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Unzufrieden mit Versicherung: 2017 zählen Bafin und Ombudsmann viele Verbraucherbeschwerden

Zahlreiche Verbraucherbeschwerden über Versicherungen gingen auch 2017 wieder beim Ombudsmann und bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein. Die Behörde untersteht dem Bundesfinanzminister und bearbeitete abschließend bis September 2017 insgesamt 5708 Beschwerden. Im gesamten Jahr zuvor betrug diese Zahl 7985 Fälle. Die Größe der insgesamt eingehenden Beschwerden wird sich für 2017 bei etwa 20.000 Fällen einpendeln. Davon rechtlich zulässig  sind allerdings deutlich weniger.

Mehr als 1000 Beschwerden in der PKV

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) veröffentlichte kürzlich die oben genannten Zahlen. Als Beschwerdegründe nannten die Kunden dabei vor allem zeitliche Verzögerungen bei der Bearbeitung ihrer Fälle und die Höhe der Versicherungsleistung. Immer wieder ging es auch um Grundsätzliches: Besteht für den entstandenen Schaden überhaupt ein Versicherungsschutz auf der Grundlage des abgeschlossenen Vertrages?

Wiederholt sind Kündigungsmodalitäten ein Grund für den Ärger der Kunden. Weitere Anlässe bilden Beitragsanpassungen und Vertragsänderungen. Auch bei den Sachbereichen, über die sich Kunden und Versicherer streiten, gibt es eine Rangfolge: Häufigster Streitpunkt bei den bis September 2017 eingegangenen 5708 Beschwerden war die Lebensversicherung (1383), gefolgt von der KFZ-Versicherung (1179) und private Krankenversicherung (1123).

Zu einem förmlichen Verwaltungsverfahren sah sich die BaFin in keinem der 2017 bis jetzt abschließend bearbeiteten Fälle gezwungen. Die Versicherer änderten Ihr Verhalten nach einer entsprechenden Aufforderung durch die Bundesbehörde.

Weg über Ombudsmann als Alternative

Ein anderer Weg für Kunden, ihre Forderungen durchzusetzen, führt über den Ombudsmann. Fast alle im Privatkundengeschäft tätigen Versicherer sind eigenen Angaben zufolge Mitglieder im Verein „Versicherungsombudsmann“ (PDF). Das verpflichtet die Konzerne zur Teilnahme an dem Schlichtungsverfahren. Dieser Weg ist für Verbraucher kostenfrei und wird vor allem bei Meinungsverschiedenheiten in den Bereichen Lebens- und Rechtsschutzversicherung genutzt. Der Ombudsmann moderiert eine außergerichtliche, gütliche Einigung. Liegt der Streitwert unter 10.000 Euro pro Fall, hat er das Recht, eine für beide Streitparteien verbindliche Entscheidung zu fällen.

Aktuelle Ereignisse mitbestimmend

Auf welchen Feldern sich Verbraucher und Versicherungen streiten, hängt auch von aktuellen Ereignissen ab. So sorgte der Abgasskandal um den Autohersteller VW dafür, dass Auseinandersetzungen im Bereich der Rechtsschutzversicherungen zunahmen. Darauf weist Prof. Dr. Günter Hirsch hin. Der ehemalige Richter und Staatsanwalt arbeitete auch im Ministerialdienst und ist seit April 2008 Ombudsmann für Versicherungen. Außerdem ist er über Beiräte für die BaFin tätig.

2018-01-08T15:17:12+00:00 9. Januar 2018|Gesetzlich, Politik, Versicherung|