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Warnhinweis statt Beipackzettel – Gefahren für Verbraucher leichter erkennbar

In den Apotheken sind deutschlandweit neben rezeptpflichtigen auch verschiedene frei verkäufliche Schmerzmittel erhältlich. Diese Arzneien, die u.a. Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen enthalten, sollen nun künftig mit einem Warnhinweis auf der Schachtel versehen werden: Patienten werden so darüber informiert, dass eine Einnahme über längere Zeit Gefahren birgt. Vor wenigen Tagen wurde die sogenannten Analgetika-Warnhinweis-Verordnung im Bundesrat zugestimmt.

Warnhinweise vom Bundesrat beschlossen

Der Gesundheitsausschuss hatte dem Vorhaben schon vorab eine Empfehlung ausgesprochen, der die Länderkammer schließlich entsprochen hat. Alle Verpackungen von OTC-Analgetica müssen in Zukunft mit folgendem Warntext versehen werden: „Bei Schmerzen oder Fieber ohne ärztlichen Rat nicht länger anwenden als in der Packungsbeilage vorgegeben!“ Die Verordnung gilt auch für verschreibungspflichtige Arzneien derselben Gruppe. Apotheker stimmen der Maßnahme zu. So hat Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer betont, dass diese neue Warnung auf jeder einzelnen Schachtel das Risikobewusstsein in der Bevölkerung stärken kann. Er betonte, dass die Apothekerkammer seit langem einen solchen Hinweis forderte. Die Arzneimittelhersteller haben nun zwei Jahre Zeit, um ihre Verpackungen an die neue Verordnung anzupassen. Für rezeptpflichtige Arzneien gilt eine Übergangsregelung für nur ein Jahr, innerhalb dessen die Verpackungen geändert werden müssen. Noch vorhandene Medikamente ohne Warnhinweis dürfen von den Apotheken noch verkauft werden.

Frei verkäufliche Schmerzmittel

Die Deutsche Schmerzgesellschaft hält die neue Verordnung im Hinblick auf die Sensibilisierung der Nutzer für einen Schritt in die richtige Richtung. Angesichts von insgesamt 91 Millionen verkaufter Packungen im Jahr 2017 scheint dieser Schritt längst überfällig. Die frei verkäuflichen Medikamente  enthalten Inhaltsstoffe wie Paracetamol, Phenazon, Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac, Propyphenazon und ASS. Längst ist wissenschaftlich erwiesen, dass diese Stoffe bei einer langfristigen Einnahme bis zum Medikamentenmissbrauch schwerwiegende unerwünschte Wirkungen zeigen. Sie können zu Abhängigkeiten und im schlimmsten Falle sogar zum Tod führen. Bei einer Überdosierung und Langzeit-Nutzung rufen sie in vielen Fällen Blutungen, Geschwüre oder Perforationen im Verdauungstrakt sowie Leberschäden und Schlaganfälle hervor. Im Beipackzettel sind diese Risiken zwar aufgeführt, aber der Gesundheitsausschuss und der Bundesrat sind nun einhellig der Meinung, dass der Warnhinweis auch außen auf der Arzneimittelverpackung angebracht werden muss. Untersuchungen des Robert Koch Instituts haben gezeigt, dass mehr als jeder fünfte Nutzer (ein Fünftel der Frauen und ein Drittel der Männer) von OTC-haltigen Arzneien, diese über mehr als vier Tage einnimmt, ohne sich der Anwendungsempfehlungen und Risiken bewusst zu sein.

2018-06-14T10:39:05+00:0012. Juni 2018|Gesetzlich, Gesundheit, Politik|