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Tierhalter haftet bei Schädigungen durch einen Katzenbiss

An einem Tag unternahm das Ehepaar einen Spaziergang mit dem Hund. Als die Urlauber zurückkamen, musste die Frau recht schnell ihren Hund im Badezimmer einsperren, denn mitten im Zimmer saß eine Katze. Das Tier gehörte zu der Familie, die im Nebenzimmer logierte. Die Katzenbesitzer hatten versehentlich die Balkontür nicht geschlossen. Die Katze hatte die Gelegenheit beim Schopf gegriffen und war auf eine Erkundungstour gegangen, die im Zimmer der Nachbarn endete. Die Hundebesitzerin versuchte mit allen Mitteln, die Katze zu verscheuchen, doch ohne großen Erfolg. Das Tier ließ sich weder vertreiben noch einfangen. Als die Katze sich neben einen Sessel setzte, sah die Frau ein Chance, den ungebetenen Gast loszuwerden und griff von oben nach dem Tier. Das gefiel dem Stubentiger aber gar nicht. Er biss in den linken Zeigefinger der Frau.

Ernsthafte Verletzung durch Katzenbiss

In der Nacht schmerzte der gebissene Finger und wurde sehr dick. Die spätere Klägerin suchte einen Arzt auf und wurde sofort in eine Klinik überwiesen. Dort wurde die Wunde behandelt. Doch damit nicht genug. Der Frau ging es immer schlechter. Sie musste sich deshalb einer Operation unterziehen. Das reichte aber nicht aus, um den Zustand der gebissenen Hand nachhaltig zu verbessern. Es gab eine ganze Reihe von Behandlungen, doch die Hand der Frau konnte nicht wieder vollständig geheilt werden. Es gab weiterhin Einschränkungen der Beweglichkeit. Bei der Arbeit muss sich die Frau öfter von ihren Kollegen helfen lassen.

Haftung für spätere Schäden

Die Haftpflichtversicherung des Katzenhalters zahlte der Frau Schadenersatz für die Behandlungskosten und ein Schmerzensgeld in Höhe von 1.250 Euro. Die verletzte Frau verlangte aber darüber hinaus noch eine Erklärung, dass der Versicherer für Folgeschäden durch den Katzenbiss haften müsse. Das aber lehnte die Versicherung ab. Die Wunde sei verheilt, weitere Schäden seien nicht zu erwarten. Außerdem treffe die Frau eine Mitschuld an den Ereignissen. Sie hätte die Katze keinesfalls selbst aus dem Zimmer entfernen dürfen. Dazu hätte sie das Hotelpersonal um Hilfe ersuchen können.

Versicherung muss Folgeschäden tragen

Diese Argumente aber konnten weder das Amtsgericht in der ersten Instanz (Aktenzeichen 15 C 1059/08) noch das Landgericht Bielefeld überzeugen. Die Richter an beiden Gerichten gaben der Feststellungsklage statt. Nach dem Gutachten eines medizinischen Sachverständigen ist es keinesfalls auszuschließen, dass eine solche Verletzung weitere Auswirkungen hat. Es ist deshalb theoretisch und praktisch durchaus wahrscheinlich, dass weitere materielle und immaterielle Schäden entstehen. Daher besteht für die Klägerin ein berechtigtes Interesse an der Feststellung, dass die Versicherung auch für solche Schädigungen zuständig ist.

Kein Mitverschulden der Klägerin

Den Vorwurf der Mitschuld wollten die Richter in beiden Instanzen überhaupt nicht akzeptieren. Sie konnten in dem Verhalten der Klägerin keinerlei Verantwortung für das Geschehen feststellen. Es stand für das Gericht fest, dass sie sich keiner Gefahr ausgesetzt hatte. Als sie versuchte, die Katze aus dem Zimmer zu schaffen, konnte sie die Aggressivität des Tieres nicht vorhersehen. Es könne ihr keinesfalls ein Vorwurf daraus gemacht werden, dass sie ohne das Hotelpersonal versucht hatte, die Störung durch die Katze so schnell wie möglich zu beseitigen. (Aktenzeichen 21 S 38/11)

2017-10-17T15:52:53+00:00 12. Dezember 2013|Recht, Versicherung|