krankenkassen Unmengen an Daten – Big Data – vorhanden, allein aufgrund der Mitgliederzahlen bis in Millionenhöhe.

Viele mehr oder weniger bekannte Unternehmen kennen sich mit der Aufbereitung und der Analysen großer Datenmengen aus. Bekannt sind unter anderem IBM und SAP. Aber auch die Heidelberger SAS Institute GmbH, die deutsche Zentrale der US-Firma SAS Institute Inc., ist auf Business Intelligence Systeme (PDF) spezialisiert. Sie hat zum Beispiel zusammen schon vor Jahren mit der DAK an einer Lösung gearbeitet, die gesundheitsspezifischen und betriebswirtschaftlichen Basisinformationen mit den externen Daten von Apotheken, Krankenhäusern und Ärzten zu verknüpfen. So wurden abgefragte Informationen transparenter und nachvollziehbarer. Außerdem lassen sich so die Daten spezifischer strukturieren, auch um Wahrscheinlichkeiten von Krankheitskosten und -verläufen leichter vorhersagen zu können. Entsprechend programmierte Software-Programme sind in der Lage, Muster zu erkennen und geben damit dem Versicherungsmanagement die Möglichkeit, die Gesundheitsversorgung auf die Bedürfnisse der Versicherten auszurichten.

2018-05-14T15:58:10+00:00 4. Mai 2018|Gesetzlich, Gesundheit, Politik, Versicherung, Vorsorge|