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Tropenkrankheiten: Mediziner erwartet starke Zunahme

Ärzte in Deutschland müssen damit rechnen, dass in den kommenden Jahren Tropenerkrankungen immer stärker zunehmen werden. Gründe hierfür sind einerseits vermehrte Reisen der Deutschen in tropische Länder sowie andererseits der Klimawandel. Mit einem Anstieg der durchschnittlichen Temperaturen in Europa wandelt sich der Kontinent zu einem Lebensraum, der auch für Insekten geeignet ist, die sonst nur in wärmeren Gefilden in Asien, Afrika oder Südamerika leben.

Mehr Tropenkrankheiten durch Tourismus

Eine gute Nachricht für den internationalen Tourismus scheint zu sein, dass sich immer mehr Deutsche für Reisen in tropische Länder interessieren. Während das für Anbieter von Reiseversicherungen und Auslandskrankenversicherungen durchaus vorteilhaft klingt, kann es jedoch für so manchen Touristen mit Folgen verbunden sein: Denn sie können mit exotischen Erregern in Berührung kommen und diese unter Umständen auch mit nach Europa bringen. Welche krankheitsübertragenden Insekten es im Einzelnen gibt, hat unter anderem das Centrum für Reisemedizin (CRM) zusammen­getragen: Neben den Erkennungsmerkmalen wird auch das Verbreitungsgebiet der stechenden, beißenden oder saugenden Insekten dargestellt. Welche Krankheiten konkret übertragen werden und wie man sich schützen kann, ist ebenso Bestandteil der ausführlichen Übersicht.

Vor Reiseantritt gut über Reiseziel informieren

Wer eine Reise ins entfernte Ausland antreten will, sollte sich vor Reiseantritt gut vorbereiten. Dazu gehört nicht nur zu wissen, wann das beste Wetter ist oder wo es die schönsten Strände gibt. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich bei der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e.V. zu den empfohlenen Reiseimpfungen schlaumachen. Der Verein klärt in Merkblättern ausführlich über Erkrankungen auf, die typisch für südliche Gefilde sind, wie z.B. Gelbfieber (PDF). Auch die reisemedizinische Beratung des Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg ist äußerst hilfreich. Besucher der Internetseiten erhalten umfangreiche Informationen zu Vorsorgeoptionen einzelner Länder und Tipps, was die Reiseapotheke, abhängig vom Reiseziel, beinhalten sollte. Bekannt als Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger, ist das Hamburger Institut auch international anerkannt. Derzeit ist es z.B. vor Ort aktiv an der Lassa-Fieber-Diagnostik in Nigeria (Westafrika) beteiligt, dass aktuell den historisch massivsten Ausbruch dieser Krankheit erlebt.

Klimawandel bringt neue Erreger nach Deutschland

Ein größeres Problem stellt jedoch laut Emil Reisinger, Leiter der Abteilung für Tropenmedizin und Infektologie an der Universitätsklinik Rostock, der Klimawandel dar: Wird es in Europa zunehmend wärmer, könnten unsere Breiten zum Beispiel bald dauerhaft eine angenehme Umgebung für die asiatische Tigermücke (Video, 01:21) werden, so der MedizinprofessorSie überträgt Krankheiten wie Chikungunya, Zika oder das Denguefieber, die zum Teil ernsthafte Folgen für die Gesundheit haben.

Laut der Statistiken des Robert-Koch-Instituts (PDF) aus dem Jahr 2016 gab es in Deutschland 956 Fälle von Denguefieber, wohingegen es im Vorjahr noch 722 waren. Es wurden 222 Fälle von Zikaviruserkrankungen in Deutschland gemeldet. Diese Personen hatten das Virus aus Süd- beziehungsweise Mittelamerika mitgebracht. Die Erkrankungen an Chikungunya sind in den letzten drei Jahren kontinuierlich angestiegen. Bei den Mücken, die Chikungunya übertragen, kommt erschwerend hinzu, dass sie sich in den vergangenen Jahren über die gesamte Welt verbreiten: Sie werden in Wasserpfützen in alten Reifen auf riesigen Frachtschiffen von einem Hafen zum anderen transportiert und können überall schlüpfen. In Deutschlands Süd­westen wurde dieses Insekt bereits vor etwa zehn Jahren erstmals entdeckt.

Allgemeines Risiko innerhalb Europas gering

Professor Reisinger betont, dass es vorerst noch keinen Grund gibt, sich ernste Sorgen zu machen. Das Risiko einer Ansteckung mit Chikungunya, Zika oder Dengue ist und bleibt in Europa insgesamt sehr gering. Allerdings sollte man damit rechnen, dass in den kommenden Jahren und Jahrzehnten im Süden von Europa verstärkt Überträgertiere auftreten werden. Reisinger sieht hier Politik und Forschung in der Pflicht. Seiner Meinung nach sollte daher der Fokus auf der Entwicklung von wirksamen Stoffen zur Impfung liegen. Auch wenn der Zikavirus zum Beispiel für gesunde Erwachsene nicht lebensgefährlich ist, so kann er doch in der Schwangerschaft bei Ungeborenen schwerwiegende Schäden verursachen.

2018-04-19T15:51:32+00:0014. März 2018|Gesetzlich, Gesundheit, International, Versicherung, Vorsorge|