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Weltweit neue Rekordhöhen: Anstieg bei Konsum und Anbau von Cannabis und anderen Drogen

Niemals zuvor haben so viele Menschen auf der Erde Drogen konsumiert wie heute: Insgesamt waren es im Jahr 2016 weltweit 275 Millionen, die mindestens einmal illegale Drogen einnahmen. Das sind 25 Millionen Personen oder zehn Prozent mehr als im Jahr davor. Und noch nie erreichte der Anbau dieser Rauschmittel solche Rekordhöhen. Der Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen (UN) präsentiert diese Zahlen für das Jahr 2016 vor kurzem in Wien.

Kokain- und Opiumanbau wächst rasant

UN-Drogenexpertin Angela Me nannte dazu die aktuellsten verfügbaren Daten. Die Drogenanbauer lieferten geschätzte 1410 Tonnen Kokain – ein neuer Höchstwert. Dieses Rauschmittel stammt vor allem aus Asien und Afrika. Dazu kommen weltweit etwa 10.500 Tonnen Opium – ebenfalls eine neue Rekordzahl. Der weltweit größte Anbauer hiervon bleibt Afghanistan. Die unmittelbaren Folgen des Konsums gelten als Todesursache bei 76 Prozent aller Drogentoten. Yury Fedotov, Chef der UN-Abteilung für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, spricht angesichts dieser Zahlen von „verschiedenen Herausforderungen an verschiedenen Fronten“. Er strebt die Zusammenarbeit mit den Nationen bei der Suche nach Lösungen an.

Cannabis weltweit „Marktführer“

Cannabis bleibt das Rauschgift, zu dem die Menschen weltweit am häufigsten greifen. 192 Millionen Personen konsumieren es – das ist eine Steigerung von 16 Prozent im Vergleich zur Vorjahres-Erhebung. Dazu passt der Anstieg des Cannabis-Anbaus um 27 Prozent auf 4386 Tonnen rund um den Erdball. Vor allem in Nordamerika zog der Konsum an: Grund dafür könnte nach Ansicht von Fachleuten die Legalisierung der Droge in einigen US-Bundesstaaten sein. Die Experten verweisen darauf, dass der Rauschgift-Konsum vor allem bei den Menschen über 40 Jahren steigt. Als Grund vermuten sie: Diese geburtenstarke Generation konsumierte in ihrer Jugend schon mehr als die nachfolgenden Jahrgänge. Für Deutschland ist ein großer Anteil des Cannabis-Verbrauchs bei den Menschen zwischen Mitte 40 und Mitte 60 feststellbar. In dieser Altersgruppe wird bei besonders schweren Erkrankungen wie chronischen Schmerzen, Krebs oder HIV bzw. Aids seit März 2017 immer öfter Cannabis als Medizin verschrieben. Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, bezeichnet die Diskussion über die Cannabis-Legalisierung als „Lifestyle-Projekt“. Sie fordert stattdessen, Menschen mit Suchtproblemen über passende Hilfsangebote früher als bisher zu erreichen.

Tod durch indirekte Folgen

Die Rauschgift-Verwendung zeigt geschlechtsspezifische Unterschiede. Zunächst einmal machen Frauen nur ein Drittel der Drogenkonsumenten aus – sie bevorzugen Opiode und Beruhigungsmittel. Männer greifen häufiger zu Kokain und Cannabis. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von 450.000 Toten pro Jahr durch Drogenkonsum – davon sind 39 Prozent über 50 Jahre alt. 60 Prozent der Sterbefälle gehen laut UN auf indirekte Folgen des Drogenkonsums zurück. Von den 10,6 Millionen Menschen, die sich Rauschmittel spritzen und die Spritzen mehrfach verwenden, lebt mehr als die Hälfte mit Hepatitis C, ein Achtel mit HIV-Infektion. (kt)

Von |2018-09-06T14:17:22+00:0014. August 2018|Gesetzlich, Gesundheit, International, Politik|