Viele Vorurteile gegenüber HIV-Patienten

Noch immer ist HIV ein Tabuthema. Erkrankte sehen sich im Alltag auch nach Jahrzehnten der Aufklärung und rund 3.000 Neuinfektionen pro Jahr vielfältigen Vorurteilen ausgesetzt. Fehlendes und unvollständiges Wissen in weiten Teilen der Bevölkerung ist nach wie vor eine Hauptursache für die Diskriminierung HIV-Infizierter im Alltag. Darauf wiesen Betroffene nun im Rahmen eines Fachtages in Lübeck zum 30-jährigen Bestehen der Lübecker Aids-Hilfe hin.

Diskriminierung selbst im Gesundheitswesen

Auffällig ist den Erkrankten zufolge, dass sie selbst im Gesundheitswesen Diskriminierungen ausgesetzt sind – obwohl gerade hier ein sensibler Umgang mit dem Thema zum Standard zählen sollte. Von ihren Ärzten und medizinischem Fachpersonal fordern sie bessere Information und Fortbildung, um die Situation für HIV-Positive zu verbessern. Insbesondere unzureichendes Wissen um Infektionsrisiken führt bislang dazu, dass Betroffene regelmäßig diskriminiert werden, etwa durch ein dickes, rotes, für alle sichtbares Kreuz auf der Patientenakte, die unbegründete Absage von Operationsterminen oder Zahnarzt-Termine außerhalb der regulären Öffnungszeiten.

Alltagsdiskriminierung HIV-Positiver an der Tagesordnung

Aber nicht nur im Gesundheitswesen spüren HIV-Patienten, dass ihnen Vorurteile entgegenschlagen. Auch im Alltag kommt es immer wieder zu diskriminierenden Szenen – etwa dann, wenn der Betriebsarzt grundlos auf ein Outing drängt oder die Erkrankung als Argument für Absagen bei der Jobsuche herhalten muss.
Ein anderer Aspekt der Alltagsdiskriminierung ist die Selbst-Stigmatisierung Betroffener. So berichten Mitarbeiter der Lübecker Aids-Hilfe, dass die Tür ihrer Einrichtung sofort geöffnet werden muss, wenn Hilfe suchende Menschen klingeln – müssen diese warten, befürchten sie, vor der Einrichtung gesehen und unangenehme Fragen beantworten zu müssen.

Gegen Tabuisierung von HIV im Arbeitsleben

Im Rahmen des Fachtages sprachen sich die Teilnehmer grundlegend für einen offeneren, entspannteren Umgang mit dem Thema HIV aus – auch bei Arbeitgebern. Eine Aktion der Lübecker Aids-Hilfe und der Welt-AIDS-Tag am 01. Dezember 2016 sollen dazu beitragen. Angedacht ist, dass sich Unternehmen der Region offen für eine Beschäftigung HIV-Infizierter aussprechen. Als Positiv-Beispiel nannten die Initiatoren ein Braunschweiger Projekt, das zu einer erheblich offeneren Kommunikation bei auftretenden Problemen führte.

2017-05-19T16:09:48+00:00 14. November 2016|Allgemein|