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Studie des Umweltbundesamtes: Stickoxide gefährden Atemgesundheit

Mitten in der hitzigen Diskussion um die Diesel-Fahrverbote wurde eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) veröffentlicht. Nach dieser hat die bestehende Belastung der Luft mit Stickoxiden erhebliche negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Dasselbe gilt auch für den Feinstaub. Zuletzt wurde wegen der schlechten Luftwerte gegen Deutschland Klage erhoben.

Stickoxidbelastung in deutschen Städten

Stickoxide und Feinstaub belasten die Luft in Deutschlands Städten. Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) entstehen dann, wenn Holz, Kohle, Gas, Treibstoff oder Abfall verbrannt werden. Der Straßenverkehr ist die Hauptquelle für die beiden Stickoxide in der Umgebungsluft. Während benzinbetriebene Motoren kaum Stickoxide enthalten, geben Dieselfahrzeuge größere Mengen davon in die Luft ab. Das Umweltbundesamt hat nun ermittelt, dass zwischen 1990 und 2015 die Stickoxide in der Luft um 59% verringert werden konnten. Trotzdem ist die Belastung, vor allem in den Innenstädten, immer noch so hoch, dass der Grenzwert der EU noch vielerorts überschritten wird.

Stickstoffdioxid wird von den oberen Atemwegen nicht herausgefiltert und gelangt damit tief in die Lunge. Dort kann es die Bronchien reizen und Entzündungen hervor­rufen. In der Folge ergeben sich erhöhte Risiken für Asthma und andere Lungenerkrankungen, Schlaganfälle, Diabetes sowie Bluthochdruck.

Gefährlich hohe Werte deutschlandweit

Die Studie des Umweltbundesamtes hat die Ergebnisse von Messungen über mehre Jahre hinweg veröffentlicht. 2014 konnten etwa 6000 Todesfälle auf eine NO2-Belastung zurückgeführt werden, ebenso wie etwa 437.000 Fälle von Diabetes und 439.000 Fälle von Asthma. Zwar kann die Studie nicht beweisen, dass diese Todesfälle ausschließlich von der NO2-Belastung verursacht wurden. Aber die statistischen Zusammenhänge belegen laut UBA eindeutig die Korrelation. Es handele sich zudem um recht vorsichtige Mess- und Grenzwerte, die in den Studien verwendet wurden, weshalb die Zahlen tatsächlich nur einen Teil der Auswirkungen auf die Gesundheit abbilden.

In vielen deutschen Städten werden regelmäßig gesundheitsgefährdend hohe Werte an Stickoxiden gemessen. Auf einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin sagte Professor Dr. Joachim Heinrich von der Uni München, dass Gesundheitsgefahren aber auch dann lauern, wenn die Grenzwerte von Feinstaub und Stickoxiden deutlich unterschritten würden.

EU-Kommission verklagt Deutschland

Wegen der Luftverschmutzung hat nun die EU-Kommission beim Europäischen Gerichtshof gegen Deutschland Klage eingereicht.  Die Grenzwerte für Luftqualität werden laut Kommission regelmäßig überschritten. Zudem fehle das Engagement für geeignete Maßnahmen, um die Zeiträume in denen die Werte höher liegen, möglichst minimal zu halten. Mit der Klage soll mehr Druck ausgeübt werden, die jetzige Situation zu ändern, so Karmenu Vella, der für die Umwelt zuständige EU-Kommissar. Neben Deutschland wurden weitere Länder wie etwa Frankreich, Ungarn, Italien und Großbritannien verklagt. Sollte Deutschland vor Gericht eine Niederlage erleiden, hätte das hohe Strafzahlungen zur Folge.

Auch die Automobilindustrie steht immer wieder in der Kritik. So wollen die Grünen die Autohersteller stärker in die Handlungspflicht nehmen. Nicht zuletzt spielte auch der Abgasskandal bei VW für die Klage eine große Rolle. Es müsse endlich die Gesundheit der Bundesbürger geschützt werden, nicht die Umsätze der Automobilfirmen, so Europaabgeordnete Rebecca Harms.

Von |2018-05-22T13:56:02+00:0022. Mai 2018|Gesetzlich, Gesundheit, International, Politik, Recht|