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Verlust der Altersrückstellungen beim PKV Wechsel nicht hinnehmbar

Die private Krankenversicherung (PKV) ist häufig Thema öffentlicher Diskussionen. Gerade langjährigen Privatversicherten wird ein Wechsel des Anbieters schwer gemacht, da angesparte Rückstellungen augenscheinlich verloren gehen würden. Dem widerspricht der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach, entschieden. Er geht davon aus, dass allein der Willen der Versicherungs­gesellschaften für einen Wechsel entscheidend ist.

Ewig an den Versicherer gebunden

Aktuell wird eine Mitnahme der Altersrückstellungen noch verhindert. Nach Meinung der privaten Krankenversicherer fehle es an Berechnungsgrundlagen, was eine Übertragung unmöglich macht. Durch diese Praxis geht Verbrauchern die Möglichkeit verloren, die PKV wechseln zu können, weil erhebliche Verluste gerade bei langjährig Versicherten entstehen. Im fortgeschrittenen Alter kommen so hohe Einbußen durch den Verlust der Altersrückstellungen zusammen. Dieses Risiko wird niemand eingehen wollen. Dadurch wird laut Achim Wambach der Wettbewerb stark eingeschränkt, da dieser nur im Bereich der Neukunden stattfindet. Bestandskunden dagegen können sich praktisch nicht umentscheiden. Eine solche Barrikade des freien Wettbewerbs unter den privaten Krankenversicherern sei skandalös und gehöre aufgehoben, so Wambachs deutliche Worte.

Altersrückstellungen sind berechenbar

Auf Grundlage der Beitragszahlungen und der Inanspruchnahme der Krankenversicherung ist eine Berechnung der individuellen Altersrückstellungen durchaus möglich. In der Theorie würde der gesunde Versicherte weniger Rückstellungen mitnehmen als ein kranker Versicherter. So wird nicht nur der Handlungsspielraum des einzelnen Versicherten eingeschränkt. Letztlich betrifft die Verhinderung der Mitnahme der Altersrückstellungen den ganzen Markt. Auf diese Weise wird auch die Dynamik ausgehebelt, die durch Neueintritte von Unternehmen in den Versicherungsmarkt entstehen könnte. Ein neuer privater Krankenversicherer hat nach gültiger Praxis gar keine Möglichkeit, mit noch so attraktiven Angeboten in den Wettbewerb um die Bestandskunden einzugreifen. Diese Einschränkung behindert eine dynamische Entwicklung des Versicherungsmarktes (PDF), in dem sich der Anbieter mit den besten Tarifen im Interesse der Versicherten durchsetzen sollte. Damit stellt sich die Monopolkommission auf die Seite der Versicherten und schlägt eine verbindliche Regelung zur Mitnahme der Altersrückstellungen vor.

Reform der PKV längst überfällig

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht regen Reformbedarf in der privaten Krankenversicherung und stößt mit dieser Meinung auf Kritik seitens der SPD. Eine Reform der PKV sei im Koalitionsvertrag nicht vereinbart worden. Spahn sieht immer mehr Versicherte mit zunehmenden Beitragserhöhungen konfrontiert, die vor allem im Alter nicht mehr tragbar sind. Das Problem bestünde darin, dass Versicherte nicht mehr zurückwechseln können, wenn sie sich einmal für die private Krankenversicherung entschieden haben. Der Gedanke einer Zwei-Klassen-Medizin müsse aus den Köpfen der Menschen verschwinden, so Spahn. Denn auch auf Seiten der GKV sieht der Gesundheitsminister Aufholbedarf. Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung dürfen nicht länger auf einen Arzttermin warten, als Privatversicherte.

2018-05-18T13:10:28+00:00 18. Mai 2018|Gesetzlich, Politik, Versicherung|