//Superkeim entwickelt Resistenzen: Dringend neue Arzneimittel gegen Gonorrhoe nötig

Superkeim entwickelt Resistenzen: Dringend neue Arzneimittel gegen Gonorrhoe nötig

Eine der klassischen Geschlechtskrankheiten breitet sich in den letzten Jahren wieder vermehrt aus. Der Kampf gegen Gonorrhoe, auch Tripper genannt, wird immer schwerer. Denn der Erreger hat, wie bereits zahlreiche andere Superkeime – beispielsweise der als MRSA bekannte Krankenhauskeim – zunehmend Resistenzen gegen Antibiotika entwickelt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstellte hierzu eine Liste mit allen antibiotikaresistenten Superkeimen und verweist darauf, wie wichtig die Entwicklung neuer Antibiotika sei.

Erste hochgradige Resistenz entdeckt

Nach einem veröffentlichten Bericht des Robert-Koch-Instituts vom Mai 2016 ist die Resistenzentwicklung der Gonorrhoe gegenüber antibiotisch wirkenden Medikamenten offenbar ein globales Problem. Aus den Daten des Gonokokken-Resistenz-Netzwerks GORENET geht hervor, dass im Jahr 2014 rund 12 Prozent und 2015 10 Prozent der Erreger aus Deutschland eine Resistenz gegenüber Azithromycin, einem antibiotisch wirkenden Arzneimittel, entwickelt hatten.

Genaue Datenlage in Deutschland unklar

Die Daten, die an die WHO übermittelt werden, hängen in erster Linie ab von denjenigen, die einen Arzt aufsuchen und dort auf ‘Sexually transmitted infections’ (eng., kurz STI: sexuell übertragbare  Krankheiten) untersucht werden. Eine große Rolle spielt auch die Funktionsweise des Meldesystems sowie dessen Qualität. Laut DSTIG, der Deutschen STI-Gesellschaft, wurden zwischen 2003 und 2009 die Daten von ungefähr 250 Gesundheitseinrichtungen erfasst. In dieser Zeit wurden am häufigsten genitale Warzen sowie Chlamydien festgestellt. Mit der aktuellen Datenlage kann allerdings keine reelle Auswertung zu Infektionen in Deutschland erfolgen, eine Ausnahme bilden die erfassten Zahlen zu HIV und Syphilis.

Eine Meldepflicht für Geschlechtskrankheiten wurde im Jahr 2001 durch das Infektionsschutzgesetz abgelöst. Seit dem ist eine anonyme Labormeldepflicht nur noch für HIV und Syphilis vorgesehen. Als Ausnahme gilt Sachsen, das 2001 eine Meldepflicht für Tripper und Chlamydien-Infektionen einführte.

Folgen können gravierend sein

Eine Übertragung dieser bakteriellen Infektion kann bereits durch einfachen Schleimhautkontakt sowie ungeschützen Geschlechtsverkehr erfolgen. Die ersten Symptome sind bei Männern und Frauen sehr ähnlich. Infizierte Männer leiden nach wenigen Tagen an eitrigen Ausfluss und schmerzhaftem Wasserlassen. Bei Frauen zeigen sich die Symptome durch vermehrten Vaginalausfluss und ebenfalls Schmerzen beim Wasserlassen. Über die Gebärmutterschleimhäute kann sich diese Infektion bis zu den Eileitern ausbreiten und so eine Entzündung des kleinen Beckens hervorrufen. Langfristig können chronische Unterbauchschmerzen und Eileiterschwangerschaften die Folgen sein. Im schlimmsten Fall ist sogar eine Unfruchtbarkeit möglich.

Betroffene schwangere Frauen können ihr Neugeborenes bereits bei der Geburt anstecken. Daher ist eine Routineuntersuchung im ersten Drittel der Schwangerschaft vorgesehen. Zur Prophylaxe erhalten Babys in den ersten Tagen eine antibiotische Augensalbe, da die Infektion bei Neugeborenen die Augen befällt. Geschwollene Augenlider und Lichtempfindlichkeit sind die Folge.

Aufklärung und Bewusstsein schaffen

Eine Ausweitung der Anti-Aids-Kampagne auf Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhoe und Syphilis ist bereits geschehen. Die allseits bekannte Kampagne “Gib Aids keine Chance” wurde vor geraumer Zeit von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in „Liebesleben“ umbenannt und thematisiert mit witzigen Sprüchen und Karikaturen das Benutzen von Kondomen.

Auch die vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) geforderte wichtige Präventionsarbeit zu HIV und Aids schließt beim Geschlechtsverkehr übertragbare Krankheiten wie Tripper oder Syphilis mit ein. Gleichzeitig sollte besonders gegenüber schwulen Männern deutlich gemacht werden, dass Safer Sex genauso wie ein positiver und offener Umgang mit Sexualpraktiken das Risiko für gravierende gesundheitliche Folgen mindern: Denn nach wie vor sind sich Viele über die Auswirkungen einer möglichen Ansteckung nicht ausreichend bewusst. Kaum jemand macht sich schließlich vor oder während eines Schäferstündchens Gedanken zu einer möglichen Berufsunfähigkeit durch ansteckende Krankheiten.

Vorbeugen und sich somit vor Gonorrhoe und anderen Geschlechtskrankheiten zu schützen, ist nur durch das Benutzen von Kondomen sowie regelmäßiges Händewaschen gegeben.

Redaktion

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2017-09-23T20:11:17+00:00 26. Juli 2017|Gesundheit|