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Umbau statt Schließung – Umwandlung kleiner Kliniken in ambulante Zentren

Wer auf dem Land wohnt und zum Doktor muss, hat mitunter ein Problem. Es finden sich kaum noch Nachfolger für dortige Ärzte und viele kleine Krankenhäuser können ihre Überkapazitäten kaum noch tragen. Ein Abbau würde jedoch bedeuten, dass Patienten und gerade ältere Menschen auf dem Land ohne medizinische Versorgung dastehen. Ein neues Konzept soll Abhilfe verschaffen: Ineffiziente Klinikstandorte können demnach in Gesundheitszentren umgewandelt werden, die ihre Patienten bedarfsgerecht versorgen.

Zentren mit erweitertem Betreuungsangebot

Ein vor kurzem in Berlin vorgestelltes Gutachten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) fand heraus, dass die Umwandlung kleiner Krankenhäuser zu ambulanten Zentren mit erweitertem Betreuungsangebot eine bessere Alternative zur Schließung der Kliniken darstellt. Die neuen “Intersektorale Gesundheitszentren” (IGZ) sind somit keine vollständigen Krankenhäuser mehr, sondern bieten eine begrenzte Anzahl an Betten an, in denen Patienten bei Bedarf mehrere Nächte bleiben dürften. Das Konzept der erweiterten ambulanten Versorgung (EAV) ermöglicht gleichzeitig eine ambulante und eine stationäre Versorgung – allerdings in geringerem Umfang. Dazu bedarf es jedoch erst noch rechtlicher Anpassungen, was die Verteilung des Budgets und der Arztkapazitäten betrifft.

Die Zentren gewährleisten – nach Umbau – eine Grundversorgung in den Bereichen Allgemeinmedizin, Innere Medizin sowie Chirurgie. Je nach Bedarf können diese Leistungen modular erweitert werden – zum Beispiel durch Kooperationen mit niedergelassenen Ärzten. Ambulante Operationen und eine Behandlung in Fachgebieten wie HNO, Dermatologie oder Urologie, sind somit realisierbar. Eine mehrtägige Betreuung im Rahmen einer erweiterten ambulanten Versorgung soll für maximal fünf Tage gewährleistet werden und ebenfalls durch die Ärzte in der Umgebung unterstützt werden.

Das Modell weckt Hoffnungen

Dieses Angebot stellt für die Patienten eine gute Alternative zum Krankenhausaufenthalt dar. Bürger und Bürgerinnen können dadurch bedarfsgerecht versorgt werden und unnötige Klinikaufenthalte werden verringert. In den ländlichen Regionen wird die existierende Versorgung somit verbessert und gleichzeitig werden ambulante Pflegedienste und kleinere Krankenhäuser wirtschaftlich und personell entlastet. Ein Hauptkostenfaktor stellt für letztere bisher die Finanzierung der vollstationären Krankenhausaufenthalte dar, die medizinisch nicht erforderlich sind. Das Modell ermöglicht es Krankenhausärzten zudem, sich voll auf diejenigen Patienten konzentrieren, die tatsächlich auf eine Behandlung in einer Klinik angewiesen sind. Arbeitsplätze und Standorte in den Kommunen bleiben erhalten und kleinere Krankenhäuser müssen nicht mehr länger um ihr Überleben kämpfen.

Sana-Klinik Templin baut 2019 um

Das bundesweite Modellprojekt „Innovative Gesundheitsversorgung in Brandenburg – Strukturmigration im Mittelbereich Templin“ läuft bereits seit 2016. Die Krankenkassen AOK Nordost und Barmer, die Kassenärztliche Bundesvereinigung, der Sana Klinikverbund und die Projektgesellschaft IGiB StimMT gGmbH haben jetzt eine positive Bilanz gezogen. Sie wollen gemeinsam neue Formen der Patientenversorgung schaffen und den Umbau des Sana-Klinikums in Templin zum Frühjahr 2019 starten. Die im April 2018 eröffnete Bereitschaftspraxis und die Spezialsprechstunden der Klinik kommen bereits jetzt gut bei den Patienten an. Dieses Projekt wird von Bund und Land mit einer Förderung von rund 10 Millionen Euro unterstützt. Das klingt alles sehr vielversprechend. Wie gut das Modell tatsächlich funktioniert, wird die Praxis zeigen. (jw)

Von |2018-12-07T11:56:02+00:007. Dezember 2018|Gesetzlich, Gesundheit, Politik|