/, Gesundheit, Vorsorge/Weniger Zucker in Lebensmitteln – So tricksen die Hersteller

Weniger Zucker in Lebensmitteln – So tricksen die Hersteller

Zucker ist seit langem ein wichtiger Baustein für viele Produkte der Lebensmittelindustrie. Er wirkt auf angenehme Weise geschmacksverstärkend und fungiert als sofort wirkender Energiespender. In großen Mengen führt Zucker jedoch schnell zu Übergewicht und greift teils stark die Zähne an. Aufgrund dieses weit verbreiteten Wissens und dem damit verbundenen schlechten Ruf steigen immer mehr Hersteller auf Alternativen um.

Zucker als Nährboden für Karies

Bislang findet sich noch in vielen unserer Lebens- und Genussmittel Zucker – auch dort, wo wir es gar nicht unbedingt vermuten. Dass hingegen Schokolade, Bonbons oder Limonaden viel Zucker enthalten, ist vermutlich den meisten bekannt. Unsere Ernährungsweise stellt nicht nur den Körper, sondern besonders unsere Zähne vor eine echte Herausforderung: Verbleiben Essensreste im Mund, wird die Nahrung mit aktiver Beteiligung von Bakterien zersetzt. Sie lieben insbesondere Zucker und setzen beim Abbau Säuren frei. Diese können unsere Zähne angreifen, dabei den Zahnschmelz nach und nach zerstören und Karies kann entstehen.

Auch wenn der Zahnschmelz die härteste Substanz des menschlichen Körpers ist, bedarf es einer regelmäßigen und gründlichen Pflege, um ihn zu schützen und gesund zu erhalten. Manche Menschen allerdings haben mit Zahnschmelzdefekten zu kämpfen. Trotz intensiver Reinigung der Zähne kann es bei ihnen aufgrund des empfindlichen Zahnschmelzes eher zu Karies kommen. Unter Umständen sollten sich Betroffene schon frühzeitig um eine Zahnzusatzversicherung bemühen. Wenn es im schlimmsten Fall zum Zahnverlust kommt, übernimmt die Versicherung einen Großteil der Kosten, die für einen Zahnersatz nötig sind.

Zucker und sein schlechter Ruf

Weit über die Problematik der Zahngesundheit hinaus, hat Zucker seit geraumer Zeit einen stetig schlechter werdenden Ruf. Nicht nur, dass er zu Fettleibigkeit führen soll, darüber hinaus kann ein hoher Konsum die sogenannte „Zuckerkrankheit“ Diabetes fördern. Konkret fordert die Weltgesundheitsorganisation WHO international zu einer Besteuerung zuckerhaltiger Getränke auf, um den Kauf von süßen Lebensmitteln zu verringern. In Mexiko und Frankreich wurde eine solche Steuer bereits eingeführt. Daher bieten manche Hersteller seit längerem Alternativen, wie beispielsweise zuckerfreie oder Light- und Zero-Produkte. Ein breiter Wandel weg vom üblichen Raffinade-Zucker kommt beim Verbraucher zunächst gut an, denn im Geiste des wachsenden Fitness-Booms verzichten viele auf bestimmte Genussmittel oder schränken ihren Verbrauch stark ein.

Leider wird von Herstellerseite viel getrickst. Nach wie vor möchte man die Süße erhalten und greift dabei zu Mitteln, die zwar günstig, gleichzeitig jedoch als gesundheitlich durchaus bedenklich zu bewerten sind. Als natürlich und unbedenklich gilt hingegen Stevia: Die Pflanze verfügt über eine starke Süßkraft, allerdings ist das daraus gewonnene Mittel für einen teils starken Eigen­geschmack bekannt. Udo Kienle von der Universität Hohenheim warnt indes vor der bisher überwiegend in Nordamerika verbreiteten Isoglucose, denn diese sei eben nicht gesünder als regulärer Zucker.

Isoglucose – neuer Zuckerersatz mit Folgen

Für Hersteller ist der in Amerika bereits stark verbreitete Sirup aus Mais, der sogenannte Zuckersirup, besonders attraktiv: Große Mengen lassen sich verlässlich und zu niedrigen Preisen beziehen. Darüber hinaus besitzt Isoglucose einen angenehmen, unaufdringlichen und süßen Geschmack. Damit scheint eine kostengünstige und schnell verfügbare süßende Substanz gefunden. Ab dem 1. Oktober 2017 soll der stark fruktosehaltige Zuckerersatz auch auf dem europäischen Markt verstärkt in Produkten verarbeitet werden: Betrug der bisherige Anteil nur etwa 5 Prozent, darf Isoglukose dann bis zu 10 mal häufiger als Zuckerersatz eingesetzt werden. Der Anteil am Gesamtzuckermarkt steigt auf bis zu 50 %.

Kienle hat bereits 2014 eine Untersuchung u.a. zum Energiegehalt und zur Süßkraft der verschiedenen Zuckeralternativen durchgeführt. Er forscht seit über 30 Jahren zu den Süßungsmitteln und warnt vor dem neuen Süßmacher:  Der Zuckersirup macht sehr schnell dick, vor allem die Leber wird von dem Mittel übermäßig taxiert, was zu einer Fettleber führen kann. Seinen Forschungsergebnissen zufolge ist Zucker geschmacklich und auch preislich das beste Süßungsmittel, jedoch sollte es sparsam eingesetzt werden. Auch Verbraucherschützer warnen vor den gesundheitlichen Folgen und sehen den Einsatz von Isoglucose eher kritisch.

Weitere Zuckeraustauschstoffe als Alternativen

Andere Mittel, wie Süßstoffe oder Zuckeraustauschstoffe, bringen eigene Vorzüge und Nachteile mit sich: Zuckeraustauschstoffe, sogenannte Zuckeralkohole, fördern zwar nicht die Entstehung von Karies, jedoch können sie bei häufigem Verzehr abführend wirken und zu Durchfällen führen. Die bekanntesten zugelassenen Zuckeralkohole sind Xylit, Sorbit, Isomalt und Erythrit. Aspartam, Acesulfam K und Cyclamat gehören zu den Süßstoffen und werden häufig in Light-Produkten verwendet, da sie nur wenige oder gar keine Kalorien enthalten. Auch Aspartam gilt als gesundheitsschädlich  und ist daher eher mit einem negativen Image behaftet: Laut einigen Experten soll dieser Süßstoff die Entstehung von Krebs fördern. Der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) und European Food Safety Authority (EFS) zufolge gibt es dafür keine Hinweise.

Kennzeichnungspflicht: Zutatenliste hilft Verbrauchern

Bei der Tendenz weg vom Zucker hin zu anderen Süßstoffen, die eigene gesundheitliche Bedenken mit sich bringen, kann sich der Verbraucher auf eine Sache verlassen: Die hiesige Kennzeichnungspflicht. Lebensmittel, die Zucker enthalten, müssen dies kennzeichnen. Ebenso müssen alternative Süßstoffe auf der Verpackung kenntlich gemacht werden. Beim Einkauf ist das Prüfen einzelner Waren in dieser Weise zwar etwas mühselig, dafür jedoch mit Abstrichen ergiebig. Ein Blick auf die Nährwerttabelle und die Zutatenliste kann teils entscheidend sein. Jedoch können die Hersteller auch hier tricksen, denn es ist nicht notwendig Zucker und andere Süßungsmittel separat zu benennen, sollten beide in einem Produkt Verwendung finden.

2017-10-13T08:53:10+00:00 31. August 2017|Ernährung, Gesundheit, Vorsorge|