Universität Leipzig präsentiert neue Forschungsergebnisse bei Adipositas-Therapie

In den vergangenen Jahren hat sich auch in Deutschland Adipositas vom Randphänomen zur Volkskrankheit entwickelt. Ein chirurgischer Eingriff gilt als letzte Option, der ungesunden Gewichtszunahme Einhalt zu gebieten. Forschern des IFB AdipositasErkankungen der Universitätsmedizin Leipzig ist es jetzt im Kleintiermodell gelungen nachzuweisen, dass der Eingriff die Nahrungszufuhr nicht nur mechanisch reduziert sondern aus Auswirkungen auf den Appetit der Betroffenen hat.

Weniger Appetit auf fetthaltige Nahrung nach Eingriff

Das Phänomen ist nicht neu, aber verblüffend: Nach einer operativen Magenverkleinerung und dem damit einhergehenden chirurgischen Eingriff am Darm verliert ein großer Teil der Patienten mehr Gewicht als die verringerte Nahrungsaufnahme vermuten lassen würde. Viele Betroffene berichten im Arztgespräch über veränderten Appetit: Fetthaltige Nahrungsmittel lassen sie im Vergleich zur Zeit vor dem Eingriff eher für gesündere Alternativen stehen. Der Leipziger Forschungsgruppe um Dr. Wiebke Fenske gelang es nun, einen dahinterstehenden Mechanismus zu identifizieren. Dreh- und Angelpunkt ist offenbar das Molekül Oleoylethanolamid (OEA), das durch Fettzufuhr aktiviert wird und je nach Fettgehalt Sättigungssignale an das Gehirn sendet. Beobachtet werden konnte nun, dass dieses Molekül nach dem chirurgischen Eingriff bei Adipositas-Patienten schon bei geringer Fettzufuhr in größeren Mengen im Darm produziert wird. Mit anderen Worten: Unabhängig von der Nahrungsmenge reicht ein erheblich geringerer Fettanteil aus, um ein Sättigungsgefühl zu produzieren (PDF).

Fettsensor beeinflusst Sättigungs- und Glücksgefühle

Aber nicht nur auf die Sättigung nimmt das Molekül großen Einfluss – offenbar ist es auch in der Lage, das Lustzentrum des Gehirns zu aktivieren. Nach einer Magenverkleinerung wird der Forschungsgruppe zufolge erheblich schneller und mehr Dopamin gebildet, ausgelöst durch das OEA-Molekül. Das sogenannte Glückshormon nimmt Einfluss auf das Genussempfinden – größere und schneller freigesetzte Mengen bewirken damit, dass Adipositas-Patienten nach ihrem Eingriff eine Mahlzeit eher beenden, weil sie sich eher gesättigt und befriedigt fühlen.

Ansatzpunkt für neue Medikamente

Beide Wirkungsweisen des fettaktivierten Moleküls konnten erstmals nachgewiesen werden – und könnten als Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Medikamente zur Bekämpfung von Adipositas dienen. Entsprechende medikamentöse Therapien könnten auch dann zum Einsatz gelangen, wenn die chirurgische Therapie aus ärztlicher Sicht nicht möglich oder aus Patientensicht nicht erwünscht ist.

2017-05-19T16:09:40+00:00 16. Januar 2017|Allgemein|