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Unterschätzte Folgen durch Antibiotika – weltweiter Konsum steigt um 65 Prozent

Antibiotika helfen gegen fast alle Krankheiten. Das ist nach wie vor die landläufige Meinung vieler Ärzte. Dadurch steigt der Absatz solcher Medikamente weltweit weiter an. Doch durch den hohen Konsum von Antibiotika steigt auch die Gefahr resistenter Keime, gegen die am Ende nichts mehr hilft. Ein Beispiel hierfür ist der weit verbreitete Krankenhauskeim MRSA. Etliche Antibiotika können gegen den Keim nichts mehr ausrichten, da dieser resistent gegen verschiedene Medikamente geworden ist.

Antibiotikaverbrauch um 65 Prozent gestiegen

Der Verbrauch von Antibiotika hat in den Jahren 2000 bis 2015 weltweit um 65 Prozent zugenommen. Dies hat das CCDEP, das US-Forschungszentrum Center for Disease Dynamics, Economics & Policy, hochgerechnet. Da die Studie einen Unterschied zwischen den reicheren und den ärmeren Ländern macht, zeigt sich außerdem, dass der Antibiotika-Verbrauch in den wechselnden Volkswirtschaften sogar um 114 Prozent gestiegen ist. Die Leiterin der Forschungsgruppe am CCDEP, Eili Klein, macht deutlich, dass es zwar positiv zu sehen sei, dass auch Menschen in Ländern wie China und Indien sich mittlerweile diese Medikamente leisten können. Dennoch sei eine stärkere Aufklärung hinsichtlich der Wirkungen und der Alternativen zu Antibiotika wünschenswert. Ein Antibiotikum „ist eben keine Wunderpille, die gegen alles hilft“, so Klein.

Antibiotika wirkungslos bei Virenerkrankungen

Ein Antibiotikum kann bei bakteriellen Erkrankungen hilfreich sein, wenn dieses sinnvoll eingesetzt wird. Gegen Virusinfektionen sind Antibiotika hingegen wirkungslos. Dennoch verschreiben auch die Ärzte in Deutschland häufig immer noch diese gegen Viren wirkungslosen Medikamente. Petra Gastmeier vom Institut für Hygiene an der Charité in Berlin: „Die Patienten fordern das direkt und immer wieder verschreiben die Ärzte dann Antibiotika, obwohl sie wissen, dass die bei Viren gar nicht wirken.“ Das Problem dabei ist, dass das häufige Einnehmen von Antibiotika nicht nur den Patienten selbst schaden kann, sondern ein Risiko und eine Gefahr für alle in sich birgt.

Projekt RESIST – Resistenzen bei Atemwegserkrankungen minimieren

Die Anwendung von Antibiotika hat immer zwei Seiten: Natürlich führen diese Medikamente dazu, dass z.B. Lungenentzündungen, die vor Jahrzehnten noch häufig tödlich endeten, heute fast immer in den Griff zu bekommen sind. Doch was auf der einen Seite gut und wichtig für die Behandlung von bakteriellen Erkrankungen ist, birgt auf der anderen Seite eine wachsende Gefahr. Durch die steigende Anzahl multiresistenter Erreger nimmt die Wirksamkeit dieser Medikamente ab. Die Anzahl der Menschen, die an diesen multiresistenten Keimen sterben werden, dürfte bis 2050 dramatisch ansteigen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) beteiligt sich gemeinsam mit dem Verband der Ersatzkassen (VdeK), dem Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Rostock und dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) an dem Modellprojekt „RESIST“. Ziel des Projektes ist es, Antibiotika bei akuten Atemwegserkrankungen in den Arztpraxen optimaler einzusetzen und Resistenzen einzudämmen. Für Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, steht die Aufklärung der Patienten und die Sensibilisierung für das Thema Resistenzen dabei im Vordergrund. Den Patienten ist der Unterschied zwischen Bakterien und Viren häufig nicht ganz klar, deshalb fordern sie aus Unwissenheit auch bei einer Viruserkrankung ein Antibiotikum. Laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sollen Ende 2019 die ersten Ergebnisse zu dem Modellprojekt vorliegen.

2018-04-12T15:58:30+00:00 12. April 2018|Gesetzlich, Gesundheit, International|