Multiple Sklerose (MS) ist eine Erkrankung des Zentralen Nervensystems. Da sie bei jedem Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann, wird sie auch als „Krankheit der 1.000 Gesichter“ bezeichnet. Weltweit gibt es rund 2,5 Millionen Patienten mit MS, in Deutschland sind etwa 240.000 Menschen erkrankt.

Symptome nicht immer offensichtlich

Bei MS denken viele Nichtbetroffene zuerst an motorische Einschränkungen, wie z.B. beim Bewegen von Armen oder Beinen. Einige Symptome sind jedoch nicht unmittel­bar zu erkennen, stellen aber für die Patienten eine starke Belastung im Alltag dar. Genau darum geht es auch am 30. Mai — am Welt-MS-Tag — denn das Motto für 2019 lautet „Keiner sieht’s. Eine(r) spürt’s: Multiple Sklerose – Vieles ist unsichtbar“. Menschen mit Multipler Sklerose kämpfen mit verborgenen Einschrän­kungen, wie beispielsweise Schmerzen, Erschöpfung, Sensibilitäts­stö­run­gen und Depressionen.

Aktionen zum Welt-MS-Tag

Um auf die Krankheit aufmerksam zu machen, nehmen auch Betroffene selbst an den Aktionen zum Welt-MS-Tag teil. Sie zeigen auf unterschiedliche Weise, wie sie mit der Diagnose umgehen. Die Künstlerin Linda Baum präsentiert in der Ausstellung „ONE YEAR IN ART“ Kunstwerke, die sie während ihrer Hoch- und Tiefphasen der MS-Erkrankung angefertigt hat. So konnte sie ihren Emotionen freien Lauf lassen und kann rückblickend ihren Veränderungsprozess in den 12 Bildern nachvollziehen.

Für ein abwechslungsreiches Programm hat der Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) auch medizinische Fachleute, wie Prof. Dr. Judith Haas (Leiterin des MS-Zentrums am Jüdischen Krankenhaus Berlin) und Dr. Judith Bellmann-Strobl (Studienkoordinatorin am NeuroCure Clinical Research Center der Charité – Universitätsmedizin Berlin), eingeladen.

Cannabis gegen Schmerzen bei Spastiken

Seit März 2017 ist Medizinalhanf in Deutschland als Therapeutikum bei starken Schmerzen zugelassen. Cannabis ist ein Hanfgewächs, dessen Wirkstoffe, wie die Cannabinoide, u.a. zur Entspannung der Muskeln und Schmerzlinderung beitragen. Eine erneute Untersuchung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in 2018 ergab, dass der Einsatz von medizinischem Cannabis für MS-Patienten mit mittlerer bis schwerer Spastik nun doch zur Linderung von Beschwerden beiträgt. Im Jahr 2011 kam das Institut noch zu einem negativen Ergebnis der Untersuchung. Trotzdem sah der G-BA einen Nutzen darin und gab die Verordnung von Cannabis befristet bis Mai 2018 frei. Besonders Frauen, die bisher keinen Erfolg bei der antispastischen Standardtherapie erzielen konnten, sollen von den schmerzlindernden Wirkstoffen profitieren. Für die Männer der Studie galt dieses leider nicht. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen nur in begründeten Einzelfällen die Kosten für das medizinische Cannabis.

Motivation und Selbstbewusstsein stärken

Bis heute ist die Krankheit Multiple Sklerose nicht heilbar, jedoch gibt es Möglichkei­ten, trotz der Schockdiagnose, das Leben positiv und selbstbewusst zu meistern. Ein Vorbild für Betroffene kann Samira Mousa sein, die selbst an MS erkrankt ist: Sie hat sich nach einiger Zeit aufgerappelt und einen eigenen Blog gestartet sowie ein Buch über MS veröffentlicht.

Im KKZ Podcast „Ein positives, selbstbestimmtes Leben mit MS” erzählt sie, wie sie es geschafft hat, nicht den Mut zu verlieren. Wichtig ist es, sich nicht zu Hause zu verstecken und Unterstützung in einer Selbsthilfegruppe oder durch eine Psycho­therapie zu suchen. Der Landesverband Hamburg e.V. der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) unterstützt Betroffene und bietet verschiedene Hilfe­leistungen an, zum Beispiel Beratungen, Hausbesuche, Seminare und Workshops oder Informationsveranstaltungen. Das Ziel des DMSG Landesverbandes ist, Vorur­teile und Missverständnisse bezüglich der Multiplen Sklerose aus der Welt zu schaffen und für Erkrankte mehr Akzeptanz in der Gesellschaft zu erreichen.