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Untersuchung beweist positive Aspekte von Depressionen

Permanente Traurigkeit, geistige Abwesenheit und Apathie, aber auch körperliche Symptome wie Schlafstörungen und Verdauungsprobleme gehen mit Depressionen einher. Bei einem depressiven Menschen sind die emotionalen Abläufe und das gesamte Empfinden beeinträchtigt. In Deutschland leiden rund fünf Prozent der Bevölkerung an einer Depression, die behandelt werden muss. Weltweit ist die Depression die psychische Erkrankung, die am häufigsten festgestellt wird. Doch nun gibt es auch einen positiven Aspekt dieses Leidens. Bisher wurde sehr kontrovers diskutiert, ob eine Depression auch mit schlechteren Ergebnissen bei Aufgaben des Denkens und bei Entscheidungen einhergeht. Nun hat ein Forscherteam um Bettina von Helversen vom Institut für Psychologie der Universität Basel zusammen mit Forschern aus den USA und Deutschland nachgewiesen, dass in einer Depression auch positive Möglichkeiten stecken.

Computerspiel stellt Kandidaten vor Entscheidungen

Mit 54 Teilenehmern, darunter gesunde Probanden, Patienten mit diagnostizierter Depression und als geheilt geltende ehemalige Depressive, wurde eine Studie durchgeführt. Die Studienteilnehmer mussten ein Computerspiel spielen, das die Spieler vor Entscheidungen des Alltags stellte. So mussten Kandidaten für eine Mietwohnung, einen Parkplatz oder einen Job ausgewählt werden. Nach einem bestimmten Schema wurden den Spielern Kandidaten präsentiert, unter denen sie eine Auswahl treffen mussten. Der am besten geeignete Kandidat sollte benannt werden. Der Spieler mit der besten Strategie konnte mit der richtigen Auswahl eine Menge virtuelles Geld verdienen.

Depressive lösen analytische Aufgaben besser

Die Auswertung der Spielergebnisse erbrachte ein erstaunliches Ergebnis. Die depressiven Teilnehmer der Studie hatten eindeutig die Nase vorn und konnten die besseren Ergebnisse vorweisen. Die Probanden ohne Depressionen hatten sich nur eine begrenzte Anzahl von Bewerbern angesehen. Die Depressiven hingegen begutachteten mehr Kandidaten, suchten intensiver und hatten im Durchschnitt auch die besseren Bewerber ausgesucht. Die Auswertung brachte den Beweis für einen positiven Nebenaspekt der Depression. Grundsätzlich ist es unbestritten, dass eine depressive Erkrankung kognitive Fähigkeiten eher einschränkt. Doch analytische Schlussfolgerungen werden offenbar deutlich unterstützt und gefördert. Komplexe und auf verschiedenen Ebenen konstruierte Aufgaben können tatsächlich besser gelöst werden.

Entwicklung der Krankheit verstehen

Bettina von Helversen meint, dass ein besseres Verständnis der Erscheinungsformen und Auswirkungen von Depressionen dazu beitragen könnte, die Wurzeln und die ursprüngliche Entwicklung der Krankheit zu verstehen. So ist es denkbar, dass sich die Depression in der menschlichen Evolution etabliert hat, um vielschichtige Probleme zu lösen. Wenn beispielsweise ein Problem zu lösen war, könnte eine depressive Verstimmung hilfreich gewesen sein, konsequent und logisch-analytisch nach einer Lösung zu suchen. Es wären so qualitativ bessere Entscheidungen möglich.

Bessere Heilung durch neue Erkenntnisse

Doch das alles kann nicht dazu führen, die Depression insgesamt als positive Erscheinung zu sehen. Menschen mit Depressionen sind definitiv schwer erkrankt. Ohne Hilfe kann die Erkrankung sich dauerhaft etablieren und zu schweren psychischen und körperlichen Schäden führen. Es ist nur vielleicht möglich, mit dem neuen und vertieften Wissen um Entstehung und Aspekte neue Therapieansätze zu finden.

2017-10-16T10:28:11+00:00 6. Mai 2011|Gesundheit, Testberichte|