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Ursache der sozialen Phobie: Erste Forschungsergebnisse zur genetischen Veranlagung

Auch wenn den meisten Menschen die Bezeichnung „soziale Phobie“ nicht geläufig sein dürfte – die Angststörung ist hierzulande relativ weit verbreitet. Die Angst, von anderen Menschen negativ bewertet zu werden oder etwas Peinliches zu tun, beschäftigt etwa acht Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Ursachen für die Erkrankung sind bislang noch nicht abschließend erforscht. Einen wichtigen Meilenstein erreichte jetzt allerdings die Universität Bonn. Deren Forscher haben offenbar Hinweise darauf gefunden, welche genetischen Faktoren Einfluss auf die Entstehung einer sozialen Phobie haben könnten.

Verbreitete Erkrankung mit genetischen Ursachen

Obwohl relativ unbekannt, zählt die soziale Phobie nach Alkoholabhängigkeit und Depression zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Die Krankheit äußert sich u.a. durch Begleitsymptome wie Schwitzen, Zittern, Erröten, Herzrasen, Übelkeit oder ein Unwirklich­keitsgefühl. Im Extremfall steigert sich die Angst zu einer heftigen Panikattacke. In der Konsequenz versuchen Betroffene, den Kontakt zu anderen Menschen auf ein Mindestmaß zu beschränken, was sie sowohl im Privatleben als auch beruflich erheblich einschränken kann. Bekannt ist bislang, dass Verwandte von Menschen mit einer sozialen Phobie ein etwa 3-fach erhöhtes Risiko besitzen, ebenfalls zu erkranken. Es gibt also möglicherweise genetische Faktoren, die bei der Entstehung der Erkrankung eine wichtige Rolle spielen – die Frage ist nur, welche.

Mögliche Auslöser für soziale Phobie entdeckt

Dieser Problematik gehen derzeit die Wissenschaftler der Klinik und Polyklinik für Psychosomatik des Uniklinikums Bonn nach. Ihre bisherigen Untersuchungen bestätigen: Eine variable Stelle im Erbgut (SNP) am Serotonin-Transporter-Gen SLC6A4 scheint an der Entstehung der Erkrankung beteiligt zu sein. Dieses Gen beeinflusst den Transport des Botenstoffes Serotonin – ein Neurotransmitter, der u.a. Angstgefühle und depressive Verstimmung dämpft. Dass Serotonin in Zusammenhang mit der sozialen Phobie eine wichtige Rolle spielt, ist bereits länger bekannt – der genaue Zusammenhang allerdings war bislang unklar.

Gute Therapiemöglichkeiten und Hilfsangebote

Serotonin findet bereits seit längerem Einsatz in der Therapie u.a. von Angststörungen. Entsprechende Medikamente, in Kombination mit psychotherapeutischen Maßnahmen wie der kognitiven Verhaltenstherapie, führen zu guten Therapieerfolgen. Sofern die Diagnose durch einen Psychotherapeuten erfolgte und dieser eine Behandlungsbedürftigkeit attestiert, werden die Behandlungskosten in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen (Liste mit Zusatzbeitrag) übernommen. Übrigens: Auch Vereine und Selbsthilfeeinrichtungen wie der intakt Norddeutsche Verband der Selbsthilfe bei sozialen Ängsten e.V. können dabei helfen, eine soziale Phobie zu überwinden. Sie bieten erste Anlaufstellen für Betroffene, unterstützen sie aber auch nach Beendigung einer Therapie bei der dauerhaften Umsetzung des Erlernten.

2017-10-17T14:26:17+00:00 28. Juli 2017|Gesundheit, Vorsorge|