Studie der Barmer GEK: Ostdeutsche leiden häufig an Übergewicht

Das ungesunde Übergewicht (Adipositas) ist ein Krankheitsbild, das sich schleichend entwickelt und bei dem sich die Symptome erst verspätet zeigen. Vom Normalgewicht ist es oft ein langer unmerklicher Weg zur höheren Belastung des Herz-Kreislauf-Systems, der inneren Organe und der Gelenke. Langjährige Beobachter der Gesundheitsentwicklung und medizinische Fachleute stellen sich die Frage: Wird die Problematik Adipositas nur intensiver wahrgenommen oder sind die Zahlen tatsächlich gestiegen? Der Klinikreport 2016 der Barmer GEK Krankenkasse beleuchtet dieses Thema und seine unterschiedlichen Facetten.

Steigende Fallzahlen bei Übergewicht und Behandlungszeitraum

In einer Betrachtung der letzten zehn Jahre zeigt sich nach Analyse der Krankenkasse eine erhebliche Steigerung der Menschen mit krankhaftem Übergewicht. Die Zahl der behandelten Patientinnen und Patienten stieg binnen zehn Jahren um 14 Prozent an und erreichte mit sieben Millionen Menschen einen neuen Höhepunkt. Neben einem Beratungsgespräch beim Arzt, geeigneter sportlicher Aktivität und einer Umstellung der Ernährung, gibt es Operationen, die den Magen-Darm-Trakt verändern, so dass ein früheres Sättigungsgefühl eintreten würde. Um Komplikationen während eines Eingriffs zu minimieren, können Patienten auch selbst dabei helfen, krankhaftes Übergewicht zu reduzieren, da diese sogenannten bariatrischen Operationen für die Krankenkassen sehr kostenintensiv sind. Die gesetzlichen Kassen bieten ihren Versicherten verschiedene Gesundheitskurse und ebenso Bonusprogramme zur Vorsorge an,  darunter Ernährungskurse, Yoga, Rückenschule und Wassergymnastik.

Adipositas im Vergleich der Bundesländer

Die Studie beinhaltet auch einige interessante Zahlen zum Anteil der Übergewichtigen sowohl in den Jahren 2003, als auch 2013. Im Sinne einer TOP3 der Anzahl der krankhaften Übergewichtigen belegten vor drei Jahren – neuere Daten werden nicht genannt – drei östliche Bundesländer die vorderen Plätze. In Mecklenburg-Vorpommern (20,6 Prozent) und Sachsen-Anhalt (20,3 Prozent) kann demnach mehr als jeder fünfte Bewohner als krankhaft übergewichtig bezeichnet werden. Erst auf Platz 5 findet sich das erste westliche Bundesland (Rheinland-Pfalz) mit 17 % im Jahr 2013. Blickt man auf das Problem Adipositas, scheinen die Menschen in vielen ostdeutschen Bundesländern also ungesünder zu leben als die Landsleute in den „alten“ Bundesländern.

Die drittniedrigste Rate krankhaft Übergewichtiger findet sich in Baden-Württemberg mit 14,1 Prozent, allerdings wird in der Studie ansonsten keine Begründung für die nach Bundesland unterschiedlichen Werte gegeben. Auffällig ist jedoch, dass es zumindest bei den in der Statistik „führenden“ Bundesländern einen gewissen Zusammenhang zwischen ungesunder Ernährung und durchschnittlichem Bruttosozialprodukt sowie hoher Arbeitslosigkeit geben könnte: Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt nehmen seit Jahren die „vorderen Positionen“ ein, wenn es um die Zahl der Empfänger von Grundsicherung bzw. Arbeitslosengeld II geht. Ob Obst und Gemüse tatsächlich zu teuer sind oder das Bewusstsein für gesunde Ernährung unzureichend ist, konnte in der Studie der Barmer GEK nicht ermittelt werden.

2017-05-19T16:09:50+00:00 2. November 2016|Allgemein|