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Süß, süßer, teuer – Steuer auf Zucker soll Gesundheit fördern

Großbritannien und Irland machen es vor: Wer es süß möchte, zahlt ab sofort drauf. Das haben die beiden Länder nun beschlossen und besteuern zuckerhaltige Lebensmittel seit dem 06. April 2018 extra. Auch für Deutschland fordern Verbraucherschützer eine solche Steuer. Bislang jedoch ohne Erfolg.

Deutschland bleibt vorerst steuerfrei

Sie schmecken, machen Lust auf mehr und der Zucker ist unsichtbar. Die Gefahr aber bleibt für die meisten unerkannt. Die Rede ist von Süß-Getränken, wie etwa Cola oder Limonade. Dabei stecken in den meisten von ihnen mehr als vier Stücke Zucker pro Glas (Statistik). Wer regelmäßig süß trinkt, nimmt dadurch enorm viel Zucker zu sich und spielt mit der eigenen GesundheitVerbraucherschützer fordern deshalb eine zusätzliche Steuer auf “zu süße” Getränke und Lebensmittel. Großbritannien und Irland haben eine solche Steuer eingeführt und sind damit nicht die einzigen. Auch in Frankreich und den USA werden zuckerhaltige Getränke zusätzlich besteuert. In der US Stadt Berkeley reduzierte sich der Absatz von Softdrinks nach Einführung einer Steuer um rund 21 Prozent. 

Auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) befürwortet eine höhere Steuerabgabe für zuckerhaltige Lebensmittel bei zeitgleicher Senkung der Mehrwertsteuer auf gesunde Produkte. Verbraucher würden dadurch weniger Softdrinks kaufen. Möglicherweise würden Hersteller sogar den Zuckergehalt in deren Produkten reduzieren, um eben diesen Umsatzverlusten entgegenzuwirken. Die DDG fordert neben gesellschaftlichen Umdenken aber auch die Politik zu mehr Handlungsbereitschaft auf. Klar definierte Ziele und greifbare Strategien sind dabei unabdingbar. Derzeit wollen Politiker jedoch keine Zuckersteuer einführen. 

Erschreckende Folgen durch zu viel Zuckerkonsum

Dass die Untätigkeit der Politik besonders gefährlich für Kinder sein kann, zeigt sich beim EU-Pledge. In diesem hatten sich die Hersteller für Kinderlebensmittel zu einem verantwortungsvollen Marketing verpflichtet, doch ergab eine Untersuchung, dass 90 Prozent der beworbenen Lebensmittel eben nicht für eine gesunde Ernährung stehen. Experten von foodwatch sind sich einig, dass die Lebensmittelwirtschaft dabei nicht Löser, sondern Verursacher des Problems sei. In Deutschland sind fast 2 Mio. Kinder übergewichtig. Das rührt nicht zuletzt von einer schier falschen Ernährung her, die von Unternehmen massiv schön geredet und beworben wird. 

Sie werden schlichtweg nicht wahrgenommen – die Risiken von zu viel Zucker. Versteckt in zahlreichen Lebensmitteln, konsumieren wir in Deutschland allein mit Süß-Getränken mehr als 30 Gramm Zucker täglich. Das kann starke gesundheitliche Folgen haben, wie etwa Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. So starben allein in Deutschland 2017 rund 40.000 Menschen an den Folgen von Diabetes. Fast 40 Prozent der Todesursachen lassen sich auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückführen, auch wenn nicht alle davon durch eine Fehlernährung herbeigeführt wurden. 

Unternehmen reagieren auf Zuckersteuer

Noch vor Eintritt der Zuckersteuer in Großbritannien senkten einige Unternehmen, wie etwa Coca-Cola, den Zuckergehalt in Ihren Marken um bis zu 50 Prozent. Dennoch kritisierte foodwatch weiter, dass viele Unternehmen den Zucker durch Süßstoff austauschen werden. Um langfristig den Konsum von Softdrinks und anderen „Zuckerbomben“ zu reduzieren, muss jedoch eine Entwöhnung von dem Süßgeschmack erfolgen. Mit dem einfachen Ersatz durch andere Süßstoffe würde dies nicht erreicht.

Auch zahlreiche Bildungseinrichtungen haben das Problem von Zivilisationskrankheiten erkannt und greifen diese in Vorlesungen, Studiengängen oder Veranstaltungen auf. So auch die Hochschule Mannheim in der Vortragsreihe “forum mannheim”, in der es zuletzt um das Vorbeugen gegen Volkskrankheiten wie etwa Adipositas ging. Thematisiert wurde unter anderem, wie solchen Krankheiten mit einer gesunden Ernährung entgegengewirkt werden kann. Die Vortragsreihe existiert seit 2013 und beschäftigt sich mit der Entwicklung der Medizintechnik. Diese bietet die Hochschule Mannheim darüberhinaus als Studiengang an und orientiert sich dabei an den wachsenden gesellschaftlichen Themen. 

2018-04-17T14:09:58+00:00 17. April 2018|Ernährung, Gesundheit, International, Politik, Vorsorge|